Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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Faxälva
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Faxälva » 1. März 2009 20:58

...mein Schwiegervater hatte sich schon vor 20 Jahren beschwert, dass die Kinder nicht richtig schreiben lernen... er bekam immer wieder Lehrlinge, die von Rechtschreibung und Grammatik keine Ahnung hatten , aber bei im SCHRIFTSETZER lernen wollten... :lol:
...meine Söhne haben ein fast identisches Schriftbild, der ältere hat eine in der 8. Klasse entdeckte Lese-Rechtschreibschwäche .. der 10 Jahre juengere Bruder wurde 5x getestet und Lehrer und Psychologen konnten sich nicht einigen, ob oder ob nicht ... bei beiden kann man die Worte erkennen, aber nicht, ob sie richtig geschrieben sind... nun ja, hier in Schweden interessiert es keinen mehr, der juengere schreibt nur noch am PC und der ältere ist ja längst erwachsen ...
:smt006
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Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 1. März 2009 21:35

Hallo Ihr,

unser Sohn hat noch Schreibschrift gelernt -Schulbeginn 1987, unsere Tochter dann nur vereinfachte Ausgangschrift, also Blockbuchstaben - Schulbeginn 1991. Unsere ganzen Bücher in Schreibschrift konnte unsere Tochter dann nicht lesen.
Auf dem Gymnasium schrieben die Lehrkräfte dann aber Schreibschrift, was für die Kinder, die nur vereinfachte Ausgangsschrift gelernt hatten, sehr schlecht war. Ich finde, dass das total unorganisiert ist, wenn die Schulbehörde etwas verordnet und auf den weiterführenden Schulen wird es dann nicht weiter geführt.
Unsere Tochter hat sich später alleine die alte deutsche Handschrift beigebracht, ohne es jemals in der Schule gelernt zu haben. Sie kann alte Schriften entziffern. Sie schreibt heute oft in altdeutscher Handschrift, beim Studium wundern sich die Dozenten mit Sicherheit darüber, aber es hat noch keiner beanstandet. Sie hat eine wunderbare Handschrift, könnte von meiner Großmutter stammen, alles in einer Linie und gestochen scharf. Sie schreibt nur mit Füllhalter und legt viel Wert auf eine gute Feder.
Unser Sohn hat teilweise so schlecht geschrieben, dass es kaum jemand entziffern konnte. Er ist ja anerkannter Legastheniker, wovon man heute nichts mehr merkt. Er erzählt manchmal jetzt , dass er, wenn er nicht wußte, wie ein Wort geschrieben wird, einfach undeutlich geschrieben hat in der Hoffnung, dass es dann nicht als Rechtschreibfehler gesehen wird. Heute liest er in seiner Firma Korrektur von Texten und er war mehrere Jahre ehrenamtlich in seiner Partei Redakteur der Mitgliederzeitung. Einige Dinge wenden sich doch zum Guten, wenn die Zeit reif dafür ist.

Grüße Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon kukurz » 2. März 2009 14:40

Meine Kinder, heute auf dem Gymnasium, lernten (hier in Schweden) sehr wohl Schreibschrift. Wann genau weiss ich nicht mehr. Sohn hat eine wunderschöne Schrift, schreibt aber vorwiegend in Druckbuchstaben, Tochters Schriftbild ist ,,wild", sie bevorzugt dagegen Schreibschrift.

Sie bekamen ebenfalls nur in Schwedisch Rechtschreibfehler ausgebessert (in Deutsch habe ich manchmal korrigiert, später im Muttersprachenunterricht die Lehrerin), dafür schreiben beide Kinder sehr gern und auch viel; immer schon und absolut nicht verunsichert. Tochter macht kaum Fehler, in beiden Sprachen ist sie diesbezüglich sehr sattelfest, Sohn war diesbezüglich sehr fantasiebegabt, jetzt kann er´s auch (ziemlich gut). Vor allem wohl, weil er den Gebrauch eines Wörterbuchs erlernte und auch welche hat. Die Rechtschreibreform hat uns allerdings nur Schwierigkeiten bereitet, wir konnten ja schlecht die vielen Bücher entsorgen.

Noch einmal zum Mathematikunterricht zurückkommend: In Ö wählt man in für die siebte Klasse Gymnasium die Richtung, im Naturwissenschaftlichen Zweig hat man verstärkt diese Fächer, in anderen Zweigen eben nicht. Das ist ja hier auch, nur eben später. Darum ist es für mich kaum vergleichbar. Im deutschen Schulsystem kenne ich mich nicht aus, aber wählt man da auch nicht mit zehn Jahren? Hier in den Diskussionsbeiträgen ging es aber vorwiegend um 8., 9. Klasse, der Vergleich ist somit ja schief, oder?

Tochter geht nun naturkunskapsprogrammet und ist im ersten Jahr bereits im B-Kurs, Sohn besucht samhälle, journalistik och modern språk und liest im zweiten Jahr den B-Kurs; bei Tochter geht es bis E (und freiwillig etwas das heisst matte branning oder so), bei Sohn bis D, wenn er denn will. Mit Ende des Gymnasiums sind sie wohl soweit wie ihre Cousinen und Cousins in D und Ö (wenn nicht jetzt schon).

Ich muss übrigens immer lachen wenn ich höre, dass die deutschen Schüler so viel lernen, lernten. Meine Cousine, gleichaltrig mit mir, ging in D zur Schule. Mit vierzehn oder fünfzehn hatte sie kein Biologie, weil die Stadt keine Mittel für den Unterricht hatte und deshalb die Stundenanzahl reduzierte (70-iger Jahre). Das gab es bei uns nicht. Ich hatte immer mehr Stunden, mehr Aufgaben, mehr Prüfungen als sie.

hansbaer

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon hansbaer » 3. März 2009 22:24

Mal ein kurzer Einwurf am Rande: heute nachmittag erhielt ich eine ernstgemeinte Anfrage, ob ich nicht (Aushilfs-)Lehrer an einem in Stockholm nicht ganz unbekannten Gymnasium werden wolle. Der Anrufer telefonierte einfach alle Physik-Doktoranden an der Uni durch und war so bei mir gelandet.

Ich frage mich seither, was es über das schwedische Schulsystem aussagt, wenn man in Pädagogik nicht ausgebildete Doktoranden fragen muss, ob sie nicht 20 bis 25 Schülern Physik beibringen wollen.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Rwitha » 3. März 2009 22:33

Was es über das schwedische Schulsystem aussagt, da kann ich mir kein Urteil erlauben, klingt aber echt "merkwürdig".

Und?! Willst Du's machen? Vielleicht stecken ja noch Talente in Dir, von denen Du auch noch nichts weißt! :wink:
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon hansbaer » 3. März 2009 22:46

Rwitha hat geschrieben:Und?! Willst Du's machen? Vielleicht stecken ja noch Talente in Dir, von denen Du auch noch nichts weißt! :wink:


Ich habe erstmal ganz perplex gesagt, dass ich krankheitsbedingt ohnehin erstmal nicht kann. Aber auch sonst habe ich realistisch betrachtet einfach keine Zeit dafür.
Aus persönlicher Sicht ist das aber schon irgendwie spannend. Als ich mich vor 7 Jahren für ein Diplom-Studium entschied, war Lehramt eigentlich keine Option mehr - daher habe ich mich nie wieder damit auseinandergesetzt, ob ich denn dazu überhaupt taugen würde. Dass sich diese Frage einmal auf diese Weise stellen würde, hatte ich nicht erwartet.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Rwitha » 3. März 2009 23:29

hansbaer hat geschrieben:Dass sich diese Frage einmal auf diese Weise stellen würde, hatte ich nicht erwartet.


Siehst Du - unverhofft kommt oft :smt006
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 4. März 2009 07:40

Guten Morgen,
nachdem in den letzten Wochen oft über das schwedische Schulsystem geschimpft wurde, möchte ich nunmal wieder etwas positives berichten.
Yannic geht seit Montag in seine neue Schule, eigentlich war der Start für die Woche vor Sportlov geplant, aber da die gesamte Familie krank war haben wir es verschoben.

Wir haben bereits vor einiger Zeit das Schema für die erste Woche zugeschickt bekommen, da Yannic nicht von Beginn an den ganzen Tag in die Schule geht, sondern es wird jeden Tag um 30 min. verlängert.
Am Ende der Woche sind wir bei 12.00 Uhr und ab Montag geht er dann bis 14.00 Uhr.

In der ganzen Schule sind max. 30 Kinder, die alle zwischen 6-11 Jahren sind, Yannic ist das einzige Rolli-Kind. In Yannic´s Klasse sind 4 Kinder, alles Jungs :wink: , und 3 Lehrer und Betreuer, so dass sich die Erwachsenen voll auf die Kinder konzentrieren können und man zur Not, sollte ein Kind "ausrasten" mit ihm rausgehen kann.

Gestern wurde "gerechnet", dass heisst es wurde aus einem Buch vorgelesen und die Kinder haben, mit Hilfe ihrer Betreuer, die Zahlen auf eine Tafel geschrieben, zur Belohnung gab es dann Bananenchips, da Yannic nichts kauen kann wird ihm mit einem Igelball über den Kopf gestrichen, jeweils in der Anzahl der Zahl die gerade genannt wurde und auf seiner Tafel steht.
Somit lernen die Kinder die Zahlen und haben auch ein Erfolgserlebniss und eine kleine Belohnung.
Vor dem Schulstart gibt es einen Morgenkreis, wo alle Lehrer und Kinder zusammensitzen und gemeinsam Singen, danach geht es in die Klassenräume, die wirklich wunderschön und warm eingerichtet.
Im Laufe des Tages werden die Kinder zu den verschiedenen Therapien abgeholt, Yannic wird erst nach Sommarlov Therapien erhalten, da er sich erstmal eingewöhnen soll und man ihm sein Selbstvertrauen wiedergeben möchte, welches er in der alten Schule verloren hat.

Es mag sich alles sehr fluffig oder ähnliches anhören, aber für meinen Sohn ist es, endlich, die richtige Schule, der 1jährige Kampf hat sich gelohnt, denn er fühlt sich wirklich wohl dort und mag seine neue Klassenlehrerin Marie wirklich gern.

Sollte es also jemand, mit behinderten Kind, nach Järna oder Umgebung verschlagen, meldet es in Morapark an, es ist eine wunderbare Schule.
Die Schulbehörde in Södertälje wird versuchen, euch in eine kommunale Schule zu schicken, aber besteht wirklich auf Morapark, es lohnt sich.

LG JANA
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 4. März 2009 08:36

Hallo Jana,

schön, dass Du uns über diese Schule berichtest, wo es so positiv läuft.
Freue mich mit Dir über den gelungenen Schulstart für Yannik.

Grüße Christa
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 4. März 2009 08:54

hansbaer hat geschrieben:Mal ein kurzer Einwurf am Rande: heute nachmittag erhielt ich eine ernstgemeinte Anfrage, ob ich nicht (Aushilfs-)Lehrer an einem in Stockholm nicht ganz unbekannten Gymnasium werden wolle. Der Anrufer telefonierte einfach alle Physik-Doktoranden an der Uni durch und war so bei mir gelandet.

Ich frage mich seither, was es über das schwedische Schulsystem aussagt, wenn man in Pädagogik nicht ausgebildete Doktoranden fragen muss, ob sie nicht 20 bis 25 Schülern Physik beibringen wollen.



Das wäre ja noch ein Gluecksgriff, wenn Du als Dipl.Physiker Physikunterricht geben wuerdest,manchmal fehlt bei den Lehrkräften nicht nur die pädagogische Kompetenz. Wenn sie wenigstens fachlich auf der Höhe wären, wäre ich schon zufrieden.


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