Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

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sternchen8612
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Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon sternchen8612 » 11. August 2008 18:53

Hallo,

ich heiße Birgit, bin 22 Jahre alt und neu in diesem Forum.Finde diese Schwedenseite sehr gut und hoffe und freu mich schon drauf hier viele nette Leute kennenzulernen.

In 4 Jahren werde ich mit meiner Mutter und vielleicht auch meiner Schwester nach Schweden auswandern.Bis dahin wollen wir die Sprache lernen, um uns gleich von Anfang an relativ gut verständigen zu können.Kann mir jemand von euch sagen, ob es folgende Berufe in Schweden gibt und ob sie auch gebraucht werden : - Haus-und Familienpflege
- Heilerziehungspflege
- Familienpflege ?

Ich habe gelesen, dass pädagogische Berufe gefragt sind. Welche genau. Meine Ausbildung beginnt erst im nächsten Sommer. Falls man in der Heilerziehungspflege in Schweden nur schwer eine Anstellung bekommt, wäre ich bereit mich im Sozialwesen anders zu orientieren.

Viele liebe Grüße,

Birgit

jörgT
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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon jörgT » 11. August 2008 22:54

Hej Birgit,
erst einmal herzlich Willkommen im :schwedentor2: !
Haus- und Familienpflege ist sehr gefragt, wird aber hauptsächlich von Krankenschwestern oder undersköterskor durchgeführt - bei privaten Pflegediensten kannst Du als Altenpflegerin oder Hauswirtschaftshilfe Glück haben.
Aber Heilerziehungspflege? Nie gehört - da hat sich wohl in den gut 5 Jahren seit unserem Weggang aus D. viel verändert!
Auf jeden Fall sind gute Sprachkentnisse wichtig - vielleicht könnt Ihr auch Urlaub in Schweden einplanen???
Viel Glück!
Jörg :smt006

Bienenbär

Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon Bienenbär » 11. August 2008 23:55

Mich würde da mal interessieren,ob die Altenpflegeausbildung ,in Schweden nochmals anerkannt werden muß.In Norwegen soll das ja so sein.

:smt006 Tanja

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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 12. August 2008 08:37

Hej Birgit,
ich denke, du hast in deinen Job recht gute Chancen, allerdings ist natürlich wichtig, dass du recht gut schwedisch sprichst. Mit etwas Glück und den entsprechenden Schwedisch-Kenntnissen kannst du vielleicht als Persönlicher Assistent unterkommen. Allderdings soll in diesem Bereich wohl radikal zusammengestrichen werden.
Wichtig ist natürlich auch, dass du im Vorfeld abklärst, ob dein Abschluss in Schweden anerkannt wird.

@Jörg: Heilerziehungspfleger arbeiten mit behinderten Kindern und Erwachsenen zusammen, meist in Heimen (Deutschland). In Schweden werden sie wohl recht gern in der Särskola eingesetzt. Meist auch als Persönliche Assistenten.

LG JANA
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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon sternchen8612 » 12. August 2008 11:04

@ Jörg : Hallo Jörg, vielen Dank für deine Antwort.Meinst du, einen Urlaub einplanen, um sich in dieser Zeit nach den Jobchancen zu erkundigen und eventuell wichtige Kontakte zu knüpfen oder einen Urlaub, um vor Ort einen Sprachkurs zu absolvieren.Wollen auf alle Fälle, in dem Jahr vor der Auswanderung nach Schweden fahren, um einen weiteren Sprachkurs zu machen, zusätzlich zu dem,den wir nächstes Jahr an der VHS beginnen werden.Wie hat eure Auswanderung geklappt? Ich habe mir neulich das Buch "Schweden für Einsteiger" , eine Anleitung zur erfolgreichen Auswanderung gekauft und gleich ausgelesen.Kann es kaum abwarten in die nähere Planung zu gehen.Was sind "undersköterskor"?LG,Birgit

@Janaquinn : Hi Jana, vielen Dank auch für deine Antwort.Da fällt mir erst einmal ein Stein vom Herzen,dass die Berufswahl von meiner Familie und mir nicht ganz falsch ist.Wo kann ich herausfinden, welche Abschlüsse anerkannt sind? Heißt das, dass der Bedarf in der Heilerziehungspflege nicht mehr ganz so groß ist,wenn radikal zusammengestrichen wurde?LG,Birgit

Noch eine weitere Frage zum Thema Berufe : In welchen Regionen Schwedens kann man im Sozialwesen, in den drei Berufen, die ich genannt habe, am besten und ehesten einen Arbeitsplatz finden? Süd-,Mittel-,Ost- oder Westschweden? Großstadt,Kleinstadt,ländliche Regionen?

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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 12. August 2008 11:23

Hej Birgit,
ich finde deine Berufswahl nicht nur nicht schlecht, sondern ganz wunderbar!! Ich habe selber ein behindertes Kind und freue mich immer wieder, wenn gerade junge Menschen sich für eine Arbeit mit besonderen Kindern und Menschen entscheiden!! Hut ab vor dir und deiner ENtscheidung!!!!

Was die Anerkennung betrifft, kann dir eventuell Jörg eher weiterhelfen als meine Wenigkeit, weil er nämlich Arzt ist. Ansonsten wende dich an die Schwedische Botschaft in Berlin, die können dir vielleicht auch Näheres erklären.

Die Nachfrage nach Persönlichen Assistenten ist und wird weiterhin hoch bleiben, aber die Krankenkasse will in nächster Zeit nicht mehr so schnell und viel bewilligen wie in den letzten Jahren. Es gibt zwar ein Gesetz, wonach jemanden, der mehr als 20h/wöchentlich Hilfe benötigt, ein solcher Persönlicher Assistent zur Verfügung gestellt wird, aber die Kriterien sollen wohl recht zurecht gekürzt werden. Auch in Schweden wird eben gespart...und manchmal eben an der falschen Stelle. Aber das ist nur mein Empfinden als persönlich-betroffene, obwohl der Behinderungsgrad meines Sohnes keine Kürzung zulassen wird. Dafür sind aber Huntertaussende anderer davon direkt betroffen.

Jobsuche kannst du eigentlich auf das gesamte Land ausweiten, da gerade Persönliche Assistenten händeringend gesucht werden, es ist eben nicht für alle ein Traumjob und wird meist von Studenten ausgeführt. Du kannst dich an die Komunen direkt wenden, aber es gibt auch sehr sehr viele Private Unternehmen, welche solche Dienstleistungen anbieten.
Meine Schwester und ich arbeiten als Persönliche Assistenten für meinen Sohn, waren bis 1. Juli direkt bei der Komune angestellt, wovon wir mehr als enttäuscht waren und sind jetzt bei einem privaten Unternehmen, wir sind zufrieden, im Laufe der Zeit wird sich zeigen, ob es dabei bleibt.
Aber egal wo, Schwedisch-Kenntnisse, am besten natürlich sehr gute, sind Grundvorraussetzung. Unser Arbeitgeber ist glücklich jetzt auch 2 Deutsche zu haben, da er wohl einige Deutsche Familien betreut...allerdings sind wir arbeitstechnisch komplett ausgelastet, so dass eine 2. Stelle nicht in der Disskussion steht.

Mit Urlaub machen meinte Jörg übrigens, dass ihr herkommen solltet, euch das Land und vorallem die Region wo ihr eventuell hinkommen wollt, euch genau anschaut. Meist stellt sich das Land in der Realtität nämlich anders dar, als in jedem bunten Touri-Prospekt. Und was euch im Urlaub vielleicht noch als traumhaft schön darstellt, kann im Alltagsleben kaum realisierbar sein.

So muss erstmal Mittagessen für Yannic machen.

LG JANA
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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon frasimi74 » 12. August 2008 12:55

Hej Jana,

deine Ausführungen und Informationen sind einfach klasse. Du weisst ja, dass
Simone auch in diesem Bereich arbeitet. Ich hätte da mal noch eine Frage:

janaquinn hat geschrieben:Meine Schwester und ich arbeiten als Persönliche Assistenten für meinen Sohn, waren bis 1. Juli direkt bei der Komune angestellt, wovon wir mehr als enttäuscht waren und sind jetzt bei einem privaten Unternehmen, wir sind zufrieden, im Laufe der Zeit wird sich zeigen, ob es dabei bleibt.


Warum wart ihr so enttäuscht bei der Kommune? Was ist der Unterschied in der
Anstellung bei einer Kommune zu einem privaten Unternehmen?

LG Frank :smt006
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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 12. August 2008 13:26

Hej Frank,
das Problem mit der Komune war, dass wir einen sogenannten PAN-Vertrag hatten, die werden übrigens recht gern und häufig von den Komunen ausgestellt. Problem ist dabei, sie sind zeitlich begrenzt, müssen jährlich verlängert werden, mit diesen PAN-Verträgen sind alle Überstunden ect. abgedeckt. Man bekommt als kein Extra-Geld falls man länger als geplant arbeiten muss, weil vielleicht ein Notfall eingetreten ist oder sich ein Kollege verspätet bzw. krank geworden ist.
Meist, nicht immer, zahlen die Privaten Unternehmer besser, kümmern sich doch intensiver um ihre Angestellten als die Komunen und unser Chef hat z.B. auch noch einige Anwälte an der Hand, falls es ein Problem geben sollte. Außerdem stellen diese Privaten Dienstleister keine PAN-Verträge aus, dass liegt wohl mehr in der Hand der Komunen. Zudem haben wir jetzt ein Spesenkonto, worauf wir unsere monatliche Summe eingezahlt bzw. zurückgezahlt bekommen, wenn wir mit Yannic z.B. im Tierpark, im Urlaub ect... gewesen sind. Bei der Komune mussten wir erst in Vorkasse gehen und dann recht lange auf die Rückzahlung warten. Denn auch wenn Yannic mein Sohn ist, so sind wir doch auch seine Angestellten, dass ist hier in Schweden aber auch überaus normal und sichert so manchen Job innerhalb der Familien.

Wir waren recht enttäuscht von der Komune, da unsere direkte Vorgesetzte für uns kaum erreichbar war, wenn es um wichtige Sachen ging. Gerade als wir die Mobbingprobleme mit unserem Vermietern hatten, hat sie sich ständig am Telefon verleugnen lassen bzw. hat auf unsere Schreiben nicht reagiert.

Ich sollte noch dazu sagen, dass dies natürlich NICHT Gang und Gebe ist, eher empfinde ich es, hoffentlich, als bedauerlichen Einzelfall.
Es kommt immer auf das eigne Empfinden an, wo wann sich wohler fühlt und womit man besser zurecht kommt.
Wir sind zufrieden mit unserem Chef, er ist jederzeit für uns erreichbar, kommt auch, wenn wir das möchten, direkt zu uns nachhause und erkundigt sich in regelmässigen monatlichen Abständen nach Yannic.
Außerdem bietet er direkt Weiterbildungen an und wenn wir möchten können wir, wenn Yannic irgendwann nicht mehr bei uns wohnt, weiterhin für ihn arbeiten.


Danke übrigens für das Kompliment :oops:

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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon frasimi74 » 12. August 2008 16:03

janaquinn hat geschrieben:Denn auch wenn Yannic mein Sohn ist, so sind wir doch auch seine Angestellten, dass ist hier in Schweden aber auch überaus normal und sichert so manchen Job innerhalb der Familien.


Hej Jana,

diese Art der Beschäftigung und Pflege ist mir neu. Kann mich zumindest aktuell
nicht daran erinnern, dass es diese Variante in Deutschland auch gibt oder
gegeben hat. Ich finde es jedoch gut, dass auf diese Art und Weise die
Betreuung ein Stück weit oder sogar ganz in der Familie möglich ist.

Sorry, aber ich muss dich nochmal was fragen:
Wie sind denn die Stunden bei euch vertraglich geregelt?
Werden die Überstunden voll bezahlt, auch mit Zuschlag an den WE?

LG Frank
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Re: Gefragte Berufe im Sozialwesen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 12. August 2008 16:28

Hej Frank,
ich denke, es wäre durchaus auch in Deutschland möglich ein solches System einzuführen, da ja viele Pflegebürftige durch ihre engsten Familienangehörigen gepflegt werden. Allerdings erhalten die Pflegepersonen in Deutschland als "Entlohnung" das Pflegegeld der entsprechenden Stufe und ihnen werde die Jahre in der Rente angerechnet, d.h. die zuständige Krankenkasse zahlt Rentenbeiträge für die Pflegenden.
Allerdings ist das Pflegegeld keineswegs ausreichend um ein komplett weggefallenes Gehalt auszugleichen, da beinahe alle pflegenden Angehörigen ihren Job aufgeben müssen. Zudem wird das Einbeziehen eines Pflegedienstes, der Aufenthalt der zu pflegenden Person oder bei behinderten Kindern der Aufenthalt bei einer Kur oder im Internat vom Pflegegeld abgezogen. Hinzu kommen die in regelmässigen Abständen zu erfolgenden Pflichttermine um den Pflegenachweis zu erhalten, der wiederrum erforderlich ist, das Geld in voller Höhe zu erhalten. Ich empfand das System in Deutschland als äußerst kompliziert, da man gerade die Termine für den Pflegedienst, der in unserem Fall alle 3 Monate erfolgen muss, auch mal vergessen werden kann und die Kasse dann um 25% zusammenstreicht.
Würden die Angehörigen dagegen direkt eingestellt werden, hätten sie ein normales Gehalt, einen Urlaubsanspruch ( auch wenn der nicht immer realisierbar ist) und nicht mehr das Gefühl, weiss nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, dem Staat auf der Tasche zu liegen.

Wir haben für Yannic 92h/Woche zugesprochen bekommen, es wären mehr gewesen, hätten wir noch jemanden extra dazugenommen. Was aber wiederrum für Yannic und auch für uns mehr Stress bedeutet hätte. So musste ich anfangs nur meine Schwester "anlernen". Wir teilen diese Stunden durch 2, d.h. jeder rechnet 46h pro Woche bzw. seine entsprechende Stundenanzahl im Monat mit unserem AG ab. Dieser wiederrum zahlt uns am Monatsende entsprechend unseren Monatslohn aus. Wir bekommen einen Stundenlohn zuzüglich Semesterersättning (Urlaubsvergütung).
WE-Zuschlag oder Überstunden gibt es für uns nicht, allerdings bekommen wir für die Weihnachtszeit mehr Geld, als Einmal-Zahlung, zumindest war es bei der Komune so.
Alles was über die 92h geht, zählt als normale elterliche Fürsorge...was ja normal ist.

Ich empfinde dieses System als sehr gut, hat es uns doch 2 Jobs auf einmal eingebracht, wir zahlen unsere normalen Steuern, sind sozialversichert und verdienen unser eignes Geld.

LG JANA
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