Hausbesichtigung - auf was sollte man achten?

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blueII
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Re: Hausbesichtigung - auf was sollte man achten?

Beitragvon blueII » 16. August 2008 21:01

Hej Nina

von Torpagrund würde ich auf jeden Fall die Finger lassen.
Ich habe bei unseren Besichtigungen genügend von diesen Maschinen gesehen....da lief unter dem Haus fröhlich das blnake Wasser und die Besitzer haben einen Entlüfter reingestellt und befanden dass vollkommend ausreichend.
Meine Nase sagte was anderes.....Feuchtigkeit ist nun mal Feuchtigkeit und hinterläßt auf Dauer seine Spuren.
Das mag ja sein dass es aufgrund der Spekulation der Wert trotz mikrobiell påväxt so hoch ist, aber willst Du mit diesem Wissen leben und jeden Morgen Deine Wände kontrolllieren??

Nee also was den Hausbau betrifft und die schwedische pragmatische Haltung da graut´s mich auch. Wer nicht genug Geld hat und die schon damals bekannte platta på mark verwendet hat...hat vielleicht auch ganz wo anders gespart?...was nach 10 Jahren in der Sanierung viel Geld kosten kann.
Nun hier schlägt auch ein sehr skeptisches deutsches Herz und ich würde nicht in ein Haus soviel Geld investieren, was sich über 100 % im Wert nur über die Lage definiert und nicht über die entsprechende Bausubstanz.

Ich kann mir Deine Kulturkriege lebhaft vorstellen, liebe Nina...wir leben hier in einem Gebiet indem alle Nachbarn noch an ihren Häuschen bauen oder bauen lassen.
Außer meine ehrliche Hochachtung über das handwerkliche Geschick der Schweden zu äußern, enthalte ich mich ansonsten lieber dem "Fachgesimpel" der Nachbarn, da mir bei dieser pragmatischen Ansicht "das wird schon halten" doch so ein oder anderes graues Haar wächst.

Viel Glück wünsche ich Dir
Heike

nysn

Re: Hausbesichtigung - auf was sollte man achten?

Beitragvon nysn » 16. August 2008 22:16

Hej Heike,
herzlichen Dank - das Glück kann ich sicher noch brauchen ...

Wer nicht genug Geld hat und die schon damals bekannte platta på mark verwendet hat...hat vielleicht auch ganz wo anders gespart?...was nach 10 Jahren in der Sanierung viel Geld kosten kann.


Das mit dem Torpargrund haben wir in etwa schon gewusst/geahnt - Anticimex verlangt ja auch mehr für die Besichtigung, weil diese Häuser unter einer "Risikogruppe" laufen.

Mir scheint's als hätten die Schweden in der Vergangenheit immer mal wieder rumexperimentiert - mal Platta, dann wieder Torpargrund und dann wieder Platta in Kombination mit "Fußbodenheizung".
Dass die Mitte der 80er-/Anfang der 90er wieder verstärkt Torpargrund gewählt hatten, hat wohl auch damit zu tun, dass es auch Probleme mit der "Platta" gab, mag natürlich auch mit der damaligen Baukrise zusammenhängen (war vielleicht ja auch billiger).

Besondere Vorsicht sollte man bei den Häusern mit Platta aus den 60er- und 70er-Jahren walten lassen. Da gibt es bei uns am Ort auch ein Haus, das anscheinend aus diesem Grund zum stolzen Preis von 4,2 Mio. "nicht verkäuflich" ist. Ich war nur kurz drin - dann hat mich meine Nase auch gleich wieder in Richtung Ausgang gelenkt - und das trotz strahlendem Meeresblick. Außerdem haben diese schönen "70er-Jahre-Paläste" auch häufig Radon durch die Verwendung von "blå/lättbetong".

Die Sache mit dem Radon finde ich GANZ BESONDERS FIES - wenn "blå/lättbetong" verwendet wurde, dann kann man das relativ schnell sehen - und die Makler geben das dann auch auf Nachfragen schon mal an. Kann man ja einfach "weglüften" ...

Was man aber absolut nicht sehen kann und wo man keinerlei Informationen von Makler erhält, das ist, wenn es Radon im Grund gibt - es gibt Gegenden, die sog. "högrisk radonområde" sind, z. B. hier in Göteborg alles um Ängberget (Eklanda) herum (oder z. B. auch Balltorp in Mölndal). Bei uns in Kungsbacka ist z. B. Fjärås so ein Gebiet oder die Gegend um Skövde/Billigen.
Man kann dann bei der Kommune nachfragen, welche Gegenden das sind und auch die sind nicht gerade großzügig mit Informationen. Manchmal muss man richtig hartnäckig immer wieder um Karten usw. bitten.

Häuser z. B. aus den 90er-Jahren mit Platta wurden nicht immer bzw. fast nie "radonsicher" gebaut, d. h. es sollte eine spezielle Abdichtung der Rohrleitungen geben, die zum Haus führen und es sollte eine sog. Radonpumpe, die die Luft absaugt, im Grund installiert werden können. Außerdem darfst du in einem radonsicher gebauten Haus auch nicht einfach mal rumbasteln, neue Leitungen usw. verlegen, denn dann bilden sich möglicherweise Ritzen in der Bodenplatte/den Außenwänden und das Gas kann dann trotzdem eindringen.

Du wirst allerdings NIE und NIMMER bei einer Besichtigung auf Bodenradon hingewiesen und wenn es ein Objekt ist, bei dem viele Spekulanten kommen, dann wirst du vom Makler schon bei der Frage "Radon?" schnellstmöglich hinauskomplimentiert und er wird dich nie mehr anrufen.

Außerdem finde ich herrscht hier eine besondere Doppelmoral - auf der einen Seite wollen die Schweden Weltmeister im Umweltschutz, bei Gesundheitsvorsorge oder Sicherheit am Arbeitsplatz usw. sein - auf jeder blöden Zigarettenpakung steht ein großer Warntext. Allerdings in KEINEM EINZIGEN HAUS habe ich jemals einen Hinweis gesehen, obwohl an den Folgen von Radon angeblich mehr Menschen in Schweden jährlich sterben als bei Verkehrsunfällen oder eben durch Rauchen.

Der in Schweden noch max. akzeptable Grenzwert für Radon (200 Bcq) ist lächerlich hoch - in den USA oder in Italien (!!) (z. B. Puglia) gelten max. 40 - 60 Bcq schon als gesundheitsgefährdent!! :roll:

Und das macht mich hier eben oft richtig "wahnsinnig" - dieser jeder weiß, keiner sagt was und diese Einstellung, dass sich das alles schon regelt - weil man ja schließlich zu den "Vorbildern in Europa" zählt. Der bayerische Spruch - mit dem Florian - beschütz mein Haus, zünd andere an - der könnte durchaus auch für meine lieben Nachbarn hier zutreffen.

Ich weiß nicht, wie oft ich von dem schwedischen Freundeskreis meines Mannes in München hören musste, wie toll doch alles in Schweden ist - und wie viele sinnlosen Diskussionen wir über den Vergleich Deutschland/Schweden geführt hatten. Wenn die Schweden dann immer gar nicht mehr weiterwussten, dann kam halt irgendwann das Argument mit dem 2. Weltkrieg (von Leuten, die 20 Jahre danach oder später geboren sind) :D

Du siehst/hörst/ahnst, ich bin immer noch recht aufgebracht - gebe auch durchaus zu, diese ständigen Haus-Visningar lassen mich auch andauernd die "contenance" verlieren ...

... Nächste Woche schauen wir uns noch ein anderes Haus an (das gefühlte 100.000ste ...) - dieses Mal mit Platta und von 1987.

Hab auch nochmals bei Euch auf der Kommunen-Website geschaut wegen Bauplätzen - mittlerweile könnte ich mir schon vorstellen, auch weiter nördlich zu ziehen - die nördliche Küste von Bohuslän hat mir eigentlich immer schon besser gefallen als das südliche Halland.

Das war übrigens die erste Gegend, in die mich mein Schwede auf seiner "Reklame"-Tour geführt hat - ich war richtig verliebt in die Örtchen Fiskebäcksil, Grundsund, Smögen, Klädesholmen usw. - oder auch Stockholm. Göteborg kann ich leider immer noch nicht besonders viel "Schönheit" abgewinnen und dem Häusermarkt hier sowieso nicht ...

Liebe Grüße nach Orust,
S-nina

blueII
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Re: Hausbesichtigung - auf was sollte man achten?

Beitragvon blueII » 18. August 2008 20:28

S-nina hat geschrieben:Hab auch nochmals bei Euch auf der Kommunen-Website geschaut wegen Bauplätzen - mittlerweile könnte ich mir schon vorstellen, auch weiter nördlich zu ziehen - die nördliche Küste von Bohuslän hat mir eigentlich immer schon besser gefallen als das südliche Halland.

Das war übrigens die erste Gegend, in die mich mein Schwede auf seiner "Reklame"-Tour geführt hat - ich war richtig verliebt in die Örtchen Fiskebäcksil, Grundsund, Smögen, Klädesholmen usw. - oder auch Stockholm. Göteborg kann ich leider immer noch nicht besonders viel "Schönheit" abgewinnen und dem Häusermarkt hier sowieso nicht ...

Liebe Grüße nach Orust,
S-nina


:D :D nun, dass hat Deine bessere Hälfte ja sehr geschickt angestellt...hier gibt es wirklich bezaubernde Ecken 8)

Und das Örtchen scheint auch unter Göteborgern sehr hipp zu sein, wenn ich sehe was für Villen die hier teilweise hinsetzen.
Mir persönlich wäre der Pendelweg allerdings zu weit, wenn ich in Göteborg arbeiten würde. Aber es pendeln sehr viele von hier nach Göteborg :roll: .

Orust/Svanesund hat gerade wieder einige Baufelder in Planung...Straßen sind schon angelegt und wohl auch die Anschlüsse.
Sie sind nur noch nicht veröffentlich und da sie den begehrten Meeresblick garantieren (ich glaube sogar teilweise Wassergrundstücke) sind die Preise um einiges höher als normal.
Spiel ein paar Gedanken durch und lass Dir doch einfach mal so Deinen Hauswunsch von verschiedenen Hausfirmen anbieten und stelle gegenüber was für Dich besser wäre..Neubau oder Gebraucht.
Mein Tipp...frag auch mal den deutschen Hausmarkt an...du kriegst überraschende Antworten :wink:

LG
Heike

nysn

Re: Hausbesichtigung - auf was sollte man achten?

Beitragvon nysn » 18. August 2008 21:14

Spiel ein paar Gedanken durch und lass Dir doch einfach mal so Deinen Hauswunsch von verschiedenen Hausfirmen anbieten und stelle gegenüber was für Dich besser wäre..Neubau oder Gebraucht.
Mein Tipp...frag auch mal den deutschen Hausmarkt an...du kriegst überraschende Antworten


Hallo Heike,
Danke für den Tipp - werde auf jeden Fall mal die Gegend/den Grundstücksmarkt im Auge behalten. :wink: Und auch meinem Schweden immer mal wieder "schmackhaft" machen, wie schön es doch wäre mit einem ganz, ganz neuen Haus ...

Grundstücke hier in unserer Gegend kann man zurzeit "vergessen" - die kosten, wenn überhaupt vorhanden, fast soviel wie anderswo ein ganzes Haus - ab 2 Mio. ohne Meeresblick und nach oben keine Grenzen ...

Was eigentlich am meisten gegen einen Umzug in den "Norden" spricht, ist, dass unser Sohn dann zu weit pendeln müsste - er wird im Herbst 14 und hat zurzeit noch die Schule genau nebenan. Die meisten seiner Freunde werden dann später ins Gymnasium entweder nach Göteborg oder nach Kungsbacka gehen.

Ende der Woche steht nun der nächste Visnings-Termin an - mal sehen, was der wieder für Überraschungen birgt. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeuten soll - der Makler ist dieses Mal äußerst zuvorkommend (!) - er hat mir heute schon zweimal Mails geschickt, war sehr besorgt, ob uns die Zeit auch wirklich passen könnte und dann schreibt er auch noch "Ser fram emot att träffa er." :D

War schon geneigt zurückzuschreiben, ob er denn wüsste, auf was er sich da einlässt :D

Für zukünftige Haus-Spekulanten in Schweden hier vielleicht noch ein wohlgemeinter Rat:
- Wer darauf Wert legt, ruhig zu wohnen, der sollte in Schweden kein Doppelhaus oder Reihenhaus kaufen! Diese Häusertypen sind extrem hellhörig - auch ganz neue. Durch die Holzkonstruktion gibt es sog. "stomljud", d. h. wohnen z. B. zwei Kinderfamilien nebeneinander, kann sich das unter Umständen so anfühlen, als ziehe öfter mal ein Erdbeben vorbei. Auch Waschmaschinengeräusche oder Basstöne einer sog. Hemma-Bio (Heimkino)-Anlage des Nachbarn gehören unter Umständen zum Normalfall.

Man darf einfach nicht empfindlich sein - und auch hier gilt das "goldene Gesetz des Schweigens" - d. h. man erzählt nie jemandem, dass man vom Nachbarn möglicherweise was hört - erst wenn man schon längst ausgezogen ist und mit sattem Gewinn verkauft hat, kann man evtl. mal ganz leicht andeuten, dass man ab und zu mal was gehört hatte - "aber wirklich nie viel - immer "mycket lite" ...

:D

S-nina


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