Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

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skvs
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Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon skvs » 19. September 2008 08:58

:shock: muss was verpasst haben, habe doch seit 7 Jahren keinen Fehrnseher mehr :shock:

Krümel7
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Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon Krümel7 » 19. September 2008 21:35

@svks
"ich mag globalisierung. man kann ueberall schnell wo hin. ich hab zwar kein haus, kein auto, keine wohnung, und schon gar kein kapital auch habe ich keinen festen job, aber ich habe die möglichkeiten ueberall, wo ich will zu arbeiten und ueberall zu studieren."

Das mag ja schön sein, solange man jung und ungebunden ist und sich die Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Wenn man jedoch älter wird, und die Arbeit annehmen muss, welche man kriegen kann, die Partner in verschiedenen Städten leben und arbeiten und auch noch die Kindererziehung klappen soll, dann wird es schon schwieriger. Denn die Gehälter sind ja gesunken, das heißt, dass auch meistens beide Partner arbeiten müssen. Ich weiß übrigens wovon ich rede, da wir ca. 6 Jahre lang eine Wochendehe mit teilweise monatelangen Auslandsaufenthalten ( bis zu 4 EMonaten ohne Pause) meines Mannes durchstehen mussten. Mit Familie ist das nicht einfach!
Ich wünsche dir, dass dein Arbeitsweg und Lebensweg so verlaufen mögen, dass du auch noch in 20 Jahren die gleichen Ansichten vertrittst!
@ aelve:
Wieso sollte so eine Firma schlechter laufen. Das Personal ist doch meistens hoch motiviert, da es hofft bei guter Arbeit evtl. nach dem Jahresvertrag weiter beschäftigt zu werden. Tja, das klappt nur leider nicht immer. Und hoch motivierte Mitarbeiter werden ihr Bestes geben. Bei jeder Firma aufs neue, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Dumm ist nur, dass die Natur des Menschen es meistens nicht aushält 47 Arbeitsjahre auf Volldampf zu fahren. Daher wird man ja auch mit 40 -50 immer öfter aussortiert.

Zum Glück gibt es ja auch andere Firmen, aber die Entwicklung ist schon erschreckend. Übrigens zum Thema Kapitalmärkte:
Leseempfehlung: " Staatsbankrott", ist sehr interessant, versucht es mal. Ist auch gar nicht so dick! Es werden auch geschichtliche Hintergründe erläutert, gewisse Entscheidungen während des 2. Weltkriegs erscheinen dann verständlicher und auch glaubwürdig.
Grüße Krümel

nysn

Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon nysn » 19. September 2008 22:07

Übrigens zum Thema Kapitalmärkte:
Leseempfehlung: " Staatsbankrott", ist sehr interessant, versucht es mal.


Danke für den Tipp!

Das Thema mit den Kapitalmärkten interessiert mich auch deshalb, weil ich gerade zu der Zeit nach Schweden gekommen bin, als Schweden eine ähnliche Krise wie derzeit in den USA erlebt hatte. Es gibt einige Parallelen, was die Ursachen anbelangt - steigende Immobilienpreise verursacht durch leichtfertig ausgegebene Kredite durch die Banken. Die Rettung kam in Schweden - genau wie heute in den USA - damals durch den Staat. Schweden hat ein Sechstel seines BIP dafür aufwenden müssen, um die Banken zu retten - mit anderen Worten - die Steuerzahler mussten für die Verantwortungslosigkeit der Finanzmanager einstehen.

Da Schweden diesen Weg ging, kann ich ja noch verstehen - "lustig" allerdings die USA - der Wirtschaftsexperte auf der Website der ARD beschreibt es so: "Diese Kehrtwende von liberaler hin zu sozialistischer Wirtschaftspolitik, das ist schon eine sportliche Veranstaltung! "

Hier der Link: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_312484

Bin schon gespannt, wie das weitergeht und vor allem, was in Schweden auf uns zukommen wird. Denn auch hier haben sich die Hauspreise - genau wie in den USA - in den letzten Jahren verdreifacht, ohne dass die Einkommen im gleichen Takt gestiegen wären. Die Verschuldung ist in Schweden heutzutage größer als vor der Krise der 90er-Jahre und wieder mal sind die Häuser zu fast 100 % beliehen. :?

S-nina

nysn

Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon nysn » 19. September 2008 22:13

Schweden hat ein Sechstel seines BIP dafür aufwenden müssen


Sorry, das war nun falsch. Es sollte heissen: 6 Prozent seines BIP.

S-nina

Krümel7
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Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon Krümel7 » 20. September 2008 10:39

Hej S-nina,
habe mir noch gestern abend das Buch wieder rausgeholt. Es gibt dort ab Seite 138 genau die Beschreibung des Szenarios, welches sich jetzt abspielt.
Günter Hannich beschreibt dort u.a. auch wie du bereits in mehreren Beiträgen erwähnt hast, dass bei sinkenden Einkommen, die Immobilien beliehen werden um überhaupt noch konsumieren zu können. Schweden wird in dem Buch als eines der Länder genannt, in dem in ca. 10 Jahren der durchschnittliche Immobilienpreis um 84 % angestiegen ist (Stand 2006). Deutschland gehört übrigens zu den Ländern, die nicht in der sog. Immobilienblase gefangen sind. Hier sind die Preise bis ca. 1995 gestiegen und dann von wenigen Lagen abgesehen, extrem abgefallen. Beispiel:
In dem Teil Berlins, wo ich wohne hat bis 1996 der qm 440 DM gekostet. Seit einigen Jahren bewegt sich der Grundstückspreis konstant bei 80-100 € /qm.
Ich könnte mir gut vortsllen, dass auch in Schweden die Grundstückspreise in nächster Zeit wieder sinken werden. Wobei ich vermute, dass sich die Situation durch die weiterhin sehr zahlungskräftigen Norweger in Westschweden anders darstellen wird.
Es ist eine spannende Situation. Wohl dem, der keine Verbindlichkeiten mehr hat und keine Angst haben muss, bei der evtl. folgenden Deflation wegen Arbeitsplatzverlust in die Überschuldung zu tappen.
Die nächsten Jahre werden, denke ich für die eurpäischen Länder nicht leicht werden. Wobei wir ja im weltweiten Vergleich nicht zu jammern brauchen, da wir ja immer noch auf sehr hohem Niveu leben.
Im Zuge der Globalisierung werden sich jedoch meines Erachtens nach die Lebensverhältnisse der Länder angleichen. Das heißt für uns, dass wir uns zwangsläufig nach unten bewegen werden. Nicht von heute auf morgen. Dies ist ein lange dauernder Prozeß. Aber er hat schon begonnen.
Leider wird den Bürgern immer noch das Märchen von Vollbeschäftigung erzählt und nicht offen gesagt, wohin die Richtung geht und was man ändern muss um als Gesellschaft noch funktioieren zu können. Das ist das, was mich an der Situation am meisten ärgert. Anstelle die Wahrheit zu sagen und Programme zu starten, die es erträglich machen, wird nur beschwichtigt. Schade um die verlorene Zeit!
Lg Krümel

nysn

Re: Globalisierung nutzt vor allem Kapitaleignern

Beitragvon nysn » 20. September 2008 12:14

Im Zuge der Globalisierung werden sich jedoch meines Erachtens nach die Lebensverhältnisse der Länder angleichen. Das heißt für uns, dass wir uns zwangsläufig nach unten bewegen werden. Nicht von heute auf morgen. Dies ist ein lange dauernder Prozeß. Aber er hat schon begonnen.
Leider wird den Bürgern immer noch das Märchen von Vollbeschäftigung erzählt und nicht offen gesagt, wohin die Richtung geht und was man ändern muss um als Gesellschaft noch funktioieren zu können. Das ist das, was mich an der Situation am meisten ärgert. Anstelle die Wahrheit zu sagen und Programme zu starten, die es erträglich machen, wird nur beschwichtigt. Schade um die verlorene Zeit!


Hej Krümel,
Danke nochmals! Genau das denke ich auch.

Ich habe ja die letzten 14 Jahre die Situation in Schweden erlebt - es ging von 0 auf 100 in kürzester Zeit. Die Euphorie war in den letzten 2-3 Jahren fast nicht mehr zu bremsen - jeder fühlte/fühlt sich hier "reich", trotz nahezu gleichbleibenen Realeinkommen und mittlerer bis teilweise sogar hoher Arbeitslosigkeit (z. B. Jugendarbeitslosigkeit).

Im Unterschied zu Schweden finde ich, so sind die deutschen Medien - wenn man das von Medien überhaupt behaupten kann - doch irgendwie realistischer. Die deutschen Wirtschaftszeitungen sagen einem schon noch, wo die Gefahren liegen und was die möglichen Konsequenzen sein könnten. Auch gibt es auf dem deutschen Büchermarkt immer noch gute, fundierte Autoren, die nicht nur danach streben auf der Bestseller-Liste zu stehen. Das schwedische Wirtschaftmagazin Dagens Industri - und es gibt nicht viele Alternativen dazu - liest sich im Vergleich wie ein Boulevard-Blatt - immer mit der Betonung - wir in Schweden sind die Besten.

Schweden kommt mir manchmal wie ein sozialistisches USA vor - man versucht Werte zu schaffen und hat als Grundlage eigentlich nur ein funktionierendes "Marketing" - die Substanz fehlt.

Als Einzelner meint man ja oft, man könnte nicht viel zum Wandel der Gesellschaft beitragen. Ich versuche es halt im Kleinen, indem ich versuche, meinem Sohn beizubringen, dass in Zukunft wohl eher die soften Werte wieder gefragt sind - wie Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme auf den Nächsten. Denn nur wenn es meinem Nächsten gut geht, kann es mir auch gut gehen. Niemand ist eine Insel und man muss in einer globalisierten Welt wohl auch damit rechnen, das der Nächste ein bisschen weiter weg ist als nur um die nächste Hausecke.

Mal sehen, wie es weiter geht. Man kann ja nie zweimal in den gleichen Fluß steigen - alles fließt und ich habe das Gefühl, die Zeit verrinnt immer schneller ... :D

Herzliche Grüße nach Berlin,
S-nina


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