Hobbyauswanderer

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Skogstroll
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Skogstroll » 28. November 2008 11:34

Hej Aelve,

ich denke, dass das Problem viel grundlegender ist. Es geht nicht darum, hier im Forum vor der Gefahr durch Elche zu warnen. Unbewusst bestätigst du damit eigentlich nur meine Meinung, dass das Problem viel tiefer im Schwedenbild der Deutschen liegt. Das ist nämlich etwas ganz spezielles, worüber auch immer mal wieder in den schwedischen Medien mehr oder weniger tiefgründig, aber meist sehr verwundert philosophiert wird.

Das Bild der Deutschen von Schweden ist unglaublich romantisch: Bullerby (was auch nur Krachdorf heisst), Lönneberga, blaue Seen (übrigens die meisten kräftig versauert), grüne Wälder, rote Holzhäuser, gemütliche Kleinstädte, soziale Gerechtigkeit, Vollbeschäftigung, Toleranz, grinsende Elche am Strassenrand und eine ebensolche Königsfamilie, wenn auch nicht am Strassenrand. Und dann noch eine deutsche Königin mit Aschenputtel-Karriere. Da wird das Royalistenauge feucht.
Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon gefragt wurde, warum sich alle Deutschen ausgerechnet einen Elch ans Auto kleben.

Dieses Bild spukt mehr oder weniger unbewusst in ganz vielen Köpfen. Tourismusindustrie und diverse Privatsender tun ein Übriges. Und im Urlaub hat man ganz gute Chancen, dieses Bild bestätigt zu finden. Klar ist es schön, im hembygdsgård den frischen, von der Oma um die Ecke gebackenen und verkauften Kuchen zu essen. Klar, das möchte man das ganze Jahr haben. Nur wird man vor Ort feststellen, dass der hembygdsgård 45 Wochen im Jahr zugenagelt ist. Und das ist noch das Harmloseste.

Klar ist "Kopps" (Cops) ein unglaublich lustiger Film, nur hat er mit dem Polizeialltag in der schwedischen Provinz rein gar nichts zu tun, vielleicht abgesehen von der stillgelegten Polizeistation. Nur werden im richtigen Leben Polizeistationen aus Geldmangel geschlossen, nicht wegen Mangel an Kriminalität.

Wer mit solchen Vorstellungen auswandert, hat beste Chancen, auf der Nase zu landen. Aber das mag jeder selbst ausprobieren.

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Rwitha » 28. November 2008 12:01

janaquinn hat geschrieben:Das einzige, was wir wirklich gerne hätten, wären Pläne mit Hand und Fuss, sowie eine gewisse Stärke um die Kritik zu vertragen und darüber nachzudenken....nicht mehr und nicht weniger...


:haeh: und ihr segnet sie dann ab oder wie?

Skogstroll hat geschrieben:...warum sich alle Deutschen ausgerechnet einen Elch ans Auto kleben.


Nicht alle Deutschen :smt018
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Skogstroll » 28. November 2008 12:05

Rwitha hat geschrieben:Nicht alle Deutschen :smt018


Nein, nicht alle Deutschen, das weiss ich auch. Ich hatte selbst nie einen. Aber so ist die (sicher etwas verallgemeinernde) Sicht der Schweden auf uns und genau so ist dann auch die Fragestellung, die ich hier nur wiedergebe.
Überhaupt ist das Bild der Schweden von Deutschland bedeutend weniger farbenfroh als ungekehrt.

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Matti » 28. November 2008 13:02

Hallo,

ich will mit meinen Text niemenden beleidigen, in eine Schublade packen oder verallgemeinern, das jeder, der auswandert, sein Leben nicht im Griff hat.
Ich denke, der Text ist deutlich und spiegelt auch nur meine persönliche Meinung wider.
Aber nur ein paar Zeilen weiter unten in dieser Rubrik fragt jemand ernsthaft, ob man mal Urlaub machen sollte in dem Land, in das er auswandern moechte- Hallo- gehts noch, das kann doch keine ernsthafte Frage sein.

Wenn ich einige Beiträge richtig interpretiere, dann kann jemand fragen:
"Was haltet Ihr davon- ich will nach Schweden auswandern?
Wenn er Pech hat, sagen zehn Leute:" Ja, Super- mach das- wir machens auch"
Aber am Ende steht jeder ganz allein im weiten Scandinavien- und dann ist es erstmal sch...egal,
ob die Bäume gruen, rot oder blau sind.

svenskartilltyskland

Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon svenskartilltyskland » 28. November 2008 17:05

In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine Umfrage aufmerksam machen, die Svenska Dagbladet neulich machte: Die Leser wurden (im Zusammenhang mit einem Artikel über den neuen deutschen Einwanderertest) gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, nach Deutschland zu ziehen. Immerhin 57 % sagten ja. Ganz so doof können sie Deutschland ja also vielleicht nicht finden (auch wenn in Gesprächen unter/mit Schweden nach meiner Erfahrung "die Deutschen" zunächst immer erst mit negativen Attributen bedacht werden, danach werden dann lobend die deutsche Tüchtigkeit, die deutschen Autos und die Elektro-Sachen erwähnt).Als ich 1996 nach Schweden kam, fragte mich eine Schwedin, wie man denn freiwillig von Deutschland nach Schweden ziehen könne...als frischgebackener Auswanderer war ich sehr verblüfft, heute verstehe ich besser, wie sie es gemeint hat.

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Berta » 28. November 2008 18:15

Liebe Leute,

ich bin ja hier im Forum meist nur stille Beobachterin; ich würde nicht behaupten, dass ich unbedingt nach Schweden auswandern wollen würde, auch wenn ich mir prinzipiell vorstellen könnte, mal wieder eine Weile dort zu verbringen.
Schweden kenne ich - natürlich - aus Urlauben, die ich von klein auf mit meiner Familie und später auch alleine gemacht habe und von einem einjährigen Aufenthalt dort. Ich bin ein reflektierter Mensch und bestimmt nicht allzu schnell in meinen Urteilen. Und auch nicht in meinen Urteilen über Schweden: Deswegen glaube ich daran, dass ich (wie viele von Euch) nur einen kleinen Ausschnitt kenne.

Was will ich denn eigentlich von diesem Forum? Will ich einfach unterhalten werden, will ich mir eine Meinung über das Land bilden, will ich mit anderen Leuten über die schönste Stelle im tiefsten Wald reden? Will ich mich auf eine Auswanderung vorbereiten oder Leute kennenlernen, die schon eine hinter sich haben?

Für mich ist das Forum vor allem Ablenkung von meiner Arbeit, Austausch über ein Land, in dem ich mich wohlgefühlt habe - als Urlauberin und Studentin - und über das ich aber noch sehr viel Wissen anreichern kann - zum Beispiel wie es als Berufstätige oder Familienvater oder Ärztin oder in Nordschweden oder in einem kleinen Dorf oder als Familie mit behinderten Angehörigen ist -, zusätzlich finde ich das Forum wie jedes Forum spannend, weil sich am Beispiel der Forendiskussionen sehr gut darüber nachdenken lässt, welche Bilder und Ideen sich wie verselbstständigen, wann sie wo auftauchen und wie sie verstärkt und gegeneinander ausgespielt werden.

Warum seid Ihr hier? Was wollt Ihr hier?

Wollt Ihr das?
Ständige Diskussionen, in denen die einen sich über die Brille des jeweilig anderen unterhalten: Unabhängig davon, was geschrieben wird, egal, was gefragt wird - die einen sehen darin sofort unreflektierte, spaßorientierte Hobbyauswanderer, die Schweden für ein Abbild von Bullerby halten und mit Beweisen in Form von Textausschnitten, Verlinkungen und Argumentationsketten von diesem Trugbild überzeugt werden müssen, während die anderen mit ebensolchen Beweisen ständig ihre - vielleicht ja auch einfach noch nicht mit der Realität konfrontierte - Sichtweise auf das Land Schweden verteidigen müssen und sich von der Brille der anderen, welche stets das Negative betonen, brüskiert fühlen.

Während viele hier ständig betonen, dass sie in allen Beiträgen nur das Sonnenscheinschweden, welches es so bestimmt nicht gibt, beschrieben sehen, habe ich das Gefühl, dass hier viel weniger Leute tatsächlich so naiv sind, wie manche das hier mit ihrer "Alle-sehen-nur-das-rosarote-Bullerbyschweden-außer-ich"-Brille empfinden.

Und ich finde, man kann manchem Anfänger mit sehr groben Auswanderungsideen auch eine gewisse Naivität verzeihen. Man sollte das sogar. Weil nur, wenn die sich trauen, auch banale Fragen zu stellen, äußern sie überhaupt ihre naiven Vorstellungen - und nur dann können sie ganz allmählich lernen, dass eben nicht alles so rosarot ist. Dazu muss ihnen aber nicht gleich unernste Absichten unterstellen (sowas wie: "Das ist doch keine Auswanderung, das ist alles nur Fun", wenn eine Neueinsteigerin sowas sagt, wie: "Ich habe einfach auch ein bisschen Abenteuerlust." oder eben die Unterstellung, solche Menschen betrieben eine "Hobbyauswanderung"). Ganz gerecht finde ich das nämlich nicht. Bedenkt, dass Ihr, die Ihr in Schweden lebt, einen gewaltigen Wissens- und vor allem auch Erfahrungsvorsprung habt, von dem alle anderen lernen können und bestimmt auch wollen - aber: es gibt sicherlich neben dem Weg, den Ihr gegangen seid, auch noch hunderttausend andere, die ebenfalls möglich sind.

Nun denn,
das war jetzt aber genug Ablenkung von meiner Arbeit,
einen Gruß,
Berta.
Zuletzt geändert von Berta am 28. November 2008 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

Litelisa
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Litelisa » 28. November 2008 18:16

Hallo zusammen,

da bin ich jetzt hellhörig geworden :shock:

S-nina hat geschrieben:
Man muss damit rechnen, dass sich das anfänglich so schöne Häuschen zur größten gesundheitlichen Katastrophe entpuppt - viele Häuser haben in Schweden Radonwerte (so ziemlich alles, was zwischen 1960 und 1979 gebaut wurde), da kann man sich noch so oft an der frischen Luft aufhalten - im Haus, im langen dunklen Winter, hat man ein Klima, als wäre man Kettenraucher. Radonwerte, auch unter 200 Bequerel sind immer noch äußerst gesundheitsschädlich - das sagt man in Schweden nur nicht!

Das Holzhäuschen besteht in der Regel auch gar nicht aus dem so natürlichen Baustoff Holz - es kommen Spanplatten, Plastik und sonstige merkwürdigen künstliche Dämmstoffe zum Einsatz. Ist das Objekt der Begierde dann auch noch älter als 10 Jahre - dann schimmelt es womöglich an allen Ecken und Enden - im schönen Torpargrund z. B. oder in der Bodenplatte aus den 70ern - mikrobiell tillväxt.


Woran kann ich erkennen dass das in meinem Haus so ist?? Wer könnte da helfen?? Gibt es in Schweden so eine Arte Umweltpolizei?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bei so einer Frage habe (die ich sicherlich nicht stellen würde, wenn das Thema hier nicht aufgekommen wäre) :? Aber genau dafür finde ich, ist das Forum da. Denn darüber mache ich mir in Norddeutschland keine Gedanken - Radonbelastung im Wohnhaus. :shock:

Danke für Antworten
Lisa

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Berta's Beitrag

Beitragvon Litelisa » 28. November 2008 18:21

:danke: :danke:

Du schreibst mir aus dem Herzen.

Lisa

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon priscilla » 28. November 2008 18:44

Hallo alle zusammen!

Sagt mal, gibt es für Euch einen Kodex für Auswanderungsgründe? Welche Gründe dürfen denn bei einer Auswanderung vorliegen und welche nicht?

Ich glaube, alle die eine Auswanderung vorhaben, werden dieses erst nach reiflicher Überlegung tun. Das eine Auswanderung am Anfang nicht leicht ist, ist doch auch klar. Es ist ja sozusagen ein Neuanfang in einem völlig anderen Land, in welchem die Voraussetzungen ja auch noch anders sind. Das wird sich jeder bei seinem Vorhaben durchdenken, erst recht wenn Kinder mit im Spiel sind.

Und ob die jeweiligen Gründe ausreichend sind für eine Auswanderung oder nicht muß immernoch jeder selbst für sich nach reiflicher Überlegung entscheiden.

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Imrhien
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Imrhien » 28. November 2008 20:04

Skogstroll hat geschrieben:
Und noch etwas fällt mir auf, auch wenn es nur ein persönlicher Eindruck ist, den ich nicht statistisch belegen kann:
Die kritischsten Beiträge über Schweden kommen meist von denen, die am längsten hier leben, die überschwenglichsten oft von denen, die mal im Urlaub hier waren.
Dagegen ist nichts zu sagen, den meisten gefällt es hier im Urlaub. Nur hüte man sich, seine Urlaubserfahrungen zu verallgemeinern und zur Grundlage seines Auswanderungsplans zu machen.

Skogstroll


Das ist schön formuliert und bestätigt genau das was ich schon gesagt habe und was auch Heike formuliert hat. Manches konnte man nicht glauben, bevor man selber hier lebte. Maches konnte man in der Theorie glauben, in der Praxis ist es anders als erdacht, trotz guter Vorbereitung. Das muss nicht schlecht sein, ist aber nicht zwangsläufig schön. Und ich bin auch langsam müde...
Ich muss dazu sagen, ich fühle mich persönlich in der Mitte dieser ganzen "Streiterei".
Ich mag Schweden, fühle mich wohl, finde es toll, will es nicht Glorifizieren. Aber ich sehe auch viele Dinge die mir nicht gefallen und die ich gerne kritisieren möchte, ohne gleich Schimpfe zu bekommen und mir anhören zu müssen, dass ich dann ja wieder zurück soll.
Ja, man darf alles fragen und auch die dümmsten Gedanken haben. Hatte ich auch. Im Chaos der Auswanderungsgedanken ist es nicht immer leicht seine Gedanken zu sortieren. Trotzdem. Auch ich reagiere empfindlich wenn ich glaube, dass jemand völlig abwegige Auswanderungsgedanken hat. Leider ist nicht jeder in der Lage sein Leben realistisch einzuschätzen. Manchmal ist es wirklich fahrlässig was manche machen. Aber manchmal kommt es auch einfach falsch rüber. So lange ich mir nicht sicher bin, versuche ich auch einfach gar nicht zu antworten. Ist wohl der bessere Weg, als sich aufzuregen.

Grüße
Wiebke


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