Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

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hansbaer

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon hansbaer » 12. Februar 2009 13:17

Um es etwas weniger zynisch zu formulieren: mir scheint, die deutsche Mentalität macht hier einiges aus. Deutsche haben eher ein schlechtes Gewissen, die Bitte ihres Arbeitgebers nach Mehrarbeit abzulehnen - wohl auch aus Angst, dass mangelnde Arbeitsbereitschaft einem eines Tages die Kündigung bringen wird. Ein Schwede hat da wohl eher die Einstellung, dass jede Mehrarbeit vollkommen freiwillig ist.

Uwe Ernst
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Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon Uwe Ernst » 12. Februar 2009 13:31

Der Fernsehfilm über die drei Krankenschwestern wird heute wiederholt:

auf 3Sat um 18 Uhr.
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Aelve
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Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon Aelve » 12. Februar 2009 15:18

Hallo,

es ist ja auch so, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben muß, dann nimmt man einiges in Kauf und läßt sich auch leicht mal überbelasten.
Das ist ganz normal, denn wenn man evtl. vorher gesehen hat, wie es anderen Mitarbeitern passiert, wenn sie nicht immer sofort auf der Matte stehen, dann ist das psychisch schon vorprogrammiert, dass man nicht ablehnen mag - nämlich aus reiner Angst um seinen Arbeitsplatz. Wenn man aber so wie in Schweden eher auf Verständnis stößt, wenn man sagt, ich kann nicht zwei Schichten hintereinander verkraften oder wenn man Kinder hat, weswegen man nicht mehr als eine bestimmte Stundenzahl von Zuhause weg sein kann, dann ist eine Absage leichter möglich.
Auch meine bekannte Krankenschwester hat , als sie noch keinen festen Arbeitsvertrag hatte, sich leichter mal auf eine zusätzliche Schicht eingelassen, es kam auch einige Male vor, dass sie einspringen mußte, weil krankheitsbedingt andere Schwestern ausfielen. Deshalb ist es ganz normal, dass man anfangs bereit ist, länger oder mehr zu arbeiten, um als zuverlässig und fleißig zu gelten. Und wenn es dann ordentlich bezahlt wird, dann ist man evtl. sogar froh über ein wenig Mehrarbeit.
Wichtig ist aber, dass man selber weiß, dass die zusätzliche angenommene Arbeit nicht aus Angst um den Arbeitsplatz erledigt wird, sondern dass man weiß, man kann auch ruhig Nej sagen, ohne Repressalien befürchten zu müssen.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
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nysn

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon nysn » 14. Februar 2009 18:19

Zu diesem Thema ein interessanter Artikel in "Dagensmedicin":

http://www.dagensmedicin.se/nyheter/200 ... /index.xml

Darin wird deutlich gesagt, deutsche und europäische Ärzte/Krankenschwestern sind in Schweden eher "geduldet" als "erwünscht" da sie angeblich über eine schlechtere Ausbildung als die ihrer schwedischen Kollegen verfügen.

Außerdem arbeitet z. B. ein deutscher Arzt effizienter - er kann sogar bis zu 30 Patienten am Tag versorgen, was sein schwedischer Kollege nicht kann, weil er "langsichtiger" arbeitet ....

De svenska allmänläkarnas utbildning skiljer sig från de flesta andra EU-länders. För att bli specialist i allmänmedicin i Sverige krävs en femårig ST-utbildning, precis som för övriga specialiseringar. I övriga länder är motsvarande utbildning oftast treårig – eller också saknas specialiteten helt.


Die schwedische Ausbildung für Allgemeinärzte unterscheidet sich von den meisten anderen EU-Ländern. Um Spezialist zu werden, wird in Schweden eine fünfjährige ST-Ausbildung verlangt, genau wie für andere Spezialisierung. In den anderen Ländern ist eine entsprechende Ausbildung oft dreijährig - oder es fehlt die Spezialisierung ganz.

En tysk läkare kan ta emot 30 patienter om dagen. Men de gör ofta även det som svenska distriktssköterskor gör och remitterar mer än svenska allmänläkare, säger Annika Eklund-Grönberg.


Ziemlich arrogant diese Einstellung - finde ich - und wenn ich deutscher Arzt oder Krankenschwester wäre, würde ich mir echt überlegen, ob ich als 2. Wahl-Mitarbeiter in irgendeiner langweiligen schwedischen Land-Kommune tätig sein wollte - es gibt sicher tolerantere Länder in der EU, die einen obendrein auch noch karrieremäßig vorwärts bringen können.

Als Patient muss ich sagen, ist mir auch ein effizienter deutscher, französischer, italienischer oder sonstiger EU-Arzt, bei dem ich ohne lange Wartezeiten einen Termin bekommen kann, dann doch lieber als die hochspezialisierte schwedische Distrikt-Krankenschwester, die am Telefon eine Ferndiagnose versucht, oder der langfristig arbeitende schwedische Spezialist, den ich nach 3-monatiger Wartezeit dann max. 5 Minuten zu Gesicht bekomme ...

S-nina

vårdpersonal

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon vårdpersonal » 14. Februar 2009 22:47

Standing ovations from here!
Sehr guter Beitrag von dir, S-Nina :danke:

ledsenutlänskläkare

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon ledsenutlänskläkare » 15. Februar 2009 07:51

Die Ausbildung vieler ausländischer Ärzte ist umso viel besser, als die Arroganz vieler schwedichen Kollegen grösser ist.

hansbaer

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon hansbaer » 15. Februar 2009 09:21

Eigentlich sollte man dieser Annika Eklund-Grönberg eine Protestnote ausländischer Ärzte überreichen.

En svensk allmänläkare ska jobba långsiktigt med sina patienter och ansvara för diagnostik, behandling och remittering i allt från akutsjukvård till psykiatri, mindre kirurgiska ingrepp, missbruk, pediatrik och mödravård.


Da frage ich mich, was denn ein deutscher Allgemeinarzt anders macht.

Die Ausbildungsqualität ausländischer Ärzte zu kritisieren mag im Einzelfall berechtigt sein, ist aber auch extrem dreist. In Deutschland dauert es um die 10 Jahre, bis man vom Erstsemester zum Facharzt für Allgemeinmedizin geworden ist. So lange ist die schwedische Ausbildung meines Wissens nicht.

Schweden versäumt seit geraumer Zeit, eine ausreichende Anzahl von Ärzten und Krankenschwestern auszubilden. In das Medizinstudium kommt man nur mit Spitzennoten, weil so wenige Plätze zur Verfügung stehen.

Der ganze Bericht tut ja so, als würde dieses Problem gar nicht bestehen. Als hole man die Ärzte nur aus reiner Menschenfreundlichkeit nach Schweden. Dabei ist der Bedarf hoch und das heimische Angebot unzureichend.

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Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon Gottfried » 15. Februar 2009 10:44

Eine zutreffende Antwort in der DM:
"Postad av: Läkare, 09:26, 11 februari 2009

sverige är bäst på allt, är inte det det handlar om? glöm inte att läkare i många andra europeiska land får en mycket bättre teoretisk utbildning. svenska allmänläkare kanske kan mer praktisk i vissa områden, men har ofta en skrämmande dålig teoretisk kunnskapsbas. men det är ju mycket roligare att hacka på utländska läkare än att försöka förbättra den svenska läkarutbildningen. Lite arrogant är det faktisk. "

Typisch schwedische Arroganz bei typisch schedischem Mangel an Introspektionsfähigkeit!
Soweit mal wieder zu den ach so netten Schweden.......
:smt006


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Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon Distriktläkare » 15. Februar 2009 11:21

@Gottfried: Jep, gute Antwort ("Postad av: Läkare, 09:26, 11 februari 2009

sverige är bäst på allt, är inte det det handlar om? glöm inte att läkare i många andra europeiska land får en mycket bättre teoretisk utbildning. svenska allmänläkare kanske kan mer praktisk i vissa områden, men har ofta en skrämmande dålig teoretisk kunnskapsbas. men det är ju mycket roligare att hacka på utländska läkare än att försöka förbättra den svenska läkarutbildningen. Lite arrogant är det faktisk. ").

Mehr braucht man dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Fakt ist, dass Schweden bewusst gar nicht genug Ärzte ausbildet, um den Bedarf zu decken, sondern lieber ausländische Ärzte mit aus meiner Sicht mindestens ebenso guter Ausbildung abwirbt. Außerdem wandern nicht wenige Schweden nach Norwegen, England oder in die USA ab, da insbesondere was Forschung betrifft die Möglichkeiten in Schweden mehr als mau sind. In Deutschland ist es was das anbetrifft allerdings auch nicht wesentlich besser. Norwegen lockt in erster Linie mit mehr Geld.

Was die Ausbildung angeht: Ich bin auch allmänläkare und habe nach sechsjährigem Studium ebenfalls eine fünfjährige ST-läkare-Zeit bis zur Facharztreife gebraucht. Ein wesentlicher Unterschied ist allenfalls die Gestaltung der Fachweiterbildungszeit. In Deutschland sind da - bzw. waren für mich - Innere Medizin, Chirurgie und je nach Bundesland Kinderheilkunde verpflichtend, außerdem eine gewisse Zeit in einer Allgemeinpraxis. In Schweden ist das ganze nicht so liberal, man muss auf jeden Fall in Innere, Chirurgie, Kinderheilkunde, Psychiatrie und Gynäkologie sowie in HNO-, Haut- und Augenheilkunde verbringen, was für die Tätigkeit als distriktsläkare sicherlich wichtig ist. ABER: In Deutschland hat man ja neben seinen Pflichtfächern auch Wahlfächer gehabt, eben aus diesen Fächern. Und in einer Landarztpraxis in Deutschland lernt man das für den Job wesentliche ohnehin im täglichen Betrieb.

Naja, somit alles viel heiße Luft. Aber lassen wir den Schweden ihren Nationalstolz, solange die Patienten mit ihren ausländischen Ärzten zufrieden sind, ist doch alles ok. Nur wenn das ganze jetzt in allgemeine Stimmungsmache gegen die ausländischen Ärzte in der Bevölkerung enden würde, würde mich das schon sehr stören/ ärgern.

nysn

Re: Fernsehtip für Pflegepersonal, Krankenschwestern

Beitragvon nysn » 15. Februar 2009 11:46

lassen wir den Schweden ihren Nationalstolz, solange die Patienten mit ihren ausländischen Ärzten zufrieden sind, ist doch alles ok.


Na ja, ob die schwedischen Patienten mit den ausländischen Ärzten zufrieden sind - darüber wird ja auch eine ganze Menge geschrieben ...
dort, wo die "Not" am größten ist - ist die Akzeptanz auch größer. Dort, wo man wählen kann, entscheidet sich "der Schwede" wohl eher für die aus seiner Sicht schwedische "Premium-Lösung".

"Freddy" hatte mal ein Artikel aus der Tageszeitung in Borås eingestellt:

beitrag69503.html?hilit=borås#p69503

Da konnte man dann in den Leserbriefen z. B. auch so was lesen:
...
så får vi väl ta det som är kvar från Polen, Tyskland, Rumänien, Bulgarien osv. Sverige borde värna om sina läkare och sina studenter annars blir det en sådan ?clahs of civilisation?! Tyska läkare har annorlunda sätt att arbeta i Tyskland, mycket mer arroganta är dem och anser sig vara mycket högre än alla andra. Satsa på oss istället!!!


S-nina


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