Jantelagen- eine Realität

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Gottfried
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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Gottfried » 19. März 2008 14:37

Aelve hat geschrieben:Hallo,

mir gefällt es besser, wenn man sein Licht unter den Scheffel stellt als umgekehrt sich mit seinem Wissen, seinem Besitz oder seinen Titeln zu brüsten.


Danke dafür, dass Du mich so missverstehen wolltest. :wink:

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Mark » 19. März 2008 14:43

S-nina hat geschrieben:Wird man in Schweden irgendwohin eingeladen, dauert es keine zwei Sekunden, bis man gefragt wird: "Vad jobbar du med?" (Was machst du beruflich?). [...] Anschließend wird man noch sondiert nach dem Wohnort...


Das werde ich auch von Schweden gefragt die einen einfachen Aushilfsjob haben und die sind dann auch nicht peinlich beruehrt wenn ich ihnen erzaehle dass ich einen "normalen" Job habe und Spass damit habe. Vielleicht sind die Leute mit denen du gesprochen hast einfach nur interessiert.

/M

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Aelve » 19. März 2008 14:50

Hallo Gottfried,

mein posting bezog sich nicht auf Deinen Beitrag. Ich habe es nur hier in Deutschland leider sehr oft erlebt, dass man unterschätzt wird, wenn man nicht gleich seine Hosen runterläßt, wenn man nicht mindestens ein Fahrzeug mit Stern fährt, nicht teure Markenklamotten trägt oder auch sonst insgesamt eher einen bescheidenen Eindruck macht. Das habe ich damit gemeint, dass mir das Tiefstapeln der Schweden besser gefällt als das Aufschneiden mancher Leute, bei denen man erst auf den dritten Blick erkennt, dass in Wirklichkeit nichts dahinter steckt. Mir ist nicht bewußt, dass Du irgendwo aufgeschnitten hast oder dass ich das von Dir so empfinde, mein posting war zufällig genau hinter Deinen Ausführungen, es bezog sich aber auf die Ausführungen davor.
Grüße Aelve
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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Imrhien » 19. März 2008 15:25

Wie immer, alles hat zwei Seiten. Natürlich finde ich es nicht schön wenn man nur nach Aussehen, Geld, Haus und Wohnort, Titel oder was auch immer beurteilt wird. Es ist aber gefährlich meiner Meinung nach, den Jugendlichen einzureden, sie seien nichts wert und wären nicht klug. Es kann nicht jeder gleich schlau sein. Es kann nicht jeder gleich nett oder gleich reich sein. Und wenn jemand sich selbst weniger zutraut als er kann, nur weil es verboten ist, sich mehr zuzutrauen, dann ist das schlecht. Dass jemand mit seinem Titel angibt, finde ich lächerlich. Es sollte aber ebenso nicht verboten sein, stolz auf eigene Leistungen zu sein und sie auch mit dem Titel zu zeigen. Dies zu unterdrücken ist für mich ebenso lächerlich wie das Angeben damit. Ich habe schon öfter gehört, dass es in Schweden solche Dinge gibt. Es hat mich schon immer irritiert und verunsichert. Wir leben hier nicht auf dem Land und ich hoffe, dass es in dieser Hinsicht mit der Zeit einen Wandel gibt. Wir haben diesbezüglich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, wir kennen aber auch recht viele junge Leute und bemühen uns natürlich erst mal nicht so dolle anzugeben. Es fällt aber natürlich auf, dass wir gerade ein Haus hier gekauft haben und andere wohnen in Mietshäusern in der Stadt. Bisher hat sich noch niemand irgendwie komisch verhalten oder den Kontakt abgebrochen... wir sind aber gespannt.
Bei meinem Mann steht der Dr. Titel übrigens auf der Karte drauf. Das hat sein Chef vorgeschlagen. Wir wussten schon, dass es hier eher unüblich ist und haben damit gerechnet, dass es nicht rauf kommt. Aber wie es aussieht hat es schon eine Rolle gespielt. Und sei es nur, weil sie wissen, dass es in Deutschland wichtig ist und sie mit deutschen Kunden arbeiten wollen... keine Ahnung. Jedenfalls hoffe ich, dass wir mit diesem Teil der schwedischen Kultur verschont bleiben und eher aufgeschlossenere Menschen treffen. Ich möchte meine Kinder gerne ermuntern mehr aus sich zu machen und ihre Fähigkeiten gut einschätzen und darauf stolz sein zu können.

Grüße
Wiebke

Hans

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Hans » 19. März 2008 16:49

Jante und seine Freunde gibt es im Dorf sicher auch.
In Schweden gibt es keine Dörfer so wie in Deutschland mehr.
So, das Jantegesetz ist für uns etwas anderes , mehr Gesellschaftlich durchgreifend.
Ob reich oder arm, das Jantegesetz existiert auf allen Ebenen. Sichtbar oder unsichtbar.

Man muss sich dessen Existenz bewusst sein.
Jante hat auch verschiedene Gesichter, anders im Norden als weiter unten.

Der Vorteil kann sein, dass es sich einschaukelt, zur Mitte hin.
Keiner ist besser als der Andere und auch nicht mehr wert.

Lagom ist eine gute Antwort auf Jante.
Und zu wissen das man nicht alles weiss.

Dann kann man sagen, das und das kann ich.
Und sehr gut.

Grüsst Hans

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon trollebjär » 19. März 2008 17:27

Skogstroll hat geschrieben: Åsa Larsson schreibt in ihren Büchern ein wenig darüber. Letztendlich ist es der Grund dafür, weshalb es extrem unpopulär ist, (akademische) Titel zu verwenden.

Skogstroll


hallo, da sag ich's doch mal wie die Schweden" Njaaa"

Schon mal einen Doktorsring gesehen?

Die Schweden tragen den Ehering ja an der linken Hand. An der rechten kann man dann bei studierten Personen einen Goldring Typ "etwas fetter" sehen. Der weist den Träger als promovierten Akademiker aus. Hat je nach Hochschule und Fakultät sein eigenes Design und scheint schon wichtig zu sein. Die allermeisten Doktoren tragen ihn nämlich.

Dann gibt es noch den "studentoverall", der je nach Frabe schon während der Ausbildung die Zugehörigkeit signalisiert. Und die "Studentmössa", die am 30. April (ist ja bald wieder soweit), von den alten Kameraden herausgekramt wird. Wer mal an der schwedischen Universität studiert hat, wird mit soetwas konfrontiert. Am deutlichsten ist die Insignienreiterei ganz klar an den "alten ehrwürdigen" Universäten (wo die Ausbildung natürlich mehr wert ist als an den "neuen universitäten".

So, das war's erstmal

Martina

Hans

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Hans » 20. März 2008 08:57

Jantelagen auf schwedisch
Aksel Sandemose i boken
En flykting korsar sitt spår (1933)

Du skall inte tro att du är något.
Du skall inte tro att du är lika god som vi.
Du skall inte tro att du är klokare än vi.
Du skall inte inbilla dig att du är bättre än vi.
Du skall inte tro att du vet mer än vi.
Du skall inte tro att du är förmer än vi.
Du skall inte tro att du duger till något.
Du skall inte skratta åt oss.
Du skall inte tro att någon bryr sig om dig.
Du skall inte tro att du kan lära oss något.

Dieses Gesetz wirkt sich auf allen Ebenen aus.
Est ist ein Allgemeingut und trifft Arm oder Reich, Gross oder Klein.
Zum Unterschied von der Dorfgemeinschft da es Dörfer nicht mehr gibt
hier in Schweden.
Jant & Co tritt verschieden auf,anders im Norden als im Süden von Schweden.

Man kann es manchmal in der schwedischen Politik sehen.
Dumheiten die auf dem Kontinent kaum beachtet werden sind hier harte Realität.
Je höher man sitzt dest tiefer fällt man.

Man kann das Jantegesetz auch umdrehen.
Aber es ist zu beachten dass Jante & Co oft unsichtbar und unmerklich in die sociale Struktur eingewebt ist.
Vorteil kann oft sein dass es sich in der Mitte einschaukelt
und man sich als mehr gleichberechtigt empfinden kann.
Ob Professor oder Arbeiter.
Man sagt du zu einander.
Alles andere wäre, gegen das Jantegesetz zu verstossen.

Ich sage du zu jeden.
Ob Statsminister oder Zahnarzt.
Zurück in Deutschland dann Herr und Frau und Sie.

So Jante % Co hat seine socialen und gesellschaftlichen Vorteile.
Gut zu wissen ist auch dass man weiss dass man nicht alles weiss.
Grüsst
Hans
:smt006

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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Hanjo » 20. März 2008 11:22

Hej,
ich habe es vor einigen Jahren unter http://www.hanjo-sverige.de/jantelagen.html so formuliert:

Zitat:
Heute ist der Begriff “Jantelagen” und die damit verbundene Bedeutung Allgemeingut in Schweden und in der Alltagssprache genauso integriert wie in den Medien. Das Wissen über dessen Bedeutung wird wohl vorausgesetzt und als ein Merkmal der eigenen Kultur (laut Henningsen als Identitätskonstruktion) verstanden, insofern auch nicht näher interpretiert.

Nach Henningsen war es (der inzwischen von den Wissenschaften vergessene) Olof Rudbeck (Olof Rydbeck 1630 - 1702) mit seiner Neuinterpretation der Schöpfungsgeschichte, mit der er die Überlegenheit des Nordens im allgemeinen und Schwedens im besonderen als Begründung für die Vormachtstellung Schwedens im damaligen Europa zu belegen versuchte. Indem er das gesamte zivilisatorische Wissen seiner Zeit auf den Norden projizierte, die Ursprünge von Mythen und Sagen aller damals bekannten Kulturen nach Schweden verlegte und damit wesentliche Bausteine eines Nordismus schuf, der in der schwedischen Großmachtzeit militärisch verstärkt worden ist und bis heute als “politische und moralische Überlegenheit” überlebt hat, gab er so den Schweden ein konstruiertes Selbstwertgefühl.

Die schwedische Pädagogin Ellen Key (1849 - 1926) beleuchtet in ihren Texten die kulturelle Bedeutung, die der Norden, d.h. Schwedens Natur für dieses konstruierte Selbstverständnis der Menschen hat:

Die unendliche, einsame Weite des schwedischen Nordens bewahren, in der der Mensch groß wird dadurch, dass er sich als klein empfindet.

Ausführlicher artikuliert und zu einer heute noch gültigen Ideologiekonstruktion fundamentiert wurde diese Einstellung dann letztlich durch Aksel Sandemoses Roman En flyktning krysser sitt spor.

Ein heutiger Grundstein des Jantegesetzes ist wohl die Überzeugung von der sozialen Gleichheit der Menschen. Die Unterdrückung von Individualität und Leistung, welche über das Mittelmaß hinausgehen, ist offenbar in Schweden besonders ausgeprägt, die Herrschaft des Mittelmaßes und der Konformität scheint nach Henningsen charakteristisch zu sein. Nach Stenius gilt die Abwesenheit von Subkulturen (Unangenehme Wahrheiten übergehen und damit die Identitätskonstruktion schönen) als grundlegende Eigenschaft der schwedischen Identität. So entstehe eine Form von Konformität, die das Leben nach strikten und engen Regeln organisiert - Norden als Lebensgefühl, Norden ist Kultur.

Das Gesetz von Jante könnte heute aber auch als überzeichneter Ausdruck für das schwedische Selbstbild in der Welt gesehen werden, das geprägt zu sein scheint von dem Gefühl, geografisch an der Peripherie zu liegen und in kultureller, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht aufgrund der geringen Bevölkerungszahl anderen Ländern gegenüber unterlegen zu sein (Henningsen). Darüber hinaus wird nach Stenius das Mittelmaß zum Ideal erhoben (lagom) und das Wort Elite bekommt einen unangenehmen Klang.

Beides könnte - in Zusammenhang mit den Einflüssen in der Historie - Schwedens global-familiären Zusammengehörigkeitswunsch (Folkhemmet) und sein nicht gering einzuschätzendes Nationalgefühl wie auch - evtl. dadurch bedingt - ein gewisses Einigeln, einen gewissen Abgrenzungswunsch (Wir sind anders, aber besser, lasst uns in Ruhe) zu anderen europäischen Gesellschaften, in denen Kreativität, Macht, Reichtum und Erfolg eine ideologisch überproportionalere Rolle einnehmen, begründen. Ein solcher Alleingang dürfte aber in der Zukunft nur schwer durchzuhalten, mindestens entwicklungshemmend, wenn nicht, wie ich meine, sogar wirtschaftlich, finanziell und auch sozial auf Dauer unmöglich sein.

Als heutige unmittelbare Folgen des Jantegesetzes sieht Henningsen daher das Scheitern von internationalen Geschäftsbeziehungen und die Schwierigkeiten von Einwanderern, sich in der schwedischen Gesellschaft zu etablieren.

Fortschreitende Internationalisierung und Einwanderung sind die größten Feinde des Jantegesetzes, aber auch gleichzeitig die besten Möglichkeiten, es zu überwinden.

Tatsache ist, dass in Schweden offiziell ungern über Gruppen gesprochen wird, welche bestehende gesellschaftliche Normen bewusst verletzen bzw. nicht anerkennen (Subkulturen). Bestimmte Probleme werden ignoriert nach dem Motto: Was nicht sein kann, das nicht sein darf; ich meine aber, man kann feststellen, dass sich diese Einstellung, wenngleich recht langsam, bereits in Richtung Realitätsbewusstsein bewegt.

Fakt ist m.E. aber auch, dass sich die Menschen dieses Landes mit Einflüssen von außen, insbesondere den ideologischen, noch immer recht schwer tun. So können unter anderem die schwedischen Antireaktionen auf ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union wie auch ihre Ablehnung der Einführung des Euros erklärt werden.

Wie oben bereits gesagt: Ich meine, wie damit umzugehen ist, muss jeder für sich selber feststellen. Für uns, die wir hier als Pensionäre lediglich in Ruhe leben (und die Schweden leben lassen) wollen, wie wahrscheinlich auch für die meisten Urlauber gilt unter diesem Aspekt eigentlich als Mindestmaß, nur davon zu wissen und es im Alltag und bei Gesprächen zu berücksichtigen. Damit können wir gut leben.

Vorrangig und stärker konfrontiert werden mit diesem Jantegesetz wohl die in Schweden einwandernden Menschen, die hier arbeiten wollen und der Meinung sind, den Schweden erst mal zeigen zu müssen, wo es lang geht.

Ich bleibe bei meiner Meinung:
Niemand hat das Recht, die Schweden zu missionieren. Sie werden von sich aus feststellen, was allein für sie richtig ist - zu einem Zeitpunkt, den allein sie für richtig halten.
Zitatende

Hejdå
Hanjo
der noch heute nach 6 Jahren Hiersein dieser Meinung ist
Wer seine Träume erfüllen will, muss erst einmal aufwachen
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Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon Aelve » 20. März 2008 12:07

Hej Hanjo,

das hast Du schön erklärt und auch gut abgeschlossen.

Hanjo hat geschrieben:Niemand hat das Recht, die Schweden zu missionieren. Sie werden von sich aus feststellen, was allein für sie richtig ist - zu einem Zeitpunkt, den allein sie für richtig halten.


Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 20. März 2008 12:20, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
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nysn

Re: Jantelagen- eine Realität

Beitragvon nysn » 20. März 2008 12:15

Fortschreitende Internationalisierung und Einwanderung sind die größten Feinde des Jantegesetzes, aber auch gleichzeitig die besten Möglichkeiten, es zu überwinden.


Deinen Beitrag finde ich sehr gut Hanjo!

Das mit diesem Jantelagen, finde ich, sollte man auch nicht übertreiben. Es ist ja schon eine Weile her, als das geschrieben wurde und Schweden verändert sich ja auch ständig - wie auch alles andere sich täglich dynamisch verändert. In Schweden mag es vielleicht etwas langsamer gehen, aber es kommt auch hier.

Am ehesten merkt man das wohl auch, wenn man sich so anschaut, was die Leute essen und was sie tun.
Vor 10 Jahren gab es in München an jeder Ecke irgendein italienisches Restaurant und jeder wusste, was Cianti, Espresso, Capuccino ist. Als ich dann nach Schweden umzog, war diese südländische Kultur noch recht unbekannt. Heute - ist Caffelatte usw. schon ein "Nationalgetränk" - "Spaghetti med köttfärssas" werden in der Schule fast wöchentlich serviert - häufiger fast als Köttbullar, Blodpudding habe ich jetzt schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Alle kochen mittlerweile mit Olivenöl - verschiedenste Sorten gibt es im Supermarkt!

Immer mehr Schweden verreisen überallhin - nicht mehr nur in die Sonne, die Leute wollen mittlerweile auch was erleben und die Göteborgs Posten hat auch seit ungefähr 10 Jahren eine Extrabeilage (2 dagars), wo wöchentlich Städte-/Kulturreisen usw. vorgestellt werden. Also längst nicht mehr der "Alkohol-/Sonnentourismus" wie noch vor 15-20 Jahren.

Die jüngeren Leute sind auch sehr an Kulturaustausch interessiert und auch von den großen Unternehmen wird dies sehr gefördert. Es gibt z. B. bei den großen Firmen inzwischen eigene Abteilungen für "Diversity/Mangfalt/Vielfalt". Man hat also erkannt, dass das für die Zukunft ein Wettbewerbsvorteil ist und dass es nichts bringt, sich "einzuigeln"/"sich abzugrenzen".

Klar, dass eine solche Entwicklung auch dauert und nicht von heute auf morgen überall sichtbar sein wird. Es ist aber nur eine Frage der Zeit und die Schweden sind ja auch, bei allem, was sie tun recht gründlich (wie die Deutschen halt auch), so wenn man was macht, dann auch richtigt.

Gruß,
S-nina


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