Freundschaften in Schweden?

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Manty

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Manty » 25. Februar 2008 20:17

@Nanna, ich schließe mich deinem Beitrag voll und ganz an und wir wohnen nicht auf dem Land, aber an der Westküste. Da könnte man jetzt wieder eine Diskussion lostreten, welche Gegend "kontaktfreudigere" Schweden hat.
Kann man eine Nation überhaupt so analysieren? Gibt ja keine Gebrauchsanweisung für Nationen.

Nanna
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Nanna » 25. Februar 2008 20:25

@ Manty
Wir scheinen mehr Glück zu haben, Du hattest auch einen Beitrag zum Thema Kranksein in Schweden geschrieben, auf den ich eigentlich antworten wollte (bin aber noch nicht dazu gekommen), denn wir haben bis jetzt eigentlich keine Probleme gehabt, ich bin om Grossen und Ganzen sehr zufrieden :)
Witzig zu sehen, wie sich unsere Meinungen decken :)

Nanna

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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Nanna » 25. Februar 2008 20:30

@thalia

Als erstes, ich heisse NanNa und nicht NaNa ;)
Typisch Deutsch, meinen Namen konnte da kein Mensch schreiben, nicht mal, wenn er buchstabiert wurde :evil:

Musste jetzt sein, dagegen bin ich allergisch :D


Wie soll man sich das Leben vorstellen? Keine Ahnung, ziemlich normal? :lol:
Nette Leute, man kümmert sich, hilft einander, schaut auch mal spontan auf einen Plausch vorbei, lädt sich spontan zu irgendwas ein, fährt gegenseitig die Kinder ...

Man schaut auch, was hier fur Autos fahren, kontrolliert das Haus des Nachbarn, wenn der im Urlaub ist, reagiert, wenn die alte Nachbarin nicht so die Post holt wie sonst ;)

So halt, das ist für mich normal, nichts besonderes. Weiss nicht so recht, was Du wissen willst/was ich schreiben soll :)

Ich hoffe, das hier hilft Die ein bisschen.

Nanna

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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon thalia » 25. Februar 2008 20:56

Nanna hat geschrieben:@thalia

Als erstes, ich heisse NanNa und nicht NaNa ;)
Typisch Deutsch, meinen Namen konnte da kein Mensch schreiben, nicht mal, wenn er buchstabiert wurde :evil:

Musste jetzt sein, dagegen bin ich allergisch :D



Oh, entschuldige bitte. Da ist mir beim schnellen Schreiben wohl ein Buchstabe abhanden gekommen, trotz deutscher Nationalität, umfassenden Buchstabierkenntnissen und Rechtschreibung 1-2 ;-) Immer schön locker bleiben, gibt Schlimmeres ;-)

Also die Infos helfen mir schon weiter. Danke dafür. Was mich auch noch interessieren würde, wie es so mit den (negativen) Klischees aussieht, die da besagen, dass auf dem Dorf viel getratscht wird, was dann auch manchmal zu Falschinformationen führt. Das fiel mir so spontan ein, bei "unter Kontrolle". Jeder Schritt wird beobachtet oder so. Was hast Du da für Erfahrungen gemacht ? Gruß

swissnetti
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon swissnetti » 25. Februar 2008 23:50

Also, ich habe mich jetzt erst eingeloggt und wollte auch mal was zum "Grundthema" -nämlich Freundschaften in Schweden -Ausland sagen: wir wohnen seit 2 Jahren in der Schweiz und ich kenne das Gefühl sehr gut: ausgeschlossen zu sein, Ausländerin zu sein: die Schweizer/innen sind sehr nett und höflich zu uns -aber nicht mehr. Wir als Familie oder ich als Frau haben uns ein Bein ausgerissen um in Kontakt zu kommen, haben Leute eingeladen, Treffen oranisiert, Einstand "gefeiert"usw. Aber leider haben wir noch "keine 5 Schweizer Wohnzimmer von innen gesehen" (Bericht in der NZZ über das gleiche Thema). Und meine -zwangsläufg deutschen Freundinnen hier- berichten dasselbe. Die Kontakte sind nett aber sehr sehr oberflächlich.

Ich glaube also nicht, dass die Erfahrungen, die ihr gemacht habt, schwedenspeziell sind.

Wir werden im Sommer nach Stockholm ziehen und ich bin gespannt aber auch gewappnet, wie es uns dort ergeht.

Gruss swissnetti

Storstadstjej

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Storstadstjej » 26. Februar 2008 10:23

Ja... man muss wirklich zwischen Stadt und Land, Ost und West, Nord und Süd unterscheiden. In einem solch grossen Land kann die Mentalität (abgesehen von immer vorhandenen persönlichen Abweichungen) nicht überall gleich sein. Ich habe z.B. den Eindruck, dass Menschen aus dem Norden (positiv) neugieriger sind, als Südschweden. Hier in der Stadt, wie warscheinlich in GBG auch mischt sich alles - von Nord bis Süd, hier bekommt man den "verstadtlichten Mix" an verschiedenen Mentalitäten, wenn man es so sagen kann. :)
Essentiell ist aber, jedenfall in meiner Altersgruppe, dass man wenigstens eine soziale Person mit einem recht grossen Bekanntenkreis kennenlernt. Dazu, übrigens, habe ich letztens einen 7-seitigen Artikel in irgendeiner (etwas ernsterzunehmender) Zeitschrift gelesen "wie lernt man Menschen kennen", diese Miniknigge zum sozialen Leben fing damit an, dass man wenigstens eine Person kennen muss, die einen Vorstellt. Der Artikel war witzig-klischeehaft, aber ein Tropfen Wahrheit ist in solchen Dingen immer drin.
Ob's nun schwedenspezifisch ist? Jain, ich bin mir sicher, dass Menschen in anderen Gegenden ähnliches erfahren, ABER nicht überall, somit ist es zumindest länderspezifisch.

Zu der Beschreibung des "Landlebens" - wo man einander unter Kontrolle hat: Das hat man auch in der Stadt, es gibt anscheinend soetwas, wie den "schwedischen Neid", oder er wird einfach ob des offenen Umgangs mit Daten gut und gern gefüttert. Es vergeht wohl kein Monat, in dem Aftonbladet nicht eine neue Schlagzeile in der Art "Schau nach wieviel Dein Nachbar für sein Haus bezahlt hat" ausgräbt. Die alljährlichen Listen mit den Grossverdienern verschiedener Kommunen gibt meiner Frisur nach wie vor ein erstaunliches Volumen :lol:

MathildaTwist
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon MathildaTwist » 26. Februar 2008 15:52

Hallo!

Erstmal möchte ich mich herzlich für die zahlreichen Antworten bedanken! Ich freue mich sehr, dass mich hier niemand falsch verstanden hat- es geht mir ja wirklich nicht darum mich über die Schweden zu mokkieren. Vor allem suche ich Erfahrungsaustausch und etwas Hoffnung.

Deswegen ist es mir auch so wichtig Freunde zu finden- und auch Freunde (es brauchen ja nur 2-3 zu unabhängig von meinem schwedischen Freund zu finden.)

Ich würde gerne ein paar der Themen aufgreifen, über die Ihr in Euren Beiträgen geschrieben habt.

@Sina aber auch gerne alle anderen:

Vielen Dank für Deinen langen Text. Natürlich habe ich Ihn bis zum Ende gelesen und ich halte ihn absolut nicht für Schmarrn. Im Gegenteil. Deine Ausführungen haben mir wirklich Mut und Hoffnung gegeben auf eine Zukunft hier gegeben. Wahrscheinlich ist viel Wahres dran, dass ich es mir selbst schwer mache, wenn ich ständig Vergleiche zu Deutschland anstelle und ich bin sogar überzeugt davon, dass ich das "Alte" dabei etwas verkläre. Natürlich stand ich Deutschland sehr viel kritischer gegenüber als ich selbst noch dort gewohnt habe.

Ich finde es allerdings sehr schwer mir eine Identität hier in einer neuen Gesellschaft aufzubauen, ohne dabei Vergleiche anzustellen. Als Ausländer steht man ja vor der schwierigen Situation, dass auf einmal nichts mehr selbstverständlich ist und dass man in sozialer Interaktion nur begrenzt auf die gelernten Rollen und Strategien zurückgreifen.

(Sorry, falls sich das jetzt geschwollen anhört, ich habe Soziologie studiert. Bin bestimmt kein Fachidiot, aber irgendwie fällt mir spontan nur das Fachvokabular ein.)

Vielleicht ein Beispiel. Ursprünglich komme ich aus Bayern, habe aber jeweils für 3 Jahre in Marburg (Hessen) und Bremen gelebt. Im neue Freunde Suchen und Finden habe ich also schon ein paar Erfahrungen. Für mich habe ich dabei herausgefunden, dass man die besten Chancen hat "richtige" Freunde zu finden, indem man sich selbst zeigt. Das ist jetzt weniger eine Strategie, die ich bewusst anwende, sondern eher mein persönliches Verhalten, wenn ich eine Person interessant finde und sie gerne näher kennen lernen würde. Man erzählt also etwas persönliches, oder man zeigt eine Schwäche oder macht vielleicht sogar eine provokante Bemerkung. Und die andere Person tut ihrerseits das Gleiche. Natürlich kann sich dabei auch herausstellen, dass man nicht "zusammenpasst", aber das ist dann eben auch nicht so schlimm.

Hier finde ich es schon von vorne herein sehr schwierig festzustellen, ob ich eine Person interessant finde, weil die Schweden sich eben sehr wenig zeigen. Es ist daher sehr schwer zu ahnen ob und was hinter der Fassade steckt. Mir geht es dann oft so, dass ich meinerseits nicht weiß was ich sagen soll, weil ich die Person nicht greifen kann. Ich kann also weder meine gewohnte Rollen noch meine gewohnten Strategien anwenden.

Vielleicht ist es wirklich überall und auch in Deutschland schwer ist als Außenseiter mit den "Innenseitern" in näheren Kontakt zu kommen. In Bremen haben die Norddeutschen oft sehr negativ darauf reagiert, dass ich aus Bayern komme und ich musste mir einige blöde Sprüche anhören- gute Freunde habe ich trotzdem gefunden. Hier in Schweden ist es mir wirklich noch nie passiert, dass mich jemand wegen meiner Herkunft angefeindet hätte, andererseits konnte ich noch keine wirklichen Freunde finden.

Damit ist mein Freund meine einzige Bezugsperson hier und das belastet natürlich auch die Beziehung. Ich will gerne meine eigenen Freunde haben und nicht einfach seinen Freundeskreis übernehmen. Mit einigen seiner Freunde könnte ich mir zwar vorstellen befreundet zu sein, mit anderen aber wiederum gar nicht.

Ihr habt ein paar Punkte wie u.a. Alter und Stadt- Land- Unterschiede angeführt. Vielleicht ein paar Worte dazu:

Ich selbst bin 27 und die meisten Leute, die ich bisher kennen gelernt habe sind ungefähr im selben Alter. Auch ich habe oft beobachtet, dass etwas ältere Leute, so anfang-mitte 30, weniger "oberflächlich" und auf Äußerlichkeiten bezogen wirken. Da ich keine direkt kenne, ist aber auch dass eine eher "oberflächliche" Beobachtung ;-).

Meine Erfahrungen bezüglich des Land-Stadt-Gefälles sind folgende. Östersund ist zwar eine Stadt, aber die einzige in Jämtland. Die Uni ist sehr klein und ich würde sagen, es geht dort eher ländlich zu. Die Leute dort empfand ich zwar auf den ersten Blick als offener, aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass das eher jene Art höflichen Interesses und oberflächlicher Freundlichkeit ist, die sich die Stockholmer eben oft sparen. Ich habe dort zwar viele Leute, aber niemanden näher kennen gelernt.

Zudem hatten meine Mitstudenten dort überhaupt kein Interesse, oder sozial-kritisches Bewusstsein. Das ist hier in Stockholm schon ein bißchen anders, besser-anders.

Ich belasse es jetzt mal bei diesem doch inzwischen schon sehr langen Beitrag, bevor er noch verworrener wird :-) und freue mich schon auf die Antworten.

Mathilda

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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon Imrhien » 26. Februar 2008 15:59

Hej
weisst Du eigentlich schon, dass es ein mehr oder minder regelmässiges Treffen von Deutschen in Stockholm hier vom Forum gibt?

Vielleicht hast Du ja Lust da mal dazu zu kommen und lernst da ein paar nette Leute kennen?

Übrigens sollten wir da nicht wieder auf einen neuen Termin zurück kommen?

Grüße
Wiebke

MathildaTwist
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Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon MathildaTwist » 26. Februar 2008 16:10

Hallo Wiebke,

Ja, es würde mich tatsächlich sehr freuen, beim nächsten Treffen dabei zu sein. :-)

LG

MathildaTwist

nysn

Re: Freundschaften in Schweden?

Beitragvon nysn » 26. Februar 2008 16:11

Zum Thema Ausländer/Anderssein in Schweden habe ich heute in der GP (Göteborgs Posten) eine Rezension eines Buches gelesen, was mich direkt angesprochen hat. Und da heute ja der Auftakt zur jährlichen Buch-REA(lisation) ist, dachte ich, ich geb das mal weiter:

Titel: Det är Sverige som avviker.
Studenter från fyra världsdelar berättar.
Göran Palm, Ingela Josefsson


http://karnevalforlag.se/bocker/det-ar- ... om-avviker

Die GP schreibt u. a.:
"Was in den Gesprächen zum Vorschein kommt, das sind keine revolutionären Ansichten oder neuen Erkenntnisse, sondern es sind vielmehr alltägliche Wahrnehmungen und Beobachtungen, manchmal davon gefärbt, dass der Erzähler Migrantenhintergrund hat, manchmal nur universelle menschliche Erfahrungen. ...
... einerseits ist es gut, dass man in Schweden keine straffen Hierarchien am Arbeitsplatz hat und im Umgang miteinander, andererseits bemängeln viele die Respektlosigkeit, die in der schwedischen Gesellschaft deutlich ist, durch einem Mangel an Höflichkeit und indem man sich gegenüber Ältern vorlaut benimmt und diese duzt. ...
... Der Titel deutet eine starke Kritik an oder Abstandsnahme von Schweden an, aber so fasse ich die Texte nicht auf. Was den Kern des Buches ausmacht, ist dessen warme Menschlichkeit."


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