Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 4. März 2009 13:03

Ich war nur in der förskola mit und habe mir vorgenommen das wieder zu machen, demnächst. In der Schule bin ich nicht bei eigenen Kindern, nur bei anderen. Das reicht mir aber um zu sehen wie der Alltag in einer schwedischen Schule aussieht. Wohlgemerkt, ich gehe derzeit mit einer Schülerin 3x die Woche in die Klasse für insgesamt 6 Zeitstunden. Das ist schon ne Menge um zu sehen wie es da abläuft. In diesem speziellen Fall muss ich allerdings sagen, dass es eine super Lehrerin ist. Trotzdem finde ich es manchmal unglaublich wieviel Zeit die Kinder haben um ein Thema selbständig zu erarbeiten und in der Zeit dann auch oft einfach über das Bandyspiel vom Abend vorher reden...
Von den anderen Schulen her kenne ich es aber auch so, dass da immer mal wieder Eltern in der Klasse erscheinen. Ich hatte auch schon Eltern zu besuch in meinen Klassen. Das fand ich ganz ok auch wenn man erst mal verunsichert ist weil man das aus Deutschland nicht kennt. Ich würde das vermutlich auch mal mit meinen Kindern in der Schule machen. Ist dohc mal spannend zu sehen was die so machen.

Grüsse
Wiebke

Benutzeravatar
janaquinn
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2203
Registriert: 5. Oktober 2006 09:29
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 4. März 2009 13:04

Ich habe meinen Sohn bis jetzt in 3 verschiedene Schulen begleitet, in der ersten Schule war ich über Monate hinweg den gesamten Tag als Persönliche Assistentin dabei. Da Yannic auf eine Trainingsskola geht, kann ich also nur Erfahrungen von dieser Schulart berichten.
In der Schule in Huddinge wurde sehr viel spielerisch gemacht, allerdings wurden mit den weniger behinderten Kindern, meist hatten diese ausschliesslich körperliche Behinderungen oder waren nur leicht geistig behindert, auch gelesen und gerechnet. Einmal in der Woche wurde mit gesunden Kindern Theater gespielt und auch den Sportunterricht hatten die Kinder zusammen.
Generell fand ich den Kontakt zwischen gesunden und behinderten Kindern sehr gut, da beide Seiten voneinander lernen konnten.

Auch einen Elternabend habe ich dort mitgemacht, etwas eigenartig für mich, da ich einen Tolk neben mir hatte. Aber es war recht spannend, denn die Eltern haben ihrem Frust wirklich rausgelassen, so wurde offen kritisiert, dass gerade die Logopädie der Kinder sehr vernachlässigt wird, weil die eine Therapeutin gerade in Schwangerschaftsurlaub gegangen war, sich die Schule aber nicht um eine neue bemüht hatte, so waren die Kinder über 3-4 Monate ohne Therapie....eine Unterbrechung der Therapie kann Rückschritte haben, die monate brauchen um wieder aufgeholt zu werden.
Ich fand es sehr beeindruckend, dass die Eltern dies so offen angesprochen haben, auch darüber das die Sommerferien viel zu früh beginnen werden und das Fritidshem aber komplett überfüllt ist, wurde offen geschimpft.
Ich konnte es damals noch nicht nachvollziehen, da wir frisch aus D. waren und dort mit wesentlich heftigeren Problemen zu kämpfen hatten.
Heute weiss ich, was die Leute meinten.

Die Schule in Södertälje entwickelte sich für Yannic und unsere Familie zu einem Alptraum, sie war reine Aufbewahrung, die Eltern interessierten sich Null dafür, was mit ihren Kindern geschieht.
Wir eckten in dem gesamten Jahr an, da wir ständig "nörgelten" und mehr Einfühlungsvermögen und auch Abwechslung für die Kinder forderten....teilweise wurde über WOchen hinweg nicht mit den Kindern rausgegangen, stattdessen sassen die Damen am Tisch und tranken Kaffee...tolle Arbeitseinstellung.


In Morapark, einer Freischule, läuft es wieder anders rum, dort rechnet man mit allen Kindern, die Kinder bekommen verschiedene Therapien, die jeweils auf das Kind abgestimmt sind. Auch bewahrt man die Kinder nicht nur auf, sondern fordert und fördert sie täglich, damit diese an ihre Grenzen gehen und darüber hinaus.
Viele Kinder haben dort Dinge gelernt, die die Eltern nicht mal im Traum erhofft hatten: laufen, selbstständig essen oder auch ein paar Worte sprechen...
Dies ist natürlich den Lehrern und Betreuern zu zuschreiben, aber auch dem Wohlfühlfaktor der Kinder, was gerade für Behinderte Kinder extrem wichtig ist.
Es ist alles ein wenig weicher vielleicht, als Eltern von gesunden Kindern es wünschen würden, ich würde es auch für meine Tochter nicht soo wollen, aber für meinen Sohn ist es absolut perfekt.
Das Essen ist auch hervorragend, habe es gestern kosten können, alles wird mit Bio-produkten aus der Umgebung und frisch gekocht....sehr sehr lecker :)


LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 4. März 2009 13:09

Freut mich, dass ihr in einer Schule gelandet seid, in der Ihr euer Kind nun gut betreut seht. Dann hat sich das Kämpfen gelohnt. Hoffe es geht so positiv weiter.

tinil

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon tinil » 7. März 2009 16:07

Tulipa hat geschrieben:Ja, ich sehe es als überaus wichtig an, dass jeder Mensch sowohl Druckschrift wie auch Schreibschrift lesen und mit der Hand schreiben lernt.

Abgesehen von praktischem Nutzen wie höhere Geschwindigkeit der Handschrift und der von Tommy angesprochene Kommunikationsfähigkeit gehört dies für mich ganz einfach zu den unverzichtbaren Grundkenntnissen und -fähigkeiten. Ich finde es unverzeihlich, einem Kind dies vorzuenthalten.



Ich respektiere deinen Standpunkt finde aber trotzdem, dass man ohne Schreibschrift sehr gut auskommt. Mein Mann, Schwede40+, hat bis jetzt sehr gut überlebt. Die Blockbuchstaben werden mit der Zeit etwas mehr verbunden, damit man schneller wird und das Schriftbild erinnert entfernt an eine Art Schreibschrift hat aber einen grossen Vorteil, man kann es wunderbar lesen. Die Schreibschrift ist nämlich national definiert. Als Österreicher hast du ziemliche Probleme eine richtig ausgeprägte deutsche Schreibschrift zu lesen (zumindest trifft das für meine Generation zu). Ausserdem wurden die Regeln alleine seit meiner Schulzeit dreimal geändert. Meine Schreibschrift mit Schlaufen in a,o und g kann meine Nichte nur mit Schwierigkeiten lesen. Ich kann allerdings ihre schlaufenfreie recht gut lesen. Und dann erst Omas mit drei verschiedenen s, die kann ich nur mit grösster Mühe und langer Übung entziffern, aber schön ist sie :D
In Schweden habe ich mir sofort die Schlaufen abgewöhnt und auch die Eins schreibe ich mit einem einfachen Strich und die Sieben mache ich gerade mit Querstrich statt geschwungen. Der Briefträger ist mir sehr dankbar :D (das habe ich sogar schriftlich)

tinil

Re: Rückwanderung?

Beitragvon tinil » 8. März 2009 10:11

blueII hat geschrieben: um zu erfragen welche Qualität der Schulen ihren Vostellungen entspricht, weil sich diese Frage hier keine Familie stellt!!!!!! Es ist gut wie es ist...es ist ein kurzer Weg...ich kann mein Kind bis 18 Uhr abgegeben und die Sorgen dafür, dass mein Kind zum PingPong oder sonstiges geht.
Diese Kriterien sind erfüllt und somit ist doch alles gut!!!!!!!!!
Einen Mißstand vorort (Daggi/Schule) anzusprechen ist eine diplomatische Gradwanderung und ein Eiertanz, mit sehr mäßigen Erfolgsaussichten und kann sich ganz schnell ins Umgekehrte wenden.
Auch wenn die größere Meinung der Eltern eine andere ist, aber die wird nicht öffentlich kundgetan.



Heike du vergisst, dass man in Schweden bis vor ganz wenigen Jahren die Schule nicht wählen konnte. Wohntest du in einem gewissen Schuldistrikt warst du an die lokale Schule angewiesen. Jammerst du zu viel geht das über deine Kinder aus und schafft unhaltbare Verhältnisse. Das ist auch eine Tatsache mit der die jetztigen Eltern aufgewachsen sind, da ist es nicht so leicht umzudenken.

Benutzeravatar
amarok
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1263
Registriert: 25. September 2007 23:32
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon amarok » 10. März 2009 17:29

Gerade habe ich ein Zitat gelesen und weil ich es sehr gut finde, möchte ich es Euch nicht vorenthalten. Es ist von einem prominenten schwedischen Intellektuellen/Künstler.
"Schweden ist ein Land geworden, aus dem die Menschen fliehen, dachte er. Wer kann, geht weg. Zurück bleiben solche wie ich. ... Wir sind im Begriff, eine ganze Generation um ihre Zukunft zu betrügen, dachte er. Junge Menschen, die eine Schule besuchen, in der die Lehrer auf verlorenem Posten stehen, mit zu großen Klassen und schrumpfenden Mitteln. Junge Menschen, die nie auch nur eine Chance bekommen, einer sinnvollen Arbeit nachzugehen. Die nicht nur nicht gebraucht werden, sondern sich direkt unwillkommen fühlen. In ihrem eigenen Land."
(Kommissar Kurt Wallander in "Die Brandmauer" von Henning Mankell)

Diese Situationsbeschreibung über Schweden deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung in Deutschland.
Der Wald lebt, er kann atmen und sprechen und erzählt die Sage von der Urmutter allen Lebens. (jakutisch)

Benutzeravatar
janaquinn
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2203
Registriert: 5. Oktober 2006 09:29
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 10. März 2009 17:49

Danke, Peter, für dieses Zitat. Es regt zum Nachdenken an und ist, wie du schon geschrieben hast, sowohl auf Deutschland als auch auf Schweden anwendbar....

LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 12. März 2009 08:28

http://dn.se/nyheter/sverige/lararvarse ... n-1.817782

Keine beruhigende Nachricht, dass im Zuge der Finanzkrise sich Kommunen gezwungen sehen Lehrkräfte zu entlassen. :(

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 12. März 2009 08:41

Hallo,

es ist schlimm, dass bei der Bildung angefangen wird, den Rotstift anzusetzen. In einer gestrigen Gesprächsrunde im deutshen Fernsehen sagte einer der Gäste, allerdings in dem speziellen Fall auf Deutschland bezogen, dass wenn ein Land nicht viele Rohstoffe hat, es dann aber zumindest in die Köpfe der nachfolgenden Generation investieren muß. Da stimme ich voll zu.

Und lieber Amarok, den von Dir genannten Satz in dem Buch Brandmauer habe ich seinerzeit unter dem gleichen Aspekt betrachtet wie Du es aufführst.
Mir lief es damals kalt den Rücken runter, denn der Satz von Kurt Wallander paßt auch auf Deutschland sehr gut.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

hansbaer

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon hansbaer » 12. März 2009 09:15

vinbär hat geschrieben:http://dn.se/nyheter/sverige/lararvarsel-i-var-tredje-kommun-1.817782

Keine beruhigende Nachricht, dass im Zuge der Finanzkrise sich Kommunen gezwungen sehen Lehrkräfte zu entlassen. :(


Das ist der Nachteil mit einem kommunalen System und ohne Beamte - normale Angestellte kann (bzw. muss) man vor die Tür setzen, wenn man weniger Geld einnimmt.
Auf der anderen Seite: Beamtenstatus ist auch keine Lösung.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste