Hochschulreife ohne Schwedisch?

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unbekannt

Re: Hochschulreife ohne Schwedisch?

Beitragvon unbekannt » 27. Mai 2015 09:40

Ist ja schön und gut, aber ein sehr großer Anteil der Flüchtlinge in Schweden kommen aus Ländern mit Arabisch als Haupt- oder Verkehrssprache. Aus historischen Gründen ist das Englische (und Amerikanische) in diesen Staaten die Sprache des Feindes und damit unbeliebt, da diese Sprache mit Unterdrückung, Landnahme, aufgezwungenem verruchten westlichen Lebensstil und Besatzung verbunden wird.

Schweden kommt also nicht daran vorbei für eine erfolgreiche Integration von Anfang an auf einen umfassenden Schwedisch-Unterricht zu setzen. So zeigt man den jugendlichen Flüchtlingen auch, dass sie in Schweden als Teil der schwedischen Gemeinschaft vorbehaltlos willkommen sind. Für entwurzelte Menschen ist dies sehr wichtig für eine Identitätsfindung. Was soll aus durchschnittlich begabten schwedischen Abiturienten mal werden, die nicht ganz perfektes Arabisch als Muttersprache haben, auf einer eher nur intellektuellen Ebene ganz gut Englisch können aber mehr schlecht als recht Schwedisch können? Wie fühlen sich diese Menschen? Nicht besonders gut und in keiner Kultur so richtig beheimatet, nach meiner Meinung. Solche Menschen sind schon mal auf dem Arbeitsmarkt stigmatisiert und als Freunde, Bekannte oder im Verein gibt es Vorbehalte. Schlechte Karten also auf der ganzen Linie.

Wer als Flüchtling gut Englisch kann, kommt meistens aus den ehemaligen britischen Kolonien. Diese Gruppe zieht es so oder so eher nach Großbritannien, womit ganz praktisch gesehen eine Sprachbarriere wegfällt.

Wir Deutschstämmigen sind vergleichsweise "Luxus-Einwanderer" und eine unbedeutende Minderheit, die spätestens in der dritten Generation mit der schwedischen Gesellschaft verschmilzt. Für uns mag es auch kein besonderes Problem zu sein mit Deutsch, Schwedisch und Englisch zu hantieren. Diese Situation kann man nicht mit Menschen vergleichen, die aus gänzlich anderen Kulturkreisen stammen.

EuraGerhard
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Re: Hochschulreife ohne Schwedisch?

Beitragvon EuraGerhard » 27. Mai 2015 10:38

vinbergssnäcka hat geschrieben:Von daher ist die Frage...über wen und welche Jugendliche reden wir eigentlich?

Zugegeben, es wäre nicht das erste Mal, dass Politiker mit großem Pomp einen Lösungsvorschlag präsentieren, ohne vorher zu kontrollieren, ob das zu dieser Lösung passende Problem überhaupt existiert. Dafür gibt es ja auch aus Deutschland genügend Beispiele. :wink:

Volker hat geschrieben:Ist ja schön und gut, aber ein sehr großer Anteil der Flüchtlinge in Schweden kommen aus Ländern mit Arabisch als Haupt- oder Verkehrssprache. Aus historischen Gründen ist das Englische (und Amerikanische) in diesen Staaten die Sprache des Feindes und damit unbeliebt, da diese Sprache mit Unterdrückung, Landnahme, aufgezwungenem verruchten westlichen Lebensstil und Besatzung verbunden wird.

Stimmt. Aber wenn die Flüchtlinge sich schon für ein Land wie Schweden entscheiden, dann ist ihnen hoffentlich klar, dass der "verruchte westlichen Lebensstil" hier mit mindestens ebenso viel Hingabe gepflegt wird wie z.B. Großbritannien. Allerdings sollte man dabei auch bedenken, dass in vielen arabischen Ländern die exzessiv zelebrierte Ablehnung der westlichen Kultur mit all den lautstarken Demonstrationen, ritualisierten Flaggen- und Puppenverbrennungen etc. von den Regierungen oder von radikalen Kräften inszeniert wird. Reist man in diese Länder und kommt mit der normalen Bevölkerung in Kontakt, so ergibt sich meist ein ganz anderes Bild. Nicht nur eine positive Meinung gegenüber zahlreichen Aspekten der westlichen Kultur, sondern auch erstaunlich gute Englischkenntnisse (irgendwie muss man ja die an der Zensur vorbeigeschmuggelten amerikanischen Filme und Fernsehserien verstehen können :wink: ) sind in der Bevölkerung oft weiter verbreitet, als es Regierung und/oder radikalen Islamisten lieb ist.

Volker hat geschrieben:Schweden kommt also nicht daran vorbei für eine erfolgreiche Integration von Anfang an auf einen umfassenden Schwedisch-Unterricht zu setzen.

Stimmt ebenso. Allerdings gibt es meiner Meinung nach keinen Grund, einen aufgeweckten 15jährigen mit ausreichenden Englischkenntnissen die ersten ein-, zwei Jahre ausschließlich in den Schwedischunterricht zu schicken. Davon lernt er Schwedisch auch nicht schneller, als wenn er zeitgleich auch noch anderen Unterricht besucht.

Man sollte auch nicht die Sprach-Lernfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen unterschätzen. Die tun sich da viel, viel leichter als Erwachsene. Ich beispielsweise war zwar nur 12 und nicht 15, als ich das erste Mal für längere Zeit in ein Land gezogen bin, in dem eine mir bis dahin praktisch völlig fremde Sprache gesprochen wurde (Großbritannien). Und es hat gerade einmal ca. 3 Monate gedauert, bis ich von praktisch Null auf flüssige (wenn auch vielleicht nicht völlig stubenreine :wink: ) mündliche und recht passable schriftliche Kommunikation gekommen war. Und nach weiteren 3 Monaten hat es in mir "Klick" gemacht und ich habe angefangen, auf Englisch zu denken und zu träumen, und musste übersetzen, wenn ich Deutsch sprechen wollte. Später mit ungefähr 40 dann Niederländisch und jetzt mit ca. 50 Schwedisch zu lernen, das fiel und fällt mir deutlich schwerer.

MfG
Gerhard

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Re: Hochschulreife ohne Schwedisch?

Beitragvon vinbergssnäcka » 27. Mai 2015 18:47

Gerhard, ich bin vollkommen deiner Meinung....gibt es irgendwo diese Jugendlichen, die so gut Englich können um damit das Gymnasium zu meistern, aber eben kein Schwedisch, warum sollte man es ihnen verweigern...

aber....welche Gymnasium unterrichtet denn in der Sprache Englisch????

und wo? In Stockholm? oder in den Gemeinden auf dem Land, wo die Flüchtlinge ankommen?

und...wieviele der Erwachsenen sind nicht analphabeten?

also ich habe neulich versucht, mich auf Englisch mit einigen Flüchtlingen zu unterhalten...aus Afrika...christen...aber für einen Schulbesuch auf Gymnasiumnivå hätte das nicht gereicht...reicht ungefähr um sich...ausser mit Händen und Füssen....zu verständigen...

ein ganz anderes Problem...es gibt ja Lehrermangel...wo sollen denn nun alle Lehrer herkommen, die den Unterricht auf Englisch abhalten? Die Umsetzung des Projektes ist meiner Meinug nach völlig unrealistisch, auch wenn es erstmal vielleicht gut klingt...
liebe Grüsse

Heike

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Re: Hochschulreife ohne Schwedisch?

Beitragvon vibackup » 27. Mai 2015 21:45

EuraGerhard hat geschrieben:Man sollte auch nicht die Sprach-Lernfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen unterschätzen. Die tun sich da viel, viel leichter als Erwachsene. Ich beispielsweise war zwar nur 12 und nicht 15, als ich das erste Mal für längere Zeit in ein Land gezogen bin, in dem eine mir bis dahin praktisch völlig fremde Sprache gesprochen wurde (Großbritannien). Und es hat gerade einmal ca. 3 Monate gedauert, bis ich von praktisch Null auf flüssige (wenn auch vielleicht nicht völlig stubenreine :wink: ) mündliche und recht passable schriftliche Kommunikation gekommen war.

Etwa da geht eine Grenze; kommt man vor dem 10-12 Lebensjahr so mit einer neuen Sprache in Kontakt, wird die regelhaft wie eine Muttersprache erlernt. Nach dem 15 Lebensjahr wird das deutlich schwerer; der Hintergrund ist vermutlich eine unter der Pubertät stattfindende Großreinigung im Gehirn, bei dem der Großteil der Nervenverbindungen gekappt wird.

//M


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