Frage an Rückgewanderte

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Berta
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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Berta » 23. Oktober 2008 15:32

Hallo Ihr,

ich bin ja noch nie ausgewandert. Deswegen kann ich auch eigentlich nicht mitreden. Aber fragen möchte ich euch etwas, nämlich:

Immer wieder lese ich hier von definitiven Entscheidungen, von "nie wieder zurück", von "endlich angekommen". Für mich ist das ganz schwer nachvollziehbar; könnt ihr das wirklich: sagen, dass ihr eine örtliche Entscheidung für den Rest eures Lebens getroffen habt?

Ich habe hier schon mal folgendes geschrieben.
Berta hat geschrieben:Im Übrigen, aber das ist ein anderes Thema, könnte ich persönlich mir niemals vorstellen, irgendwohin für immer zu gehen. Ich war mal ein Jahr in Schweden, vielleicht gehe ich wieder hin, vielleicht, um zu promovieren oder ein paar Jahre da zu arbeiten. Aber vielleicht gehe ich auch nach Mecklenburg oder nach Wien oder nach Norwegen oder nach Polen oder ich bleibe noch ein bisschen im Schwäbischen oder ich kehre für eine Weile nach Schleswig-Holstein zurück - und wenn ich Lust habe, sich das so ergibt, dann gehe ich auch wieder woanders hin. So ist das eben: wir transmigrieren so vor uns hin, zunehmend eben auch über Landesgrenzen hinweg. Und das hat überhaupt gar nichts mit Gesichtsverlust zu tun, sondern mit Normalität.
Das sehe ich immer noch so - nur: So extrem sprachbegabt bin ich leider auch nicht. Vielleicht ist das ja auch so, weil ich, mit meinen 25 Jahren, auch schon 10mal umgezogen bin, habe in sechs Orten gewohnt - und meine Eltern sind schon wieder in eine neue Stadt gezogen. Ich hätte irgendwie fast Angst davor, mich für immer an einen Ort oder ein Land zu binden. Wenn mir morgen jemand den ultimativen Job direkt hier anböte - dann würde ich selbstverständlich hierbleiben, hier ist es ja schön.
Aber mich darauf festlegen, nee, das will ich nicht.

Und wie sagte schon der gute alte Hesse:
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.

In diesem Sinne,
einen Gruß aus dem tiefen Süden,
Berta.

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janaquinn
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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon janaquinn » 23. Oktober 2008 15:39

Hej Wiebke und alle anderen,

eine interessante Frage bzw. Thread. Ich finde die unterschiedlichen Blickpunkte klasse und sehr informativ.
Wir leben seit 18 Monaten glücklich und zufrieden in Schweden....fehlt mir irgendwas hier in Schweden? Nein, defintiv nicht. Das, von Gottfried beschriebene Gefühl, endlich im richtigen Land und am richtigen Ort zu sein...das habe ich hier in Schweden gefunden. Und nicht nur ich, sondern unsere gesamte ausgewanderte Patchworkfamilie.
Ich "mosere" zwar immer wieder gerne über Schweden, weil ich einfach die Probleme klar erkenne, aber ich bin mit mir und Schweden im reinen. Ebenso bin ich aber auch, mittlerweile, mit Deutschland im Reinen, habe mich mit dem Land, wo ich geboren wurde, ausgesöhnt....aber auch nicht mehr.
Für mich ist Deutschland ein reines Urlaubsland geworden, nächste Woche Samstag geht es mal wieder zur Schwiegermutter, die sich auch riesig freut und ich mich natürlich auch, weil wir uns 2 Jahre nicht gesehen haben, weil ich mich mit Frank und Simone treffen werde und alte Freunde besuchen werde, aber genauso glücklich werde ich am 10.November sein, wenn ich wieder in den Flieger nach Stockholm steige.
Ich habe natürlich viel Glück mit dem Wohnort, nicht weit von Stockholm, wo das Leben pulsiert, wo ich einfach alles finde, was ich brauche..wenn ich es will.

Unsere Familie kann, nach 18 Monaten Schweden, sagen wir sind zuhause angekommen, unsere Herzen schlagen für Schweden mit all seinen Problemen und Fehlern, die wir täglich hautnah leben....und ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder nach Deutschland zurück zukehren.

Wir sind im Dorf auch nicht überschwenlich begrüsst wurden, wurden aber auch nicht angefeindet, wir leben ein normales ruhiges Leben, grüssen und werden gegrüsst..und mehr wollten wir auch garnicht...


@Anna: Unser Leben, bevor wir nach Schweden kamen, war ähnlich wie deines. X-Male umgezogen, immer wieder neue Freundeskreise aufgebaut, alte Freundschaften mitgenommen und ausgebaut, einige haben wir verloren, weil unsere Entscheidungen entweder nicht verstanden wurden oder aber weil es einfach "eingeschlafen" ist. Lange Zeit konnte ich mir auch nicht vorstellen immer am gleichen Ort zu leben, aber jetzt und im Augenblick hier im Weltdorf Mölnbo..nein da kann ich es mir nicht vorstellen, jemals wieder irgendwo anders zu leben.
Das einzige, was wir nicht machen, ist ein Hauskauf zu tätigen, was aber schlicht und ergreifend mit den derzeitigen Preisen zutun hat und wir uns nicht sooo verschulden wollen. Wir haben einen unbefristeten Mietvertrag, ein schönes Haus, was zwar sehr gross ist und viel Arbeit macht, aber nach einer Zeit der überlegung hier wegzuziehen, ist nun die Erkenntniss des "Hierbleibens und hier Alt werdens" eingetreten...ob sie bleibt und wir wirklich in 30 Jahren noch in diesem Haus, was dann wahrscheinlich schon uns gehören wird, unsere Enkelchen spielen sehen werden....das weiss ich aktuell noch nicht...

LG JANA
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Berta
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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Berta » 23. Oktober 2008 16:13

Hej Jana und Ihr anderen,

irgendwie ist es ja total schön, wenn man von sich sagen kann, man sei angekommen, so wie du, Jana, es hier formulierst:
Jana hat geschrieben:Lange Zeit konnte ich mir auch nicht vorstellen immer am gleichen Ort zu leben, aber jetzt und im Augenblick hier im Weltdorf Mölnbo..nein da kann ich es mir nicht vorstellen, jemals wieder irgendwo anders zu leben.
Wichtig ist eben, dass man sich wohlfühlt - und das habe ich bisher fast überall, wo ich gelebt habe. Und es hat sich eben immer irgendwie ergeben, dass ich wieder weggegangen bin. Vielleicht ist es ja so, dass sich irgendwann einfach nichts ergibt - und dass man einfach so glücklich sein kann, wo man gerade ist.
Ich würde eigentlich auch nicht ausschließen wollen, dass ich für den Rest meines Lebens in meiner schönen Kleinstadt wohnen werde. Hier fehlt mir gar nichts. Meine Familie ist zwar sehr weit weg, aber Entfernungen kann man gut überwinden. Nur: Ich plane eben nicht, hier zu bleiben. Es ergibt sich.

Einen Gruß nach Mölnbo und Västerås und überall sonst hin, wo es schön ist, und Leute sich wohlfühlen,
Berta.

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Faxälva
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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Faxälva » 23. Oktober 2008 16:53

...ja, auch ich kann sagen, dass ich mich hier zu Hause fuehle ... ich wohne nun genau seit 8 Jahren in Schweden... ich bin in Deutschland (DDR) aufgewachsen, aber ich kann mich nicht entsinnen, dass ich mich irgendwann einmal dort "zu Hause" fuehlte... nicht mal als Kind, ich träumte schon in der 4. Klasse davon, einmal weit wegzuziehen... als Erwachsener wurde dieses Gehuehl, am falschen Ort zu sein, immer stärker ... dass es SChweden werden wuerde, war nie so klar ... ich wollte nur weg und suchte eine Sprache, die sich leicht zu Hause erlernen lässt ..und das war dann schwedisch... ich konnte also schon die Grundlagen, als ich hier ankam ... ich hatte auch grosses Glueck mit meinem Dorf, dass es mir sehr leicht machte, mich einzubringen und zu integrieren... ich bin hier einfach angekommen, wie nach einer langen Reise und fuehle mich wohl, wie noch nie vorher... trotz aller schwedischen Unzulänglichkeiten... ich hab noch nie Heimweh gehabt und habe auch keine Lust, Deutschland auch nur zu besuchen...
:smt006
Hälsningar från Faxälva

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nysn

Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon nysn » 23. Oktober 2008 18:54

Sicher kann man sich an einem Ort wohlfühlen und es ist ja heute auch kein Problem mehr zwischen verschiedenen Ländern umzuziehen. Sprachen lassen sich lernen und mit seinen Freunden/Verwandten in Kontakt zu bleiben ist in Zeiten von Internet und Billig-Fliegern auch nicht sonderlich aufwändig/schwierig.

Ich denke, dieses Gefühl, an einen Ort zurück zu wollen, das kommt erst wenn man schon etwas älter geworden ist - vielleicht auch erst dann, wenn man sehr lange im Ausland gewesen ist. In den USA habe ich in diesem Sommer Menschen getroffen, die dort einen Großteil ihres Lebens verbracht haben, aber immer noch "deutsch" fühlen.

Es ist irgendwie nicht rational zu fassen, es sind einfach Gefühle, die aufkommen, wenn man plötzlich wieder Worte in seinem Dialekt hört, die man schon fast vergessen hat, oder wenn man irgendwo einen Geruch wahrnimmt, der einen an "zu Hause" erinnert.

Wenn man nicht gerade sehr sehr jung war, als man/frau "ausgewandert" ist, dann ist es auch fast nicht mehr möglich, seine Muttersprache zu vergessen oder sich völlig mit einer neuen Sprache zu verbinden. Auch wenn man z. B. Schwedisch perfekt ohne den geringsten Akzent zu reden gelernt hat, man wird nie "schwedisch" fühlen lernen können, denke ich. Und das ist der Unterschied - man gehört nie wirklich dazu, man ist in gewisser Weise immer "Ausländer".

Vielleicht ist es ja auch gerade das, was einen nach der "Heimat" sehnen lässt - das Gefühl, einfach nicht mehr Ausländer zu sein - einfach dazu zu gehören.

Als ich die obigen Zeilen von Bertha von Hesse gelesen hatte:

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,


fiel mir auf, dass der Hesse ja auch an einem Ort "hängen geblieben ist", nämlich an der "Heimat" - alle anderen Orte kann er leicht durchschreiten, doch an diesen einen bestimmten, an den zieht es ihn früher oder später, mal mehr, mal weniger, immer wieder hin.

S-nina

Hans

Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Hans » 23. Oktober 2008 19:12

Ausländer für immer?
Nina-S wrote
Auch wenn man z. B. Schwedisch perfekt ohne den geringsten Akzent zu reden gelernt hat, man wird nie "schwedisch" fühlen lernen können, denke ich. Und das ist der Unterschied - man gehört nie wirklich dazu, man ist in gewisser Weise immer "Ausländer"


Wenn man schwedisch perfekt ohne Akzent mit örtlichem Dialekt redet,dann wird man sich schon als Schwede fühlen.
Denn dann ist die Sprache, in welcher der sociale Zusammenhang, die Kultur, und die Zukunft herumschwimmt, gegenwärtig.

Sicher kann man zu beiden Seiten gehören.
Es hat mit dem Alter nichts zu tun.
Man braucht sich nicht immer als Ausländer fühlen.
Im Gegenteil, es kann ein Vorteil sein auf beiden Seiten sich zu Hause zu sein.

Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon janaquinn » 23. Oktober 2008 19:23

Hej Nina,
mmhh, "Ausländer" bin ich eigentlich in den letzten 13 Jahren meines Lebens immer gewesen. In Rheinland-Pfalz, in Bayern und auch in NRW, immer hing mir der Ausdruck "Ossi" am H.....
Hier in Schweden bin ich einfach "Deutsche", nicht mehr und nicht weniger....und es ist einfacher.3/4 meiner Familie sind "Ausländer" in Deutschland, in Schweden und im Rest der Welt, auch wenn die Kids beide Staatsbürgerschaften besitzen, insofern ist es egal wo wir leben.
Und ich denke, es liegt an jedem einzelnen selber, inwiefern er sich als Ausländer definiert oder einfach als "Schwede mit Migrationshindergrund", so wieviele andere im Lande auch.

Mir ging es in Deutschland wie Faxälva, ich hatte einfach kein Heimatgefühl mehr, und auch wenn ich jetzt vielleicht missverstanden werde, ich hatte es seit der Wende 1989 nicht mehr. Plötzlich lebte ich in einem Land, was mir eigentlich vollkommen fremd war, wo die Menschen komplett anders tickten als im Osten, wo andere Dinge wichtig waren und die Menschen sich über andere Sachen definiert haben.

Ich habe oft darüber nachgedacht, warum gerade die "Ossis" sich sowohl fühlen in Schweden, vielleicht weil uns einige Sachen doch an die alte "Heimat" erinnern, sowohl im negativen als auch im positiven Sinne.

Aber ich weiss auch nicht genau, warum es ausgerechnet immer Schweden war, von dem ich mich angezogen gefühlt habe, obwohl ich es eigentlich garnicht kannte. Es war halt einfach immer da und es ist bis heute da, eine tiefe Liebe zum Land, zu den Menschen und zur Mentalität, eine Liebe, die ich für Deutschland nicht hatte.

Dieser entgültige Schritt nach Schweden im letzten Jahr war einfach nur das Resultat einer ewig-währenden Sehnsucht und einen Traum, der erfüllt werden wollte...

Warum es aber unbedingt und ausschliesslich Schweden sein musste....diese Frage kann ich nicht beantworten....weil es einfach keine schlüssige Antwort drauf gibt, sondern einfach nur Gefühl ist.

LG JANA
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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Imrhien » 23. Oktober 2008 19:35

Schön zu sehen, lesen, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Meinungen dazu sind.

Zu der gestellten Frage:
Ich glaube nicht, dass alle es so sehen, dass es eine Entscheidung für immer ist. Manche haben das Gefühl, dass sie den richtigen Platz gefunden haben. Manche nicht. Ich denke auch, dass man an vielen Plätzen glücklich werden kann. Es gibt aber, so glaube ich, einen an dem man besonders glücklich sein kann, der zu einem passt. Für mich ist das meine Wahlheimat Karlsruhe, glaube ich jedenfalls. Da habe ich gelebt und wunderbare Jahre verlebt. Trotzdem sind wir freien WIllens da weg um andere Ecken Deutschlands und der Welt zu erkunden. Vielleicht kehren wir da wieder hin zurück... ob es dann aber noch das gleiche Gefühl ist? Ich weiss es nicht.
Wir haben nie geplant irgendwo für immer zu bleiben. Das machen, glaube ich die wenigsten. Viele wollen nur mal kurz für ein paar Jahre... es werden mehr, mehr, wieder mehr - manche stranden (nicht im negativen Sinne gemeint) für immer, finden einen Platz oder arrangieren sich. Ander kehren wieder um oder ziehen vielleicht auch weiter.
Spannend.
Ich glaube auch wie Hans, dass es Menschen gibt, die sich auch als Ausländer nicht so fühlen müssen. Manche haben ein unglaubliches Sprachtalent oder vielleicht passt es einfach zur eigenen Natur... Ich weiss es nicht. Ich kenne solche Deutsche hier auch. Sie sind mehr schwedisch als deutsch. Nicht aufgesetzt, einfach weil sie schon so lange hier sind.
Bei anderen wird das nach hundert Jahren nicht so sein.
Ich finde aber, dass das gar nichts macht. Glücklich sein kann man so oder so.
Gerade jetzt fehlt mir manches in Deutschland einfach. Zurück will ich grade aber auch nicht.
Ich bin nie aus Deutschland geflüchtet, es gibt nichts womit ich mich versöhnen müsste, bzw. nichts was mich so sehr stören würde, dass ich deshalb auswandern müsste. Deshalb habe ich es nicht getan. Man kann es schlicht Neugier nennen. Neugier auf ein anderes Land, auf meine Entwicklung bei der ganzen Geschichte. Und die Gefühle die ich gerade habe, sind Teil dieser Entwicklung. Das zu beobachten, zu reflektieren wie es mir hier geht, das ist für mich einfach sehr sehr spannend. Der Herbst mit all seinen Farben und der Atmosphäre die er ausstrahlt, lädt aber auch dazu ein sich solche Gedanken zu machen... :)

Grüße
Wiebke

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Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon Aelve » 23. Oktober 2008 19:59

Und wie sagte schon der gute alte Hesse:
Zitat:
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.

Hallo,

interessante Beiträge von Euch. Und das was Hesse damals in Gedichtform verfaßt hat, ist doch genau das,was ich Euch auch schon schrieb. Es muß in manchem Menschen solche Art Sehnsucht vorhanden sein, dass er gerne was Neues kennen lernen möchte und dass es Auftrieb gibt, wenn er etwas Ungewohntes und Neues anpackt. Die Vorbereitung, die Planung, die Vorfreude auf ein anderes Leben gibt einem Auftrieb, führt aus der Erschlaffung heraus.
Das mag der Grund sein für einen Umzug in ein anderes Land, in einen anderen Ort, dass die Veränderung einen weiter bringt, dass man was dazu lernt (z.B. die Sprache, Kultur, neue Techniken auf der Arbeit). Deshalb kann auch ein Rückzug einen weiter bringen, dadurch, dass man neue Kenntnisse erlangt hat, ist vielleicht hinterher eine bessere Anstellung möglich nach dem Rückgang.

Ich habe Freunde, die haben seit über 11 Jahren in Schweden ein Zweithaus, sie fahren immer mal wieder nach Deutschland, aber die meiste Zeit verleben sie in Schweden. Ich denke mal, wenn sich die Umstände ändern, wenn Krankheiten die Fahrten erschweren, dann werden sie auch mehr in Deutschland bleiben. Deshalb ist es doch so, dass man sich nach den Gegebenheiten richtet und wenn die Lebensumstände es erfordern, dass man wieder auswandert, dann denke ich auch, dass man später gerne an die Zeit in Schweden ohne große Wehmut zurück denkt.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

bjoerkebo

Re: Frage an Rückgewanderte

Beitragvon bjoerkebo » 24. Oktober 2008 16:18

Wir haben bald unseren ersten zwei Jahre rum und ich muss sagen,das Gefühl zurück zu wollen ist bisher nicht aufgekommen.
Da ich immer gut mir mir selbst ausgekommen bin,sprich ein Eigenbrödler war/bin hatte ich auch in D.keinen riesen Freundeskreis.Und die Familie meldet sich eh immer nur wenn sie was will (Ausnahme meine Eltern).
Natürlich weiß ich nicht wie es nach weiteren Jahren aussieht,will ich auch nicht wissen.
Fest stände,für unsere Tochter wäre es das schlimmste was wir ihr antun können,zurückzugehen.Sie ist so fest integriert in der Schule und in ihrem Freundeskreis.In der deutschen Schule würde sie untergehen.

Meine Tochter und ich machen näste Woche eine Woche Urlaub in der "Heimat."
Aber zu Hause sind wir in Schweden.Bin aber trotzdem gespannt wie es nach der Woche aussieht.Es wird bestimmt schön alle mal wiederzutreffen,aber dann wird es auch gut sein.

Mein Traum in Schweden zu leben ist ja nicht aus einer Bierlaune entstanden,sie ist über 14 Jahre gewachsen.
Und bisher hat mein Gefühl und mein Optimismus hier nicht so oft im Stich gelassen wie in Deutschland.
Daher kann ich mit dem Wissen von "heute" sagen.
Es ist gut so wie es ist alles andere wird sich zeigen........

Es ist ja gut wenn man die Chanse bekommt solche Erfahrungen zu machen.Hätte man es nicht würde man sich wahrscheinlich sein Leben lang Vorwürfe machen...."hätte ich mal"
Und aus diesen Erfahrungen kann man dann ein "neues/altes" Leben aufbauen oder weiterleben.


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