Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

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unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 8. September 2011 11:12

Das ist schon ein Ding. Vielleicht liegt es daran, dass du in einer Uni-Stadt wohnst, welche durch die vielen Studenten eine höhere Fluktuation hat?

Ich kann mich jedenfalls noch nicht beklagen. Als Selbständiger bekam ich als ich krank wurde ganz normal versichert eine Lohnfortzahlung (oder besser gesagt Einkommensfortzahlung), was in Deutschland nur mit einer teuren Zusatzversicherung geht. Ich bin jetzt sogar zum "Premium-Kunden" aufgestiegen und muss für Arztbesuche und andere Dienstleistungen die nächste Zeit nichts dazuzahlen, weil ich eine frikort bekommen habe. Manches wird sogar viel genauer als in Deutschland untersucht, was übrigens für die Krankenkasse nicht billig ist. Insbesondere ist mir aufgefallen, dass die Gefahr von möglichen Augenerkrankungen in Schweden sehr ernst genommen wird. Dass mir wegen einer vorrübergehenden Unpässlichkeit in der Magengegend ein Arzttermin verweigert werden würde, stört mich nicht und finde ich auch richtig so.

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Mark » 8. September 2011 12:40

Ja das kann gut sein. Premiumkunde im schwedischen Gesundheistsystem, hehe. ;)

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Pink_Panther » 8. September 2011 13:58

Volker hat geschrieben:Das ist schon ein Ding. Vielleicht liegt es daran, dass du in einer Uni-Stadt wohnst, welche durch die vielen Studenten eine höhere Fluktuation hat?

Als Selbständiger bekam ich als ich krank wurde ganz normal versichert eine Lohnfortzahlung (oder besser gesagt Einkommensfortzahlung), was in Deutschland nur mit einer teuren Zusatzversicherung geht. Ich bin jetzt sogar zum "Premium-Kunden" aufgestiegen und muss für Arztbesuche und andere Dienstleistungen die nächste Zeit nichts dazuzahlen, weil ich eine frikort bekommen habe. Manches wird sogar viel genauer als in Deutschland untersucht, was übrigens für die Krankenkasse nicht billig ist. Insbesondere ist mir aufgefallen, dass die Gefahr von möglichen Augenerkrankungen in Schweden sehr ernst genommen wird. Dass mir wegen einer vorrübergehenden Unpässlichkeit in der Magengegend ein Arzttermin verweigert werden würde, stört mich nicht und finde ich auch richtig so.


Als Selbständiger zahlst du in Schweden allerdings eine saftige "Egenavgift", welche mit einem Sozialversicherungsbeitrag gleichzustellen ist. Schön zu hören, dass an anderen Stellen in Schweden das Gesundheitssystem funktioniert! Das ist mehr, als man von Jämtland und besonders Östersund behaupten kann. Ich versuche hier beispielsweise nämlich schon seit 7 Jahren mal zu einer Untersuchung zum Augenarzt zu kommen. Werde aber stattdessen an den Optiker verwiesen ......... Ich wohne wohl im falschen Teil Schwedens ... :-(

Viele Grüße,

Paul

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Reichhi » 8. September 2011 14:09

Prämiumkunde ... ich wäre ja schon froh, wenn ich ueberhaupt ein Kunde wäre...

Werde morgen mal beim lokalen Servicekontor der A-Kassan auf den Tisch hauen, aber ich befuerchte die können einem nicht weiter helfen...

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Imrhien » 8. September 2011 14:51

Wieso ist das richtig, dass einem der Besuch beim Arzt wegen Schmerzen im Magen verweigert wird? Oder, wenn man, wie in meinem Falle dann dort ist, der aber sagt, dass man da in Schweden nichts tut?
Gut, es dreht sich in meinem Fall nur um Gallensteine. Ist also nicht weiter dramatisch, ausser dass es höllisch weh tut, wenn ich wieder mal einen Ausbruch habe. Aber macht ja nichts...
Ich bin nur ein Laie, aber soweit ich das in Erinnerung habe, werden in Deutschland Gallensteine entfernt, oder? Hier meinte die Ärztin wartet man, bis es nicht mehr anders geht, eine Entzündung entstünde und dann operiert man die ganze Galle raus. Wenn sie Glück haben, dann hab ich nur alle paar Wochen oder Monate mal wieder mehrere Tage Schmerzen, aber das Gesundheitssystem spart sich die Op. Haben sie Pech, dann wirds halt so schlimm, dass sie was tun müssen. Worauf soll ich hoffen? Dass ich nur selten Schmerzen habe, oder darauf, dass es schnell schlimm wird und mir dann wenigstens geholfen wird? Ich weiss es ehrlich nicht, bin aber wiedernmalm echt enttäuscht und genervt. Und, nein, ich halte mich nicht mal für besonders pienig und anfällig für Schmerzen. Aber wenn ich dann nicht Laufen oder sonst was kann und mein Mann daheim bleiben muss, dann ist das nicht mehr lustig. Wegen dem Karenztag zahlt einem auch keiner mehr was und dann bin ich selber krank daheim und mein mann muss einen Tag frei nehmen, vård av barn, was wieder mehr Stress bei der Arbeit an anderen Tagen bedeutet.

Grüsse
WIebke

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 8. September 2011 14:58

Hallo zusammen,

die Belastung für Selbständige durch Steuern und Sozialabgaben ist etwas höher (ca. 10 bis 15%) als in Deutschland nach meinen Erfahrungen. Mehr als 50% des Gewinns vor Steuern gehen weg. Das relativiert sich aber wieder, da ein Selbständiger einiges wieder absetzen kann, was ein Arbeitnehmer nicht absetzen kann. Die genauen Zahlen habe ich aber nicht im Kopf.

In Deutschland kann es aber bei längerer Krankheit kritisch werden, da du normalerweise dann keine "Lohnfortzahlung" mehr bekommst und dann immer noch 300 oder noch mehr Euro/Monat Krankenversicherung zahlen musst. Selbst wenn du wegen Krankheit nichts verdienst. In Schweden bekommt der Selbständige ab der 2. Woche 80% des Durchschnittseinkommens des letzen Jahres oder der letzen Jahre, und das bis zu einem Jahr. Wer auf diese soziale Sicherheit verzichten will, muss das extra angeben, bekommt sie ab einem bestimmten Alter aber dann nicht mehr zurück. Ich war längere Zeit krankgeschrieben. Die Försäkringskassa hat sich "mehrmals nach meinem Wohlbefinden erkundigt". Die Sachbearbeiter(innen) sind nicht dumm, da sie oft dieselbe Krankheit durchgemacht haben. Ich habe dann glaubhaft mein Leid geklagt und beteuert, dass ich ja wieder gesund werde und aus welchen Gründen ich unmöglich arbeiten kann. Auf Grund eines ärztlichen Attest ist noch lange nicht die Versicherungsleistung sichergestellt. Wenn die försäkringskassa meint, du könntest ja zu 20% deiner Arbeitszeit deinen Schreibtisch aufräumen, ist das ärgerlich.

Bloß nicht auf den Tisch hauen am Telefon in Schweden. Drück auf die Tränendrüse. Armer Student, Jobanfänger, keine finanzielle Reserven, du befürchtest die finanzielle Katastrophe bei Krankheit. Der Job ist deine Chance, auf die schon lange gewartet hast. Was ist, wenn du dir in Deutschland das Bein brichst. Das kannst du dir ja garnicht leisten, das eigener Tasche zu zahlen. Gefangen in Schweden wegen fehlender Krankenversicherung. Das ist doch ungerecht. Und so weiter. Vorher mit ruhiger weinerlicher Stimme üben. Es wirkt meistens. Wenn du auf den Tisch haust, legen die den Hörer auf. Die Erfahrung habe ich schon durch.

Also wenn du Gallensteine hast, tut das fürchterlich weh und muss behandelt werden.

Aber wenn es mir leicht unwohl in der Magengegend ist, weil ich mal wieder drei Stück Kuchen gegesssen und 4 starke Kaffee getrunken habe, brauche ich mich nicht wundern. Ich weiß, dass das vorbei geht. So hatte ich das gemeint. Aber in Deutschland rennen ja viele unnötigerweise gleich zum Arzt, was irgendwann das Gesundheitssystem zusammenbrechen lässt. Und diese Verschwendung finanziere ich zum Glück nicht mehr mit. Die ganze Diskussion gab es aber schon mal hier im Forum.

Ich weiß, das Gesundheitssystem ist nich das Gelbe vom Ei. Wer aber der deutschen Sprache mächtig ist, kann sich schneller in Deutschland behandeln und operieren lassen. Ich habe mal einen entstprechenden TV-Beitrag gesehen über einen Schweden, der sich in Deutschland die Bandscheiben operieren lassen hat, weil ihm die Wartezeit in Schweden zu lange war. Die Försäkringskassa hatte vorher zugestimmt die Kosten zu tragen. Das Geld ist wohl da, es fehlt anscheinend an genügend Chirurgen.

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon cocolino » 8. September 2011 16:37

Vielleicht noch ganz kurz dazu:

Es ist tatsächlich so, dass man mit PN in Schweden krankenversicher ist, aber, wenn man nicht arbeitet, z.B. als Student oder so wie ich steuerfrei über ein Stipendium finanziert wird, dann gilt die Versicherung auch nur in Schweden, ne EU-Karte gibt es nicht (oder Zahnarzt) (daher hab ich noch zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung in D abgeschlossen für 2 Jahre, die EU-weit gilt und eben auch für bis zu 6 Wochen im Jahr in Deutschland).

Noch eine Frage: Die Registrierung bei der F-Kassa muss ich ja trotzdem machen, beim Skatteverket hieß es, ich bekomme ein Formular zugeschickt. Aber ich kann auch ohne diese Registrierung bereits zum Arzt gehen, wenn ich meine PN habe, oder? (Hab zwar noch Vorrat, brauch aber rchtzeitig Nachschub an Medikamenten).

Und wie ist das, wenn ich sozusagen wegen einer chronischen Erkrankung da hin muss, einfach auch beim Vardcentral anrufen (und bei welchem)?

Viele Grüße

unbekannt

Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon unbekannt » 8. September 2011 17:04

Hallo,

unter http://www.lio.se/ findest du deine zuständige Vårdcentral und die entstprechende Telefonnummer. Einfach anrufen. Du wirst gegebenenfalls zurückgerufen. Mit deiner personnummer können sie dir weiterhelfen.

Unter http://www.forsakringskassan.se/privatpers/utomlands habe ich noch was zur Auslandserkrankung gefunden. Die EU-Karte braucht man nicht, wenn man im Ausland den Arzt oder das Krankenhaus überzeugen kann, dass eine Versicherung vorliegt. Wie bei einem Privatpatient in Deutschland zahlt der Patient erst einmal selbst und holt sich gegen Vorlage der Quittungen die Behandlungskosten von der F-Kassa zurück. Wichtig ist, dass die Behandlung unbedingt notwendig war. Sich von seinem ehemaligen Hausarzt mal wieder durchchecken lassen, wird nicht bezahlt.

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Rwitha » 8. September 2011 22:14

cocolino hat geschrieben:Es ist tatsächlich so, dass man mit PN in Schweden krankenversicher ist...


Die Erfahrung haben wir leider nicht gemacht.
Wir sind letztes Jahr im Jan. mit dem E 303 hierher gekommen. Nach den drei Monaten, wo das Arbeitslosengeld hier weitergezahlt wurde, wir aber noch keine Anstellung hatten, sind wir trotzdem geblieben. Bis dahin waren wir beim Arbeitsamt registriert und hatten unsere PN bekommen. Mein Mann fand eine Anstellung und ich eröffnete einen kleinen Kiosk und bekam aktivitätsstöd von der F-Kassan. Wir meldeten uns dann nochmal bei der F-Kassan an. Nun, mein Kiosk lief nicht und ich habe den nach einem halben Jahr wieder dicht gemacht.
Dann musste mein Mann im November mit Zahnschmerzen zum Arzt und dort sagte man ihm, dass er nicht krankenversichert sei. Er musste die Behandlungen erstmal selbst bezahlen und sich mit der F-Kassan auseinander setzen, bei denen angeblich keine Anmeldung von ihm vorlag. Nachdem wir dann alles noch einmal hingeschickt hatten, kam dann die Bestätigung, dass er nun krankenversichert wäre. Hier frage ich mich echt, wie denn die Sozialversicherungsabgaben des Arbeitgebers die ganze Zeit verbucht wurden?

Kurze Zeit später bekam ich Post von der F-Kassan, dass ich mich doch registrieren möchte. Hab dann gefragt warum, denn ich bekam ja auch die Unterstützung von der F-Kassan. Ja, es wäre notwendig usw. Da ich noch keine Anstellung habe, habe ich den unbefristeten Arbeitsvertrag meines Manne hingeschickt und nix mehr gehört. Als ich dann im Mai Bescheid bekam, zur Vorsorgeuntersuchung zu kommen, bin ich davon ausgegangen, dass ich krankenversichert bin. Am letzten Freitag fisch ich ein Schreiben der F-Kassan aus dem Briefkasten, in dem sie mir mitteilen, dass ich ab dem 01.10.2011 krankenversichert wäre. :shock:

Jetzt war ich also die ganze Zeit ohne Versicherung und musste ja zum Glück auch nicht zum Arzt. Nun bin ich aber am überlegen, ob ich noch einen Widerspruch einlege oder den Okt. abwarte?
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Försäkringskassan - Der schwedische Wahnsinn?

Beitragvon Reichhi » 9. September 2011 06:54

cocolino hat geschrieben:Vielleicht noch ganz kurz dazu:

Es ist tatsächlich so, dass man mit PN in Schweden krankenversicher ist, aber, wenn man nicht arbeitet, z.B. als Student oder so wie ich steuerfrei über ein Stipendium finanziert wird, dann gilt die Versicherung auch nur in Schweden, ne EU-Karte gibt es nicht (oder Zahnarzt) (daher hab ich noch zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung in D abgeschlossen für 2 Jahre, die EU-weit gilt und eben auch für bis zu 6 Wochen im Jahr in Deutschland).
Viele Grüße


Also soo ganz korrekt ist das so nicht.
1) Automatisch registriert wegen Pers.nr.: Liest man oft, scheint aber nicht so zu sein
2) EU-Karte gibt es nicht? Da lach ich ja. Klar gibt es die und die muss es nach EU-Recht auch geben! Den entsprechenden Link hat Volker ja schon gegeben.
3) Eine Auslandskrankenversicherung in D abgeschlossen? Du meinst FUER D? Weil sonst wärst du ja in D nicht versichert. Wobei das sowieso total unnötig ist, da du EU-Weit durch die F-Kassan fuer kurzzeitige Auslandsaufenthalte versichert sein musst! (Anders ist es, wenn du deinen 1. Wohnsitz noch in D hast ... aber das ist wieder ein anderes Thema).


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