Jantelagen- eine Realität

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Hans

Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Hans » 19. März 2008 10:40

[... vom Admin gelöscht ...]

Ich sehe diese Zeilen als eine gute Betrachtung was sich in der Tiefe
der schwedischen Volksseele tun kann.
Jederman weiss was Jantelag ist. Aber man spricht selten davon.
Es äussert sich interaktiv und social durch Schweigen oder sprachliche Pausen.
Auch die Sonne hat ihre Flecken
Grüsst
Hans
:smt006
Zuletzt geändert von Dietmar am 19. März 2008 19:29, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Ursprungstext gelöscht wegen Urheberrechtsproblemen

Storstadstjej

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Storstadstjej » 19. März 2008 10:47

Hans hat geschrieben:Du sollst nicht glauben, dass sich jemand um dich kümmert.

Das ist der einzige Teil, der nicht gelebt wird - schliesslich erwartet der Medelsvensson, dass Pappa Staat sich um ihn kümmert und ihm den Weg zeigt.

nysn

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon nysn » 19. März 2008 11:26

Ganz so schlimm finde ich es nicht - es wird nicht immer überall gelebt dieses "Jantelagen".
Besonders bei den jüngeren Menschen fällt es auf, die sind meist offener und aufgeschlossener gegenüber
dem "was von außen" kommt.

Deshalb finde ich es auch so gut mit "Mischungen" und "Vielfalt" - desto mehr man sich mischt - umso mehr bricht dieses "Wir und die anderen" auseinander. Denn wer sind denn dann noch die anderen, wenn man selbst ein Teil von ganz vielen ist?

S-nina

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Skogstroll » 19. März 2008 12:12

Geht mal aufs Dorf. Dort ist das jantelagen knallharte Basis des Daseins.
Es ist richtig, man redet nicht viel darüber. Åsa Larsson schreibt in ihren Büchern ein wenig darüber. Letztendlich ist es der Grund dafür, weshalb es extrem unpopulär ist, (akademische) Titel zu verwenden. Sowas erscheint auch in vielen grossen Unterehmen auf keiner Visitenkarte. Die Chefetage der LKAB lässt sich nicht in Norrbotten folkbuchführen, sondern im benachbarten Västerbotten, damit man nicht auf den in der Zeitung veröffentlichten Gehaltslisten auftaucht.

Das ist der Teil Schwedens, von dem kein Tourist etwas bemerkt.

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Gottfried » 19. März 2008 12:18

S-nina hat geschrieben:Ganz so schlimm finde ich es nicht - es wird nicht immer überall gelebt dieses "Jantelagen".
S-nina

Hej!
Versuch doch mal als "Ausländer" darüber zu sprechen....... Ich verspreche Dir, das wird richtig interessant werden. Meine Erfahrungen decken sich eher mit denen von Skogstroll. Selbst als "Unternehmer", eh schon höchst bedenklich in Schweden, solltest du dein Licht nicht zu sehr über den Scheffel stellen. Deutsche "Tüchtigkeit" ist eher ein Schimpfwort.


VG


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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Aelve » 19. März 2008 12:31

Hallo,

mir gefällt es besser, wenn man sein Licht unter den Scheffel stellt als umgekehrt sich mit seinem Wissen, seinem Besitz oder seinen Titeln zu brüsten. In Deutschland ist es doch gerade so oft umgekehrt, hier wird nur nach dem Auto geschaut, nach dem Titel, dem Beruf - also mehr nach dem Äußeren als dem Inneren. Guckt man dann mal unter den Deckel, dann stimmt vieles nicht so, wie es von einigen herausgekehrt wird. Der Doktor, Professor kommt auch nur aus einer einfachen Familie, das Auto stellt sich als Leasingobjekt dar und das Wissen ist manchmal nur Halbwissen.
Ich persönlich finde es besser, wenn man etwas tief stapelt als viel zu hoch. Ich bin der Meinung, dass sich in Deutschland zuviele Leute blenden lassen.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon nysn » 19. März 2008 13:26

Möglicherweise verstehe ich das gar nicht so richtig mit diesem "Jantelagen".
Soll das unter/zwischen den Schweden gelten oder nur den Schweden gegenüber der Aussenwelt.

Auf den Visitenkarten meines Mannes stehen sämtliche Titel drauf - auf Englisch und auf Schwedisch.
Auch finde ich nicht, dass die Schweden besonders "bescheiden" wären, verglichen mit den Deutschen:

In Deutschland ist es doch gerade so oft umgekehrt, hier wird nur nach dem Auto geschaut, nach dem Titel, dem Beruf - also mehr nach dem Äußeren als dem Inneren. Guckt man dann mal unter den Deckel, dann stimmt vieles nicht so, wie es von einigen herausgekehrt wird. Der Doktor, Professor kommt auch nur aus einer einfachen Familie, das Auto stellt sich als Leasingobjekt ...


In meiner Umgebung kommt es sehr wohl darauf an, ständig zu zeigen, was man hat/kann usw. Wird man in Schweden irgendwohin eingeladen, dauert es keine zwei Sekunden, bis man gefragt wird: "Vad jobbar du med?" (Was machst du beruflich?). Diese Frage kommt oft noch vor dem Namen. Anschließend wird man noch sondiert nach dem Wohnort (Stadt/Stadtteil) und ob man in Lägenhet (Wohnung) oder in "Villa" (Haus) wohnt.

Zu meiner Anfangszeit in Schweden haben mich diese Fragen ziemlich irritiert - heute beantworte ich die "strategisch klug" (also "lagom" - nicht zu sehr übertreiben, aber auch keinesfalls bescheiden). Als ich mal nachgefragt habe, warum das so wichtig wäre und dass ich mich dabei irgendwie "taxiert" fühle, wurde mir gesagt, dass die Schweden eben wissen möchten, mit wem sie es zu tun haben und keinesfalls Zeit vergeuden möchten mit jemandem, der sie nicht weiterbringen kann. :roll:

Doch hat das was mit diesem "Jantelagen" zu tun?

S-nina

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Skogstroll » 19. März 2008 13:30

Dass mit dem Tiefstapeln ist schon ganz okay, solange es auf Bescheidenheit beruht. Hier sprechen wir von knallhartem Druck, von extremem Gruppenzwang, der im Ausschluss aus der (Dorf-) Gemeinschaft gipfeln kann. Man darf nicht reicher sein als sein Nachbar, nicht besser, nicht schlauer, oder man versteckt es zumindest gut. Das ist ein perfektes Klima um helle Köpfe untenzuhalten.
Letztendlich spiegelt sich das auch in der Gehaltsstruktur wieder. Jeder Bergarbeiter mit Neunklassenabschluss und notdürftigen Schreibkenntnissen lächelt müde über das Gehalt eines Lehrers, der dazu auch noch an der Hochschule gebüffelt hat und am Ende mit seinem ganzen studielån gut verschuldet ins Berufsleben startet. Der Lehrermangel in Schweden hat seine Gründe! Bildung steht nicht sehr hoch im Kurs. Das mag im alten Bauernschweden funktioniert haben, in einer modernen Industriegesellschaft schafft das Probleme. Dazu kommt noch die bisweilen groteske, aber gesetzlich gut verankerte Rolle der Gewerkschaften.
Das Jantelagen ist ein furchtbarer Anachronismus, aber erschreckend lebendig!

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nysn

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon nysn » 19. März 2008 14:23

Bildung steht nicht sehr hoch im Kurs.


Das ist auch mein Eindruck, dass Bildung nicht den gleichen Stellenwert hat wie in Deutschland. Und nicht jeder, der gut ausgebildet ist, bekommt den "Chefsjob" in einem Unternehmen. Da zählen dann eher andere Dinge, wie Herkunft, Zugehörigkeit und halt wie gut man den "Code" beherrscht, sich nach "oben" anzudienen.

In Deutschland hatte ich in einem großen internationalen Unternehmen gearbeitet - und wenn man so will, könnte man auch sagen in der "Angeberetage". Damals dachte ich, es müsste schön sein, nach Schweden zu kommen, wo man auf solche Äusserlichkeiten nicht so sehr Wert legt und wo es bescheidener zugeht (das erzählten mir damals meine schwedischen Bekannten immerzu).

Als ich dann nach einigen Jahren hier in der schwedischen Realität angekommen war, habe ich erst mal lernen müssen, wie man so "RICHTIG ANGIBT" und auch wie man damit umgeht. Der Unterschied war jedoch - hier in Schweden hat nicht jeder Chef in der Vorstandsetage unbedingt studiert, nicht jeder hat zu seinem Dipl.-Ing. auch noch einen Dr., was in Deutschland bei meinem damaligen Arbeitgeber so ziemlich die Regel war. Hier gibt es eher alles gemischt - aber die Einbildung/Arroganz, so finde ich, ist hier oft immens höher.

S-nina

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Mark » 19. März 2008 14:30

Ich kann den ersten fuenf Jantegesetzen voll zustimmen!

Die erzeugen weniger Unfreundlichkeit, Ellbogendenken, Aufschneiderei und Neid... etwas womit man ausserhalb Schwedens mehr zu kaempfen hat, finde ich. Die restlichen kann ich teilweise nicht nachvollziehen, muss man vielleicht im historischen Zusammenhang sehen um das zu verstehen (Mittelalter)? Ich glaube vor allem das letzte Jantegesetz verstehe ich am wenigsten ("du sollst anderen nichts beibringen"), huch was soll das bedeuten...

Danke fuers interesante Posting!

/M


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