Immer mehr Jugendliche wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung

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svenska-nyheter
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Immer mehr Jugendliche wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung

Beitragvon svenska-nyheter » 27. Oktober 2008 10:47

Immer mehr junge Erwachsene werden wegen Drogenmissbrauchs klinisch behandelt. Laut einem Bericht des Zentralamtes für Gesundheit und Sozialwesen waren im Jahre 2007 fünfmal so viele Schweden zwischen 15 und 24 Jahren wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung wie vor 20 Jahren. Die Zahl derjenigen, die wegen Alkoholmissbrauchs behandelt wurden, war dreimal so hoch wie im Jahre 1987. Das Institut für Volksgesundheit erklärt den Anstieg damit, dass der Alkohol- und Drogenkonsum bei jungen Erwachsenen zugenommen habe.




(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

bjoerkebo

Re: Immer mehr Jugendliche wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung

Beitragvon bjoerkebo » 27. Oktober 2008 11:06

Nicht nur das.
Wir haben nebenan eine psychologische Praxis.Wenn ich sehe wieviele junge Leute da immer so reinspazieren fragt man sich wirklich ob die Menschen heute eigendlich nicht mehr in der Lage sind ihr Leben selbst einigermaßen im Griff zu haben.
Aber auf der anderen Seite ist es ja gut wenn man Hilfe annehmen kann.

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frasimi74
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Re: Immer mehr Jugendliche wegen Drogenmissbrauchs in Behandlung

Beitragvon frasimi74 » 27. Oktober 2008 12:06

bjoerkebo hat geschrieben:Wir haben nebenan eine psychologische Praxis.Wenn ich sehe wieviele junge Leute da immer so reinspazieren fragt man sich wirklich ob die Menschen heute eigendlich nicht mehr in der Lage sind ihr Leben selbst einigermaßen im Griff zu haben.
Aber auf der anderen Seite ist es ja gut wenn man Hilfe annehmen kann.


Hej Miriam,

du kannst mir glauben: Die Zahl der Menschen, welche psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, wird
in den nächsten Jahren noch viel stärker steigen. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und alle Altersklassen.
Der zunehmende Druck (sei es schulisch oder im Berufsleben, oder auch Privat), Stress und auch die Angst
vor dem, was in Zukunft kommt, nimmt immer mehr zu und führt genau zu diesen Problemen.

Da meine Frau genau in diesem Bereich (Betreuung psychisch kranker Menschen) als Dipl.-Soz.-Päd. arbeitet,
kann ich dir, zumindest was die Situation in Deutschland angeht, einiges berichten.

Meine Frau hat vor 10 Jahren für ihren Arbeitgeber begonnen, eine Werkstatt für psychisch kranke Menschen aufzubauen.
In dieser Einrichtung werden die Personen tagsüber betreut. Des weiteren bietet die Einrichtung auch Arbeitsplätze an,
an denen für externe Firmen Teile montiert und gefertig werden. Die Tätigkeiten und Anforderungen werden natürlich auf
die Personen und ihre Leistungsfähigkeit angepasst.

Begonnen haben sie damals mit 15 Personen. Heute (meine Frau ist aktuell im Erziehungsurlaub) sind in der Einrichtung
knapp 100 Personen und die Einrichtung ist damit "rappelvoll". Es wird gerade über eine Erweiterung und Ausweitung verhandelt,
da die Zahl der in Frage kommenden immer mehr steigt.

Und wenn ich mir anschaue, welche Personengruppen und Altersklassen in dieser Einrichtung vertreten sind, dann wird mir wirklich
Angst und Bange. Und diese Personen sind ja nur die Spitze des Eisberges. Es sind jene, die sich gar nicht mehr alleine versorgen
können und teilweise nur mit starken Psychopharmaka einigermaßen über die Runden kommen.

Die breite Masse der psychisch Kranken landet gar nicht in einer solchen Einrichtung. Viele werden durch den Hausarzt oder einen
Psychologen betreut und nehmen weiterhin "ganz normal" (mehr oder weniger) am täglichen Leben teil.

Das Problem ist:
Eine psychische Erkrankung ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Tabu-Thema und wird viel zu oft totgeschwiegen.
Man sieht einer Person einfach nicht gleich an, dass sie psychische Probleme hat. Man trägt keinen Gips, hat kein Fieber und keine
"laufende Nase". Zudem werden viele als schwach dargestellt und igeln sich deshalb immer mehr ein, was zu einer Verstärkung der
Probleme und Symptome führt.
Und: Alleine schafft man es einfach aus einer psychischen Erkrankung oder Depression selten raus. Man benötigt medizinsche Hilfe
und auch die Unterstützung der Familie, von Freunden und vom Arbeitgeber. Und genau da beginnt oft das Problem, ...

Es gäbe noch viele Punkte, die ich aufführen könnte, aber die würden den Rahmen aktuell doch etwas sprengen.
Was mir jedoch wichtig ist: Wir alle (die Betroffenen und gerade auch die aktuell nicht Betroffenen) müssen lernen, mit dieser Krankheit
offen umzugehen und niemanden als schwach und unfähig abzustempeln, was aktuell noch viel zu oft passiert.
Denn: Ich kann selbst der Nächste sein, der zum Betroffenen wird.

Frank
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