Euro, SEK

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Aelve
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Re: Euro, SEK

Beitragvon Aelve » 8. September 2008 17:16

Hallo Jana,

Du sprichst mir aus dem Herzen. Wenn hier jemand fragt, ob es in Schweden soviel teurer ist als in Deutschland, dann kann man nur mit seiner eigenen Erfahrung aufwarten. Sonst könnte der Fragende ja gleich eine Statistik aufrufen und müßte sich nicht hier erkundigen. Und ich kann auch beim Einkommen nur von meinem Einkommen ausgehen und nicht auf das Einkommen von Statistiken, wenn es heißt, dass in Deutschland ein Durchschnittsgehalt von 60.000 Euro pro Jahr (nur Beispiel) verdient wird.
Das ist nämlich genauso eine Statistik, die die Emotionen hochkochen läßt, denn die Manager, die ein Jahressolär von Millionen haben, gehen in die Einkommensstatistik ein und verwässern das Ergebnis.
Wenn also hier diskutiert wird, dann doch wohl nur danach, wie es jeder persönlich empfindet, erlebt und erfahren hat.
Wenn einer also in Schweden also in einer Region einkauft, in der es günstig ist und der andere in einer Region, in der es teuer ist, dann müssen ja unterschiedliche Meinungen dabei herauskommen. Das ist in D genauso wie in S. Deshalb habe ich ja auch aufgeführt, dass ich teure Dinge dann eben nicht kaufe, denn ich muß mich nach meinem Geldbeutel richten. Manche Dinge kann man schlecht beeinflussen und wenn man Pech hat und man muß mehrere Investitionen auf einmal machen, dann muß ich überall schauen, wie und wo ich günstig etwas auftreibe.
Man kann ohnehin nicht nur eine Seite - nämlich die Ausgabenseite - alleine sehen, es zählen ja ohnehin eine gute Bezahlung seiner erbrachten Leistung eine immens wichtige Rolle. Eine hohe Lebensqualität, gute Arbeitsbedingungen usw. sind auch Kriterien, ob es mir in Schweden oder Deutschland besser gefällt oder ob ich hier oder dort besser zurechtkomme, denn wenn ich geregelte Arbeitszeiten habe, kann ich mich evtl. auch wegen mehr Freizeit besser umschauen und günstiger kaufen, als wenn ich nach einem hektischen Arbeitstag auf die Schnelle etwas teurer einkaufe. Es spielen also viele Faktoren mit in die Frage, ob Schweden generell teurer ist und ob man in Schweden mit dem Einkommen besser oder schlechter auskommt.
Das ist hier auch in der Diskussion, meine ich, gut rübergekommen und das ist mir bei allem wichtig, dass man auch mal andere Meinungen hört.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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hansbaer

Re: Euro, SEK

Beitragvon hansbaer » 8. September 2008 17:20

Schön, dass wir hier langsam auf einen Nenner kommen. Ich war hier deswegen so mit Herzblut dabei, weil ich mich nach meinen ersten Beiträgen ehrlich gesagt verhöhnt vorkam.

Bienenbär

Beitragvon Bienenbär » 8. September 2008 20:17

Ich habe eure Diskussion verfolgt und muß sagen das Jana mir aus der Seele spricht.
Was zählt ist das eigene Portemonaie und nicht die Statistik,denn in die fließen auch die Spitzengehälter ein.
Und in den letzten Jahren, ist alles sehr viel teurer geworden und von der Meinung lasse ich mich nicht abbringen.Was jetzt nicht heißen soll,das ich der Meinung bin ,das in Schweden alles billiger ist.Wir sind eine Fünfköpfige Familie mit zwei schulpfflichtigen Kindern und einem Kind im Windelalter.
Mein Mann ist zur Zeit Alleinverdiener(da ich noch Erziehungurlaub habe)und knüppelt von morgens halb sechs bis abend halb sechs.Und fast jeden Samstag macht er Überstunden.Er arbeitet im Handwerk.
Und was kommt dabei rum ?Nichts!!Ein Einkauf bei Aldi-nicht unter 100 EURO und dann kommt noch das dazu was man beim Aldi nicht bekommt.Bei uns kommt hinzu,das wir zwei Autos haben müssen,weil wir auf dem tiefsten Land wohnen und ich meinen Mann nicht jeden Tag 100 km (4 Touren gerechnet-muß ja auch wieder nach Hause)zur Arbeit fahren kann.Dann kommen alle anderen monatlichen Kosten noch obenauf.
Ob man hier in Deutschland gut leben kann,kommt auf den Gehaltsscheck an und auf nichts anderes!!
Was ist denn das Ende dieser ganzen Statistiken?Das Wissenschaftler meinen ,in Deutschland sei alles so günstig,da kommt ein Harz 4 Empfänger doch mit 60 EURO im Monat aus(vor ein paar tagen in den Medien).
Und NEIN,wir gehen nicht jeden Monat essen oder sonst wohin,und Alkohol steht bei uns nicht zur Debatte.
So,das mußte jetzt sein :D


:smt006 Tanja

nobse

Re: Euro, SEK

Beitragvon nobse » 8. September 2008 20:50

Irgendwo hatte ich mal in diesem Thread geschrieben , ich will nicht ins Detail gehen ,oder so ähnlich.
Recht habt ihr alle . Der Endeffekt ist aber überall der gleiche . Der "Kleine Mann" wird ausgenommen. Natürlich muss es bei Frau Witwe Bolte mit ihrem Krämerladen auf dem Land teurer sein als beim Discounter. Sie kann sich nicht tausend Stück Butter kaufen, um dann 900 am Jahresende wieder wegzuschmeißen, weil sie nur 100 im Jahr vekauft.
Das sind eben marktwirtschaftliche Gesetze ,die der alte Marx schon schriftlich niedergelegt hat. Nur heute werden sie gnadenlos ausgenutzt.
Mir fallen dazu immer die Worte von Frau Oechselhäuser ein, " Der Sozialismus ist kaputt gegangen, weil er keiner war und der Kapitalismus geht daran kaputt , weil er einer ist".

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Re: Euro, SEK

Beitragvon janaquinn » 9. September 2008 06:40

Hej,
habe gerade be meinem deutschen Internet-Radiosender eine Disskussion mitbekommen, in welcher es um einen Chemnitzer Professor ging, der die wagemutige These aufstellt, dass ein Hartz V-Empfänger nicht mehr als 132,-€ im Monat zum Leben braucht. Ich hänge euch den Link unten an.
Er hat eine Studie durchgeführt, die dann zu diesem Ergebniss kam, es wurde ein neuer Mini-Warenkorb extra für Hartz V-Empfänger erstellt, den man unter http://www.welt.de/wirtschaft/article24 ... -dran.html nachlesen kann.

In dieser Studie wird davon ausgegangen, dass der x-beliebige statistischen Hartz V-Empfänger vollkommen gesund ist, wahrscheinlich auch nie krank wird, und keinerlei Laster hat. Und genau da ist des Pudels Kern, man kann nicht einfach alle anderen komplett ausschliessen, nur damit man auf eine "angenehme" Studie kommt. Allerdings weiss ich nicht, ob der gute Professor Berwerbungskosten inkl. Fahrkosten zu den Bewerbungsgesprächen mit eingerechnet hat.
Und ganz ehrlich, ich finde es mehr als disskriminirent, diesen Leuten genau vorrechnen zu wollen, dass sie eigentlich immer noch zuviel Geld haben bzw. ausgeben.
Tanja hat ja schon geschrieben, dass für einen Aldi-Einkauf schon mal 100,-€ weggehen, man muss aber noch andere Discounter anfahren, da man einfach nicht alles bei Aldi bekommt.

Ich habe mir gerade den Mini-Warenkorb durchgelesen, er ist mehr als lächerlich, sondern menschenverachtend. Denn er sieht nicht mal vor, dass ein Hartz V-Empfänger kulturelles Leben haben darf, sondern vielmehr darf man im Park spazierengehen.

Es passt vielleicht nicht unbedingt zum Vergleich Euro-SEK, aber zeigt, was Studien und Statistiken anrichten können....vorallem wenn sie in die falschen Hände kommt. Sollte die Bundesregierung eine tolle Neuerung finden, um Geld zu sparen, dann Gnade Gott den deutschen Hartz V-Empfängern UND ihren Kindern.

LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

hansbaer

Re: Euro, SEK

Beitragvon hansbaer » 9. September 2008 07:39

Die Sache hat in den letzten Tagen mehrfach Wellen geschlagen. Zu bemessen, was ein Mensch braucht, ist echt schwierig. Kinobesuch? Neue Klamotten - wenn ja, in welchem Umfang? 132 € ist natürlich der blanke Wahnsinn. Damit reißt man noch mehr Gräben in die Gesellschaft als ohnehin schon.

nysn

Re: Euro, SEK

Beitragvon nysn » 9. September 2008 07:59

Habe mir gerade die pdf der Studie durchgelesen.

Bei der Studie geht es eigentlich gar nicht darum, zu sagen, dass man von 132 Euro leben soll - sondern es geht darum aufzuzeigen, dass man es könnte, wenn man bestimmte Faktoren berücksichtigt (eben durch Zurückschrauben fast aller Bedürfnisse). Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.

Zweck der Studie soll sein, dass es keinen Sinn macht, nur Geld in Form von Sozialleistungen auszugeben - sondern es sollte zukünftig viel mehr auch Rücksicht darauf genommen werden auf das Bedürfnis des Menschen sich durch Arbeit in die Gesellschaft einzubringen und dafür Anerkennung zu bekommen. Dieser Aspekt wird bei der ganzen Harz-Diskussion wohl manchmal vergessen.

Der bei der Studie ermittelte Wert - 132 Euro - ist also nur ein rein rechnerischer Wert und hat nichts damit zu tun, dass der Harz-Satz noch weiter gesenkt werden sollte/könnte. Das ist eine Interpretation der Medien, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit (z. B. von Otto-Normalverbraucher) zu gewinnen und um "Geld ins eigene Säckel" zu bekommen.

Nach dem gleichen Motto arbeiten ja z. B. auch die ganzen Auswanderer-Soaps und sonstigen Reality-Shows -
"Wir verlassen Deutschland, weil dort alles so schlecht ist" - damit können sich "scheinbar" viele identifizieren. Doch wie viele verlassen "statistisch gesehen" tatsächlich das Land aus diesem Grund?

Deshalb finde ich es auch gut, dass es Statistiken gibt, die zumindest versuchen, ein objektiveres Bild wiederzugeben. Welche Alternative gibt es eigentlich zur Statistik - was würde man gewinnen, wenn man darauf einfach verzichten würde, weil ja sowieso alle Statistiken "falsch" sind?

S-nina

hansbaer

Re: Euro, SEK

Beitragvon hansbaer » 9. September 2008 08:10

Grundsätzlich alles schlecht zu finden liegt im deutschen Wesen. Daran wird sich leider wohl so schnell nichts ändern. Leider erzeugt es auch teilweise naive Vorstellungen, was man durchaus in anderen Threads in diesem Forum sieht, die nach dem Motto "Ich will auswandern - wie geht das?" abgefasst wurden.

nysn

Re: Euro, SEK

Beitragvon nysn » 9. September 2008 08:19

Grundsätzlich alles schlecht zu finden liegt im deutschen Wesen.


Gibt es dafür eine Statistik? Würde mich interessieren. :D

S-nina

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Re: Euro, SEK

Beitragvon janaquinn » 9. September 2008 08:19

Hej Nina,
natürlich kann man alle Bedürfnisse auf Null zurückschrauben, ist sicherlich möglich. Die Frage ist nur, ob es im Sinne des Menschen ist. Selbst die aktuellen 351,-€ sind viel zu wenig, denn vieles kann man einfach nicht grob vorrausrechnen. Schuhe gehen kaputt, die Kaffeemaschine ebenso, die Kinder brauchen neue Klamotten....all das sind normale Bedürfnisse und man sollte es einem Menschen nicht vorrechnen, wenn man nie so "gelebt" hat, dass es möglich ist mit 132,-€ zu überleben.

Wenn man Menschen durch Arbeit wieder in die Gesellschaft bringen will, müssen 1. ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sein und demjenigen auch die Möglichkeit geben, zu Bewerbungsgesprächen zu fahren, die eben nicht im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs liegen. Dazu muss man eben auch das Geld haben, um eine Bahnfahrkarte kaufen zu können oder eben den Tank des Auto´s füllen zu können, aber dieses ist ja nicht mal in dem Mini-Warenkorb enthalten geschweige denn ein Fahrrad. Aber wer kann schon schätzungsweise 200km mit einem Fahrrad fahren.
Im Warenkorb sind keine Gelder enthalten für:
1. Arztbesuche (mind. 10,-€ im Quartal, wenn man "nur" zum Hausarzt geht)
2. Medikamente (Hartz V-Empfänger haben keine Befreiung, sondern müssen auch bis zu einer Höchstgrenze zahlen)
3. unerwartete Ereignisse oder Vorkommnisse, die in jeden normalen Leben einfach auftauchen
4. Rückzahlungen für Strom ect....

Ich bin der Meinung, ohne auf Medien ect....zuhören, dass ein Mensch, auch wenn er Hartz V bekommt, dass Recht haben sollte ein Menschenwürdiges Leben zu führen und nicht von der Gesellschaft abgeschnitten zu werden. Und wenn nicht mal Kinobesuche, Museeumsbesuche oder andere Dinge gestattet sind, die Menschen mit normalen Gehalt machen können, ist es nun mal nicht mehr menschenwürdig.

Was die Medien aus der ganzen Sache machen, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich habe in der eignen Familie erlebt, was Hartz V bedeutet und wie es ist, wenn man versuchen muss von 351,-€ zu überleben.

LG JANA
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