Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

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Lieschen24
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Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Lieschen24 » 9. Oktober 2012 19:42

Hallo,

eine Frage die mich brennend interessiert, ist wie es mit diesem Anrecht auf muttersprachlichen Unterricht aussieht. Auch hier habe ich schlechtes und gutes gelesen.

Mir wäre es sehr wichtig, das meine Kinder richtig deutsch schreiben und lesen können, da ich einfach erstens die Option haben möchte zurpck zu gehen, und außerdem sollen sie mal entscheiden können da Leben in ihrem "Heimatland" zu probieren.

In einer Folge neulich von Goodbye Deutschland war wieder die FAmilie aus Pajala, und da haben die Kinder kein Deutsch schreiben gelernt. Die Tochter hat dann alles so geschrieben wie sie es spricht, katastrophal, und später wird es viel schwerer sein.

Habt ihr so einen Unterricht angemeldet? Reicht Bücher lesen und CO?

Bitte um eure ERfahrung und Meinung:)

Liebe Grüße, Lisa

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Imrhien
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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Imrhien » 10. Oktober 2012 09:42

Hej,
Muttersprachenunterricht ist immer gut. Selbst wenn er nicht gut ist.
Wir haben bei uns da sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Gute Lehrer, ausgebildete Lehrer, deutsche Lehrer und auch schlechte Lehrer, nicht ausgebildete Lehrer und nicht deutsche Lehrer. Natürlich taugt ein nichtmuttersprachler eindeutig so gut wie nichts. Zumal meine Kinder ein besseres Deutsch sprechen. Trotzdem gehen sie hin. Es bringt Punkte, später mal auf dem Zeugnis für das Gymnasium. Und noch wichtiger, auch wenn die Kinder es vielleicht selber nicht so sehen, der Kontakt zu anderen die die Sprache sprechen. Man ist eben anders als die Schweden. Auch wenn man integriert ist und wenn man schwedisch fehlerfrei spricht. Allein die Tatsache, dass andere einen komisch anschauen wenn man auf dem Schulhof deutsch redet, reicht aus um sich anders zu fühlen. Manchen macht es weniger aus, anderen mehr. meine Kinder reagieren nicht darauf. Trotzdem finde ich es gut, dass sie andere Kinder treffen, die auch deutsch sprechen.
Auch kulturell ist es meiner Meinung nach wichtig. St. Martin, Nikolaus und so weiter. Alles Fehlanzeige in Schweden. Dafür gibt es anderes. Aber meine Kinder sollen ruhig beides erleben und kennen. Schadet nicht.
Und was die Schweden herausgefunden haben, bzw. ich weiss nicht mal ob es die Schweden waren oder ob sie die Studie von anderen haben, Kanada oder Finnland, Kinder, die in der Muttersprache gefördert werden und gut sind, haben es leichter in der schwedischen Schule mit allen Fächern. Das liegt vermutlich an verschiedenen Dingen, aber eben auch an der Sicherheit und dem Selbstbewusstsein das man entwickelt, wenn man in etwas gut ist. Und die Muttersprache ist eben doch die Bauch- und Herzsprache. Darüber gehen alle Gefühle, egal wie viele Sprachen man spricht und wie gut man darin ist. Das bestätigen auch Menschen, die 5 Sprachen sprechen und in x Ländern gelebt haben. Natürlich kann man schwedisch als Muttersprache entwickeln, wenn man deutsch total vernachlässigt in der Familie.
Meine Meinung ist, dass das nicht gut ist, aber das muss jeder selber wissen.

Viele sagen, dass die Kinder irgendwann automatisch nur noch schwedishc reden. Auch hierzu gibt es unterschiedliche Erfahrungen.
Das stimmt vor allem in Familien wo ein Elternteil schwedisch oder eine andere Sprache spricht. Verständlich. Man muss sich auf eine Sprache einigen. Oder aber extrem viel Disziplin zeigen. Ich kenne Familien wo es trotzdem klappt. Da weigert sich bsp. der Vater schwedisch zu verstehen, wenn seine Kinder es sprechen. Es ist anstrengend und nervig. Aber es zeigt Wirkung. Nahc einigen Wochen und Monaten haben die das verstanden. Die Mutter ist Schwedin, versteht aber ein wenig deutsch. Die Kinder haben es immer wieder mal versucht nachdem sie in dem Alter waren, dass sie merkten, dass er ja doch schwedisch kann und mit anderen Schweden spricht. Aber bei den Kindern bleibt er hart, egal wo sie sind. Und das merkt man. Sie sprechen gutes Deutsch.
Bei uns ist es einfach, beide Eltern sprechen deutsch und das ist unsere Familiensprache. Das wird es immer sein. Es ist die Gefühlssprache und selbst wenn wir wegen Besuch schwedisch reden, es ist nicht "unsere" Sprache. Das fühlt sich nicht komisch an oder so. Auch nicht fremd. Wir sprechen ja alle schwedisch. Doch sobald wir unter uns sind, wechseln wir meist. Unbewusst. Die Kinder kennen es auch, dass wir mit Freunden englisch reden und sie gar nichts verstehen. Oder, dass die Freunde japanisch reden. Das stört niemanden mehr. Man gewöhnt sihc an den Mischmasch :)
Aber wichtig ist, dass die Kinder deutsch mit uns reden.

Zum Unterricht und was er bewirken kann:
Der kann nicht zaubern der Lehrer, egal wie gut.
Das ist etwa eine Stunde in der Woche. In Deutschland hat man ja mehr. Und deshalb gilt: So viel wie möglich daheim machen. Mal ehrlich, wie viel könnten wir alle, wenn wir es nicht richtig gelernt hätten? Reicht Fernsehen und Lesen aus?? Nein. Auch wenn es gut ist und hilft. Wir lesen wirklich viel und schauen deutsches Fern. Ausserdem haben die Kinder viele deutsche Hörspiele. Die sind wirklich klasse, weil die Kinder da gesprochenes Deutsch hören und das ist meist recht gut. Besser als der Dialekt, den alle Eltern irgendwie haben. Versteh mich nicht falsch. Man muss mit den Kindern nicht daheim sitzen und sie striezen. Aber es reicht nicht sich auf den Muttersprachenunterricht zu verlassen oder nur den Fernseher einzuschalten. Reden, und Lese und Schreibübungen sind wichtig. WIr haben uns auch eine Fibel aus der deutschen Schule besorgt. Egal welches Bundesland. Wichtig ist nämlich, dass viele Laute anders klingen. Eu wird von Schweden gerne oj geschrieben. Da unsere Kinder in Schweden schreiben lernen, tun sie das auch. Daher lesen wir sehr viel deutsch. Das hilft sehr. Und wir erklären die Unterschiede. Dauert alles und nervt manchmal. Aber es muss sein, wenn man möchte, dass sie das können.
Dann ist es aber auch noch so, dass es ja auch in Deutschland Kinder gibt, die Probleme damit haben. Die werden es in Schweden nicht leichter haben. Da gilt nur eins: Entspannen, weniger Stress machen und üben. Die Kinder brauchen es nicht auf dem gleichen Niveau können wie in Deutschland lebende. Wenn sie gross sind, können sie sich mit Hilfsmitteln behelfen und wir hier im Forum, die wir in Deutschland gelebt und zur Schule gegangen sind, haben auch unsere Probleme mit der Rechtschreibung. Man überlebt das. Auch wenn man sich bemühen sollte.
Daher, entspannen und üben. Das kommt mit der Zeit. Nur durchhalten muss man und nicht einfach aufgeben. Aber vielleicht mit SPass dran arbeiten, statt Druck.

Grüsse

Eipoksolok

Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Eipoksolok » 10. Oktober 2012 09:58

Ich kann aus eigener Erfahrung folgendes berichten:

Ich war die ersten Lebensjahre in einem Land, in dem aufgrund des Commonwealth neben der dortigen Landessprache auch Englisch gesprochen wird. Mein Vater konnte kein Deutsch, dafür aber exzellentes Englisch. Eingeschult wurde ich auf eine englische Schule. Zuhause sprachen wir mit meiner Mutter deutsch. Wir wechselten auf englisch, wenn mein Vater dabei war. Wenn Kinder aus der Nachbarschaft dabei waren, war die Landessprache gefragt. Das alles klappte bestens, nur das die Landessprache sehr stark vernachlässigt wurde. Nachdem wir wieder in Deutschland waren, verschwand die Landessprache zuerst. Dafür blieb mir englisch sehr gut erhalten und mit der 5. Klasse hatte ich natürlich einen riesigen Vorsprung. In der Zeit vor dem Umzug nach Deutschland hatte ich keinen Deutschunterricht. Alles, was ich konnte, hatte ich von meiner Mutter. Diese hat aber immer sehr gewählt und vor allem korrekt gesprochen. In der Schule in Deutschland hatte ich daher immer die besten Noten, weit vor meinen Mitschülern.

Fazit: es kommt nicht auf einen Deutschlehrer an, sondern auf die Fähigkeit desjenigen Elternteils, um dessen Sprache es geht, sie korrekt, interessant und umfassend an die Kinder weiter zu geben.

Damit nicht der Eindruck entsteht, dass meine Familie eine Ausnahme darstellte: eine schwedische Freundin ist mit einem Franzosen verheiratet. Beide sprechen beide Sprachen, und die Kinder ebenfalls. In der Familie wurde großen Wert darauf gelegt, dass beide Sprachen gleichrangig sind, und vor allem hochwertig gesprochen.

Also keine Angst, falls es keinen mutter(vater)sprachlichen Unterricht gibt. Das, was jeden Tag gesprochen wird, ist viel wichtiger und gleichzeitig auf Dauer viel weniger anstrengend.

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ekorre
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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon ekorre » 10. Oktober 2012 11:42

Hej!
Das ist ein spannendes Thema! Wir machen uns da auch so unsere Gedanken...
Ich glaube, es hängt auch davon ab, wie sprachbegabt ein Kind ist.
Meine beste Freundin zu Schulzeiten hat zu Hause mit ihrer Mutter und den Geschwistern immer Französisch gesprochen/gestritten/.... Ansonsten wurde viel auf Französisch gelesen oder Filme (Video) geguckt. Jeden Sommer waren sie in Frankreich, u. a. bei den Grosseltern. Später war es kein Problem für meine Freundin, Französisch zu studieren (obwoh sie nie richtig Grammatikunterricht gehabt hatte) und dann anschliessend als Dolmetscher für die Bundesregierung zu arbeiten... also Frz. auf höchstem Niveau. Sie ist allerdings auch überdurchschnittlich begabt in Sachen Sprachen: War immer gut in Latein, Englisch, Italienisch, hat ausserdem Russisch und Englisch studiert, lernt aus Spass noch Spanisch...
Und ich fühlte mich immer ganz schlecht neben ihr. ;-P Nun habe ich viele Jahre später kapiert, dass auch ich Sprachen lernen kann. Sicher nicht genauso perfekt, aber durchaus vertretbar. Ich muss bloss ein bisschen üben... Genau wie Imrhien schreibt: Einfach ganz eintspannt Bücher lesen, Gelegenheiten zum Sprechen nutzen, dann klappt das schon.
Bei mir hat´s bisher recht gut funktioniert, da ich durch Krimis-lesen recht gut die schwedische Grammatik und Rechtschreibung "inhalieren kann". Diese Methode funktioniert bei unterschiedlichen Menschen sicher unterschiedlich gut/schlecht, aber ich bin froh, dass es so einfach und stressfrei möglich war. Bin sicher nicht perfekt, aber es scheint hier in Schweden sehr alltagstauglich zu sein.
Mit unserem Zwerg rede ich nun konsequent Deutsch, und der Papa ist inzwischen auch so fit auf Deutsch, dass er doch das meiste versteht. Er redet aber mit dem Zwerg natürlich Schwedisch. Der Zwerg redet inzwischen immer mehr, man weiss allerdings noch nicht, ob es sich um Schwedisch oder Deutsch handelt. Man darf also gespannt sein, was die nächsten Monate so bringen. Ich werde demnächst meine alten Kinderbücher aus Deutschand holen und ausserdem werden wir unsere Kontakte mit anderen deutsch-schwedischen Familien hier in der Gegend pflegen. So hoffe ich, dass sich beide Sprachen quasi von selbst - utan att plugga! - ergeben. Naja, und in den Ferien kann man sich ja in Deutschland nochmal richtig ins sprachliche Vergnügen stürzen. Gegen Muttersprachunterricht hab ich bestimmt nichts einzuwenden, aber ich sehe das so ähnlich wie Imrhien... wichtiger ist sicher das unverkrampfte Üben zu Hause.
Allzeit einen fröhlichen Sprachmischmasch
wünscht ekorre

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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Imrhien » 10. Oktober 2012 21:30

Hej,
das belegt meine Theorie :)
Der Unterricht ist schon wichtig, allerdings nicht alleine. Die Familie ist wichtiger. Und wie man damit umgeht. Allerdings wird ein Kind nie gut schreiben lernen, wenn es noch so gut spricht aber nie ein geschriebenes Wort sieht, oder es eben auch mal selber übt. Ausser es ist ein Talent :)
Aber wenn man gut sprechen kann, dann lernt man den Rest ja von selber. Zumal man dann davon ausgehen kann, dass man gerne liest. Und lesen ist eben wichtig dabei. Grammatik können, also sprechen, ist keine Kunst. Wissen was man da spricht ist der Teil der schwer ist, und für den man in der Schule lernt. Aber da nicht alle Germanistik studieren wollen oder so, braucht man auch nicht wissen was der Imperfekt ist, oder welche Formen vom Dativ oder vom Akkusativ gestützt werden, man kann sich einfach ausdrücken :)
Oder warum sagt man in der Kirche obwohl es die Kirche heisst? :)
Aber das ist ja im "normalen" Leben nicht wirklich wichtig wenn man sowas nicht weiss, so lange man es richtig sagen kann und das geht meist automatisch.

Beim ersten Kind ist es uns bisher geglückt. Lernfaul aber Lesewurm. Da erübrigt sich vieles, obwohl er zu faul ist. Daheim Üben ist eine Qual. Aber lesen, egal was und wo, das ist toll. Damit hat er den wichtigsten Teil selbst erledigt und hat so viel Spass daran. Klar, dass gerade auch Comics hoch oben stehen. Aber auch andere Geschichten findet er toll. Solange die Texte noch nicht zu anstrengend und schwer sind.

Grüsse

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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Imrhien » 10. Oktober 2012 21:35

Mir ist noch eingefallen: Bis er in der Schule die Grundzüge des Lesens verstanden hatte, haben wir daheim kaum was gemacht. Er zeigt wenig Interesse und ich wollte es nicht als Zwang machen. Es sollte Spass machen. Und die Basis ist die Gleiche. Buchstaben erkennen, zusammenziehen und Laute bilden. Das lernte er in der Schule, wir haben so geübt, wie es in Hausaufgaben und von der Schule vorgegeben wurde und wie er Lust hatte, mit ein wenig Anschub von uns. Dann, als er ein klein wenig kannte, begannen wir mit einem einfachen deutschen Text und halfen mit allen Lauten, die unbekannt oder anders waren. Sch, kannte er nicht. Auch ch ist schwer. Oder V mal als w oder als f. Das erklären wir eben immer wieder. Aber abgesehen davon konnte er deutsch lesen, sobald er das grundsätzliche wie verstanden hatte. Nur die Übung macht es eben täglich besser. Daher besorgen wir über die Post, aber auch die Bibliothek sehr viele deutsche Sachen. Und wie gesagt. Hörspiele.
Besuchern fällt immer wieder mal auf, dass unsere Kinder tatsächlich den Präteritum nutzen, statt wie vielerorts üblich nur noch den Perfekt. Das kommt aber sicher nicht nur von uns. Klingt aber gut :)

Grüsse

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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Lieschen24 » 11. Oktober 2012 08:25

Hallo,

danke für eure Antworten.

Natürlich weiß ich, das Fernsehen Sprachenlernen nicht ersetzen kann. Kinder brauchen meist die direkte Interaktion,also einen "realen" Vorleser^^

Mein Großer ist fast drei und hat natürlich auch sein deutsch durch reden und viel lesen gelernt, das fängt ja schon als Baby an: "So, jetzt mach ich mal die Windel zu, und dann bekommst du Brei:) "

Abere was ich eben meinte, abgesehen von dem vielen sprechen, ist eben das Schreiben.

Ich stelle mir das wirklich schwierig vor, denn Diktate halte ich für überflüssig. Ich weiß aber auch nicht, ob man nur durch lesen die korrekte Schreibweise erlernen kann..

Aber sicher werden wir als Eltern immer mit unseren Kindern deutsch reden, die Sprachentwicklung läuft ja noch lange und dann sollte man nur das Sprechen, was man die eigene Muttersprache nennt. Hier in Deutschland, oder auch sonstwo, gibt es ja den Trend Englisch oder so zu reden, damit das Kind "zweisprachig" aufwächst.

Liebe Grüße

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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Tulipa » 11. Oktober 2012 09:03

Hej,

wir können bestätigen, was schon angeführt wurde: möglichst viel üben und den Kontakt mit deutscher Schrift und Sprache ermöglichen. Daheim und im Muttersprachunterricht.

Wir sind nun bei der hemspråksundervisning dabei, nachdem wir lange von der Kommune vertröstet wurden: angeblich zu wenige Schüler und kein Lehrer.
Die Qualität des Deutschunterrichts hängt ja indirekt von der Anzahl der Interessierten ab: je mehr, desto alters-/leistungsgerechtere Gruppen sind möglich, und auch näher an der jeweiligen Schule.
Falls dies also jemand liest: meldet euch bei eurer Kommune an (schriftlich, lasst euch nicht schon am Telefon abwimmeln!)
Wir waren nicht immer mit dem Unterricht zufrieden, würden aber sagen, es lohnt sich auf jeden Fall. Alle unsere LehrerInnen haben sich auch immer bemüht, auf unsere Kritik und Anregungen einzugehen.

LG
Tulipa
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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon HeikeBlekinge » 11. Oktober 2012 10:15

Wir haben bei unserem Juengsten das Angebot (nach 2/3 Jahren Wartens) muttersprachlicher Unterrichts NICHT genutzt, ganz einfach weil die Kommune das unmöglich eingefädelt hat!
Die Kinder sollten 1x wöchentlich gegen 11 Uhr in der Stadt (17 km) 2 Stunden bekommen. Wie sie dahin kamen, war Sache der Eltern! Somit hatte die Kommune das gesetzlich verlangte erbracht, wenn die Eltern nicht "wollen", deren Sache!

Ich mache mir aber keine Sorgen, weshalb auch? Meine Kinder wachsen hier auf, sprechen perfekt schwedisch, deutsch ebenfalls, wenn man von seltenen lustigen Wortfindungsstörungen oder Satzstellungen absieht, die ich allerdings auch bringe.
Als 2te Fremdspache haben meine beiden Älteren Deutsch gewählt, und der Juengste wird es nächstes Jahr. So wurde und wird Grammatikluecken abgeholfen und das Schreiben geuebt (mit links!). Mein Dritter macht momentan ein Stipendium in Österreich, wobei seine Deutschkenntnisse ausschlaggebend waren (kein Sprachaustausch!)
Meine Kinder haben nicht viel Bindungen mehr zu D, sie sind "schwedenorientiert". Ich glaube nicht, das sie die Ängste haben wie manche Eltern, die meinen ihren Kinder verpassen etwas wenn sie "kein Deutsch mehr können". Sie können es doch! U.a. deswegen kann ich den Hype darum nicht so richtig nachvollziehen ;-)
Ich empfinde es als wesentlich dringender die schwedische Grammatik zu beherrschen, und die Sprache gut zu sprechen. Dadurch haben sie viel mehr Chancen hier in Schweden akzeptiert zu werden und beruflich weiter zu kommen!

Zur jetzigen Lage studiert mein Ältester erfolgreich an einer deutschen Uni, leitet schon selber Vorlesungen und wird einmal problemlos seinen Bachelor machen. Mein 2ter und 3ter werden in Schweden auf die Uni gehen und streben ebenfalls international anerkannte Ausbildungen an. Alles ist möglich! Sei es im "fortschrittlichen" Deutschland oder auch im "nachhinkenden" Schweden :smt098 (Ironie aus - ich gehe hier nebenbei auch auf den Thread nebenan ein)
Es liegt an den Kindern selbst! Wenn sie von selber wollen, werden sie auch alles schaffen was sie sich vornehmen! Vertrauen und Liebe der Eltern, Akzeptanz, sie ihren eigenen Weg gehen lassen zu können, wiegt mehr, als alles was gegen den Willen aufgezwungen wird. Und sei es noch so gut gemeint!

lg
Heike
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

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Re: Haben eure Kinder deutsche Grammatik gelernt?

Beitragvon Tulipa » 11. Oktober 2012 10:27

Danke liebe Heike,

dann hat also euer Ältester genau das gemacht, was mich interessiert: in Schweden das "Abitur" und dann das im Ausland anerkennen lassen und einen Studienplatz bekommen?
Vielleicht kannst du erklären, wie genau das ging? Danke!

LG
Tulipa
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