Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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swedenlive

Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon swedenlive » 14. Oktober 2008 21:37

Hallo,

ich teile Deine Erfahrungen und kann verstehen, wie Du Dich fühlst. Bzw. Deine Kinder.

Entfernungen:
Die weiten Wege werden Euch immer bleiben, wenn Ihr nicht in eine Stadt/Gross-Stadt zieht. Das hört sonst nie auf.

Zum Schulwesen:
Glaube mir - es wird nicht besser. Bis zur Uni nicht. Unterforderung ist in der schwedischen Schule, ganz besonders in der Grundschule, an der Tagesordnung, jedenfalls für die Kinder, die von ausserhalb Schwedens kommen. Das Bitten um anspruchsvollere Aufgaben seitens der Eltern ist verpönt und wird in Schweden als Eingebildetsein betrachtet.

Eine Klasse überspringen:
Würde ich aus psychologischen Gründen gar nicht empfehlen, wenn das Kind bereits in einer bestimmten Klasse aufgenommen wurde. Es dauert sehr lange, bis die Kinder in Schweden Freunde kriegen. Wenn sie dann NOCH mal entwurzelt werden (wieder neue Klasse/Schule/Klassenkameraden) ist das sehr schlecht für sie. ALLES ANDERE ist ja schon neu. (Wir haben das (wegen der allzu zu niedrigen Anforderungen) auch gemacht und siehe - es war sehr schlecht. Die endlich gefundenen Freunde der Kinder - alle weg!)

Psychologische Hilfe:
Versuch mal, die zu bekommen und teile uns mit, wieviele Jahre Du warten musstest.

Ich sage diese Dinge klar, hart und realistisch. Mir sind alle diese Probleme wohlbekannt, da selbst erlebt. (Und von vielen Bekannten auch) Ich würde mich an deiner Stelle nicht mit positivem Denken oder vagen Hoffnungen besäuseln. Gehe schnellstens zurück, solange es noch einfach ist. Wenn Deine Kinder erst mal eine Weile in der schwedischen Schule waren, finden sie nie wieder Anschluss an die Schule in Österreich oder Deutschland. Bzw. nur mit täglichem Nachilfe-Unterricht.

Es ist Euer Leben und es soll Euch gefallen!

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sinlalu
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon sinlalu » 14. Oktober 2008 22:46

hej snickare,

das klingt ja nicht so toll, was Du schreibst. aber, es war ja auch ein ganz schöner Schritt, den ihr gemacht habt. Du hast schon viele schlaue Sachen gehört, vom "teuersten Unsinn" (fand ich schön den Ausdruck) über viele gut gemeinte Tpps, denen ich nichts hinzuzufügen habe ausser: erinner Dich daran, warum Du nach Schweden wolltest. Was hast Du/Habt ihr erwartet und euch vorgestellt. Wie hast Du das Land vor dem >Urlaub beurteilt. Versuche ein bischen von diesem Enthusiasmus wieder zu finden.

Nur Du / Ihr wißt, ob ihr aushalten oder zurückkehren wollt, ob ihr Zeit habt zu warten, oder ob es gar nicht mehr geht. Da akann Euch keiner raten. Ein halt durch wäre genau so verkehrt wie komm wieder, aber: Es ist definitiv keine Schande zu sagen, das war es nicht!

Ich wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Kraft und alles Liebe für Eure Zukunft - wo immer diese stattfinden wird.

Liebe Grüße Silke
Eine Umarmung ist ein großartiges Geschenk - passend für jede Größe...

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Skogstroll
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Skogstroll » 15. Oktober 2008 07:53

swedenlive hat geschrieben:Zum Schulwesen:
Glaube mir - es wird nicht besser. Bis zur Uni nicht. Unterforderung ist in der schwedischen Schule, ganz besonders in der Grundschule, an der Tagesordnung, jedenfalls für die Kinder, die von ausserhalb Schwedens kommen. Das Bitten um anspruchsvollere Aufgaben seitens der Eltern ist verpönt und wird in Schweden als Eingebildetsein betrachtet.


Das Thema wurde schon den öfteren diskutiert, und es ist leider wahr. Meine Tochter darf endlich in der 3. Klasse und quasi inoffiziell und allein mit Multiplikation anfangen, während die letzten in der Klasse mit Müh und Not die Addition abschliessen. Und das in einer Dorfschule mit gerade mal 10 Kindern in der Klasse, und ein ausgesprochenes Mathegenie ist sie auch nicht. Besserung ist nicht in Sicht.
Mittlerweile könnten wir gar nicht mehr so einfach nach Deutschland gehen, weil sie dort eine Klasse zurückgestuft werden würde. Zusammen mit dem schwedischen Einschulungsalter wäre sie dann zwei Jahre älter als ihre Klassenkameraden, und das wollen wir ihr nicht antun.
Das Recht auf freien Schultransport gibt es übrigens erst ab der ersten Klasse, nicht zum Kindergarten und auch nicht in die Vorschule.

Ansonsten: Wir haben gottseidank die Möglichkeit, uns unseren Wohnort einigermassen frei wählen zu dürfen. Und wir haben alle genau ein Leben. Daraus sollte jeder für sich das beste machen und sich möglichst wohlfühlen. Man sollte jetzt sicher keine übereilten Entscheidungen treffen, aber geht man zurück, ist man um eine Erfahrung reicher. Nicht mehr und nicht weniger.

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nysn

Re: Rückwanderung?

Beitragvon nysn » 15. Oktober 2008 07:59

Gehe schnellstens zurück, solange es noch einfach ist.


Also das mit dem "schnellstens zurueck" wuerde ich mir wirklich genauestens ueberlegen. Schon aus dem einen Grund, dass dieser Umzug fuer Snickare und ihre Familie durchaus sehr teuer war - ich glaube sie hat sogar mal geschrieben, wie viele tausend Euro das gekostet hat - und jetzt das Gleiche schon nach einem Monat wieder in die andere Richtung. :roll:

Fuer das Geld hätte man sich sicher einen schönen, langen "Luxus"-Urlaub machen können - oder?

Snickare: Wenn ihr es euch finanziell leisten könnt, dann nimm dir doch selbst erst mal "Urlaub" - schiebe deine eigene Jobsuche einfach noch eine Weile raus und versuche deinen Alltag so gut es geht zu ordnen. Schau dir deinen Ort und die Umgebung doch einfach mal in Ruhe an - aus der Sicht eines Urlaubers und dass es nicht fuer endgueltig ist - wenn die Situation nach einem halben Jahr immer noch aussichtslos erscheint, dann erst wuerde ich ueber einen Rueckzug nachdenken.

Sag auch deinen Kindern, dass alles vorläufig und nur "zur Probe" ist - ein Abenteuer.

Vielleicht kann es ja schon helfen, wenn man sich von diesem "Endgueltigkeits- und das ist nun fuer immer"-Gedanken etwas löst. Nichts ist fuer immer - alles fliesst - und man kann ja bekanntlich nie in den selben Fluss steigen. Was heute noch wie ein truebes Wasser aussieht, kann morgen schon ein fröhlich plätschernder Bach sein ...

S-nina

hansbaer: Danke fuer das Angebot und die Info! Da ich nächste Woche sowieso in D sein werde und ich nach meiner Ankunft am Flughafen noch ein ganzes Stueck im Regionalzug verbringen muss, bis ich in "meinem Städtle" angelangt bin, werde ich mir das Buch in MUC kaufen. Ich kanns ja dann anschliessend gleich wieder als Mitbringsel "weiterverschenken". :D

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Aelve
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 08:34

Hallo,

so wie es hier immer wieder anklinkt, scheinen ja deutsche Kinder in Schweden besonders oft unter Unterforderung zu leiden. Und in Deutschland selber wären alle diese Kinder genau richtig beschult worden, auf dem schmalen Grad der Unter- bzw. Überforderung wäre genau der richtige Pfad gegangen worden. So in etwa kommt es bei mir an.

Leider sind unsere Erfahrungen mit Schule in Deutschland völlig anders gelagert und wir sind bei weitem kein Einzelfall. Wenn es nach den Lehrern an den öffentlichen Schulen in Deutschland gegangen wäre, dann hätte unser heute sehr erfolgreicher Sohn, die Hauptschule durchlaufen. Dort wäre er in einem Bereich nämlich Rechtschreibung genau richtig gewesen, vielleicht noch etwas überfordert, aber in allen anderen Fächern bei weitem unterfordert, sogar sträflich unterfordert gewesen.

Meine morgendliche Lektüre bei meiner Bahnfahrt von zuhause zu meiner Arbeitsstelle (ist ca. 50 km entfernt) lese ich gerade den Nachfolgeband des Lehrerhasserbuchs von Gerlinde Unverzagt, tatsächlicher Name der Schriftstellerin Lotte Kühn. Alles was dort über Schule und Bildung gesagt wird, haben wir selber so und ähnlich erlebt, allerdings noch krasser. Es sind sehr viele Zuschriften von Eltern in dem Buch veröffentlicht, die genau das wiedergeben, was wir erlebt haben. Die Schüler werden sehr oft von den Lehrkräften zum Trottel degradiert, sie werden nicht richtig unterrichtet, sie lernen ungenügend richtig schreiben, sie müssen die vereinfachte Ausgangsschrift erlernen, mit dem sie auf den weiterführenden Schulen dann nichts anfangen können.
Gerade Eltern, die sehr auf Bildung Wert legen, sind den meisten Lehrkräften ein Dorn im Auge, kritikfähig ist kaum eine Lehrkraft, so dass jeder gute Vorschlag oder eine Bitte sofort auf Widerstand trifft.
Nun kann man sich überlegen, möchte ich ein Kind haben, was laufend in der Schule fertiggemacht wird, was sämtliches Selbstbewusstsein verliert, was darüber hinaus nicht viel beigebracht bekommt, wenn nicht die Eltern Hilfslehrer spielen. Wo beamtete Lehrkräfte einen Freischein haben, wenn sie Trinker oder Versager sind.
Oder will ich ein Kind haben, was zwar etwas evtl. in einem Fach unterfordert ist, aber Anerkennung erhält, keinen seelischen Mißhandlungen der Lehrkräfte ausgesetzt ist, mit dem Schulbus befördert wird, Lehrbuchfreiheit genießt und sogar noch ein tägliches Mittagessen kredenzt bekommt.
Ich brauche aus meiner heutigen Sicht, die wir zwei hervorragende fleißige, intelligente Kinder (inzwischen 24 und 27 Jahre alt) haben, nicht lange zu überlegen, welches System uns einen besseren Familienfrieden garantiert hätte. Insgesamt 20 Schuljahre hier in Deutschland würde ich aus heutiger Sicht, aus der ich auch weiß, dass unsere Kinder anstatt dumm wie von Lehrkräften prognostiziert sehr intelligent und geschickt in vielen Dingen sind, gerne gegen Schuljahre in Schweden tauschen.
Wobei auch wichtig ist, dass ein intelligentes Kind in Schweden ja seinen Weg mit Gymnasium und anschließender Berufstätigkeit gehen kann, hier in Deutschland wird den Schülern von den Lehrkräften schon von vorneherein bescheinigt, dass sie nach Schulabgang ohnehin keine Arbeitsstelle finden werden.
Ich bin der Meinung, man kann intelligenten Kindern, wenn sie denn unterfordert sind, zuhause ja einiges zumuten, es gibt genügend Dinge wie Musik, Sport, Werken, Geschichte, Kunst, Gartenarbeit usw., womit man die Kinder fördern und fordern kann und ihnen Aufgaben geben kann, mit denen sie sich auseinander setzen können, damit sie damit hohe Anforderungen haben. Aber dagegen zu halten, wenn Lehrkräfte den Kindern laufend unterstellen, dass sie dumm und unfähig sind, dieses ist in meinen Augen viel schwerer zu kompensieren, denn Kinder glauben nun einmal fremden Leuten mehr als Eltern, von denen sie glauben, dass man sie nur schützen will.
Dieses mußte ich auch mal loswerden, denn Ihr die Ihr dort in Schweden wohnt, seht ja nur Eure Situation und nicht die, die Ihr hättet hier in Deutschland antreffen können, wie zig andere Eltern auch.

Grüße Aelve
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon janaquinn » 15. Oktober 2008 09:20

Hej Christa und alle anderen,
nunja, ich denke, alle Eltern wollen in erster Linie nur das beste für ihr Kinder...es gibt nicht schlimmeres, zumindest für mich, als unglückliche und unzufriedene Kinder.
Ich erlebe es gerade am eignen Leib: Mein Sohn ist totunglücklich in seiner Schule. Er lacht kaum noch, seine Stereotypen werden immer schlimmmer, es geht ihm schlicht und ergreifend schlecht. Und es liegt an seiner Schule. Da hilft es auch nichts, dass er ein kostenloses Mittagessen bekommt, das mag ein Pluspunkt sein, welcher aber die Minuspunkte einfach nicht aufwiegt.
Wir wollen ihn seit beinahe 8 Monaten in eine andere Schule bekommen, welche 1. tausendmal besser ist und 2. viel näher an unserem derzeitigen Wohnort ist. Er fährt derzeit täglich mind. 60 km um in die Schule und wieder heim zu kommen. Und das würde ich nichtmal bei meiner gesunden Tochter akzeptieren, warum sollte ich es bei meinem behinderten Sohn akzeptieren, nur weil die Kommune Geld sparen will??

Und warum sollten Eltern, die übermässig oder auch normal intelligente Kinder in schwedischen Schulen haben akzeptieren, dass ihre Kinder sich unterfördert fühlen, warum sollen sie nicht das Recht haben, das Schulsystem zu kritisieren? Ein gutes Schulsystem sollte auf beides eingerichtet sein: Kinder, die schnell lernen, sollten die Möglichkeit haben, speziell gefördert zu werden, damit sie nicht die Lust am lernen verlieren, und Kinder, die eben langsamer lernen, sollten ebenso gefördert werden, damit sie ebenfalls nicht die Lust am lernen verlieren.
Nicht immer ist es gut, sich am Schwächsten zu orientieren, es muss ein gesundes Mittelmass dasein, welches beiden Schülerarten gerecht wird.

Wir, die hier in Schweden mit schulpflichtigen Kindern leben, müssen mit dem schwedischen Schulsystem leben, aber wir müssen es nicht immer nur positiv finden, vorallem dann nicht, wenn unsere Kinder damit nicht glücklich sind. Ich habe hier in Stockholms-Län viele andere Möglichkeiten und Auswahlmöglichkeiten für meine Kinder, kann mir die beste Schule raussuchen, einfach weil es viele Schulen gibt. Andere, die weitaus nördlicher und auch ländlicher leben, haben eben diese Möglichkeit nicht, sondern müssen das nehmen, was die Kommune eben zu bieten hat...egal ob es gut ist für die Kinder oder eben auch nicht.

Dies nur mal aus der Sicht, einer Mutter mit einem schwedischen schulpflichtigen Kind, welches NICHT glücklich ist in der Schule, weil sie einfach nur schlecht ist...

LG JANA
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Aelve
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 09:52

Liebe Jana,

es ist genauso wie Du sagst, nichts ist schlimmer für eine Mutter, wenn eins der Kinder todunglücklich ist. Oder unterfordert ist oder umgekehrt auch überfordert. Genau das habe ich damit gemeint. Und wenn man dieses Manko ändern kann, dann wird eine verantwortungsvolle Mutter alles tun, damit das Kind sich wieder wohl fühlt. Dazu gehört selbstverständlich ein Schulwechsel oder auch ein Gespräch mit einer Lehrkraft, in dem man das Problem schildern kann.
Ich wollte mit meinem posting nicht sagen, dass Ihr negative Dinge, die in Schweden genauso existent sind wie in Deutschland nicht anpacken sollt. Man muß Dinge tun, damit sie sich ändern und besser werden.
Genau das haben wir hier in Deutschland auch getan, an den öffentlichen Schulen sind wir jedoch gegen eine Mauer gelaufen. Ich wurde als ältere Mutter dargestellt, die ihr Kind nicht einschätzen kann, da ich ja vor dem 1. Kind noch kein Kind hatte, welche Logik von Lehrerseite! Die Lehrerin wußte genau, dass unser Sohn nicht so schlau war wie andere Kinder der Klasse, da konnte ich aufzählen was ich wollte, dass unser Sohn zuhause alles wußte, was am Tag durchgenommen war, dass er nur schüchtern war, um sich zu melden, alles interessierte die Lehrerin nicht, nur ihr falsches Urteilvermögen war in ihren Augen richtig. Dann wollte ich unseren Sohn mit Wechsel auf die weiterführende Schule in eine Realschule mit Tagesbetreuung in Lübeck anmelden, wurde uns verwehrt, da er am Wohnort zur Schule zu gehen hatte. Ich kam mir richtig entmündigt vor. Ich lasse mir sehr viel gefallen, aber wo ich weiß, dass ich im Recht bin, da lasse ich mir auch von einer studierten Lehrkraft nichts vormachen.
Kämpfen muß man überall, ob in Schweden oder in Deutschland. Und wenn Du Deinen Sohn an eine nähergelegene Schule, die darüber hinaus noch besser ist, schicken willst, dann setze Dich bloß durch, es lohnt sich. Wenn Du es nicht tust, es macht kein anderer Mensch für Dich.
Hier in Deutschland hatte ich jedoch alle Bürokratien gegen mich und unseren Sohn.
Wohnort = Schulort und fertig, was anderes gibt es nicht. Da ich unseren Sohn aber auf einer Hauptschule total unterfordert sah, was auch inzwischen erwiesen ist, meldete ich ihn auf einem Gymnasium an, konnte ich auch nicht auswählen, sondern mußte dann das Kreisgymnasium nehmen. Obwohl dort herausgefunden wurde, dass die Probleme meines Sohnes nur in einer unentdeckt gebliebenen Legasthenie lag, wollte man ihm dort aber keine Gelegenheit geben, die Fehler der Grundschule aufzuarbeiten und Rechtschreibung in Förderkursen zu erlernen, nein er erhielt am Ende der 5. Klassenstufe eine Schrägversetzung, die rechtswidrig war und gegen die wir Klage erheben mußten.
Sicherlich kann sich jetzt jeder vorstellen, dass unser Sohn an der Schule kein Bein mehr an die Erde bekam. Anstatt dass die Lehrkräfte ihn unterstützten, als das Gericht beschied, dass er die 6. Klasse dort verbleiben sollte, taten die Lehrer alles, um ihn loszuwerden, dazu waren ihnen alle Mittel recht, von einem Legasthenie-Erlaß, der diese Schüler schützen soll, hatten die Lehrkräfte noch nie etwas gehört.
Letztendlich mußte unser Sohn zur Kur, um sein Selbstbewusstsein wieder etwas aufzubauen, danach ging jedoch von Seiten der Lehrkräfte alles wieder von vorne los, so dass wir an ein anderes Gymnasium (Lübeck) wechselten.
Nichts ist für eine Mutter so schlimm, wie Du ja selber auch sagst, wenn man merkt, dass das Kind sich immer mehr zurück zieht, keine Freude mehr hat, bei uns ging das bis zu Suizidgedanken, so dass ich fast wahnsinnig geworden bin vor Angst.

Ich denke mal, das haben mir auch etliche ausgewanderte Deutsche berichtet, dass man in Schweden mit Lehrkräften kommunizieren kann. Oder behandeln einen dort die Lehrer auch, als wenn man als Mutter die Schuld an der Legasthenie hat bzw. an Schulverweigerung aufgrund der Mißstände an den Schulen?
Wir waren damals fast soweit, dass wir von Schleswig-Holstein wegziehen wollten, nur um unseren Sohn nicht diesem unmenschlichen Schulsystem aussetzen zu müssen. Letzt endlich hat sich unsere Situation mit Schule - bei 2 Kindern - erst entspannt, als wir ein teures Privatgymnasium ausgewählt haben.
Und aus meinen Erlebnissen kann ich jedem nur raten, dass er kämpfen muß, evtl. auch umziehen muß, wenn es so schlimm ist, dass der Familienfrieden derart in Gefahr ist, dass die Familie auseinander zu brechen droht.

Grüße Aelve
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon blueII » 15. Oktober 2008 09:57

Aleve, Du hast bestimmt nicht unrecht nirgendswo ist es rosarot.

Wenn ich an die Schulsituation in unserem alten Heimatort denke, kann ich auch eine ellenlange Liste aufführen, mein Kind DORT nicht zur Schule zu schicken sondern einen langen Weg in Kauf zu nehmen, um sie an eine mir besser erscheinende Schule zu schicken.

Aber ich glaube wir "Neuen in Schweden" haben immer ein grundsätzliches Problem...und in kämpfe damit zur Zeit auch sehr:

Auch die schlechten Seiten seines "neuen" Landes aktzeptieren zu lernen (wenn man denn will).

Hat man sich vorher auch eingehend informiert und sich eine Meinung vor der Auswanderung gebildet, so ist es doch sehr erschreckend die Dinge vorort zu erfühlen und zu erleben, sowie man es vorher beschrieben bekommen hat.
Dafür gibt es für mich viele Beispiele:
Gesundheitssystem, man wußte vorher - ok die Ärtzeversorgung ist nicht wie gewohnt.
Dann steht der erste Arztbesuch an, schlimmstenfalls mit einer Akutsache des Kindes. Der"Arzt" untersucht das Kind nicht sondern verläßt sich auf Deine laienhafte Diagnose und gibt Dir sogar eine falsche Dosierung des verordneten Medikament´s an....ein Schock
----sooo schlecht ist also die ärztliche Versorgung?????? ohweia :shock: .

Die Stellung der Frau -
Meinungsbild vorher: Schweden ist ein emanzipíertes Land, alle Frauen "dürfen"/müssen arbeiten, die Kinderunterbringung ist perfekt geregelt
- meine ursprüngliche Sorge, ob die Kinder, dass alle so verkraften, hat sich durch die Einsicht hier verschlimmert.
Einige Kinder ertragen dieses System hier nicht!! Sie sind sehr aggressiv und die Freiheit der Kinder durch die sehr liberale Erziehung, schwenkt oft in unsoziales Verhalten über. Mobbing und sehr grobes Verhalten unter 3-4 jährigen ist an der Tagesordnung und wenn meine Nachbarkinder von ihrem langen Tag zurück, direkt aus dem Auto der Eltern um 17 Uhr, bei uns vorbeikommen, um bei uns zu spielen, bekomme ich Schweißausbrüche. Spielsachen werden wahrlos zerstört, Streitereien die körperlich ausarten, Tischmanieren gibt es sogut wie gar nicht ( beim letzten gemeinsamen Frühstück versuchte ein 4 jähriges Kind ein Ei ungepellt mit dem Löffel zu essen :shock: , es wird gerülpst und umhergetobt bis irgendwas umfällt), Grenzen werden regelmäßig übeschritten.
Sprich bei einigen Kindern geht diese Ganztagsbetreuung so dermaßen schief, das ich mich frage, wie das später in der Schule oder späteren Leben ausarten wird?
Aus Zeitmangel fehlt komplett die mütterliche/elterliche Fürsorge. Kinder werden mit 4 Jahren noch im Baggi durch die Gegend gekarrt damit es schneller geht, Gemüse zu essen ist für alle zu anstrengend also gibt es Hotdogs oder Pfannkuchen.Natürlich betrifft es nicht alle Kinder aber leider ein viel zu großer Teil, und sie sind leider so ausgebreitet, dass man denen nicht aus dem Weg gehen kann.
Mich erschreckt so eine Gleichgültigkeit zu tiefst und kann es nur schwer aktzepieren, obwohl ich sowas im voraus geahnt habe, aber es widerspricht komplett meiner bisherige und jetzigen Lebenshaltung und kann mich dem nicht entziehen.

Aber um den Faden zurückzufinden, lauch in Deutschland gibt es sehr viele Mißstände und Dinge die anzuprangern sind.
Aber mit diesen Umständen sind wir groß geworden oder wir haben die Veränderungen langsam miterlebt. Wir hatten genügend Zeit uns daran zu gewöhnen und wir waren immer unter Gelichgesinnten, die sich auch über diese Veränderung mal mehr oder weniger beschwert haben und mal mit mehr und minder großen Erfolg eine Veränderung bewirkt haben.
Nun sind wir in einer "neuen" Welt und die Mißständer prasseln auf uns ein aber wir haben keine Zeit uns daran zu gewöhnen, sondern es gilt akzeptiere oder gehe.
Ein Austausch über Deinen "Kummer" ist nur bedingt möglich, weil es ja bereits in Deinem neuen Land als normal empfunden wird und ein Mißstand als solcher kaum erkannt wird. Man fühlt sich unverstanden und sehr allein, man findet nur schwer Gleichgesinnte und das ist glaube ich, ist das größte Probelm was es gilt zu überwinden oder seine Konsequenzen daraus zu ziehen.

Lg
Heike

edit..ups jetzt sind Aelve und Jana mit 2 Postings schneller als ich mit einem. :roll: ..also kann sein dass der Faden jetzt nicht ganz so stimmt, muß mir Eure erst mal durchlesen.

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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Gottfried » 15. Oktober 2008 10:06

blueII hat geschrieben:Ein Austausch über Deinen "Kummer" ist nur bedingt möglich, weil es ja bereits in Deinem neuen Land als normal empfunden wird und ein Mißstand als solcher kaum erkannt wird.


Hej!
Danke für Deine klugen Worte. Diese Erfahrungen mussten wir auch machen......
Wenn man dann doch mal über die Stränge schlägt und (laue) Kritik anbringt, kommt:
"Warum gehst Du nicht zu Deinem Deutschland, wenn da alles soviel besser ist?"
Das wars dann.......


LG


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Re: Rückwanderung?

Beitragvon blueII » 15. Oktober 2008 10:14

Nachtrag zu Jana´s und Aelve´s Kommentar.

ich weiß nicht ob ich richtig liege, aber für mich stellt es sich zur Zeit so dar:
Eine Einmischung der Eltern ist eher unnormal bzw. auch nicht erwünscht.
Ich weiß nicht warum - ist es Vertrauen oder Gleichgültigkeit der Mütter - aber Mißstände werden sogut wie gar nicht angesprochen. Ich wüßte auch nicht, mit welcher Mutter ich mich hier unterhalten sollte, um zu erfragen welche Qualität der Schulen ihren Vostellungen entspricht, weil sich diese Frage hier keine Familie stellt!!!!!! Es ist gut wie es ist...es ist ein kurzer Weg...ich kann mein Kind bis 18 Uhr abgegeben und die Sorgen dafür, dass mein Kind zum PingPong oder sonstiges geht.
Diese Kriterien sind erfüllt und somit ist doch alles gut!!!!!!!!!
Einen Mißstand vorort (Daggi/Schule) anzusprechen ist eine diplomatische Gradwanderung und ein Eiertanz, mit sehr mäßigen Erfolgsaussichten und kann sich ganz schnell ins Umgekehrte wenden.
Auch wenn die größere Meinung der Eltern eine andere ist, aber die wird nicht öffentlich kundgetan.

LG
Heike


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