Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

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nysn

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 4. Juni 2009 08:09

Aus den angebotenen "Lösungen" lässt sich ja prima auf die vorhandenen Probleme rückschließen, die m.E. nicht gerade mit den teilweise hier geforderten Hauspreisen korrelieren.

Apropos Hauspreise:
Diese sind in den letzten 10 Jahren fast überall enorm gestiegen - langsam werden auch kritische Stimmen laut.
Z. B. lese ich heute in der DI: "Bolånesmäll hotar ett av tio hushåll" http://di.se/Avdelningar/Artikel.aspx?s ... /04/340196
Var tionde svenskt hushåll löper risk att hamna i en bolånefälla, varnar Statens bostadskreditnämnd. Fällan innebär att skulden överstiger bostadens värde.

Jeder 10. schwedische Haushalt läuft Gefahr, in eine Schuldenfalle zu geraten, warnt das Staatliche Amt für Wohnungskredite. Die Falle besteht darin, dass die Schulden den Wert des Hauses/Wohnung übersteigen.
Om bostadsmarkanden faller med 20 procent kommer cirka15 procent av bolånetagarna därmed att ha en belåningsgrad på med än 100 procent

Fallen die Immobilien auf dem Markt um 20 Prozent, werden ca. 15 Prozent der Kreditnehmer einen Verschuldungsgrad von mehr als 100 Prozent haben.
Och Bostadskreditnämnden spår att bostadspriserna faller med 20 procent i reala termer de närmaste två till fyra åren.

Das Amt für Wohnungskredite prognostiziert, dass die Immobilienpreise in den kommenden zwei bis vier Jahren um 20 Prozent fallen werden.

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Aelve
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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Aelve » 4. Juni 2009 08:36

Hallo S-Nina,

es mag stimmen, dass die Hauspreise fallen werden, in Deutschland sind in den letzten Jahren die Preise für Wohneigentum auch sehr zurück gegangen, davor sind sie aber jahrelang nur gestiegen.

Aber mir ist nicht klar geworden, wieso das Sinken der Hauspreise dazu führen muß, dass ein Hausbesitzer dadurch finanzielle Schwierigkeiten bekommt.
Ein Sinken der Hauspreise kann für ihn ja nur relevant werden, wenn er sein Haus verkaufen muß, also wenn er in Not ist und dann seinen gezahlten Preis nicht auf dem Hausmarkt zurück erhält. Dann hat er möglicherweise sein Haus noch nicht abbezahlt und bleibt auf einem Teil seines Darlehns sitzen.

Beim Hauskauf muß deshalb die Finanzierbarkeit sehr gut überlegt sein. Es muß einem Käufer schon klar sein, ob er die Raten für sein Haus bezahlen kann oder ob er von vorneherein weiß, dass er kaum die monatlichen Raten aufbringen kann. Jeder muß sich nach der Decke strecken, wenn jemand nicht zu hoch greift beim Hauskauf sondern auf dem Teppich bleibt, dann wird es ihn nicht so berühren, wenn die Preise fallen, als wenn er von vorneherein auf unsicheren Füssen seinen Kauf getätigt hat. Wohnen muß man immer und letzt endlich muß man beim Mieten auch jeden Monat das Mietgeld aufbringen genauso als wenn man ein Haus abbezahlt.

Grüße Aelve
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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 4. Juni 2009 08:54

Aber mir ist nicht klar geworden, wieso das Sinken der Hauspreise dazu führen muß, dass ein Hausbesitzer dadurch finanzielle Schwierigkeiten bekommt.

Es muss nicht dazu führen, aber es kann ... besonders in Schweden - in den letzten 10 Jahren sind vor allem in den Großstadtregionen die Preise um das Dreifache angestiegen - d. h. ein Haus, das 1994 noch etwas mehr als 1. Mio. SEK gekostet hat, wurde 2007/2008 für 3 Mio. verkauft.

Die Leute, die sich in den letzten Jahren ein solches Objekt gekauft haben - und das sind sehr sehr viele - habe zumeist 80-95 Prozent Geld von der Bank geliehen bekommen (vom damaligen Marktwert). Die Zinsen waren meistens sehr niedrig.

Steigen jetzt die Arbeitslosenzahlen in Kombination mit höheren Zinsen (die für Anfang 2010 erwartet werden), dann bekommen schon mal einige Probleme damit, ihre Kredite zu bedienen. Werden diese dann noch gezwungen zu verkaufen, gehen sie mit einem Minus aus dem Geschäft raus.

Laut Dagens Industri wird erwartet, dass ungefähr jeder 10. schwedische Haushalt davon betroffen sein wird.

... übrigens gab es dieses Szenario schon mal in den 90er-Jahren - für Schweden also nicht direkt etwas Neues ...

Samweis
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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Samweis » 4. Juni 2009 08:58

Hallo Aelve,
Aelve hat geschrieben:Aber mir ist nicht klar geworden, wieso das Sinken der Hauspreise dazu führen muß, dass ein Hausbesitzer dadurch finanzielle Schwierigkeiten bekommt.
Wenn bei - wie im angelsächsischen Raum und auch in Schweden üblich - hohen Beleihungsquoten von über 80% bis hin zu 100% der Wert des hauses sinkt, wird die Bank feststellen, dass der Kreditumfang den Marktpreis des Hauses übersteigt. In diesem Falle muss eine vernünftig und gesetzeskonform wirtschaftende Bank eine Nachbesicherung fordern. Nun haben leider gerade die Leute, die mit so hohen Beleihungsquoten arbeiten, nicht unbedingt die größten Reserven...
Können sie keine weiteren Sicherheiten stellen, wird das Haus versteigert. D.h. jemand, der schon vorher nichts hatte, wird jetzt noch gezwungen, den Wertverlust seiner Immobilie zu realisieren. Wenn das keine finanziellen Schwierigkeiten sind....

Viele Grüße

Samweis

Tommy3

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Tommy3 » 4. Juni 2009 09:08

Hej,

die Hauskredite sind oft in einen bottenlån (bis zu 80-85% des marktwertes) und falls nötig einen topplån (das was über den bottenlån hinausreicht) eingeteilt, wobei der topplån deutlich höhere Zinsen erfordert. Wenn nun der Marktwert des Hauses sinkt, wird die Bank einen grösseren Teil der Kreditsumme im teuren topplån ansiedeln, m a W die Daumenschrauben ansetzen.
Wer das Haus bis zum Schornstein beliehen hat, kommt dann ordentlich in die Bredouille.

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Samweis » 4. Juni 2009 09:15

Hallo Tommy,

der Unterschied ist, dass ich im Niedrigpreisbereich in strukturschwachen Gebieten in D bereits ein Haus bekomme, in S eine Hütte.
Tommy3 hat geschrieben: haben die meisten Häuser, [...]einen bewohnbaren Standard,

Selbstverständlich sind sie bewohnbar. Es wohnen ja Leute drin. Aber "bewohnbar" ist ein dehnbarer Begriff, der (wie so vieles in den menschlichen Wertmaßstäben) auf Vereinbarung und Gewohnheit beruht, nicht etwa auf Logik.

Wer sagt z.B. dass frische Wäsche nach Blumen duften soll? Es gibt Leute, die es offenbar mögen, wenn sie nach Bratfett und Zwiebeln riecht. Um dieses spezielle Geruchserlebnis zu erreichen benötigen sie auch keinen besonderen Weichspüler, weil sie gewöhnt sind, ihre Wäsche in der Küche zu trocknen. Das fällt Dir aber nur auf, wenn Du selber der Weichspüler-Fraktion agehörst. Vereinbarung und Gewohnheit.

Ebenso würde eine Badezimmerinstallation nach schwedischem Standard den Wert eines Hauses in D erheblich senken. Ganz zu schweigen von der transportablen Plastik-Duschkabine im Keller, die ich hier schon gesehen habe.

Um seiner Nase interessante Erfahrungen zu bereiten braucht man eben keine weite Reise anzutreten und in der Mongolei Tee mit Yak-Butter zu trinken.

Viele Grüße

Samweis

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Aelve » 4. Juni 2009 09:58

Wer sagt z.B. dass frische Wäsche nach Blumen duften soll? Es gibt Leute, die es offenbar mögen, wenn sie nach Bratfett und Zwiebeln riecht. Um dieses spezielle Geruchserlebnis zu erreichen benötigen sie auch keinen besonderen Weichspüler, weil sie gewöhnt sind, ihre Wäsche in der Küche zu trocknen. Das fällt Dir aber nur auf, wenn Du selber der Weichspüler-Fraktion agehörst. Vereinbarung und Gewohnheit

Das Beispiel hat bei mir großes Schmunzeln verursacht, ich finde es köstlich und genauso ist es. Ich kann zu denen gehören, die unbedingt ein Steinhaus haben möchten und auf keinen Fall ein Holzhaus akzeptieren würde, so wie wir nicht sehr viel von Fertighäusern halten, obwohl andere Leute davon schwärmen mögen. Jeder hat andere Vorstellungen, jeder hat seine eigenen Erfahrungen, auf die er aufbaut, waren seine Erfahrungen mit einem Steinhaus nur positiv und mit einem Holzhaus negativ sind, dann wird er in der Regel stets auf Steinhäuser schwören.

Es stimmt auch, dass die Bäder, die wir bisher in Schweden gesehen haben, oft nicht den gleichen Standard wie Bäder in Deutschland besitzen.
Aber das hat sich auch schon sehr geändert, bei neueren Häusern gibt es auch tolle Badezimmer und wer will einen hindern, sich auch im Altbau irgendwann ein schönes gefliestes Bad einzurichten. Ich finde die Duschbäder mit dieser Art Linoleumbekleidung an den Wänden gar nicht mal so schlecht, es hat auch durchaus Vorteile gegenüber Fliesen nicht nur Nachteile. Was ich schrecklich finde, dass die Abflußrohre immer so häßlich sind in den meisten Bädern Schwedens. Es ist ja auch ein Unterschied, ob ich mir in Schweden ein Ferienhaus kaufe, was vorher ein Schwede auch nur für die Ferien benutzt hat und wo der Standard dann eben auch nur einfach ist oder ob ich mir ein Permanentwohnhaus kaufe, wo der Standard einfach besser ist.
Man kann sich auch in Deutschland ein Steinhaus kaufen, was total in schlechtem Zustand ist, was man am besten gleich abreißt.
Letztendlich ist es eine Frage des Preises, ob ich mir gleich ein sehr gut gebautes Haus kaufen kann oder bauen lassen kann oder ob ich erstmal mit einem einfachen Standard zufrieden bin oder aufgrund finanziell enger Mittel und sptäer die Möglichkeit habe, es nach und nach auf einen besseren Standard zu bringen.

Grüße Aelve
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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 4. Juni 2009 10:11

Ich finde die Duschbäder mit dieser Art Linoleumbekleidung an den Wänden gar nicht mal so schlecht, es hat auch durchaus Vorteile gegenüber Fliesen nicht nur Nachteile.

... das, was du für "Linoleum" hältst, ist PVC.

Gesunde Naturmaterialien findet man in Schweden in Normalo-Häusern nur äußerst selten ...

In letzter Zeit wurden die Bäder schon immer gefließt und es wird einem suggeriert, wie luxuriös die Ausstattung (besonders der Bäder und Küchen) doch wäre ...
In Schweden sollte man sich aber nicht blenden lassen - oft sieht es gut aus - die Qualität ist oft nicht so toll. Bevor man kauft - gerne auch zweimal hinschauen ... möglichst ohne "Brille Rosarot".

Ach ja - und es stimmt: MAN/FRAU gewöhnt sich an ALLES. :D

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon vinbär » 4. Juni 2009 10:38

Meine Erfahrung ist, dass man in Schweden auch gerne über bestehende Mängel "drüberrenoviert", da legt man halt eine neue Plastmatta über den feuchten Boden oder legt einen Klickboden in den Keller oder verkleidet die feuchte Aussenmauer von innen, dann ist alles wieder "snyggt och fräscht".

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Aelve » 4. Juni 2009 13:29

Hallo,

ich vermute mal, dass die Schweden nicht ihr Haus auf "Ewigkeit" planen und bauen. Es muß nicht 300 Jahre halten, wie evtl. in Deutschland, sondern es genügt, wenn es 50 Jahre lang hält. Vielleicht sind wir Deutschen da einfach vorausschauender oder sehen es verbissener.

Ich habe auch schon in Deutschland Bäder gesehen, da waren die Fliesen gesprungen, das sah auch nicht gerade schick aus. Oder Wände in Badezimmern, die nur mit Ölfarbe gestrichen waren. Das System in Schweden, dass die Duschen meistens ebenerdig sind, also ohne Stufe, ist garnicht mal so verkehrt, das wird jetzt in Deutschland auch seit kurzem so gemacht, dass der Ablauf direkt im Boden ist ohne Duschwanne, also hat D auch in gewissen Dingen Nachholbedarf.

Unser Ferienhaus Älvsered in Halland ist allerdings aus dem Jahre 1900, also noch 10 Jahre älter als unsere Altbauvilla in D, die von 1910 stammt.
Das Haus in Älvsered hat einen Steinkeller, ist also sehr stabil und ansonsten sind mal von außen die Bretter erneuert worden und wohl auch eine Isolierung angebracht worden. Und die Elektrik ist natürlich mal verbessert worden, das mußte auch im Haus in Deutschland schon in Angriff genommen werden, da gibt es sogar noch alte Bleileitungen. Beide Häuser werden noch so lange stehen, dass wir es selbst nicht mehr erleben werden. Insofern habe ich keinerlei Befürchtungen hinsichtlich der Bauqualität des einen oder des anderen Hauses.

Grüße Aelve
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