Hebammenpraktikum Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Luise
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: 3. Oktober 2012 11:36
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Luise » 3. Oktober 2012 11:39

Hallo :)

ich bin Hebammenschülerin und würde in meinem 4- Wöchigen Urlaub gerne ein Praktikum in Schweden machen. Zum einen da ich schon immer mal nach Schweden wollte und mir bisher so vieles gefällt was ich aus Schweden kenne und zum anderen die Hebammenarbeit dort sehr anders sein soll als in Deutschland. Ich würde daher gerne mal erfahren wie es ist als Hebamme in Schweden zu arbeiten. Besonders schön wäre es, die Arbeit einer freiberuflichen Hebamme zu begleiten ( Geburtshaus, Hausgeburt) aber auch die Arbeit in einem schwedischen Krankenhaus interessiert mich sehr. Da ich kein Schwedisch kann wäre es natürlich am besten bei einer deutschen, ausgewanderten Hebamme oder einer englischsprachigen Hebamme mitzugehen. Ist hier zufällig eine deutsche Hebamme die nun in Schweden arbeitet oder jemand der mit weiterhelfen könnte? Ich habe schon diverses gegoogelt aber es ist etwas schwierig. Ich wäre zu dem Zeitpunkt des Praktikums ( August 2012 ) kurz vor dem dritten, letzten Lehrjahr.

Vielen Dank schonmal für eure Hilfe!!

Luise

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Imrhien » 3. Oktober 2012 12:13

Hallo,
Deine Idee ist sehr interessant und verständlich, aber vermutlich nicht ganz einfach umzusetzen. So einfach mitgehen wirst Du nicht können, da gibt es vermutlich recht strenge Regeln, so wie ich das Gesundheitssystem hier kenne. Du musst da ein offizielles Praktikum machen, was durch die fehlende Sprache nicht so einfach wird zu bekommen.
Dann kommt noch hinzu, dass es sowas wie Geburtshäuser oder privat niedergelassene Hebammen hier nicht gibt. Oder sagen wir, ich habe noch nie davon gehört. Dabei wohne ich in einem recht gut besiedelten Gebiet.
Hebammen arbeiten hier nicht bei den Frauen daheim. Sie sind immer bei einer Praxis niedergelassen. Es gibt "private" Praxen, die sind seltener. Meist ist es so, dass die Hebammen zu einer normalenVårdcental gehören. Sie sind nicht bei Hausgeburten dabei. Zumindest habe ich noch nie gehört, dass es sowas gibt. Vielleicht auf dem Lande wo das Krankenhaus zu weit weg ist??
Die Hebammen im Krankenhaus gehören zum krankenhaus. Du wirst als Schwangere also nie bei der Geburt die Hebamme haben, die Du in der Vorsorge hattest. Die sieht auch anders aus als in Deutschland. Von pflanzlichen Naturheilmitteln oder gar Homöopathie hat man hier wenig gehört, ich glaube kaum, dass eine Hebamme von solchen Dingen berichten darf, ohne sich Ärger einzuhandeln (wenn sie davon weiss). Meine Hebamme konnte mir nicht mal sagen wieviel Magnesium ich nehmen soll und dass ich es nehmen wollte, ging auf meine Initiative zurück, weil ich mich aus den ersten beiden Schwangerschaften daran erinnert hatte. Ich vermute, dass man wie auch in Deutschland hier auch sehr viele unterschiedliche Hebammen treffen kann.

Mein Tipp: schreib Krankenhäuser an oder besuche sie und frage ob Du hospitieren darfst.
An alle vom Fach: Wenn ich was Falsches geschrieben hab, verbessert mich bitte :)
Hälsningar
Imrhien

Luise
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: 3. Oktober 2012 11:36
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Luise » 3. Oktober 2012 12:33

Vielen Dank schon mal für deine Antwort. Es hat mich etwas überrascht. Ich weiß von Schweden, dass die Hebamme sehr viel mehr selbstständig machen als die deutschen Hebammen und hätte nicht gedacht, dass das zb den Bereich der Homöopathie so ausschließt. Ich hätte die Hebammenarbeit in Schweden eher alternativer als in Deutschland eingeschätzt aber wenn du in Schweden noch nicht mal von einer Hausgeburt gehört hast ist das wohl eine falsche einschätzung?

Vielen Dank schon mal!
Luise

Benutzeravatar
ekorre
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 251
Registriert: 11. Dezember 2010 21:51
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon ekorre » 3. Oktober 2012 13:57

Hej Luise!

Hier einige Informationen von mir... leider stimmt es weitgehend, was Imrhien geschrieben hat.
Ich habe vielleicht einige etwas aktuellere Infos, da ich mich vor einem knappen Jahr intensiv informiert habe. Das habe ich herausgefunden:

In Schweden gibt es genau EIN Geburtshaus, und zwar in Göteborg. Ansonsten bekommt man in Schweden im Krankenhaus sein Kind, und zwar möglichst schmerzfrei und "medizinisch": Die allermeisten Frauen verwenden mindestens "Lustgas" (=Lachgas) zur Schmerzlinderung. Alerdings hat nun plötzlich auch in einigen Gegenden Schwedens die Wissenschaft entdeckt, dass Lachgas nicht nur Vorteile hat. In Deutschand wird das Gas wohl schon lange nicht mehr angewendet, soweit ich weiss. Auch Ryggbedövning (PDA auf deutsch?) ist sehr populär und hat auch (wenn man sich in Schweden informiert) eigentlich nur Vorteile. Die Hebammen arbeiten im Krankenhaus oder in einer der Vårdcentral angeschlossenen Praxis "Mödravårdcentral" oder "Specialmödravårdcentral". Das sind alles staatliche Einrichtungen. Hausbesuche machen Hebammen fast nicht. Ich glaube, man hat höchstens einen Hausbesuch der Hebamme nach der Geburt.
Das Geburtshaus in Göteborg ist also eine sehr spezielle und ungewöhliche Einrichtung. Ina May Gaskin (der Name sagt Dir wahrscheinlich was) war dort letzten Winter zu Besuch.
Leider gibts die Homepage nur auf Schwedisch:
http://www.fodelsehuset.se/

Im Krankenhaus in Ystad und teilweise im Södersjukhuset (Abteilung Södra BB) in Stockholm bemüht man sich um eine mehr geburtshausartige Atmosphäre und versucht, weniger Schmerzmittel einzusetzen. Soweit ich das verstanden habe, scheint Ystad da ziemlich weit gekommen zu sein.
http://www.skane.se/sv/Webbplatser/Lasa ... -Ystad-BB/
Im Södersjukhuset gibts beide Möglichkeiten: "normale" Förlossning nach schwedischem Modell oder eben "Södra BB", was aber immer völlig ausgebucht ist, da es keine anderen Alternativen gibt in Stockholm (ausser natürlich "föda hemma").
http://www.sodersjukhuset.se/Avdelninga ... /Sodra-BB/

Fortsetzung folgt...

Benutzeravatar
ekorre
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 251
Registriert: 11. Dezember 2010 21:51
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon ekorre » 3. Oktober 2012 13:58

...
Sehr ungewöhnlich ist es in Schweden, sein Kind zu Hause zur Welt zu bringen. Aber es gibt eben doch ein paar Hausgeburten. "Föda hemma" kümmert sich darum... eine Vereinigung zur Unterstützung der Hausgeburt. Hier kann man Hebammen finden, die eine Hausgeburt ermöglichen. Allerdings muss man zumindest beim ersten Kind alles selber zahlen, die Krankenversicherung unterstützt das nicht. Erst bei wirklich risikofreier zweiter/dritter/... Schwangerschaft, bekommt man finanzielle Unterstützung durch die Krankenkasse. (bin mir nicht 100% sicher, ob ich das ganz richtig erinnere, da das für mich leider nicht in Frage kam).
http://www.fodahemma.org/

Eventuell wäre es auch eine Idee, sich an Kirstens Familjehälsa zu wenden, eine anthroposophische Praxis in Järna ("Anthroposophen-Hauptstadt von Schweden").
Dort arbeitet auch eine Hebamme, die Deutsch kann und bei Föda hemma mitmacht.
http://kirstensfamiljehalsa.se/wordpress/

Zur Homöopathie: In Schweden kümmert sich der Staat um seine Mitbürger und überprüft verschiedene Heilmethoden/Medikamente etc. wissenschaftl. auf ihre Wirkung. Auf den Ergebnissen dieser Forschung beruhend, arbeitet dann das Gesundheitssystem. Alles, was man für gut befunden hat, wird empfohlen, von allem anderen wird abgeraten. Sehr viele haben geradezu Angst vor Homöopathie oder Naturheilkunde. Ein Arzt, der so etwas verschreibt, riskiert seine Zulassung. Besonders Hebammen und Kinderärzte sollten sich hüten, Homöopathie anzuwenden. Folgendes habe ich auf der Homepage des Läkemedelsverket gefunden: ...Läkemedelsverket avråder därför gravida och barn under åtta år från att använda homeopatiska läkemedel. (Ds Läkemedelsverket rät daher Schwangeren und Kindern unter 8 Jahren von der Anwendung homöopathischer Arzneimittel ab.)
Generell werden in Schweden sehr oft Antibiotika und Schmerzmittel verabreicht. In deutschland åbliche Hausmittel sind oft gänzlich unbekannt. Über Nebenwirkungen von Medikamenten wird nicht viel gesprochen, und wenn welche auftauchen, ist es gut möglich, dass man gleich noch ein Medikament gegen die Nebenwirkungen bekommt (anstatt evtl. das problematische Arzneimittel abzusetzen/durch etws anderes zu ersetzen).

So, das war´s erst mal. Könnte Dir eventuell einen Kontakt vermitteln zu einer, die sich wesentlich besser auskennt als ich (und Deutsch spricht). Schick´mir eine PN, falls es Dich interessiert!

Übrigens: Schwedisch ist nicht sooo schwer, in einem Jahr kann man viel erreichen (falls man einigermassen viel Zeit investieren kann).

Lycka till!
ekorre

Corli5
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 65
Registriert: 19. April 2012 07:02
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Corli5 » 3. Oktober 2012 15:09

Hallo ekorre,
fand deinen Bericht sehr interessant. Hätte nicht gedacht das sich die Schweden so gegen Hömopathie sträuben.
Aber aus welchem Grund? Nach dem Motto: Was der Bauer nicht kennt isst er nicht? :smt064
Übrigens finde ich den Job als Hebamme top. Alle Achtung, ich ziehe den Hut.
Bei meiner Enkelin wurde KISS diagnostiziert, durch die wachsamen Augen einer Hebamme. Die Ärzte stellten sich quer.
Doch dann wurde sie als Säugling behandelt und der Kleinen ist einiges erspart geblieben ( das nur mal so am Rande erwähnt)

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Ausbildung!!!

LG Corli

schwedenschwabe

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon schwedenschwabe » 3. Oktober 2012 16:47

Arbeite selbst seit 4 Jahren als Krankenschwester in Schweden, hab meine Ausbildung aber in Deutschland gemacht und in Deutschland auch gearbeitet. Bin vor 9 Monaten Vater geworden, "wir" haben das Kind in Ystad zur Welt gebracht.
Warum in aller Welt sollte das schwedische Gesundheitssystem "alternativer" arbeiten als das deutsche?
Über Homöopathie kann man glauben was man will, in Schweden werden i.d.R. nur Behandlungen angewandt, die eben wissenschaftlich geprüft eine Wirkung haben. Andere Länder, andere Sitten..
Unsere Hebamme begleitete uns von der Voruntersuchung bis nach der Geburt, inklusive einer Elternschulung zusammen mit anderen werdenden Eltern.... Nach der Geburt konnte ich im selben (Einzel-)zimmer übernachten, inklusive Frühstück:)
Die Nachsorge wird von einer barnmorska übernommen, der erste Hausbesuch eine Woche nach der Geburt.. Ich kann mich jedenfalls nicht über das schwedische Gesundheitssystem beklagen.
Und Aussagen wie ".. generell werden in Schweden werden sehr oft Antibiotika uns Schmerzmittel verabreicht..über Nebenwirkungen wird nicht gesprochen.." entbehren jeder Grundlage!
P.S.: Hausgeburten gab es in Ystad, werden aber gerade auf finanziellen Gründen abgeschafft.

Pink_Panther
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 342
Registriert: 1. September 2010 01:15
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Pink_Panther » 3. Oktober 2012 16:57

Die Frage ist auch, ob Hebamme Schweden mit Hebamme Deutschland vergleichbar ist.

Hebamme in Schweden wird man nach zunächst einer 3-jährigen Hochschulausbildung zur Krankenschwester, anschließend mindestens 12 Jahre Arbeitspraxis und schließlich 1,5 Jahre Weiterbildung zur Hebamme an einer Hochschule. Soweit ich weiß werden Hebammen nicht nur bei der Geburt eingesetzt, sondern sind auch das Bindeglied zwischen Hausarzt und Gynäkolog. Das bedeutet, dass man oft zunächst bei der Hebamme (Barnmorska) landet, welche entweder selbst helfen kann, oder eben eine Überweisung zum Gynekologen ausstellt. Das nur als kurzer Überblick - ich habe keine Ahnung was eine Hebamme in Deutschland so macht, damals habe ich mich noch nicht für solche Sachen interessiert :lol: 8) .

/Paul

f-m
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 12
Registriert: 26. Juli 2011 16:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon f-m » 3. Oktober 2012 20:01

Kennste diese Folge vom ZDF-Jobtester? Geht dabei u.a. um eine deutsche Hebamme die einige Woche Praktikum in Schweden macht:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanalueb ... e---Teil-3

Kaka
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 102
Registriert: 17. Dezember 2008 08:25
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Hebammenpraktikum Schweden

Beitragvon Kaka » 4. Oktober 2012 02:44

Hej
Davon das man 12 Jahre arbeiten muss habe ich noch nie gehört. Habe manchmal eine Krankenschwester getroffen die eine Weiterbildung zur Hebamme gemacht hat. Bin selber Krankenschwester. Die meisten suchen nach 2-5 Jahren eine Weiterbildung an der Hochschule
Im Karolinska habe ich eine irische und eine engliche Hebamme getroffen beibe haben die Anerkennung als barnmorska bekommen. Also sollte es auch mit der deutsch funktionieren. Nimm Kontakt mit Socialstyrelsen auf geht ohne Problem auch in englicher Sprache


Gruss
Kaka


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste