Immernoch deutsches Kindergeld?!

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Sachsbaer
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Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon Sachsbaer » 22. Februar 2009 20:11

@Heike,

es geht nicht darum, den Harz IV-Empfänger zum Buhmann zu machen, sondern es geht darum, dass das ganze System so "Krank" ist, das keiner mehr durchblickt und die Leute sich selbst kümmern müssen. Problem ist, das die Gesetze, als Grundgerüst sich kaum ändern, aber das wichtigste sind die Verordnungen und Durchführungsbestimmungen die das tägliche Leben in den Amtsstuben regeln. Das ändert sich ständig, oder ist von Absatz zu Absatz widersprüchlich, weil die geänderte Änderung geändert wurde, ohne alles im Zusammenhang zu sehen (ich habe mich damit erst herumschlagen müssen, als ich meinen Gesundheits-und Sozialfachwirt gemacht habe).
Ich will auch keinen zum Gesetzesbruch aufrufen, aber wenn das "Sein oder Nichtsein" eine reine Auslegungs- und Definitionssache ist, dann kann ich auch so "Frech" sein, das ganze nach meinem Vorteil auszulegen, das macht der Staat schliesslich auch. Denn wer nur mal paar Jahre ins Ausland geht hat Anspruch, wer für Immer geht nicht. Wer weis, ob man wirklich für Immer geht, das kann man sich ein dutzend Mal anders überlegen.
Am Ende geht es doch darum, dass wir für unsere Kinder das Optimale wollen, was ihnen zusteht. Wir wollen uns ja nicht am Kindergeld "bereichern" sondern den Kindern das bieten können, was sich für eine glückliche Entwicklung brauchen. Und bei einigen sichert es, dass sie um die Runden kommen und ihre Kinder immer satt bekommen. Den von den paar € wird keiner Reich.
Jörg, der alte "Sachsbaer"

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Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon HeikeBlekinge » 22. Februar 2009 20:16

da stimme ich dir durchaus zu, hansbear!
Hatte hier nurmehr aus einigen Bemerkungen anderer etwas anderes herausgelesen ;-)
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

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Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon CarolinMaria » 22. Februar 2009 20:21

Ja vielen Dank euch allen

und vorallem dir S-nina!
Ich werde demnächst mal das Bafögamt in Dresden fragen. Man muss ja noch nichts von einem dauerhaften Aufenthalt ausgehen. Erstmal allgemein fragen, was wäre wenn... Und bei der Familienkasse werde ich mich auch erkundigen wegen dem Kindergeld.

:danke:

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Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon CarolinMaria » 22. Februar 2009 20:25

Dir hansbaer mus ich voll und ganz recht gebe. Meine Mutti ist seit Monaten fertig mit den Nerven. Sie arbeitet bei der Krankenkasse und muss wöchentlich bis zu 10 neue Änderungen in den Kopf bekommen alte Anträge nochmal aufrollen, weil sich im Nachhinein wiedr was geändert hat, aktuelle bearbeiten, die sich nächste Woche schon wieder ändern können. Das System und der Behördenjungle ist so verwirrend, dass sich letztlich nicht mal mehr die Sachbearbeiter und eigentlich Zuständigen damit auskennen oder gar durchblicken!

hansbaer

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon hansbaer » 22. Februar 2009 21:46

Noch ein Wort zum Kindergeld: ich bezog mich in meinem letzten Beitrag auf die Eltern. Wenn in Deutschland wohnhafte Eltern im Ausland wohnende Kinder haben, die in Deutschland Anspruch auf Kindergeld hätten, dann ist es möglich, dies zu beziehen. Das ist dann ja auch in Ordnung, denn das Kindergeld ist ja zur Unterstützung der Erziehungsberechtigten gedacht, und diese sind in Deutschland. Nicht korrekt hingegen wäre der doppelte Bezug von Kindergeld.

@S-Nina: so wie ich die schwedische Studentenkultur bislang wahrgenommen habe (und das habe ich ja aus erster Hand :-) ), ist es ziemlich unüblich, sich von den Eltern finanzieren zu lassen. Man hat ja im Sommer noch drei Monate, um Geld zu verdienen. Es ist durchaus möglich, mit dem Geld über die Runden zu kommen.

Entgegen deinem Eindruck würde ich hingegen sagen, dass dies beim Bafög eher selten der Fall ist.
http://de.statista.com/statistik/diagramm/studie/262/umfrage/hoehe-bafoeg-stipendium-pro-monat-im-letzten-jahr-in-euro/
Ob das seriös ist, weiß ich nicht. Die generelle Richtung dürfte aber stimmen: nur ein relativ geringer Prozentsatz erhält den vollen Bafög-Satz. Rund die Hälfte erreicht bestenfalls den halben Satz.

Beim Studiebidrag hat man im Gegensatz zum Bafög alles selbst in der Hand hat. Bei letzterem ist es nämlich so, dass sich die nahen Verwandten ihre Besitz- und Einkommensverhältnisse erklären müssen. Das hat schon etwas von Sippenhaft, wenn man nachher weniger Unterstützung erhält, weil die Geschwister gut verdienen.

Bei den Studiemedel kann man hingegen wählen, wieviel man ausschöpfen möchte. Sollte man dann nachher über die Freigrenzen kommen, zahlt man mit erhöhtem Zinssatz zurück - aber versehentlich zuviel Geld verdienen ist etwas, das man in den Griff bekommen kann :-)

Insgesamt finde ich das schwedische Fördersystem besser. Beim Bafög ist nämlich vor allem störend, dass das Beantragungsverfahren so umständlich ist. Da werden Unsummen für die Verwaltung ausgegeben. Wenn ich mich recht erinnere, hat ein Bafög-Antrag 8 Seiten, ein CSN-Antrag nur 2.

nysn

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon nysn » 22. Februar 2009 23:53

@S-Nina: so wie ich die schwedische Studentenkultur bislang wahrgenommen habe (und das habe ich ja aus erster Hand ), ist es ziemlich unüblich, sich von den Eltern finanzieren zu lassen. Man hat ja im Sommer noch drei Monate, um Geld zu verdienen. Es ist durchaus möglich, mit dem Geld über die Runden zu kommen.


Nun Hansbaer es ist schon eine Weile her, dass ich mit schwedischen Studenten zu tun hatte. Mein Sohn ist erst 14 und heute morgen, als ich so die Zeitung las, und diese Zahlen sah (ca. 700 Euro) plus eine Aufstellung, wie teuer ein Zimmer, die Lebenshaltungskosten usw. sind, da dachte ich mir, es ist doch besser, ich spare schon mal selber, sodass ich meinen Sohn - ganz entgegen der hiesigen schwedischen Mentalität - dann unterstützen kann.

Als ich meinen schwedischen Mann in München getroffen hatte, da war die Studentenzeit für ihn und seine Kollegen noch nicht sehr weit weg. Ich habe immer solche Geschichten gehört, wie gut es den Schweden doch ginge, dass sie während des Studiums nicht arbeiten müssten und welch pantastisches Leben sie mit CSN führen könnten.

Inzwischen bin ich quasi der "Finanzminister" bei uns zu Hause - sprich ich zahle die Rechnungen und tätige unter anderem die Überweisungen an CSN. Diese Rückzahlungen wurden genau dem jeweiligen Einkommen und Zinsen angepasst und ich kann dir versichern, ich bin froh, dass mir meine eigenen Eltern das erspart haben.

Ich selber halte nichts von dieser Mentalität und ich bin kein Freund von schwedischer Sozialdemokratie - schon gar nicht von diesem schwedischen Wohlfahrtsstaatmodell. Meiner Meinung nach dient es dazu, so viele wie möglich in einer Art Staatsabhängigkeit zu halten (nicht ganz arm, aber auch nie wohlhabend und frei). Hier kann ich ein Buch empfehlen - Dick Kling
"Radhusproletärer och ombudskapitalister". Ich stimme nicht mit allem, was darin steht, überein - es enthält doch einen wahren Kern.

I slutet av månaden blir det stilla i klädbutikerna och tyst i taxiväxlarna. Generösa bidragssystem har krävt höga skatter som gjort det näst intill omöjligt att spara. Tryggheten har köpts till priset av otryggheten att vara helt beroende av löpande inkomster och politiska beslut.

Vår finske granne är dubbelt så rik som svensken, och italienaren är sex gånger så rik. Förmögenhetsfördelningen i Sverige är ojämnare än i USA.


http://www.timbro.se/bokhandel/books.as ... 9175666068

Überhaupt finde ich, dass das Bild, das die Schweden selbst von sich und ihrem Land im Ausland zu vermitteln suchen, sowie das, das die gemeinen Deutschen so von Schweden haben, in vielem nicht stimmig ist. Aber das ist eine persönliche Wahrnehmung. Aus rein persönlicher Sicht - so im Rückspiegel betrachtet, würde ich nicht mehr nach Schweden umziehen.

Und auf meine persönliche Situation bezogen, muss ich auch sagen, dass ich auch Glück hatte, und erst hierher gekommen bin, als ich schon über 30 war und mich in einem Lebensabschnitt befand, wo meine berufliche Karriere durch eine Babypause quasi auf natürliche Art und Weise unterbrochen war.

Für einen jungen Menschen, der strebsam ist und am Anfang seiner beruflichen Karriere steht, finde ich, gibt es bessere Länder als Schweden, wo man leichter vorwärts kommen kann und die einen weiter bringen. Aber auch das ist - wie fast alles - Ansichtssache.

S-nina

hansbaer

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon hansbaer » 23. Februar 2009 09:23

S-nina hat geschrieben:Inzwischen bin ich quasi der "Finanzminister" bei uns zu Hause - sprich ich zahle die Rechnungen und tätige unter anderem die Überweisungen an CSN. Diese Rückzahlungen wurden genau dem jeweiligen Einkommen und Zinsen angepasst und ich kann dir versichern, ich bin froh, dass mir meine eigenen Eltern das erspart haben.

Ich selber halte nichts von dieser Mentalität und ich bin kein Freund von schwedischer Sozialdemokratie - schon gar nicht von diesem schwedischen Wohlfahrtsstaatmodell. Meiner Meinung nach dient es dazu, so viele wie möglich in einer Art Staatsabhängigkeit zu halten (nicht ganz arm, aber auch nie wohlhabend und frei). Hier kann ich ein Buch empfehlen - Dick Kling
"Radhusproletärer och ombudskapitalister". Ich stimme nicht mit allem, was darin steht, überein - es enthält doch einen wahren Kern.


Ich bin Mitglied der Sozialdemokraten, und auch wenn ich in der Partei ganz klar eine Minderheit bin, weil ich Einrichtungen wie die Bostadskö oder Systembolaget gar nicht schätze, muss ich dir da etwas widersprechen.

Das deutsche System fördert erwiesenermaßen die Ungleichheit. Im OECD-Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern, in denen die soziale Herkunft am stärksten die Bildung beeinflusst. In Schweden ist das klar besser, denn die staatliche Förderung steht allen zur Verfügung und erlaubt das Leben auf einem passablen Niveau. Von 7800 kr kann man selbst in Stockholm noch einigermaßen leben. Dass ein Student alleine mit Hilfe des Staates studieren kann, fördert die soziale Durchgängigkeit, weil es ihn unabhängig von den äußeren Gegebenheiten macht.

Dass man das zurückzahlen muss, ist eben nicht der kritisierte Wohlfahrtsstaat, in dem man Leistung ohne Gegenleistung hinterhergeworfen bekommt. Es hat übrigens einen guten Nebeneffekt: den Typus des Bummelstudenten, der in Deutschland eine oft anzutreffende Erscheinung ist, ist mir hier kaum untergekommen.
Wo ist es denn besser als in Schweden? In Großbritannien und den USA starten Akademiker mit einem Minus von 100.000 € und mehr ins Berufsleben - und diese Kredite wurden oft zum marktüblichen Zinsen abgeschlossen. Gibt es etwa ein Land, in dem einem der Staat das ganze Studium finanziert?

Dass diese Rückzahlungen so ein Klotz am Bein sind, würde ich auch etwas in der schwedischen Einstellung verorten, geliehenes Geld als eigenes zu betrachten. Hierzulande zahlt man lieber jahrzehntelang Zinsen anstatt das Schuldenniveau schnellstmöglich auf Null zu bringen. Man sieht das ja massiv bei den Wohnungskrediten.
Eine Gängelung des Staates zu sehen fällt mir jedenfalls schwer. Bis auf die Kåravgift (je nach Uni 30-50 €) ist das Studium in Schweden vollständig gebührenfrei. Dass einem der Staat niedrigverzinste Kredite (derzeit 2,1%!) zur Finanzierung des Studiums anbietet, ist auch nicht selbstverständlich. Ich habe gerade einmal nachgeschaut: der Bildungskredit der Kfw hat beispielsweise einen Zinssatz von über 6%.

Der zitierte Abschnitt ist natürlich Polemik. Dass man vom laufenden Einkommen abhängig ist, stellt sich ja auch in anderen Ländern so dar. Auch ist fraglich, wo man denn in den sozialen Leistungen kürzen will, wenn diese angeblich zu hoch sind. Das Gesundheitssystem ist so schon ziemlich bescheiden, und die schwedische Sozialhilfe ist auch nicht gerade üppig.
Der Italiener mag sechsmal so reich sein, hat dafür aber ein Staatswesen, das im Democracy Index schon als "Flawed Democracy" eingestuft wird. Das Staatsdefizit ist enorm. An Finnland kann man sich da schon eher orientieren - vielleicht stehen die besser da, weil Strafzettel nach Einkommen gestaffelt sind :-)

Den unter dem Link gemachten Vorschlag, die Pensionsfonds dem einzelnen Bürger anteilig zu überantworten, halte ich jedenfalls für neoliberalen Quatsch. Das macht man einmal, und ein paar Jahre später geht die Altersarmut durch die Decke.

nysn

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon nysn » 23. Februar 2009 10:46

... muss ich dir da etwas widersprechen.


Hej Hansbaer,
damit habe ich schon gerechnet ... :D

Irgendwie bin ich von Haus aus nicht so ganz "geeignet" für Schweden und deshalb habe ich es hier wohl auch etwas schwieriger, mich mit der Mentalität abzufinden. Besonders dieses Verschulden geht mir gegen den Strich - aber in Grossstädten hast du fast keine andere Wahl. Und es scheint vom Staat durchaus so gewollt zu sein - nicht umsonst bekommst du 30 % Steuernachlass für Kreditzinsen. Komischerweise sind aber gerade hier die CSN-Zinsen nicht mehr abzugsfähig.

Das deutsche System fördert erwiesenermaßen die Ungleichheit. Im OECD-Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern, in denen die soziale Herkunft am stärksten die Bildung beeinflusst. In Schweden ist das klar besser, denn die staatliche Förderung steht allen zur Verfügung und erlaubt das Leben auf einem passablen Niveau.


Es mag sogar sein, dass die Förderung für Studenten hier für eine sogenannte Gleichberechtigung aus finanzieller Sicht sorgt. Dass die soziale Herkunft in Schweden die Bildung nicht beeinflussen würde, entspricht nicht der Realität.

Hier muss man außerdem klar unterscheiden - Schwede und Migrant. Möglicherweise ist der Anteil der schwedischen Studenten aus der sog. "arbetarklassen" hier geringfügig höher als in Deutschland - die Migranten - auch in der 3. Generation werden in den Schulen und später am Arbeitsmarkt diskriminiert und systematsich ausgegrenzt. Und das empfinde ich hier in Schweden weitaus schlimmer als in Deutschland.

Ich kenne hier in Göteborg Migranten, die haben nicht nur einen Abschluss als Diplomingenieur der Hochschule Chalmers sondern obendrein noch einen MBA der Handelshochschule und sie müssen froh sein, dass sie Jobs im "hemtjänst" bekommen. Viele von denen sagen, dass sie besser nach Großbritannien, USA oder Kanada gegangen wären - denn dort hätten sie bessere Chancen gehabt. Denn dort zählt in erster Linie tatsächlich die Anstrengung/Leistung und nicht primär der Nachname oder die Herkunft.

Dann bin ich auch dafür, dass die Eltern mehr Verantwortung für das Wohl der Kinder haben sollen als der Staat.

S-nina

nysn

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon nysn » 23. Februar 2009 10:58

Wo ist es denn besser als in Schweden? In Großbritannien und den USA starten Akademiker mit einem Minus von 100.000 € und mehr ins Berufsleben - und diese Kredite wurden oft zum marktüblichen Zinsen abgeschlossen. Gibt es etwa ein Land, in dem einem der Staat das ganze Studium finanziert?


... das hatte ich noch vergessen.

Mag sein, dass die Ausgangslage in den USA so ist - doch dort hast du auch reelle Chancen über einen guten Arbeitsplatz und ein gutes Gehalt deine Schulden im Laufe eines Arbeitslebens abzuzahlen und dir ein kleines eigenes Vermögen aufzubauen.

In Schweden kenne ich nur wenige Akademiker, denen das gelungen wäre.

Und da brauche ich auch nicht mit den USA zu vergleichen - du musst ja nur nach Baden-Württemberg oder Bayern schauen - eine Karriere in einem dortigen internationalen Unternehmen bringt dich weiter als eine vergleichbare Anstellung in Schweden.

S-nina

hansbaer

Re: Immernoch deutsches Kindergeld?!

Beitragvon hansbaer » 23. Februar 2009 14:09

S-nina hat geschrieben:Irgendwie bin ich von Haus aus nicht so ganz "geeignet" für Schweden und deshalb habe ich es hier wohl auch etwas schwieriger, mich mit der Mentalität abzufinden. Besonders dieses Verschulden geht mir gegen den Strich - aber in Grossstädten hast du fast keine andere Wahl. Und es scheint vom Staat durchaus so gewollt zu sein - nicht umsonst bekommst du 30 % Steuernachlass für Kreditzinsen. Komischerweise sind aber gerade hier die CSN-Zinsen nicht mehr abzugsfähig.


Diese Verschuldungskultur finde ich auch befremdlich - und das ist noch freundlich ausgedrückt. Heute morgen habe ich wieder Werbung in der U-Bahn gesehen, wo einem voraussetzungsfreie Kleinkredite mit einem Zinssatz von bis zu 25% angeboten wurden. Offenkundig gibt es genügend Leute, die sich auf so einen Deal einlassen wollen.
Einen Wohnungskredit aufzunehmen ist ja nichts falsches. Falsch ist lediglich, dass man keine Anstalten macht, ihn zurückzuzahlen. Die Schuldenlast wird einfach als nichtexistent angesehen und die Zinsen als Miete.

Dass die CSN-Zinsen nicht abzugsfähig sind, ist allerdings auch noch nachvollziehbar. Die genannten 2,1% sind in der aktuellen Situation nicht einmal ein Inflationsausgleich.

Es mag sogar sein, dass die Förderung für Studenten hier für eine sogenannte Gleichberechtigung aus finanzieller Sicht sorgt. Dass die soziale Herkunft in Schweden die Bildung nicht beeinflussen würde, entspricht nicht der Realität.


Das wollte ich auch nicht behaupten. Die Durchgängigkeit ist aber definitiv höher als in Deutschland, was die Ergebnisse von PISA beispielsweise klar belegen.

Ich kenne hier in Göteborg Migranten, die haben nicht nur einen Abschluss als Diplomingenieur der Hochschule Chalmers sondern obendrein noch einen MBA der Handelshochschule und sie müssen froh sein, dass sie Jobs im "hemtjänst" bekommen. Viele von denen sagen, dass sie besser nach Großbritannien, USA oder Kanada gegangen wären - denn dort hätten sie bessere Chancen gehabt. Denn dort zählt in erster Linie tatsächlich die Anstrengung/Leistung und nicht primär der Nachname oder die Herkunft.

Dann bin ich auch dafür, dass die Eltern mehr Verantwortung für das Wohl der Kinder haben sollen als der Staat.


Du wirfst hier aber zwei Dinge durcheinander: Gleichheit in den Bildungschancen und Gleichheit bei Lohn und Anstellung.

Bislang ging es ausschließlich um ersteres, und da ist aus meiner Sicht keine Ungleichbehandlung vorhanden, weil die Ausbildung jedem gleichermaßen offen steht, vollkommen egal, wie die Eltern verdienen. Ein Versagen des Staates kann ich da nicht erkennen. Insofern verstehe ich auch nicht, was du mit "mehr Verantwortung" meinst. Der Sohn des Dönerbudenbesitzers sollte gleiche Chancen haben, eine Universität zu besuchen, wie die Tochter des Rechtsanwalts. Das ist in Schweden eher gegeben als in Deutschland und den genannten Ländern. In den USA sind die Mitglieder von Minderheiten oft nur dank Quotenregelungen an den Universitäten. Von Chancengleichheit kann kaum die Rede sein, denn sonst ist kaum zu erklären, wie ein gewisser George Walker Bush trotz erkennbar beschränkter Fähigkeiten auf die Yale University gelangt ist, die eine der besten Universitäten des ganzen Landes ist - einem Sohn einer Migrantenfamilie wäre das wohl nicht gelungen.

Ich will es zwar nicht verteidigen, aber die von dir genannten Länder haben teilweise eine jahrhundertealte Einwanderertradition. Natürlich ist Schweden nicht perfekt, was die Gleichstellung von Migranten angeht, aber man sollte nicht die schwedischen Bildungschancen an die amerikanischen Karriereaussichten koppeln.

Bessere Chancen mögen Immigranten in den USA auf dem Arbeitsmarkt haben. Dort hätten sie die Bildung, die ihnen in Schweden zugänglich ist, nicht so leicht erhalten.

Natürlich wäre es toll, unter schwedischen Bedingungen zu studieren, um dann amerikanische Hochqualifiziertenlöhne zu erhalten. Aber: you can't have it all.
Die Schweden haben sich bewusst für eine egalitäre Gesellschaft entschieden, und auch wenn sie diesem Ziel noch nicht so nahe sind, wie sie es gerne in ihrem Selbstbild präsentieren, so hat diese Idee doch einige Vorzüge, die ich im existenziellen Konkurrenzkampf, wie er in den USA praktiziert wird, vermisse.


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