Hobbyauswanderer

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Aelve
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Aelve » 27. November 2008 21:11

Hallo,

es gibt ja viele Gründe, weswegen man auswandern will und auch warum man irgendwo unzufrieden ist. Wenn mir Teamarbeit liegt und ich in einer rein hierarchischen Firma arbeite, dann kann ich schon unzufrieden sein und in einer Firma, in der Teamarbeit praktiziert wird, erlange ich meine Zufriedenheit zurück.
Ich finde nicht, dass man pauschal sagen kann, wenn jemand aus Unzufriedenheit ein Land wechselt, dann wird er dort auch nicht glücklich werden. Unzufriedenheit kann ja durchaus durch das System bedingt sein, dem man ausgesetzt ist. Natürlich nimmt man seine persönlichen Probleme immer mit, aber wenn sich die ganze Situation entspannt, weil man sich woanders einfach glücklicher fühlt, dann kann schon eine Auswanderung zum Glücklichsein führen oder zumindest zu einer besseren Lebensqualität.
Wenn jemand natürlich von Haus aus negativ eingestellt ist, der wird dann auch in seinem neuen Leben in Schweden sofort alles negativ bewerten.
Und es stimmt, einige Auswanderer kommen mir schon so vor, als wenn sie nach der Eierlegenden Wollmichsau suchen, die werden sie auch in Schweden nicht finden.

Grüße Aelve
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon blueII » 27. November 2008 23:56

Aelve hat geschrieben:Hallo,

es gibt ja viele Gründe, weswegen man auswandern will und auch warum man irgendwo unzufrieden ist. Wenn mir Teamarbeit liegt und ich in einer rein hierarchischen Firma arbeite, dann kann ich schon unzufrieden sein und in einer Firma, in der Teamarbeit praktiziert wird, erlange ich meine Zufriedenheit zurück.


Soweit kann ich Dir sehr gut folgen, Aelve. Der Wechsel von einer strengen Hierachie mit streng reglementierten Kompetenzen in einen frei arbeitenden Betrieb, indem Eigeninitiative gefragt ist, kann sehr schwierig sein, sowie natürlich es für jemanden undenkbar ist, sich aus einer freien Tätigkeit, plötzlich unterordnen zu müssen.

Aber jetzt fehlt mir der Bezug:

Aelve hat geschrieben:Ich finde nicht, dass man pauschal sagen kann, wenn jemand aus Unzufriedenheit ein Land wechselt, dann wird er dort auch nicht glücklich werden. Unzufriedenheit kann ja durchaus durch das System bedingt sein, dem man ausgesetzt ist.


Welches System? Das verstehe ich jetzt politisch.
Wer sich in einer Demokratie nicht wohl fühlt, muß dann wohin gehen?
Welche Unzufriedenheit ist denn gemeint?
Darf ich mal nachfragen, wer denn aus Unzufriedenheit auswandert?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Unzufriedneheit irgendeine positive Motivation sein könnte!!

Wer glaubt denn, dass was ihn unzufrieden macht woanders besser zu finden?
Oder anders augedrückt:
Warum nimmt man einen Orts/Landeswechsel in Kauf aufgrund welcher Unzufriedenheit??
Es gibt doch einmal die Motivation des Jobangebots, bekomme vorort keine Arbeit also muß ich umziehen...ist für mich aber keine Unzufriedenheit sondern Notwendigkeit!!
Manchmal kann man innerhalb der Landesgrenzen bleiben, manchmal bedingt es eine Auswanderung.

Manche wollen einfach nur mal was Neues anpacken, ihren Horizont erweitern. Motivation Unzufriedenheit? Nein!

Durch Jana habe ich gelernt, dass es mit behinderten Kindern einfacher in Schweden ist.
Motivation Unzufriedenheit? Ja aber nur in diesem speziellen Bereich.

Aus meiner persönlichen Erfahrungen, durch die verschiedenen Wohnorte in Deutschland, kann ich für mich nur feststellen, dass man unzufrieden wird, weil man mit der Mentalität der Menschen in einem bestimmten Landstrich nicht zurecht kommt.
Sind private Kontakte schwierig und auch das berufliche Umfeld, weil die Anschauungen und Mentalitäten der Menschen zu unterschiedlich sind, kann es sehr belastend sein.

Es wäre für mich aber kein Grund, das große Risiko und den finanziellen Aufwand einer Auswanderung in Kauf zu nehmen, liegt die Lösung des Problems meistens in einem weniger aufwändigen Umzug nur über die Grenzen eines Bundeslandes Deutschlands.

Im Umkehrschluß, das Wagnis Auswanderung in bestimmten Lebensabschnitten (dazu zählen für mich u.a. Kinder) zu diesen wirtschaftlichen Zeiten anzugehen, nur weil die Mentalität der Schweden und ihre Natur ja achso toll ist, halte ich für übertriebene Romantik und Naivität. Das kann man wunderbar im Rentenalter machen, mit vielleicht sogar einer Krankenkassenkarte aus D und dem Wissen, dass das "Auskommen"(Rente/altervorsorge) und somit auch Zukunft gesichert ist.
Alles andere kann sich schnell in eine Katastrophe wandeln. Denn wenn man hier zu früh den Job verliert, bekommt man KEIN geld. Keine soziale Absicherung, was dann?

Man setzt vieles auf eine Karte bei so einem Schritt und wenn auch immer noch genügend Spielraum für einen geordneten Rückzug bleibt, so wird man auf verschiedenen Gebieten Verluste erleiden, sollte man nach D zurückkehren MÜSSEN.
Sei es finanziell oder die Belastung der Kinder.

Bei all den Risiken fällt mir keine "Unzufriedenheit" ein, die mich davon überzeugen könnte, dieses goße Wagnisse auf sich zu nehmen, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

Bedenkt, alles was Euch über die gesagten Dinge hinaus unzufriieden macht, ist immer besser in D zu kämpfen.
Dort wo man "Das System" kennt, dessen Sprache man beherrscht und deren gesellschaftlichen Spielregeln man kennt.
Etwas durch zu setzen oder zu bewirken in einem fremden Land ist recht hoffnungslos.

Aelve hat geschrieben:Und es stimmt, einige Auswanderer kommen mir schon so vor, als wenn sie nach der Eierlegenden Wollmichsau suchen, die werden sie auch in Schweden nicht finden.

Grüße Aelve


Da muß ich leider auch noch meinen Senf dazugeben. Ich möchte behaupten, dass Du es nicht beurteilen kannst und möchte da einen Satz hinzuziehen den ich von Wiebke gelesen habe und dem ich voll unterstreichen kann.
Vor meinen Umzug habe ich so einige Äußerungen von in Schweden Lebenden nicht bgriffen. Heute sehe ich das anders.
Dieses Land ist groß, Aelve und die Eigenheiten der Menschen und der sozialen Versorgung sind immens unterschiedlich, in jedem Kilometer der nach Norden führt, extremer. Darüber kann und sollte sich keiner ein Urteil erlauben, wenn er nicht in direkter Nachbarschaft lebt.

Nichts für Ungut Leute, bedenkt vor dem großen "Gegenangriff", dass ist meine persönliche Meinung dazu, die ihr nicht teilen müßt :wink:

LG
Heike

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Aelve » 28. November 2008 03:30

Hallo Heike,

ich kann mir schon Unzufriedenheit des Systems in Deutschland vorstellen. Demokratie hin und Demokratie her.
Trotzdem kann man von einem demokratischen Land mehr halten als von einem anderen demokratischen Land.
In Deutschland ist z.B. erheblich mehr Korruption an der Tagesordnung als in Schweden. Das stört mich z.B. sehr, man hat oft das Gefühl, dass es in Deutschland nur noch unehrlich zugeht.
Man kann mit dem Bildungssystem nicht zufrieden sein, da hatten wir ja hier schon die kontroversesten Diskussionen.
Für mich persönlich wäre es im nachherein gesehen ein Grund auszuwandern, wenn ich wüßte, dass meine Kinder in Schweden an den Schulen humaner behandelt werden als in Deutschland. Auch das Schweden mit Behinderungen besser umgeht, kann ein Grund sein, dass ich ein Land verlasse, wenn ich stets nur kämpfen muß für ein lebenswertes Kind mit einer Behinderung.
Die Enge in Deutschland, die Wohnungsnot oder auch Wohnsituation kann ausschlaggebend sein, dass ich mir eine weitläufige Bebauung und Besiedelung wünsche, damit verbunden mehr Lebensqualität durch Freiräume. Die Möglichkeit gleich neben dem eigenen Haus in den Wald, an den See, an den Bach gehen zu können, ohne eine lange Autofahrt in Kauf nehmen zu müssen, um etwas frische Luft zu genießen.
Auch die Tatsache, dass Handwerker in Deutschland unterbezahlt sind gegenüber Büroleuten oder studierten Personen kann ein Anlaß sein, sich in dem Land eine Arbeit zu suchen, in dem der Beruf anerkannt wird und in dem man sich nicht ausgenutzt fühlt.

Rundum, für mich gibt es genügend Gründe, die ich nachvollziehen und bejahen kann. Arbeiten muß man überall, wer denkt, wenn ich auswandere, dann kann ich mich auf die faule Haut legen, dem kann ich auch nicht folgen. Aber sicherlich gibt es auch Länder, in denen man mit einer Selbstständigkeit bessere Chancen hat als in dem Land, in dem man gerade lebt. Warum soll nicht jemand auswandern, wenn er im Ausland einen Gewinn in einem eigenen Gewerbe sieht, was im Heimatland vielleicht nicht gefragt ist? Es gibt ja auch bestimmte Berufe, wo im Ausland händeringend Mitarbeiter gesucht werden, in Deutschland aber ist der Beruf nicht gefragt. Für mich wäre ein Wechsel nach Schweden also aus rein beruflichem Grund durchaus denkbar.
Dass man sich über die Risiken bewußt sein muß, das steht für mich auf einem ganz anderen Blatt. Jede Veränderung ist mit einem Risiko behaftet, jeder Umzug kostet Geld und muß bewerkstelligt werden. Und genaue Planungen und Vorausschau gehört auch immer dazu.
Solange hier nicht jemand total abwegige Ideen hat, wie er eine Übersiedlung nach Schweden bewältigen will, ist er für mich erst einmal glaubwürdig, dass er in der Lage ist, diese auch zu realisieren. Und eine vorherige gute Analyse oder Beratung z.B. übers Arbeitsamt, über das hier im Forum genannten Raphaelswerk oder über Bekannte, Verwandte, die vielleicht schon den Schritt gegangen sind, ist natürlich viel wert. Auch ein Forum kann Ideenspender sein, wie man an eine Auswanderung herangehen sollte, welche Landstriche empfehlenwert sind, welche Berufe in welchen Ecken Schwedens gefragt sind.
Hier im Forum gibt es doch tolle Hilfestellungen über Kommunen, über Firmen, in denen Zuwanderer willkommen sind.
Selbstverständlich gehört auch zu einer ehrlichen Meinung, dass man seine Bedenken äußert oder auch auf negative Seiten in dem Gebiet, welches man kennt, hinweist.
Aber manche Beiträge, die hier erscheinen, sind mir einfach zu pauschal. Bei mir kommen wirklich auch einige postings so rüber, als wenn man dem Anfragenden nicht zutraut, eine Auswanderung richtig zu planen und zu verwirklichen. Oder als ob es in Schweden auch überhaupt nicht lebenswert ist. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch in der Lage ist, seine Situation gut einschätzen zu können, auch Abstriche machen zu können und dazu gehört natürlich auch, dass man weiß, dass man nicht ohne Rücklagen und ohne Anstellung losfahren kann, sondern man muß schon einen Plan haben, wie weit man sich aus dem Fenster lehnen kann. Und auch was man sich zutrauen kann und dass man weiß, dass man auch viele gute Dinge aufgibt, weil sie im neuen Umfeld evtl. nicht vorhanden sind. Dazu gehört auch, dass man je nach Situation entweder erstmal alleine vorgeht, um nicht die ganze Familie sofort umziehen zu lassen, dass sich eine Familie kurzzeitig trennt, bis einer der Partner festen Boden unter den Füssen hat. Jede Auswanderung muß individuell gesehen werden genau wie jeder Auswanderer eine eigenständige Person ist mit Wünschen, Vorstellungen und Fragen, Vorbelastungen und erlebten Erfahrungen.
Deshalb paßt nicht jeder Ratschlag auf jeden und eine verantwortungsvolle Person wird sich hier auch nicht verleiten lassen, auszuwandern, nur weil einige bereits Ausgewanderte positive Erfahrungen schildern. Und umgekehrt läßt sich bestimmt jemand, der fest entschlossen ist, sein Leben im Ausland neu zu gestalten, durch negative Meinungen nicht von seiner Idee abbringen. Insofern können wir uns auf das Berichten der eigenen Sitution beschränken ohne unsachliche Pauschalangriffe, wie hier auch schon öfter mal vorgekommen.

Grüße Aelve
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Lucia007 » 28. November 2008 07:27

Ich möchte mich gar nicht ganz in das Thema einmischen. Ich frage mich aber: warum sollen hier nicht auch Menschen schreiben, die vielleicht noch nicht so genaue Vorstellungen haben? Oder die denken, sie hätten genaue Vorstellungen und haben sie doch nicht, bei genauerem Hinsehen? Und warum sollen hier nicht auch Fragen gestellt werden, die vielleicht banal sind, weil man die Antworten auch selbst im internet herausfinden kann? Wozu ist das Forum dann da?

Ich ärgere mich nicht über manche Blauäugigkeit hier. Und über banale Fragen, die "man eigentlich wissen sollte" auch nicht. Die Menschen sind unterschiedlich. Hier ist doch der richtige Platz, damit jeder fragen kann, was er möchte. Und vielleicht ein bißchen aufgeklärt wird, daß Auswandern nicht nur toll ist.

Allmählich bekomme ich das Gefühl, bei allem was man schreibt, daß man dazu erwähnen muß, daß einem das klar ist, daß Auswandern eine ganz harte und schreckliche Sache ist und in Schweden einen viel Schlimmes erwartet (mal überspitzt formuliert).

Vielleicht werde ich jetzt auch deswegen gleich niedergemacht. Ich denke nur, das Forum ist genau dazu da, um über manche Blauäugigkeit aufzuklären, aber man bricht sich auch kein Bein, wenn manche eben so blauäugig bleiben wollen.

Gruß

Lucia

nysn

Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon nysn » 28. November 2008 09:08

Ich möchte Heike voll zustimmen und auch Danke sagen für den Elan, den sie aufbringt, überhaupt noch was zu dem Thema zu schreiben.

Alles, was in ihrem Posting steht, hat Hand und Fuß - und es sei jedem Auswanderungswilligen/Auswanderungswütigen angeraten, ihre Zeilen genau durchzulesen:
Bedenkt, alles was Euch über die gesagten Dinge hinaus unzufriieden macht, ist immer besser in D zu kämpfen.
Dort wo man "Das System" kennt, dessen Sprache man beherrscht und deren gesellschaftlichen Spielregeln man kennt.
Etwas durch zu setzen oder zu bewirken in einem fremden Land ist recht hoffnungslos.


Was mich hier im Forum allmählich müde macht, ist dieses EXTREME GLOFIZIEREN des Landes Schweden - alles soll hier in irgendeiner Form besser sein als anderswo - und diese Schönmalerei kommt auch noch von Leuten, die hier noch nie einen einzigen Tag in der schwedischen Gesellschaft verbracht haben, geschweige denn eine gelungende "Integration" nach schwedischer Maßgabe durchgemacht haben (sprich vollkommene Beherrschung der schwedischen Sprache - Verinnerlichung jeder noch so skurrilen schwedischen Tradition/Eigenschaft).

Die Erfahrungen stammen von Urlauben (vorwiegend im Sommer), vom Hörensagen (ein zwei Bekannten, die es irgendwie bei MacDonalds geschafft haben, weil sie so fleißig sind und für ihren Lebenstraum bereit sind fast alles zu tun/zu geben) oder von Leuten, die in einem klitzekleinen Ort mitten in der großen schwedischen Natur leben - weit weg von jeder Zivilisation.

Schweden ist in keiner Weise besser als irgendein anderes Land in Europa. Es ist ANDERS.

Man muss damit rechnen, dass man sein Leben im kleinen, schnuggeligen Holzhäuschen an der frischen Luft mit einem schönen blauen See daneben eben so einrichten muss, dass man zum größten Umweltverschmutzer überhaupt wird - ist man nicht gerade Rentner oder sonstwie von jeder Arbeit freigstellt, dann brauchts in der Regel zwei Autos, um Kinder und andere Familienmitglieder täglich kilometerweit hin- und herzukutschieren.

Man muss damit rechnen, dass sich das anfänglich so schöne Häuschen zur größten gesundheitlichen Katastrophe entpuppt - viele Häuser haben in Schweden Radonwerte (so ziemlich alles, was zwischen 1960 und 1979 gebaut wurde), da kann man sich noch so oft an der frischen Luft aufhalten - im Haus, im langen dunklen Winter, hat man ein Klima, als wäre man Kettenraucher. Radonwerte, auch unter 200 Bequerel sind immer noch äußerst gesundheitsschädlich - das sagt man in Schweden nur nicht!

Das Holzhäuschen besteht in der Regel auch gar nicht aus dem so natürlichen Baustoff Holz - es kommen Spanplatten, Plastik und sonstige merkwürdigen künstliche Dämmstoffe zum Einsatz. Ist das Objekt der Begierde dann auch noch älter als 10 Jahre - dann schimmelt es womöglich an allen Ecken und Enden - im schönen Torpargrund z. B. oder in der Bodenplatte aus den 70ern - mikrobiell tillväxt.

Man muss damit rechnen, Einsamkeit ertragen zu können und Langeweile - denn die gibt es automatisch, wenn man auf dem Land irgendwo wohnt - ein Bergbauer auf einer Alm in den bayerischen oder Schweizer Bergen kennt das Gefühl z. B. auch!

Was mich auch stört, ist dass eben diese Leute tagtäglich von einem System profitieren, über das sie andauernd lamentieren - Deutschland ist in keinem Bundesland auch nur irgendwo eine Bananenrepublik. Ihr kommt aus einem Land, das einen sehr hohen sozialen Standard für alle bietet - es gibt Gerechtigkeit - es gibt die Möglichkeiten zur guten Schulausbildung.

Man muss nur einmal genau hinschauen - und besonders die, die bereit sind, mit Fleiß und Ausdauer alles zu geben - die haben meiner Meinung nach in Deutschland sowieso bessere Voraussetzungen. Alleine schon deshalb, weil sie sich dort auskennen und weil sie dort nicht Ausländer sind und in der Regel nicht ganz bei Null anfangen. Das muss doch einleuchten.

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Skogstroll » 28. November 2008 09:13

Lucia007 hat geschrieben:Ich ärgere mich nicht über manche Blauäugigkeit hier. Und über banale Fragen, die "man eigentlich wissen sollte" auch nicht. Die Menschen sind unterschiedlich. Hier ist doch der richtige Platz, damit jeder fragen kann, was er möchte. Und vielleicht ein bißchen aufgeklärt wird, daß Auswandern nicht nur toll ist.


Ich glaube, das ist jetzt ein Missverständnis. Es geht nicht um banale oder dumme Fragen (die es bekanntlich gar nicht gibt). Und es soll auch um Gottes Willen niemand niedergemacht werden.
Was aber nicht heissen soll oder darf, dass Kritik verboten ist.
Und es muss erlaubt sein, sich über manchen Auswanderungsanwärter zu wundern.

Und ich gebe Matti absolut recht: Allgemeiner Frust ist ein schlechter Grund. Und warum sollte jemand, der sein Leben in Deutschland nicht in den Griff bekommen hat, in einem anderen Land, mit einer anderen Sprache, mit anderen Gesetzen, anderen Sozialsystemen, einem anderen Arbeitsmarkt... usw. usf. plötzlich der grosse Überflieger werden? Das ist vielleicht nichtmal ausgeschlossen, viel wahrscheinlicher ist aber wohl das Gegenteil.

Und mein Lieblingszitat aus einer Auswanderersendung muss ich auch mal wieder bringen:
"Man muss sich überlegen, ob wirklich das Ziel das Ziel ist oder ob nur das Weglaufen das Ziel ist."

Und noch etwas fällt mir auf, auch wenn es nur ein persönlicher Eindruck ist, den ich nicht statistisch belegen kann:
Die kritischsten Beiträge über Schweden kommen meist von denen, die am längsten hier leben, die überschwenglichsten oft von denen, die mal im Urlaub hier waren.
Dagegen ist nichts zu sagen, den meisten gefällt es hier im Urlaub. Nur hüte man sich, seine Urlaubserfahrungen zu verallgemeinern und zur Grundlage seines Auswanderungsplans zu machen.

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Aelve » 28. November 2008 09:27

Hallo S-Nina,

betrachte doch mal die Diskussion um eine Auswanderung sachlich und emotionsfrei. Warum bist Du der Meinung, dass Heike großen Elan aufbringen muß, um ihren Standpunkt, den sie aufgrund ihres Lebens in Schweden gewonnen hat, zu schildern.
Wir schildern doch alle unsere Situationen oder Vorstellungen, es zwingt uns doch niemand dazu, wir machen es doch freiwillig. Und solange es keine ehrverletzenden und direkt angreifenden postings gibt, ist es doch ein interessanter Austausch unter Forumsmitgliedern.
Und jeder schreibt aus seiner Sicht. Ihr seht Deutschland mit anderen Augen als jemand, der sich hier in D nicht so sehr wohlfühlt, der jeden Tag davon träumt, dass er es etwas besser haben möchte. Der vielleicht soviele Minuspunkte für Deutschland entdeckt hat, dass es ihm bis zum Hals steht.
Natürlich ist der Alltag überall grau, das ist normal. Die Pflichten und tägliche Sorgen erdrücken einen oft. Aber ist es nicht legitim, sich nach einem besseren Leben zu sehnen, besonders in diesen schweren Zeiten, wo man jeden Tag Hiobsbotschaften in den Nachrichten hört und sieht?
Was haltet Ihr davon, wenn wir mal einen Threat eröffnen mit Warnungen über bestimmte Dinge, die in Schweden vorkommen können, wie z.B. lange Fahrtzeiten, verschimmelte Häuser, Gefahr durch Elche usw.? Dort könnten dann Dinge genannt werden, die man evtl. nicht bedenkt, da man darauf von alleine nicht kommt, wenn man eine Auswanderung plant. Dann kann jeder sich damit auseinander setzen, ob dann die Vorteile oder die Nachteile überwiegen für den, der ans Auswandern denkt.

Grüße Aelve
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon S_nina » 28. November 2008 09:32

Warum bist Du der Meinung, dass Heike großen Elan aufbringen muß, um ihren Standpunkt, den sie aufgrund ihres Lebens in Schweden gewonnen hat, zu schildern.


Ich sage nicht, dass sie Elan aufbringen muss - sondern ich bewundere, dass sie überhaupt noch welchen hat!

Erst lesen - dann posten!

S-nina

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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon Aelve » 28. November 2008 09:38

Hallo Skogstroll,

dann ist Matti also nicht nach Schweden gegangen, weil er in Deutschland keine Arbeit hatte oder nicht zurecht kam? Warum vermutet Ihr von allen Anfragenden pauschal, dass sie in D nicht zurechtkommen und dann in S auch nicht.
Das ist mir einfach zu simpel. Dann müßten ja alle Deutschen, die schon nach Schweden ausgewandert sind, in Deutschland nicht zurecht gekommen sein und auch in Schweden somit nicht. Wen zählt Ihr denn dazu? Euch auch logischerweise?

Diese sofortige Abwehrhaltung finde ich nicht hilfreich. Es ist ok, die Nachteile aufzuzählen, damit sich jeder ein reales Bild von Schweden machen kann. Aber pauschal zu behaupten, dass alle Auswanderwilligen lieber in D bleiben sollen und es dort richten mögen, finde ich persönlich auch nicht sinnvoll. Es gibt sicherlich sehr viele Leute, die haben in D schon alles mögliche versucht und sehen nun dort kein Weiterkommen. Wer sagt denn, dass diese nicht woanders bessere Chancen haben.

Grüße Aelve
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Re: Hobbyauswanderer

Beitragvon janaquinn » 28. November 2008 09:38

Guten Morgen,
es gibt etwas, was dieses Forum, in meinen Augen, immer ausgezeichnet hat und das war die, auch schon mal, schonungslose Wahrheit, auch wenn sie in nette Worte gepackt wurde.
Und genau diese Sache schätze ich einfach am Schwedentor. Für künftige Auswanderer ist es natürlich nicht leicht, wenn er hört das seine Idee vom Kosmetikstudio in Norrbotten (bereits vorgekommen) oder ähnliche Dinge, in den Bereich des Unwahrscheinlichen und unmöglichen fällt. Auch die Tatsache, dass nunmal ein Grossteil der Schweden eben nicht in niedlichen kleinen rot-weissen Holzhäuschen am See mittem im Wald leben, sondern in den Satelittenstädten um Stockholm, Malmö oder Götheborg. Was nicht heissen soll, dass es diese Häuser nicht gibt...sie sind vorhanden, aber man muss erst mal das Geld haben um sich eines kaufen zu können.
Auch die Tatsache, dass Schweden eben nicht das gelobte Land ist, wo alle Sorgen und Probleme verschwinden wie von Zauberhand und alles nur noch ganz toll und wunderbar ist, ist ein Info, die es zu verdauen gilt.

Mir geht es wie Skogstroll, ich beantworte gerne Fragen, die Hand und Fuss haben, ich helfe gerne mit Wort und auch mit Tat, schliesslich waren wir alle einmal an diesem Punkt.
Was ich allerdings nur recht schwer verdaue, sind Sätze wie:"Wenn alles so schlecht in Schweden ist, warum lebst du dann in Schweden" oder "Dann komm doch zurück nach Deutschland!"
Ich mag vielleicht die längste Zeit in Schweden leben, aber ich bilde mir, ein recht realistisches Bild vom Land, von den Leuten und auch vom System zu haben. Ich teile meine Erfahrungen gerne, gebe Info´s oder höre einfach nur zu. Genauso gerne helfe ich aber mit direkten Taten, wenn es mir möglich ist, es macht mir Spass und hilft mir ein wenig abzuschalten.

Was ich nicht mag sind Kritiken, die keine Hand und Fuss haben, die aus reinem Frust geschrieben werden, weil ich meine ehrliche Meinung gesagt habe.
Eine Auswanderung ist nicht schrecklich, aber sie ist kein Spaziergang. Man kann nicht sagen, dass man ausgewandert ist, wenn man einen Job hat, die PN bekommt und die Sprache fliessend spricht. Das sind in meinen Augen keine Anzeichen für eine Auswanderung, zumal wir heute, im Zeitalter der offenen Grenzen, in jedem x-beliebigen europäischen Land leben kann...ob für immer oder nur auf bestimmte Zeit.
Zu einer Auswanderung gehört, in meinen Augen, viel mehr, mehr als sich manch einer in der Planungsphase vorstellen kann. Ich kann zukünftigen Auswanderern, welche in diesem Forum nach Antworten suchen, einfach mal die Erfahrungsberichte der Leute zu lesen, die bereits hier leben, darin kann man sehr viel erfahren, wie man vor, während und nach einer Auswanderung tickt. Man kann darin lesen, was man in keiner Doku-Soap sieht, weil diese Dinge entweder geschnitten werden oder erst dann kommen, wenn die Kamera´s bereits lange weg sind.

Kaum jemand, der ständig im Land lebt, wird ein ausschliesslich positives Bild zeichnen, weil er jeden Tag mit den kleinen oder grossen Problemen konfrontriert wird. Diese Sachen zu verschweigen wäre in meinen Augen unfair.
Es geht hier auch niemanden darum andere vor dem Schritt abzuhalten, aber wenn jemand hier im Forum schon keine Kritik vertragen kann und alles anzweifelt, was geschrieben wird...wie soll es dann erst im Land direkt werden? Und wenn jemand allein Deutschland Schuld an seinen Problemen gibt, wird es dann in einem anderen Land komplett anders sein?
Menschen neigen dazu immer die Schuld bei anderen zu suchen, aber kaum bis selten bei sich selbst, weil es einfacher ist und es genug gibt, die in den Klagegesang mit einstimmen.

Das einzige, was wir wirklich gerne hätten, wären Pläne mit Hand und Fuss, sowie eine gewisse Stärke um die Kritik zu vertragen und darüber nachzudenken....nicht mehr und nicht weniger...

LG JANA
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