Freundschaften in Schweden?

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MathildaTwist

Freundschaften in Schweden?

Beitragvon MathildaTwist » 24. Februar 2008 13:32

Hallo an alle!

Ich bin neu hier und ich würde gerne in Kontakt mit Deutschen kommen die schon einige Jahre hier sind und sich bereits heimisch fühlen. Besonders gerne würde ich mich mit mich Leuten unterhalten die auch einen schwedischen Partner haben.

Ich wohne seit eineinhalb Jahren in Schweden und seit einem halben Jahr in Stockholm. Ursprünglich bin ich als Erasmusstudentin nach Östersund gegangen um dort mein Studium (viel schneller als in Deutschland) abzuschließen. Gleichzeitig wollte ich mir von Anfang an die Möglichkeit offen lassen vielleicht eine Weile länger zu bleiben. Nach dem Studium wollte ich erstmal nicht zurück nach Deutschland, aber auch nicht in Östersund bleiben. Stattdessen bin ich nach Stockholm gegangen und habe dort auch unmittelbar meine große Liebe kennengelernt.

Ich habe mich von Anfang sehr darum bemüht nicht "neben" den Schweden sondern mit ihnen zu leben. Habe die Sprache sehr schnell gelernt, war offen und habe versucht Kontakte zu knüpfen.

Dennoch habe ich bis auf meinen Freund keine Freunde und irgendwie habe ich auch das Gefühl das es Freundschaften, wie ich sie aus Deutschland gewohnt bin hier überhaupt nicht gibt. Also, dass auch die Schweden untereinander keine solchen pflegen.

Mein ungeschminkter Eindruck: Der soziale Druck "gleich", "normal" und "unauffällig" zu sein erscheint mit riesengroß und führt dazu, dass Gespräche oft an der Oberfläche bleiben. Wie soll man ein tiefgehendes Gespräch führen, wenn niemand wagt etwas zu sagen was anderen nicht passen könnte, wie wenn die Menschen sich scheuen Persönliches von sich preiszugeben. Wenn ich mich so verhalte wie ich bin, wenn ich ehrlich und direkt bin kann es passieren dass ich Betretenheit auslöse. Die aber nur kurz fühlbar und dann gleich wieder unter der einer Welle von Oberflächlichkeit verschwindet. Wenn sich die Schweden dann im Rausch mal locker machen können und persönlicher werden, tun sie am nächsten Tag als wäre dies nie passiert. Meine ehemalige Mitbewohnerin hat sich sogar einmal entschuldigt bei mir entschuldigt, weil sie betrunken emotional geworden war.

Besonders schwierig finde ich es mit den schwedischen Frauen zwischen 20 und 30 die ich oft als schöne, leere Hüllen wahrnehme, die (betrunken) kreischend durch die Straßen ziehen. Das ist natürlich ein überzogenes Bild, ich weiß.

Dann ist mir aufgefallen, dass selbst Studenten ihrem Staat und seinen Reglements sehr unkritisch gegenüber stehen. Nach dem Motto, der Staat wisse schon was gut für die Menschen sei, die Aufgabe der Bürger sei es fehlerfrei zu funktionieren.

Ich glaube natürlich, dass es auch andere Menschen so sind. Mein Freund ist ja auch nicht so, zumindest nicht wenn er mir allein ist. In der Gruppe ist allerdings auch er bemüht seine Meinung zu Gunsten des Konsens zu modifizieren.

Ich würde mich sehr interessieren wie andere Deutsche das wahrnehmen und besonders wie solche die schon lange hier sind sich damit arrangiert haben. Also schreibt und erzählt mir!

PS: Falls dieser Text sehr einseitig wirken sollte, es gibt natürlich viele Punkte die ich an Schweden wunderbar finde, deswegen will ich ja auch gerne hierbleiben.

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Imrhien
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Imrhien » 24. Februar 2008 13:51

Hej Mathilda,

schön, dass Du da bist, herzlich Willkommen.
Gleich zu Anfang, aber das weisst Du sicher, Dein Thema ist polariserend :)
Es wird immer wieder Menschen geben die es uneingeschränkt bestätigen und andere die meinen, dass Du doch gleich nach Deutschland sollst, wenn es Dir nicht in Schweden gefällt. Mach Dir nichts draus.
Ich finde es toll, dass Du es so "ungeschminkt" geschrieben hast. Persönlich kann ich Dir noch nicht sooo viel erzählen. Ich lebe erst seit 5 Monaten hier. Dennoch merke ich auch, dass die Bekanntschaften eher dazu neigen Bekanntschaften zu bleiben. Engere Kontakte habe ich nun zu einer deutsch/schwedischen Familie, einer Japanerin die mit einem Schweden verheiratet ist und einer Schwedin die aber sehr interessiert an Deutschland ist und ihrerseits gerne dort leben würde.
Der Schwede der mit der Japanerin verheiratet ist, sagt von sich selbst, "wir Ausländer". Er merkt, dass er anders ist... Und sie sagte mir als eine der ersten Dinge, dass ich unbedingt zum SFI muss, damit ich nicht nur Schweden treffe, das sei wichtig!?
Wir haben noch keine Probleme gehabt und bisher haben wir noch nichts vermisst. Aber was Du so schreibst deckt sich sehr mit den Erfahrungen von anderen mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe. Und auch die deutsch/schwedische Familie bestätigt dies, sie leben schon sehr lange in Schweden (obwohl er in Deutschland aufgewachsen ist und daher den Unterschied auch kennt).
Ich denke aber auch, oder hoffe es, dass es hier in Schweden auch diesbezüglich nicht immer so sein muss und es Ausnahmen gibt. Ich brauche ja keinen riesen Freundeskreis. Aber es wäre schön wenn wir in ein paar Jahren nicht nur andere Ausländer dazu zählen dürfen.
Bin auch mal gespannt was die anderen so schreiben.
Und wenn Du magst, kann Du ja unter "wer bin ich" mehr von Dir erzählen.

Liebe Grüße
Wiebke

Aurora

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Aurora » 24. Februar 2008 19:24

MathildaTwist hat geschrieben:
Ich habe mich von Anfang sehr darum bemüht nicht "neben" den Schweden sondern mit ihnen zu leben. Habe die Sprache sehr schnell gelernt, war offen und habe versucht Kontakte zu knüpfen.


Damit hast du doch alles getan, was dir möglich war. Das finde ich toll.
Hi, dieses Problem wurde hier schon oft angeschnitten. Viele sind deiner Meinung, mit deinen Erfahrungen und somit denke ich, dass da auch was dran sein muss.
Bei all der Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Schweden sind emotionale Bindungen eher seltener aber nicht ausgeschlossen. Dazu braucht man aber auch viele Jahre. Und "Ausländer wird man immer bleiben.
Aber auch in Deutschland hat man nur noch wenige "echte " Freunde.
In kleinen Orten oder Bayern ist es auch als Deutscher schwer, sich zu integrieren und in den Kreis aufgenommen zu werden.

nysn

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon nysn » 24. Februar 2008 19:35

Hallo Mathilda,

als ich deinen Text las, war meine spontane Reaktion – oj, die traut sich was und endlich mal jemand, der genauso empfindet wie ich ...
Dann habe ich – ganz entgegen meiner sonst so „losschnatternden“ Art – etwas länger darüber nachgedacht, und möchte nun einen Versuch starten, diesen Gedankengang zusammenzufassen.

Die Problematik, die du beschreibst, würde ich sagen, hat mit dem Anderssein/Ausländer sein zu tun und kann überall Gültigkeit haben – ist also nicht unbedingt Schweden spezifisch.

Anfang 20 bin ich für ein Jahr zum Studium nach Italien gegangen, auch mit dem Ziel nicht „neben“ sondern „mit“ den Italienern zu leben. Durch meinen italienischen Vater und zwangsläufig durch mein Aussehen fühlte ich mich dort auch nicht unbedingt als Ausländerin, sondern sogar viel mehr „Italienerin“ als z. B. meine deutschen Studienkameradinnen. Dieses Jahr möchte ich in meinen Leben auch nicht missen und hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich nun seit 13 Jahren hier in Schweden bin.

Mein Freundeskreis damals in Italien bestand in erster Linie aus anderen Ausländern und anderen Deutschen – wenn Italiener/innen dabei waren, dann meistens auch solche, die einen nicht-italienischen Freund/Freundin hatten. Für die Italiener/innen – war ich trotz 50%-igem Anteil – mehr deutsch.

Nach meiner Italienzeit bin ich auf Umwegen schließlich in München gelandet, wo ich zwar nicht mehr Ausländerin war, doch aus Bayern kam ich auch nicht, was übrigens für die meisten meiner Arbeitskollegen zutraf. Diese kamen auch wieder von überall her – von Hamburg – über Australien – USA - Japan – Rom – Finnland – ja es war sogar einer dabei, der aus einem winzigen Ort in Westschweden kam ...
Dieser hatte auch wieder einen Freundeskreis, der hauptsächlich auch aus solchen Mischungen bestand, die du auch beschreibst – also es gab einfach wieder alles Japanisch-Schwedisch, Schwedisch-Deutsch, Schwedisch-Spanisch usw. – aber selten bis gar nicht „rein bayerisch/Münchnerisch“.

Die Parallele zu dem, was du beschreibst, ist wohl, dass Leute, die ins Ausland gehen, auch oft neugierig/neugieriger und eher offener sind als andere, die eben dort verbleiben, wo sie schon immer waren. Und das trifft ja auch auf die meisten Schweden/Italiener/Deutsche usw. zu – diese Leute verstehen dann irgendwie gar nicht die Offenheit, die Ehrlichkeit usw. Die sind auch gar nicht so neugierig auf andere und haben irgendwie auch gar nicht so ein Bedürfnis neue Kontakte zu knüpfen. Dieses Phänomen habe ich jetzt schon so oft beobachtet und im Grunde genommen unterscheidet sich die Mentalität meiner süditalienischen Verwandtschaft nicht so wahnsinnig von der meiner süddeutschen oder südschwedischen.
Die Menschen sind sich irgendwie im Grunde genommen alle gleich. Die Unterschiede machen wir uns – die Ausgewanderten – indem wir anfangen zu vergleichen und die Erinnerung an das Alte hilft uns da auch nicht gerade weiter – denn die erscheint wie in Astrid Lindgrens Bullerby fast immer als „heile Welt“.

Sicher sind die Schweden in mancher Hinsicht anders, aber damit du persönlich damit zurecht kommen kannst, denke ich, muss man/frau sich davon freimachen, sich unbedingt auf Biegen und Brechen zu „integrieren“.
Für mich habe ich das aufgegeben und fühle mich viel wohler dabei. Ich versuche, das Beste aus meiner europäischen Mischung herauszuholen – die Dinge, die mir in Schweden gefallen, die nehme ich gerne mit, das, was mir nicht gefällt, kommentiere/kritisiere ich zwar „noch“, aber lasse es nicht mehr so sehr an mich ran. Konkret bedeutet das, wer mit meiner spontanen, direkteren Art nicht zurechtkommt oder sogar davor „abgeschreckt“ wird, nun ja, was soll ich tun?
Wenn die anderen oberflächlich, „gleich“, „normal“ und „unauffällig“ sind, dann muss ich es ja nicht unbedingt auch sein. Warum auch?

Wir haben in Schweden keinen ausschließlich schwedischen Freundeskreis – wir sprechen in der Familie Deutsch, Schwedisch und „Schwäbisch“. Wir versuchen auch weiterhin offen zu sein und zwar für alle – auch zurückhaltende Schweden sind bei uns willkommen und es hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, einige haben sich anfänglich schon „erschrocken“, aber es waren auch ein paar „mutige“ dabei, die ähnlich denken wie wir. Mag sein, dass es etwas LÄNGER gedauert hat – aber es hat FUNKTIONIERT und war/ist nicht unmöglich.

Wenn du es also geschafft hat, bis hierher zu lesen und es dir nicht als kompletter „Schmarren“ erscheint – dann hoffe, ich, dass ich dir vielleicht auch etwas Mut machen konnte und wünsche dir, dass du bald richtig gute Freunde findest - überall sei’s in Schweden oder sonst wo.

Herzliche Grüße aus Göteborg
S-nina

Aurora

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Aurora » 24. Februar 2008 22:50

S-nina hat geschrieben:
Unterschiede machen wir uns – die Ausgewanderten – indem wir anfangen zu vergleichen und die Erinnerung an das Alte hilft uns da...


S-nina,
:smt048 finde deinen Artikel sehr bereichernd.Er macht Mut und relativiert.
Weiter hilft nur, an das "Morgen" zu denken.

Storstadstjej

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Storstadstjej » 25. Februar 2008 11:29

Hier meine 50 Öre zu dem Thema:
In Deutschland hatte ich als "Ausländerin" in der ersten Zeit ausschliesslich deutsche Freunde, dadurch habe ich im Autobahntempo Deutsch gelernt. Auch weiterhin waren meine Kontakte mit den "eigentlichen Landsleuten" auf einige wenige beschränkt. Ansonsten zähl(t)e ich in etwa gleichen Anteilen Deutsche als auch Zugezogene aus anderen (meist europäischen) Ländern.
Hier in Schweden habe ich eine Menge oberflächlicher Kontakte zu Frauen meiner Generation, als tiefergehend hat sich bisher ein einziger herausgestellt - gut, ausser sie sind schwer angetrunken, was meiner Natur vollkommen widerspricht. In der übrigen Zeit ist man reserviert, darauf bedacht, nichts "falsches" zu sagen, zu tragen, zu essen. Während die letzteren 2 Punkte wohl eher auf das Stadtgebiet Stockholms (und allen die dazugehören wollen) bezogen werden kann, gilt Pkt 1 für Schweden.
Tja und "meine hiesigen Freunde"... Mein Sambo (er ist aber auch ein ungewöhnlich streitlustiger Schwede :)), zwei Schweden ein-zwei Generationen von mir entfernt und ein Paar "Schweden mit Einwandererhintergrund".

Übrigens war da so ein ähnliches Thema bei einem der Letzten Stammtische hier in Sthlm - wie lernt man Schweden kennen. Ich glaube das Resumee war es ist ohne bereits einen engen schwedischen Kontakt zu haben recht unmöglich. Erinnere mich allerding nicht, ob es um ernsthafte Freundschaften oder um "Saufkumpanen" ging.

Leere, schöne und modische Hülle... ja, das habe ich mir auch gedacht, als eine "Ekonomi"-Studentin im 5 Semerster über das im Studium gelernte resümierte "naja, nach dem 4-ten Semester konnte ich den Wirtschaftsnachrichten folgen" :sagnix: Ich beobachte in dieser gewissen Generation ein tiefes desinteresse an sozialpolitischen Themen, sobald sie über den persönlichen Rahmen hinausgehen, was im gewissen Widerspruch zum "Schwedensein" steht - es ist für Schweden ja ansonsten viel leichter über Dinge die sie nicht betreffen zu sprechen. :?

nysn

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon nysn » 25. Februar 2008 12:15

[quote="Storstadstjej"]Hier meine 50 Öre zu dem Thema:
In Deutschland hatte ich als "Ausländerin" in der ersten Zeit ausschliesslich deutsche Freunde, dadurch habe ich im Autobahntempo Deutsch gelernt.
quote]

Hej Storstadstjej,
gehe ich recht in der Annahme, dass wir ungefähr den selben "Einwandererhintergrund" haben - mit italienischen Wurzeln?

Kennst du die Bücher von Jan Weiler, "Maria, im schmeckts nicht! - Geschichten von meiner italienischen Sippe" und "Antonio im Wunderland"?

Die Bücher sind recht lustig und vielleicht auch etwas klischeehaft. Mich haben sie allerdingsauch teilweise sehr berührt, zumal auch die Zerrissenheit zwischen zwei "Welten" aufgenommen wird, in die man als Ausländer zwangsläufig gerät.

Kann dir auch zustimmen, was du mit deinen "50 Öre" sagst, wollte aber nicht eine Lawine von Schweden pro-contra usw. lostreten. Hier in Göteborg ist die Situation auch ähnlich wie in Stockholm.

Herzliche Grüße in die Hauptstadt
S-nina

Storstadstjej

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Storstadstjej » 25. Februar 2008 13:04

S-nina hat geschrieben:gehe ich recht in der Annahme, dass wir ungefähr den selben "Einwandererhintergrund" haben - mit italienischen Wurzeln?

Einwanderungshintergrund - 100% ja, italienische Wurzeln - 50%, bin irgendwann recht schmeichelhaft als "Bouqet an Nationen" bezeichnet worden. :twisted:

Antonio im Wunderland kenne ich, das andere nicht. Danke für die Empfehlung :-).
Zerrissenheit zwischen den Welten ist ein guter Ansatz, allerding muss ich sagen, dass das bezeichnete Problem mir aus meiner Erfahrung heraus doch als ziehmlich schwedenspezifisch erscheint. Obwohl ich von Einwanderern in anderen Ländern desöfteren lese, ihnen fehlen tiefgehende Freundschaften, die sie in der Heimat haben. Da gibt es für mich zwei mögliche Gründe, die gleichwohl ihr Daseinsrecht haben:
1. es ist essentiell, was man als Kind kennengelernt hat, wie man aufgewachsen ist, ja, welche Kinderbücher man gelesen hat (daher meine ständigen Empfehlungen an die Eltern ihren Kids einen Teil der Schwedischen "Kinderbuchkultur" nahezubringen). Als in Deutschland aufgewachsener hat man andere Erfahrungen gemacht, als ein in Schweden aufgewachsener, dieses "Anderssein" wird man nicht ändern können. In vielen Fällen ist das Anderssein spannend, in einigen aber fehlt einem ganz einfach ein Teil. Ähnlich lässt sich in den verschiedenen sozialen Schichten eines Landes beobachten.
2. die widersprüchliche Mentalität beider Seiten - hier: Deutsch = offen und direkt, Schwedisch = verschlossener, nur schön verpackte Kritik äussernd.

Grund Nummer 2 ist länder- oder in dem Fall schwedenspezifisch. Schweden haben z.B. eine stark ausgeprägte "Liebe zu ihrem Land" und gerade den Deutschen fehlt es an vielen Stellen daran, daraus entwickeln sich auch auf der persönlichen Ebene Kollisionen. Schweden mögen auch dem einen oder anderen als nicht so offen gegenüber anderen Kulturen erscheinen, weiterer Kollisionsgrund.
Aber ich will hier ausschliesslich Negatives wälzen und nicht sagen, dass Schweden schlecht ist und ganz sicher will ich nciht "zurück nach Deutschland" - ich habe es gewählt hier zu leben, ich mag mein leben hier, keiner hat mich hier festgeklebt. Aber man muss sich (und anderen) erlauben zu kritisieren.

Nanna
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Schwedisch-Kenntnisse: Muttersprache

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Nanna » 25. Februar 2008 16:17

Ich bin mit 9 Jahren "zwangsumgesiedelt" worden nach Deutschland. Es hat mir im Laufe der 16 Jahre, die ich dort verbracht habe, nie richtig dort gefallen, ich habe mich immer als Aussenseiter gefühlt. Und ein richtiges Heimatgefühl habe ich nie entwickelt :)
Mag sein, dass die Norddeutschen da noch steifer sind, als die übrigen Deutschen?
Ich habe hier das Gefühl zu Hause zu sein, von den Menschen offen und neugierig empfangen zu werden, Freunde zu haben, auf die ich auch bei Krisen zählen kann usw.
Dabei zähle ich kaum Studenten oder Menschen, die sich am Wochenende vollaufen lassen, zu meinen Freunden ;)
Von daher kann ich den Punkt nicht beurteilen. :lol:
Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein grosser Unterschied ist zwischen dem Wohnen in der Grosstadt zum Wohnen auf dem Dorf, ziemlich ländlich, so wie wir. Gerade was Kontakte angeht. Hier hat man einander unter Kontrolle :lol: , wohnt nicht so gleichgültig nebeneinander wie es ja gerade in Mietskasernen oft der Fall ist (egal ob in S oder D).

Wir haben sehr gemischte Freunde, teils 100%ige Schweden aber auch wir haben Freunde mit ausländischen Hintergrund. Wobei dort viele eigentlich mehr in den Bekanntenstatus reinfallen, richtige Freunde sind eher Schweden.

Von daher kann ich mich nur in wenigen Punkten wiederfinden in dem Ursprungsbeitrag, auch wenn ich einiges wiedererkenne.

Liegt es am Alter der Freunde? An unserem Hintergrund? Der ländlichen Lage? keine Ahnung, aber so krass wie sonst geschildert, sehe ich es jedenfalls nicht.

Jetzt weiss ich, worin der Unterschied liegt: Wir sind extrem nett :lol: 8)


Gruss

Nanna

thalia
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon thalia » 25. Februar 2008 18:12

Nanna hat geschrieben:Hier hat man einander unter Kontrolle :lol: , wohnt nicht so gleichgültig nebeneinander wie es ja gerade in Mietskasernen oft der Fall ist (egal ob in S oder D).


Hallo Nana, wie meinst Du das ? Wie muss ich mir das Dorfleben so vorstellen ? Ich möchte auch gerne aufs Land ziehen, falls es eines Tages soweit ist, nach Schweden zu gehen. Deshalb interessiert mich das näher :-) lg


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