Jantelagen

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Haro
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Re: Jantelagen

Beitragvon Haro » 25. September 2008 19:50

Hejsan alle,

ich muss doch feststellen das ich ins Richtige Land ausgewandert bin. Einige Gründe wie Prahlerei u. Protzerei die hier einige Leute angeben waren auch für mich (uns) mit ein Grund Deutschland zu verlassen.
Übrigens habe ich mal den "Schweden Test" gemacht den Volker so gut findet und muss sagen, das finde ich auch. Ich habe auch ein wenig dabei geschmunzelt und es hat zwar einige Zeit gedauert da ich ein paar mal das Wörterbuch brauchte, :wink: habe aber als "Neuschwede" mit immerhin 72 % bestanden. :)
Eins macht mich allerdings sehr nachdenklich, wenn ich nun nach einiger Zeit hier im Forum manche Postings lese (auch hier) frage ich mich warum einige Leute überhaupt nach Schweden gegangen sind. Sie meckern über die Preise, Gesundheitssystem, Mücken und Gott weiß was in Schweden und würden gewiss am liebsten die Sachen und das System einführen weswegen sie Deutschland verlassen haben.
Einige haben scheinbar vergessen das wir hier Gäste in einem anderen Land mit anderen Sitten und Gebräuchen sind und froh sein können hier Leben zu dürfen.
Ich jedenfalls fühle mich hier auch "mit" Jantelagen in Schweden sehr wohl und nehme die Schweden so wie sie sind ohne sie missionieren zu wollen.

Gruß aus Småland :flagge:
Harald
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Aelve
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Re: Jantelagen

Beitragvon Aelve » 25. September 2008 20:03

Lieber Harald,

aus Deinen Worten spricht viel Weisheit. Der Verkäufer unseres Hauses in Älvsered hat den gleichen Namen wie Du - also Harald - und er wohnt noch im Ort Älvsered, zu ihm haben wir eine schöne Freundschaft aufgebaut. Er hat auch oft überlegt, ob er nach seinem Hausverkauf an uns, wieder nach Kiel zurück gehen soll. Dort wohnen seine Kinder, dort hat er Freunde. Aber auch er findet sich in Deutschland nicht mehr zurecht, fährt mal auf Besuch dort hin, aber seinen Lebensabend will er lieber in Schweden verbringen. Er hat noch nie über irgendwelche Nachteile in Schweden sich ausgelassen, natürlich läßtert er auch mal über irgendwelche Dinge, die dort kurios sind, aber im Großen und Ganzen ist Schweden seine Heimat geworden.
So erhoffen wir auch, dass wir in wenigen Jahren noch angenehme Zeiten in Schweden verleben können, dafür nehmen wir gerne Jantelagen in Kauf, laßen wir doch die Hektik aus Deutschland dann ein Stück hinter uns.

Und auch ich bin der Meinung, man kann nicht alles Gute zusammen erwarten, man muß nur überlegen, was das kleinere Übel ist, für mich sind die von einigen Auswanderern aufgezählten negativen Dinge, leicht ertragbar.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
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Re: Jantelagen

Beitragvon nysn » 25. September 2008 20:39

Eins macht mich allerdings sehr nachdenklich, wenn ich nun nach einiger Zeit hier im Forum manche Postings lese (auch hier) frage ich mich warum einige Leute überhaupt nach Schweden gegangen sind. Sie meckern über die Preise, Gesundheitssystem, Mücken und Gott weiß was in Schweden und würden gewiss am liebsten die Sachen und das System einführen weswegen sie Deutschland verlassen haben.
Einige haben scheinbar vergessen das wir hier Gäste in einem anderen Land mit anderen Sitten und Gebräuchen sind und froh sein können hier Leben zu dürfen.


Da ich mich zu den "kritischen" Personen hier in diesem Forum zähle - habe auch nur 59 % des lagom-Testes erreicht (nach 14 Jahren!! im Land) - möchte ich hier verraten warum ich hier bin:

Mir hat es in Deutschland (Bayern und Baden-Württemberg) sehr sehr gut gefallen und es gefällt mir dort immer noch.
Ich fühle nicht, dass ich hier Gast bin und dem Land in irgendeiner Weise zu Dank verpflichtet wäre - ich zahle hier Steuern, konsumiere und habe dafür gesorgt, dass Schweden einen potenziellen Rentenzahler mehr, plus einen Singel weniger hat. :D
Ich bin nur für einige Zeit umgezogen und hatte nie vor / habe immer noch nicht vor, "Schwedin" zu werden.

Warum ich meckere oder kritischer bin als andere, das kommt vielleicht auch daher, dass ich hier relativ jung, mitten in einer Karriere hierhergekommen bin und sofort in der schwedische Gesellschaft - hauptsächlich unter und mit Schweden - leben musste - und zwar voll - d. h. ich war gezwungen schnell Schwedisch zu lernen, da ich hier ein Baby hatte und einen Mann, der ständig auf Reisen war. Ich habe in meiner Zeit hier in Schweden so die meisten Institutionen/Behörden/Einrichtungen des Gesundheitswesens (inkl. Barnavardcentral) kennen gelernt und konnte so jede Menge Erfahrungen sammeln, die natürlich auch dazu führen, dass man mit seinem früheren Leben vergleicht.

Wenn man z. B. 10 Stunden lang in der Notaufnahme eines Krankenhauses (dem größten Krankenhaus in der 2. größten Stadt Schwedens) mit einem 6 Wochen alten Baby sitzt, dass von oben bis unten einen fürchterlichen juckenden Ausschlag hat und nur schwer atmet und man keine Ahnung hat, was dem Kind fehlt und einfach keinen Arzt treffen kann, weil noch so viele andere schwerere Notfälle zu behandeln sind und es nur einen einzigen Arzt gibt, weil zufällig Wo-Ende ist, ja dann überlegt man sich doch, ob an diesem Gesundheitssystem nicht etwas falsch sein könnte.

Ich habe mich damals übrigens mit meinen Baby eine Woche später in den Flieger gesetzt und konnte in München einen privaten Kinderarzt treffen - problemlos - danach hatte ich eine Diagnose (Kuhmilchallergie und schweres Asthma) und vor jedem zukünftigen Arztbesuch in Schweden habe ich mich anschließend vorher in München erkundigt, welche Fragen ich stellen und welche Behandlung ich verlangen soll.

Da ist nur ein Beispiel und trifft nicht auf jeden zu. Ich wollte nur aufzeigen, dass man nicht von sich auf andere schließen kann - jeder hat andere Gründe, warum er hier her kommt und jeder hat ein anderes Leben.

Wie ich auf deiner Website gelesen habe, bist du z. B. wohl ein knappes Jahr hier - du hast keine Kinder, bist Renter und noch in D krankenversichert. Das schützt dich z. B. davor, ähnliche Erfahrungen meiner zu machen. Du wirst dich auch nie mehr mit dem schwedischen Schulwesen auseinander setzen müssen und wirst dir wahrscheinlich auch keine Mietwohnung suchen müssen usw.

Daher finde ich es eigentlich ziemlich unfair über andere zu urteilen.

Und zum Jantelagen - das ist mir auch recht wurscht. Ehrlich gesagt habe ich noch nicht viel davon gemerkt - ich finde nämlich nicht, dass es ein Gesetz wäre - es sind Regeln, die in der deutschen Provinz genauso gelten oder mehr oder weniger auf jedem schwäbischen/bayerischen Dorf genauso praktiziert werden. Ja sogar in Süditalien auf dem Dorf verhalten sich die Leute ähnlich wie der schwedische Jante - der ist also quasi richtig international globalisiert.

Schweden ist schön - das spreche ich niemandem ab - und jeder, dem es beliebt, der soll auch gerne hierher ziehen. Mir behalte ich das Recht vor, kritisch sein zu dürfen - schließlich herrscht in Schweden auch Meinungsfreiheit.

S-nina

nysn

Re: Jantelagen

Beitragvon nysn » 25. September 2008 20:56

Noch ein Nachschub zu Protz und Prahlerei das es hier angeblich nicht geben soll:

In meiner Kommune habe ich heute gelesen "Kungsbacka Posten" - Überschrift: Finns det en bostad för alla? : gibt es mittlerweile das Problem
der Gentrifizierung - d. h. mittlerweile können sich gar nicht mehr alle leisten, hier zu wohnen. Es gibt Leute, die direkt ausgeschlossen werden - darunter Renter, Asylanten und alle anderen, die ein niedriges bis normales Einkommen haben.

Das lokale Blatt "Kungsbacka Posten" meint sogar schon es handele sich um eine "Super-Gentrifzierung" - was ich aber für übertrieben halte. (Die wollen wahrscheinlich auch nur etwas "angeben").

S-nina

unbekannt

Re: Jantelagen

Beitragvon unbekannt » 25. September 2008 21:48

Hallo Wiebke,

interessanter Link. Ich wollte bei meiner Wortwahl nur nicht die Fassung verlieren. Es ist nicht nur die Bildzeitung, über die ich den Kopf schütteln kann, sondern auch über die Regenbogenpresse, die ganze Verkaufsregale füllt. Inzwischen zweifle ich auch schon an den seriösen überregionalen Blättern. Meistens wird nur an der Oberfläche gekratzt. Was interessiert mich, was der eine Politiker sagt, um den anderen eins auszuwischen. Die wahren Sachverhalte werden dadurch eher noch verschleiert.

Hallo S-nina,

mein schwedisches Sprachgefühl ist zwar miserabel, aber muss das nicht heißen: "Finns det bostäder för alla?" statt "Gibt es EINE Wohnung für alle?" Ich habe Wohngemeinschaften immer als Notlösung angesehen. Wenn jemand auf schwedisch sagt: "Jag har en bil" meint er, dass er genau ein Auto hat und nicht zwei oder drei. Ich will hier nicht kleinkariert auf Fehlersuche gehen, mich interessiert das einfach, weil ich selbst ständig solche Fehler mache.

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Re: Jantelagen

Beitragvon Haro » 25. September 2008 22:39

Liebe S-nina,

S-nina hat geschrieben:Wenn man z. B. 10 Stunden lang in der Notaufnahme eines Krankenhauses (dem größten Krankenhaus in der 2. größten Stadt Schwedens) mit einem 6 Wochen alten Baby sitzt,
es tut mir ja leid das Du mit einem 6 Wochen alten Baby so lange hast warten müssen was bestimmt nicht angenehm ist (habe selber auch drei Töchter) aber ich denke das, dass vielleicht die berühmte Ausnahme ist die man nicht pauschal auf ganz Schweden ausweiten kann. Es mag sein das die Versorgung in manchen Gegenden Schwedens (Ballungsgebiete oder Einöde Lapplands) nicht so gut ist.
S-nina hat geschrieben:Wie ich auf deiner Website gelesen habe, bist du z. B. wohl ein knappes Jahr hier - du hast keine Kinder, bist Renter und noch in D krankenversichert. Das schützt dich z. B. davor, ähnliche Erfahrungen meiner zu machen.
Stimmt, ich bin zwar als Rentner nach Schweden ausgewandert und weiter über "D" versichert, wobei sich das nur auf "Pauschalzahlungen" der Deutschen Krankenkasse an die Schwedische Försäkringskassan beschränk. Ich habe deswegen genauso meine Zuzahlungen zu leisten, Termine zu machen oder so lange zu warten wie Du und jeder andere Schwede auch, ich habe dadurch keinerlei Vorteile nur weil ich Deutscher bin.
Da ich selber an zwei Chronischen Erkrankungen leide wovon eine sogar zeitweise lebensbedrohlich werden kann (möchte mich dazu aber nicht weiter äußern) habe ich auch schon das Schwedische Gesundheitssystem kennen gelernt. Ich habe bei uns hier in der Vårdcentral noch nicht länger als eine Woche auf einen Termin warten müssen und noch nie länger als 15 min im Wartezimmer gesessen. Außerdem war ich schon im Krankenhaus Oskarshamn und Kalmar, wo ich auch innerhalb einer Woche Termine bekam und jedes mal nach ca. einer halben Stunde fertig war ohne lange warten zu müssen. Des weiteren bekomme ich hier in Schweden gute Medikamente mit weniger Nebenwirkungen verschrieben die ich zuletzt in Deutschland nicht mehr bekam. (Gesundheitsreform)
Yvonnes Oma musste in "D" ein dreiviertel Jahr (9 Monate) auf eine Hüft OP warten, obwohl sie vor Schmerzen nicht zu laufen wusste. Ich selber musst in "D" auch schon drei Monate auf einen Krankenhaustermin warten. Das Privatpatienten den Kassenpatienten in "D" vorgezogen werden ist ja nun bewiesen und unumstritten.
Es gibt mit Sicherheit immer und überall Extremfälle und Ausnahmen die man nicht verallgemeinern kann.
Ich für meinen Teil fühle mich hier in Schweden besser versorgt wie in Deutschland weil hier der Arzt Zeit für mich hat, ich nicht nur trotz "PN" eine Nummer bin und ich mich nicht als Kassenpatient hinter Privatpatienten anstellen muss.
Vielleicht habe ich aber auch nur ganz einfach Glück gehabt in eine Gegend Schwedens gezogen zu sein, wo die Versorgung für Deutsche besonders gut ist. :wink:

Gruß aus Småland :flagge:
Harald
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nysn

Re: Jantelagen

Beitragvon nysn » 26. September 2008 07:33

mein schwedisches Sprachgefühl ist zwar miserabel, aber muss das nicht heißen: "Finns det bostäder för alla?"


Hej Volker,

habe über die Überschrift nicht sonderlich nachgedacht - sondern die einfach so von der Zeitung abgeschrieben. :D

Was ich in Schweden eigentlich immer ganz gut finde, ist, dass die Journalisten am Ende des Artikels immer ihren Namen nennen und eine Telefonnummer angeben.

In diesem Fall kann man sich wenden an:
Gustaf Görfelt
Reporter
gustaf.gorfelt@kungsbackaposten.se

Man wird sogar aufgefordert das zu tun, indem man auf die Frage antwortet:

"Går det att bygga billigare bostäder?"

s-nina

nysn

Re: Jantelagen

Beitragvon nysn » 26. September 2008 07:54

Nachtrag - Umfrageergebnis - Befragter: Schwede, männlich, 44, Dipl.-Ing.:

Überschrift: Finns det en bostad för alla?

Der Befragte sagt, das heißt übersetzt:

Gibt es eine Wohnung für jeden? Alla also "Jeden" - nicht alle.


S-nina

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Re: Jantelagen

Beitragvon Aelve » 26. September 2008 07:57

Hallo,

diese Dinge, die hier als negativ aufgezeichnet werden, gibt es nach meiner Meinung, in jedem Land. Da sie so negativ sind, behält man sie natürlich in Erinnerung, die Fälle, die alle glatt liefen, erwähnt man ja gewohnheitsmäßig gar nicht mehr. Das scheint mir hier bei der Aufzählung der Negativseiten in Deutschland genauso wie in Schweden der Grund zu sein. Generell aber muß man doch schauen, ob solche Negativdinge an der Tagesordnung sind, ob es die Möglichkeit gibt, diese Dinge abzustellen oder sich zumindest beschweren zu können, wenn man nun einmal an eine Person geraten ist, die ihr Handwerk nicht verstand oder einfach zu faul oder zu bequem war, sich einer Sache anzunehmen. In Deutschland hat man nach meiner Erfahrung kaum eine Chance, irgendwo gegen vorzugehen. In Schweden gibt es immerhin den Ombudsmann, den man anrufen kann. Ich komme mir hier in Deutschland oft so ohnmächtig vor, so rechtlos. Man muß sovieles in Kauf nehmen, was eigentlich nicht der Normalität oder der Menschenwürde entspricht. Das stört mich ungemein. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass alles verfilzt ist, von den Behörden angefangen, über die Gerichte und über die großen Firmen, die laufend neue Untergesellschaften gründen, im die Rechte der Arbeitnehmer auszuhebeln.
Es gibt hier nur noch wenig Ehrlichkeit, Firmen nehmen sich Rechtsanwälte, um berechtigte Beschwerden von Kunden abwimmeln zu können, die Behörden machen ohnehin was sie wollen, da kann ein Hartz IV Empfänger noch so schlecht gestellt sein trotz jahrelanger Einzahlung, das interessiert niemanden. Ich meine, hier tritt man das Recht der Bürger mit den Füssen, es vergeht hier in Hamburg kaum ein Tag, an dem Menschen nicht auf die Strasse gehen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Ich lebe ja nicht in Schweden, kann also nur von gelegentlichen Aufenthalten sprechen, aber ich denke nicht, dass diese Dinge in Schweden so krass sind wie in Deutschland. Da wird mit den Menschen einfach besser umgegangen. Neulich habe ich gerade irgendwo gelesen, Kinder und alte Menschen haben in Schweden sehr viele Rechte. Und meine Meinung ist, wie ein Land, wie eine Firma, wie jeder Mensch einen Schwächeren behandelt, daraus kann man auf das Land, auf die Firma auf den Menschen schließen.
Ich liebe Schweden dafür, dass es sich für die Kinder, die Schwächeren, für die Behinderten und für die Alten einsetzt und sie gut behandelt.
Und das gehört auch mit zum Jantelagen, dass sich nicht jemand stark vorkommt, nur weil er gerade das Glück hatte, eine gute Arbeitsstelle zu finden. Weil er gute Voraussetzungen hatte, dass aus ihm etwas geworden ist. Dass seine Eltern ihm eine gute Ausbildung ermöglicht haben. Darüber kann jemand glücklich sein, aber er muß deshalb nicht überheblich werden und meinen, dass er was besseres wäre als andere, die nicht diese guten Voraussetzungen vorfanden in ihrem Leben.
Aus der Sicht heraus ist für mich Jantelagen etwas Positives.

Grüße Aelve
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nysn

Re: Jantelagen

Beitragvon nysn » 26. September 2008 08:41

Ich liebe Schweden dafür, dass es sich für die Schwächeren, für die Behinderten und für die Alten einsetzt und sie gut behandelt.


@Haro: Ich freue mich für dich, dass es bei Euch so gut geklappt hat und wünsche dir und deiner Familie alles Gute und noch viele schöne Tage in Schweden.

@Aelve: Wir sind uns im Großen und Ganzen ja auch einig - es gibt wahrscheinlich kein Land, in dem alles perfekt ist - auch nicht in Schweden.

Eine Voraussetzung, dass man überhaupt merken/spüren kann, was in seiner Umgebung so passiert, und dass man überhaupt kritisch sein kann, ist doch auch, dass man die Sprache beherrscht - man muss verstehen, was in den Medien geschrieben wird und man muss auch "zwischen den Zeilen" lesen können. Dazu braucht man sicherlich viele viele Jahre und ich würde mir nicht anmaßen, dass ich überhaupt in der Nähe davon bin. In Zweifelsfällen frage ich immer meinen Mann, was der davon hält und wie er das sieht - denn der ist hier geboren und aufgewachsen.

Zu Aelves obigen Posting - noch eine Nachricht aus der schwedischen Realität:
Leider werden die Schwächeren auch hier immer mehr benachteiligt - es trifft auch hier immer häufiger zu: The Money talks!

das heißt: die schwächeren Pensionäre/Rentner sind in Schweden auf den kommunalen Service angewiesen - der gekennzeichnet ist von Einsparungen. Die reicheren ziehen in private Serviceheime - genau wie in Deutschland oder verbringen ihren Ruhestand gar in Südfrankreich, wo sie weniger Steuer zahlen müssen, aber die Gesundheitsversorgung besser ist als in Schweden.

Neulich wurde hier diskutiert, dass in Stockholm ein privates Kinderkrankenhaus eröffnet wurde - das gleiche Krankenhaus ist jetzt auch für Göteborg geplant.

In meiner Kommune - die ich hier ja auch immer wieder beschrieben habe - sollen nun alle Grundschul-Kinder ab der 3./4. Klasse einen eigenen Laptop von der Kommune gestellt bekommen.
Schön - ja, aber das geht nur, weil diese Kommune einfach viel Geld hat.

S-nina


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