Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

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Mark
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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Mark » 14. September 2011 20:53

Ich hab mir und Sambo die EU-Kort eben online bestellt, bin gespannt wann sie ankommt. Danke Volker, für den Link!

/M

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 15. September 2011 14:35

Gerne geschehen, Mark. Werde berichten, wenn meine ankommt. Bin gerade vom Arzttermin gekommen. Da kam dann wegen meines deutschen Akzents auch meine Personummer zur Sprache, die ja ganz normal aussehen würde. Viele Ausländer hätten nämlich Nummern, die Buchstaben enthalten. Daraufhin habe ich mal nachgeforscht. Es gibt nämlich drei verschiedene Nummern-Typen, die Personen besitzen können:

Personnummer:
http://sv.wikipedia.org/wiki/Personnummer_i_Sverige

Samordningsnummer:
http://sv.wikipedia.org/wiki/Samordningsnummer

Reservnummer:
http://sv.wikipedia.org/wiki/Reservnummer

Nur wer eine Personnummer hat, ist auch folkbokförd und damit höchstwahrscheinlich versichert. Und wer nur eine Reservnummer hat, sollte damit rechnen eine Rechnung für jede medizinische Leistung zu bekommen.

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 15. September 2011 15:33

Hallo zusammen,

ich habs gefunden. Hier steht es auf Seite 141 oder im PDF-File Seite 11 in Form einer Übersicht, wann und wer an wen die Kosten für die medizinische Behandlung an Ausländern, die sich in Schweden aufhalten, bezahlt:

http://www.regeringen.se/content/1/c6/0 ... fd9f91.pdf

Wer also als Ausländer folkbokförd ist und in Schweden wohnhaft (bosatt) ist, ist krankenversichert. Wer als EU-Bürger ebenfalls folksbuchgeführt ist und mindestens 1 Jahr hier arbeitet oder arbeiten wird, ist ebenfalls krankenversichert. Dies gilt auch für die Angehörigen des Arbeitenden.

Die sozialversicherungstechnische Definiton von bosatt oder bosättning: http://ec.europa.eu/social/main.jsp?cat ... PageId=984

Wer in Schweden studiert, ist nach dieser Definition nicht in Schweden wohnhaft, da davon auszugehen ist, dass der Student oder die Studentin wieder in das Heimatland zurückkehren wird.


Und das ist auch eine gute Nachricht:

http://densistavilan.se/info/begravningsavg

Der schwedische Staat übernimmt also für alle, die volksbuchgeführt sind, 25 Jahre lang die Kosten für die Grabstätte und noch einiges mehr wie zum Beispiel die Einäscherung. Schweden kümmert sich um seine volksbuchgeführten Einwohner buchstäblich von der Wiege bis zum Grab (från vaggan till graven). In diesem Sinne wünsche ich allen gute Gesundheit und ein langes Leben.

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Rwitha
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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Rwitha » 15. September 2011 21:29

Volker hat geschrieben:Nur wer eine Personnummer hat, ist auch folkbokförd und damit höchstwahrscheinlich versichert.


Na, auch da scheint es ja unterschiedlich gehandhabt zu werden. Wir haben ja jeder eine Personennummer und wäre es durch den notwendigen Zahnarztbesuch meines Mannes "nicht ans Licht gekommen", würden wir immer noch davon ausgehen, dass wir "automatisch" versichert wären, was ja nicht der Fall war/ist. Verstehen kann man das alles nicht wirklich.
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 16. September 2011 07:58

Das mit dem Zahnarztbesuch scheint noch eines der ungelösten schwedischen Rätsel zu sein.

Nach meinen Recherchen bin ich jedenfalls auf folgenden Wissensstand gekommen, wobei ich mich nur auf EU/ESS-Bürger beschränke:

Wer folkbokförd ist und auch seinen Wohnsitz (siehe Definition von bosättning in meinem letzten posting) in Schweden hat, ist von Ausnahmen abgesehen (z.B EU-Rentner) auch durch den Landsting krankenversichert, wobei die Behandlungskosten demnach vom Landsting getragen werden aber nicht von der försäkringskassa, welche noch mehr umfassende soziale Leistungen liefern kann. Wie das mit den Zahnarztkosten ist, sei mal dahingestellt.

Um folkbokförd sein zu dürfen, müssen neben dem Merkmal der bosättning auch die Bedingungen der EU-Direktive 2004/38/EG ( http://www.aufenthaltstitel.de/rl_2004_38_eg.html ) erfüllt sein.

Wer länger als ein Jahr in Schweden arbeitet und dies durch einen unbefristeten Arbeitsvertrag nachweisen kann, erfüllt das Merkmal der bosättning und ist damit auch über den Landsting versichert. Mitgezogene Angehörige sind dann auch mitversichert, da 1. folkboföring. 2. uppehållsrätt 3. bosättning ebenfalls vorliegen.

Wer in Schweden selbständig ist, ist ebenfalls versichert. Meiner Ansicht nach ist es auch ein gangbarer Weg, wenn der frisch einreisende EU-Bürger eine Firma (enskild företagare) beim skatteverk anmeldet, um gleich folkbokförd zu werden und um seinen F-skattesedel zu erhalten. Dazu reicht ein halbwegs glaubhaftes Geschäftskonzept und der Nachweis der letzten deutschen Steurerbehörde, das keine Steuerschulden vorliegen, aus. Dann sind der Selbständige und seine Angehörigen krankenversichert. Davon darf ich aus meinen Erfahrungen jedenfalls ausgehen. Am Anfang sind Steuerzahlungen noch nicht fällig. Die kommen erst nach der ersten Steuererklärung. Umsätze müssen am Anfang auch nicht vorliegen. Sollte man merken, dass die Geschäftsidee nicht richtig aufgeht, ist eine gleichzeitig Jobsuche immer noch möglich, bis eine Festanstellung gefunden worden ist. Am Anfang sollte keine AB gegründet werden, da die Auflösung der AB recht teuer ist. Die Tätigkeit als enskild företagare kann auch vörübergehend ruhen. Dadurch entstehen keine Kosten. Beim enskild förtetagere gehen über 50% des Gewinns für Steuern/Sozialabgaben/Renteneinzahlung weg. In Deutschland ist dies in etwa aber auch der Fall.

Wer nach Schweden als Arbeitssuchender kommt und Arbeitslosengeld bezieht, ist meines Wissens noch in Deutschland versichert. Wer Rentner ist, ist ebenfalls über eine ausländische Krankenkasse versichert ( mehr unter http://www.swedenabroad.com/Page____43458.aspx ). Studenten müssen sich auch selbst versichern, da sie per Definition ihren Wohnsitz nicht in Schweden haben.

Ein Tourist aus Deutschland braucht übrigens keine Auslandsreiseversicherung, wenn er in Deutschland krankversichert ist. Ein Tourist darf sich für maximal drei Monate in Schweden aufhalten. Für einen eventuellen Krankenrücktransport per Flugzeug wäre eine extra Auslandsreiseversicherung sicher sinnvoll.

Mein Güte ist das alles kompliziert. Wer den vollen Durchblick hat, kann sich ja beim Landsting oder der F-Kassa bewerben :) . Ich habe diesen Durchblick leider nicht. Gute Gesundheit!

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 18. September 2011 12:04

Hallo zusammen,

endlich habe ich die Gesetzgrundlage gefunden:
Socialförsäkringslag (1999:799)
http://www.notisum.se/rnp/sls/lag/19990799.HTM

Die beiden wichtigsten Auszüge für zugezogene Ausländer:

"2 kap. Bosättning och arbete i Sverige
Bosättning i Sverige

1 § Vid tillämpning av denna lag skall en person anses vara bosatt i Sverige, om han eller hon har sitt egentliga hemvist här i landet.
Den som kommer till Sverige och kan antas komma att vistas här under längre tid än ett år skall anses vara bosatt här, om inte synnerliga skäl talar mot det. En utlänning som enligt 4 § andra stycket folkbokföringslagen (1991:481) inte skall folkbokföras skall inte heller anses vara bosatt här.
En i Sverige bosatt person som lämnar landet skall fortfarande anses vara bosatt här om utlandsvistelsen kan antas vara längst ett år. Lag (2002:1116)."

"3 kap. Socialförsäkringsskyddet
Bosättningsbaserad försäkring

1 § Den som är bosatt i Sverige är försäkrad för följande förmåner som anges i lagen (1962:381) om allmän försäkring:
1. ersättning för sjukvård m.m. enligt 2 kap. i fråga om förmåner som beslutas av Försäkringskassan,
2. föräldrapenning på lägstanivå och grundnivå,
3. sjukersättning och aktivitetsersättning i form av garantiersättning, samt
4. rehabilitering och särskilt bidrag enligt 22 kap. i fråga om förmåner som beslutas av Försäkringskassan. Lag (2004:780)."

Wichtig ist, dass die Person im Volksbuch geführt ist und Tatsachen geschaffen hat, die dafür sprechen, dass der Lebensmittelpunkt in Schweden liegt und ein Aufenthalt länger als für ein Jahr geplant ist. Dann ist der Patient im Krankheitsfall für die unbedingt notwendige medizinische Behandlung auf jeden Fall versichert.

Ob eine Registrierung bei der försäkringskassa vorliegt, halte ich hinsichtlich für die oben genannte Versicherungsleistung unerheblich, da der Rechtsanspruch auf jeden Fall besteht und nicht von der Nachlässigkeit der Försäkringskassa abhängen darf. Umgekehrt hat eine registrierte Person nicht automatisch Ansprüche aus der Krankenversicherung, nur weil eine Registrierung vorliegt. Die Registrierung ist nur ein Verwaltungsakt.

Mir und meiner Frau ist allgemein aufgefallen, dass die schwedische Mentalität in der Regel nicht so ausgeprägt mit juristischen Denkvorstellungen arbeitet wie die deutsche. In Deutschland ist ja fast an jeder Ecke ein Rechtsanwalt niedergelassen. Das Einschalten eines Rechtsanwalts ist in Deutschland viel eher der Fall als in Schweden. Dies gilt sowohl auf privater als auch geschäftlicher Ebene.

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 21. September 2011 15:16

Die EU-kort, welche ich am 14.9. unter http://www.forsakringskassan.se/privatpers/utomlands durch Eingabe meiner personnummer bestellt hatte, lag heute in meinem Briefkasten. Im Anschreiben steht, dass ich mir diese Karte in anderen EU/ESS-Ländern und der Schweiz das Recht auf eine medizinisch notwendige Versorgung bei Unfall oder Krankheit gibt. Außerdem sei die Karte innerhalb von "Norden" http://sv.wikipedia.org/wiki/Norden nicht nötig.

Falls ich die Karte nicht dabei hätte und selbst zahlen müsste, bekäme ich daheim die Kosten wieder zurückerstattet. Die Karte hat drei Jahre Gültigkeit und ist nur gültig - und jetzt kommt es - wenn ich auch vesichert sei.


Noch was zu meinem scherzhaften Ausdruck "Premiumkunde". Mehr als 900 Kronen für Arztbesuche und andere Leistungen wie Blutabnehmen und so weiter muss man innerhalb eines Jahres nicht zahlen. Für Medikamente gilt eine ähnliche Regelung, so dass maximal 1800 Kronen pro Jahr für Medikamente zu zahlen sind. Unter http://www.externt.lul.se/lul/ovavg.nsf ... enDocument steht es genau.

An der Rezeption des Krankenhauses, wo man bezahlt, lässt man sich eine Högkostnadskort ausstellen, in der die Beträge eingetragen werden. Das geht auch nachträglich. Hat man seine 900 Kronen erreicht, bekommt man eine frikort und muss damit nichts mehr bezahlen bis es ein Jahr her ist, als man den ersten Betrag der 900 Kronen bezahlt hatte.

Wer also chronisch schwer krank ist, zahlt nicht mehr als insgesamt 2700 Kronen pro Jahr für die medizinsche Versorgung und Medikamente. Für die Medikamente geht die Preisreduzierung vollautomatisch.

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Mark » 21. September 2011 22:35

Die EU-kort kam heute auch an.

Grüße, Mark

Reichhi
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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Reichhi » 30. September 2011 10:07

Sorry dass ich mich als Threat-Öffner erst jetzt wieder melde.

Registriert bin ich immer noch nicht und habe das Problem anderweitig mit meiner (alten) dt. Versicherung geklärt.

So wie ich das (danke an Volker!) verstanden habe werde ich wohl auch nie registriert, da ich keinen unbefristeten Arbeitsvertrag habe.

Im Endeffekt ist mir das aber momentan erstmal egal, da es wohl sowieso wieder nach Deutschland geht. 2,5 Jahre Schweden waren genug und schön, und ich wäre ja auch gerne hier geblieben, aber aus familliären und karrieregruenden fuehrt der Weg wohl wieder nach DE. So schön es hier (vor allem Landschaftlich) auch sein mag ... ein weinendes Auge ist sicherlich dabei.

Ich muss mir jetzt erstmal ueberlegen wie ich das, wenn es wieder nach DE geht, alles regle. Denke mal, das Skatteverket wuesste gerne darueber bescheid ;).

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Sams83 » 30. September 2011 10:41

Reichhi hat geschrieben:Ich muss mir jetzt erstmal ueberlegen wie ich das, wenn es wieder nach DE geht, alles regle. Denke mal, das Skatteverket wuesste gerne darueber bescheid ;).


Hallo,

ja, das Skatteverket wüsste gern darüber Bescheid. Sollte eigentlich sogar im Voraus gemacht werden; ich habe es allerdings erst nach meiner Rückkehr hier von D aus angegeben, war auch kein Problem.

Hier gibt es die Informationen und das Abmelde-Formular (Formular für "folkbokbörda invånare", die ins Ausland ziehen):
http://www.skatteverket.se/privat/folkb ... 01591.html
http://www.skatteverket.se/download/18. ... 766506.pdf

Ich habe das Formular ausgefüllt, dabei als Grund "Remigration till Tyskland" angegeben.
Nach kurzer Zeit kam die Antwort vom Skatteverket an meine Adresse in D, dass ich eben nun nicht mehr länger "folkboksförd" bin.
Sollte man wieder in Schweden sesshaft werden, braucht man seine alte Personnummer nur wieder zu aktivieren. Sie wird also "auf Eis gelegt", geht aber nicht verloren (für den Fall des Falles)...

Wünsche Dir eine schöne Rückkehr und einen guten Neubeginn in Deutschland! Ist nicht ganz einfach, das Land Schweden hinter sich zu lassen, bei mir waren sogar zwei weinende Augen dabei ;) (wenn ich auch viele schöne Seiten an der Rückkehr gesehen habe)

Gruß
Simone


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