Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

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nysn

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 2. Juni 2009 13:31

Das erinnert mich wieder ein bisschen an USA. Wie einiges andere auch.

Auch wenn ich nie in den USA gelebt habe, so denke ich schon, dass einiges ziemlich ähnlich ist. Die Schweden behaupten ja oft auch gerne von sich selbst, sie wären das "amerikanisierteste" Land in Europa.
Aber hier in Schweden ist das doch alles gleich.

Ist es das? Wie kommst du darauf?
Alledings macht es dort ja noch Sinn, das Haus nach der "neighbourhood" auszuwählen. Denn danach richtet sich die Qualität der Schule, der Ärzte, der Freizeit-Einrichtungen sowie die Kriminalitäts-Rate.

In Göteborg gibt es signifikante Unterschiede bezüglich Schulen/ärztlicher Versorgung und Freizeiteinrichtungen je nach Stadtteil - im Nordosten: hohe Kriminalität, hoher Ausländeranteil, schlechte Schulen - Freizeitbeschäftigung: Vandalismus, kleinere Raubüberfälle oder auch wie am Wo-Ende, so wird halt mal ein holländischer Tourist auf der Straße abgeschossen. Ganz normal.
Im Südwesten - Askim/Hovas - höhere Einkommen - bessere Schulen. Gut, vandalisieren tun die Kids hier auch - aber vielleicht etwas weniger - außerdem sie haben teuere Mopeds, Markenklamotten und bekommen von den Eltern großzügig Taschengeld, um am Wo-Ende aus dem Haus sein zu können.

In den Häuserpreisen spiegelt sich das auch - ein Normal-Haus kostet im Nordosten ca. 1 bis 1,5 Mio. SEK - im Südwesten ab 3 Mio. aufwärts ...

Ähnliches gilt für Malmö und Stockholm ...

Im Rest des Landes ist vielleicht alles "GLEICH LAGOM" ... :wink:

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Samweis » 2. Juni 2009 14:02

S-nina hat geschrieben:Ist es das? Wie kommst du darauf?
Na, Du willst mir doch nicht erzählen, dass es hier ungerechte Unterschiede durch Herkunft, Wohnort oder den Ort der Schule gibt, oder?

Vielleicht hätte ich oben das freundliche :zwinker: nicht vergessen sollen.

Aber einen Unterschied gibt es doch: Hierzulande kommen mir diejenigen, die sich selbst durch den V8-Pickup, das Crossmotorrad für die Kleinen und den 4-Hjuling für jedes Familienmitglied feiern, oft viel mehr vor wie Flodders.

Viele Grüße

Samweis

nysn

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 2. Juni 2009 14:32

Samweis hat geschrieben:Na, Du willst mir doch nicht erzählen, dass es hier ungerechte Unterschiede durch Herkunft, Wohnort oder den Ort der Schule gibt, oder?

Nein, nein - keine Sorge - ich sag schon NIX mehr ... :wink:
Aber einen Unterschied gibt es doch: Hierzulande kommen mir diejenigen, die sich selbst durch den V8-Pickup, das Crossmotorrad für die Kleinen und den 4-Hjuling für jedes Familienmitglied feiern, oft viel mehr vor wie Flodders.

Es soll wohl Länder in Europa geben, da scheint Noblesse noch was mit gutem Benehmen zu tun zu haben. In diesem Punkt scheint in Schweden schon Gleichheit zu herrschen - Snob wie Cnob - die Manieren machen keinen Unterschied aus ...

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Samweis » 3. Juni 2009 19:05

Hallo Pierre,

vielleicht noch eine kleine Anmerkung, da mein Plädoyer und auch andere Kommentare wie "Holzhäuser sind nicht schlechter als Steinhäuser" den Eindruck erwecken könnten, dass die Häuser hier prinzipiell einem Haus in der Schweiz oder Deutschland ebenbürtig sind.
Dies ist IMHO nicht der Fall.
Hier werden teilweise ganz andere Ansprüche gestellt - oder eben nicht gestellt.
Ein Bad mit "plastmatta" ist Standard, ebenso wie auf Putz verlegte Strom- und Wasserleitungen. Letzteres ist vielleicht sogar von Vorteil, denn so sieht man die Lecks schneller. Ein Bad im Obergeschoss wird als Gefahrenquelle eingestuft, was, glaube ich, ausreichend über die zu erwartende Qualität der Installation aussagt. Steckdosen und Leitungen mit nur Phase und Nulleiter und drei alten Schmelzsicherungen für's ganze Haus (also ohne Schutzleiter, ohne Erdung, ohne FI-Schalter und diesen ganzen modernen Quatsch) sind nicht ungewöhnlich. Klar haben Altanlagen auch in anderen Ländern Bestandschutz. Aber nach meinem persönlichen Eindruck kommen Menschen in anderen Ländern eher auf den Gedanken grundzurenovieren. Hier kauft man sich einen Überspannungsschutz und wundert sich dann, warum nun nicht nur zweimal im Jahr das Telefon abbrennt - sondern der Überspannungsschutz gleich mit. Taugt alles nix das moderne Zeugs :wink:

Wie überall so wünschen sich die Menschen auch hier das, was sie nicht haben: Ein schöner Holzfussboden aus massiven, alten Bohlen wird nicht wertgeschätzt und gegebenenfalls verstümmelt, um eine "italienische" Bodenfliese aus dem Baumarkt aufzubringen. Alles, was nach Stein aussieht, ist modern. Leider wird dabei oft etwas vernachlässigt, dass die verschiedenen Werkstoffe eben unterschiedliche Materialeigenschaften haben. Sprünge und Risse in Deckenplatten, Fußböden oder Wänden durch unterschiedliche Wärmeausdehnung oder Elastizität bei Schwingungen sind vorprogrammiert.
Hinzu kommt, dass die Schweden, die ich kenne, ungefähr einmal im Leben tapezieren. Entsprechend gut sind sie geübt. (Das ist kein Witz: Aus der Tapete "hinterm Sofa", dort wo immer die Hinterköpfe der Vorbewohner gelegen haben, hätte ich Talglichter drehen können.)
Es besteht eine sehr hohe Bereitschaft nach dem Motto "gör-det-själv" überall selbst Hand anzulegen, die nur noch getoppt wird durch die noch größere Bereitschaft, mit den (Misser-)Folgen der eigenen Handwerkskunst zu leben und darüber hinweg bzw. daran vorbeizusehen.
Mein Nachbar muss seit Jahrzehnten im Frühjahr zur Schneeschmelze die Gefriertruhe in die Garage schaffen, weil sie im Keller bis zu einen Meter aufschwimmen würde. Statt diesem Missstand abzuhelfen beschäftigt er sich lieber mit "snickarglädje" am repräsentativen Altan.

Bevor jetzt der Verdacht aufkommt, ich hätte das schlechteste Haus in ganz Schweden gekauft :wink:
glücklicherweise sind diese Beispiele nicht alle aus meinem Haus, und es gibt noch mindestens 56 andere, die schlechter sind. Die hatte ich mir vorher angesehen. Und auch mit keinem meiner Nachbarn möchte ich tauschen...
Eine "Nachbarsfamilie" (wohnen 3km weiter weg, zählen also im Glesbygd zur Nachbarschaft) treffe ich im Sommer manchmal an einem See, in dem ich gerne schwimme. Sie jeweils alle mit Shampoo und Duschbad und der verschämten Entschuldigung, sie hätten gerade ein Problem im Bad und könnten nicht duschen.
Seit inzwischen 5 Jahren... :shock:

Viele Grüße

Samweis

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Imrhien » 3. Juni 2009 19:20

Oh je, wenn ich das so höre... Ja, die Häuser hier sind ein Spaß. Und tatsächlich darf man nicht deutschen Standard anlegen. Holzhäuser haben in vielem einen enormen Vorteil. Wenn einem das Streichen nicht so viel ausmacht...
Ein Vorteil ist, dass man vieles viel einfacher reparieren kann und austauschen kann, sollte mal was sein. Bei einem Steinhaus ist das deutlich aufwendiger. Auch Umbauten sind hier einfacher zu machen. Wand raus, Wand rein, alles kein Problem. Allerdings sind die Ansprüche auch tatsächlich geringer. Zumindest wenn ich so sehe wie andere leben... Nicht schlecht, um Gottes Willen. Aber eben anders als ich es aus Deutschland gewohnt war. Ein Bad in dem die Dusche quasi an die Toilette anschliesst und nur durch einen dünnen Vorhang getrennt ist, sieht man öfter. So wie in deutschen Campingwagen.
Gut, in neueren Häusern setzt sich auch immer mehr das gekachelte und große Badezimmer durch. Aber viele leben eben noch in älteren Häusern und da ist der Pool im Garten eben wichtiger als der Innenraum... so glaubt man jedenfalls manchmal.
Generell würde ich jedoch sagen, dass man hier sehr schön wohnen kann. Es sind nicht alles gleich Bruchbuden, sonst würden wir es wohl kaum aushalten, oder? Wir zum Beispiel hatten unglaubliches Glück mit unserem Haus. Was leider unsere Vorbesitzer vom neuen Haus nicht sagen konnten. Die mussten das Dach neu machen, die Elektrik und das Bad. Zwischenzeitlich sah es nach Ehekrise mit Trennung aus und sie haben es sichtlich bereut, dass sie hier raus sind...

Nun ja, wir hatten eben Glück oder eigentlich... Gottfried, ich kann Dir nachträglich nicht genug danken!!!! Wenn ich damals schon gewusst hätte was man da so erleben kann... Danke, dass Du uns dieses schöne und vor allem intakte Haus gesucht und gefunden hast.
Mein Mann (Bauingenieur) sagt, dass er nie selber bauen würde, weil ihm das zu aufwendig und anstrengend ist wo es doch so viele Häuser gibt und wenn doch, dann nur ein Holzhaus. Ich bin Laie, ich verlass mich da auf meinen Mann :)

Liebe Grüße
Wiebke

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Pierre » 3. Juni 2009 21:16

Ich kenne bis anhin nur schwedische Ferienhäuser und dachte mir bis Heute dass da der Standart halt etwas niedriger sei als in "richtigen" Häusern.
Wenn ich aber hier so lese, denke ich dass die nicht viel besser aussehen werden.

Da wir erst im Frühjahr 2010 nach Schweden ziehen, haben wir noch etwas Zeit zum suchen. Mal schauen wo es und dann hin verschlägt...


LG Pierre

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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Aelve » 3. Juni 2009 21:30

Hallo Piere,

ohne jetzt den ganzen Threat durchgelesen zu haben, kann ich bisher bei den schwedischen Häusern aus Holz keine so gravierende Qualitätsminderung feststellen zu den Häusern aus Stein. Es gibt genügend Leute, die lassen sich auch in Deutschland ein Holzhaus bauen, da sie von der Qualität überzeugt sind. Auch die Holzhäuser sind isoliert. Bekannte von uns haben sich in D ein schwedisches Haus neu bauen lassen und sie sind höchst zufrieden damit, sie heizen z.B. das ganze Haus mit einem Kaminofen, der die Wärme in die anderen Räume leitet und sie verbrauchen nicht mehr Energie zum Heizen als wir in einem Steinhaus.
Unser Haus in Schweden scheint uns qualitativ genauso hochwertig wie unser Steinhaus in D zu sein. Ich selber habe vom Hausbau nicht soviel Ahnung, aber mein Mann der Handwerker ist, lobt oft unser Haus in Schweden, da es sich schnell aufheizt, anders als unser Steinhaus in D, wenn man dort länger nicht heizen würde, dann dauert es sehr lange, bis es warm ist.

Wir möchten in Schweden gar kein Steinhaus haben, denn das Wohnklima in einem Holzhaus ist sehr angenehm.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Samweis » 4. Juni 2009 07:09

Hallo Aelve,
Aelve hat geschrieben:Bekannte von uns haben sich in D ein schwedisches Haus neu bauen lassen und sie sind höchst zufrieden damit,

Ich denke, man muss hier unterscheiden zwischen Holzhäusern bzw. "Schwedenhäusern" und Steinhäusern als Bau- oder Konstruktionstyp auf der einen Seite und tatsächlichen, bewohnten Häusern in Schweden und solchen in Deutschland oder der Schweiz auf der anderen Seite.
Als Bautyp sind Holzhäuser Geschmackssache. Genauso wie der Zimmermann gern mit Holz arbeitet, der Maurer auf Stein schwört, und der nächste Holz totalen Mist findet, weil man das Zeugs nicht schweißen kann.

Was die tatsächliche Bauausführung angeht, einschließlich der "Verbesserungen" durch die Bewohner, sind Häuser in Schweden nicht unbedingt Weltklasse.
Selbst wenn man noch nicht viele "reale" Häuser kritisch untersucht hat, genügt auch ein Blick in einen schwedischen Baumarkt oder in Zeitschriften wie "Gör det själv" oder "Vi i Villa". Aus den angebotenen "Lösungen" lässt sich ja prima auf die vorhandenen Probleme rückschließen, die m.E. nicht gerade mit den teilweise hier geforderten Hauspreisen korrelieren. Ein seit dem Krieg nicht mehr renoviertes, sanierungsbedürftiges Haus im Ostharz bietet da wahrscheinlich mehr Haus fürs Geld.

Viele Grüße

Samweis

nysn

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon nysn » 4. Juni 2009 07:42

Was die tatsächliche Bauausführung angeht, einschließlich der "Verbesserungen" durch die Bewohner, sind Häuser in Schweden nicht unbedingt Weltklasse.

Dem möchte ich auch zustimmen. Als wir 1998 unser relativ neues "Holzhaus" kauften (4 Jahre alt), dachte ich als Süddeutsche noch, dass ein Holzhaus doch viel natürlicher sei als ein Steinhaus und qualitativ mindestens genauso gut ist wie jedes andere Haus in Deutschland.

Relativ schnell habe ich dann gemerkt, dass in unserem Holzhaus ausser der Fassade im Grunde genommen nur ganz wenig "gutes Holz" drin steckt. Das vorherrschende Baumaterial sind Gipsplatten, Plywoodplatten und jede Menge Plastik-/Kunststoffmaterialien. Die meisten "Schwedenhäuser" stammen aus der Fabrik und fast alle sind nach dem gleichen Prinzip gebaut - ein bisschen "Ikea" (sieht gut aus, hält u. Umständen aber nicht besonders lange).

Der für mich wesentlichste Nachteil ist die Hellhörigkeit dieser Häuser - ein schnarchender Besucher kann schon mal für schlaflose Nächte sämtlicher Hausbewohner sorgen ... :D

Die Schweden wechseln auch häufig ihre Häuser - es ist z. B. nicht ungewöhnlich, dass ein 10 Jahre altes Haus schon 3 bis 4 Eigentümer hatte.

Tommy3

Re: Frage zur Qualität der Häuser in Schweden

Beitragvon Tommy3 » 4. Juni 2009 07:45

Hej,

Samweis, ich wseiss ja nicht, welche Häuser du bisher schon angeschaut hast. Hier im Süden Schwedens haben die meisten Häuser, die ich von innen beguckt habe (und das sind inzwischen reichlich) einen bewohnbaren Standard, viele könnte man direkt ohne Renovierung beziehen. Allerdings gibt es, besonders im ländlichen Gebieten und im Niedrigpreisbereich (<750.000 SEK) Objekte mit bedauernswertem Niveau.
Allgemein muss man als Hausbesitzer aber immer davon ausgehen, dass es viel zu basteln gibt.


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