Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 25. Februar 2009 16:33

ABSOLUT KLASSE, hansbaer!!
Vielen Dank fuer den tollen Link!!!

Was mich wiederholt ärgert wenn ich so etwas höre:
Das das Resumee aus dieser Dokumentation absolut nachvollziehbar ist und prinzipiell jeder - in Schweden als auch Deutschland - weiss wo im System der faule Wurm sitzt, aber keiner den Mut hat das endlich zu ändern!
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tulipa » 28. Februar 2009 20:46

Also, selbstbewusst sind die schwedischen Lehrkräfte ja:

habe gerade auf der homepage "unserer" Schule handschriftliche Schülergedichte entdeckt. Den Inhalt will ich ja überhaupt nicht kritisieren. Wenn ich´s denn lesen könnte ...

Mir als LehrerIn wär das jedenfalls peinlich, aller Welt zu zeigen, dass 8jährige grösstenteils nur krumme und schiefe und oft gar nicht zu entziffernde Grossbuchstaben aufs Paper bringen.

LG
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Tommy3

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tommy3 » 28. Februar 2009 20:56

Tulipa,

so schreiben die Schüler auch noch in der 6 Klasse, und später. Ausser vielleicht die wenigen, die eine gewisse künstlerische Begabung haben. Und kein Lehrer wagt es, das anzukreiden. Und so werden hunderttausende Schüler entlassen, die nicht in der Lage sind, lesbar zu schreiben.
Schweden eben.

Tommy3

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tommy3 » 28. Februar 2009 21:01

Hej Heike,

als Antwort auf dein posting:

wie denkst du, dass wir das schlechte am Schulsystem ändern sollten? Ich weiss, dass Du recht zufrieden mit der Schule bist, OK. Aber soll man sich als Einwanderer hinstellen und den Finger draufzeigen, wenn die schwedischen Lehrer in ihren Mitteilungen an die Eltern und Schüler lauter Rechtschreibfehler machen? Weil sie selber oft nur sehr dürftig schreiben können?

Ich würde gerne das ändern, was im argen liegt, und wir, die wir hier Steuern zahlen wie jeder Schwede auch, ahben das Recht und die Pflicht dazu. Ist aber nicht immer so leicht.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Sachsbaer » 28. Februar 2009 21:56

Das die Schüler nicht mehr richtig schreiben können, findet man in D auch. Das kommt einerseits, dass man sich nichts mehr zu sagen hat und anderseits weil wenn man schreibt, dann nur mal eine eMail oder SMS. Was soll da für ein Niveau rauskommen :wink: . Und wegen Mathe in D muss ich sagen, was nützt dem "Normalverbraucher" wenn er auf dem Gymi mit Mathe auf Uni-Niveau vollgestopft wird und dann nicht mal weis, was ein Quatratmeter ist ( war jetzt so eine Sendung, da sollten Bewerber für eine Ausbildung sagen, wenn ein Fenster 1m* 0,5m hat, wieviel m2 das sind. Grosses grübeln und haarsträubende Antworten von Leuten mit gerade bestandenem Abi. Da kann es am Ende auch nicht weit her sein mit dem deutschen Bildungssystem).

Ich habe schon mehrfach gelesen, dass das schwedische System zu locker sei. Aber was nutzt es, wenn die Schüler in D überfordert werden, angst vor der Schule haben und die Eltern zum "Hauslehrer" gemacht werden um dann den Kindern nach Feierabend das beizubringen, was sie bringen müssen, um am nächsten Tag wieder zu bestehen. Wenn man da nicht sehr viel Geld in Nachhilfelehrer investiert, scheitern die Kinder schon frühzeitig. Ich denke, es wird in D übertrieben. Gerade mit dem Abi. Wenn ich sehe wie alle durchdrehen wegen dem 12er Abi. Es kann nicht sein, dass es bei uns im Osten schon immer kein Problem ist/war und die Schüler auch noch Freitzeit haben und im Westen alle am durchdrehen sind, weil man versucht 13 Jahre in 12 zu quetschen, was vollkommener Blödsinn ist. Man muss nur mal ausmisten. Wie schon oben erwähnt soll der Abiturient in allem Top sein und daher wird schon auf Uni-Niveau unterrichtet. Aber wozu??? Dafür gehe ich doch dann zur Uni um auf dem Abi aufzubauen und nicht schon mit allem möglichen vollgestopft zu werden, was in der Masse am Ende nur gelernt wird um es wieder zu vergessen.
Wir hatten zu DDR-Zeiten das "schwedische System", ich fand das gut. Ich habe die Oberschule ohne Probleme, sehr gut über die Runden bekommen. Habe dann nur Fachhochschulreife statt Abi (EOS) gemacht (war damals ganz neu 1987). War ganz locker, es wurde auf der Oberschule nach einer kurzen Wiederholung aufgebaut. Das Gleiche dann an der Hochschule. Es wurde nur das gemacht was auch wirklich gebraucht wurde. Also nur so viel wie "nötig" und nicht so viel wie "möglich". Denn wer z.B. Kunst studieren will, muss kein Mathe oder Physik-Ass sein !!! (gut reicht da auch) :wink:
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 1. März 2009 10:24

Aber soll man sich als Einwanderer hinstellen und den Finger draufzeigen, wenn die schwedischen Lehrer in ihren Mitteilungen an die Eltern und Schüler lauter Rechtschreibfehler machen? Weil sie selber oft nur sehr dürftig schreiben können?

Hmm, nee. Natuerlich nicht auf diese Art und Weise.
Bei uns an der Schule, wo es durchaus eine Lehrkraft gibt die sich ab und dann an der Tafel verschreibt, fragen wird dann "Schreibt man das nicht so und so?"
Ueberhaupt kein Problem und niemand reagiert seltsam.
Wuerde ich persönlich so immens Rechtschreibfehler in Mitteilungen an uns finden, wuerde ich einfach zurueckschreiben und höflich fragen. Ich finde aber keine, dh es gibt keine (so langsam bin ich recht fit in schwedisch) Der Ton macht die Musik, davon bin ich ueberzeugt.
Zum Schriftbild: Mein Juengster (2te Klasse) hat eine sehr schöne und deutliche Schrift, der Älteste (15) ebenfalls und der Mittlere "OH Graus"!!! Jetzt ratet mal, wer der kuenstlerisch begabteste ist...?
Man sollte nicht immer alles in Schubladen stecken ;-)
Mir scheint wirklich, es gibt grauenhaft unterschiedliche Schulen. Es kommt in Schweden genauso drauf an wie in Deutschland wer unterrichtet, leitet, wie der Zusammenhalt -auch bei den Eltern- ist.
In Schweden gibt es etliche Menschen mit schlechter Rechtschreibung. Darauf weist meine schwedische Sprachlehrerin oft hin, indem sie sagt, als Einwanderer lerne man ein durchaus besseres Schwedisch (schriftlich).
Ich kenne aber auch Fälle aus D, wo Leute keine drei Wörter hintereinander richtig schreiben können oder Lehrkräfte "Mist" vermitteln.
Meiner Meinung nach hält sich das durchaus die Waage.

Aber zurueck: Also ich wuerde höflich nachfragen, nicht mit erhobenen Finger (!), und mir konkret erklären lassen weshalb beispielsweise die Lehrkraft das so geschrieben hat (ich hätts halt so und so gelernt und wäre nun unsicher). Mit Sicherheit gibt sie sich dann in Zukunft mehr Muehe.
Mir fällt in meiner eigenen Klasse auf, das sich einige Schueler (Schweden) da regelrecht hängen lassen. Hauptsache sie können es hinterher noch selbst ablesen- lach. Bloss wuerd ich abermals bemerken: Die gibt es auch in D.

Und wegen einem oder zweien (bei um die 9 Schueler) darauf schliessen, dass eine ganze Bevölkerung so ist?
Das kann ich leider nicht. Ich denk da stimmt die Prozentzahl einfach.
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glada

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon glada » 1. März 2009 13:53

Tulipa hat geschrieben:Mir als LehrerIn wär das jedenfalls peinlich, aller Welt zu zeigen, dass 8jährige grösstenteils nur krumme und schiefe und oft gar nicht zu entziffernde Grossbuchstaben aufs Paper bringen.


Es heißt doch immer so schön, dass sich die Geschichte wiederhole. Es sollen neuerdings wieder häufiger Schüler gesehen worden sein, die mit Hammer und Meißel zur Schule gegangen sind, weil sie ihre Diktate mit Runenzeichen in Granitplatten kloppen...

glada :D

tinil

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon tinil » 1. März 2009 14:23

Ein 8-jähriger geht in Schweden in die zweite Klasse. Da finde ich es eigentlich ganz in Ordnung, dass man da noch keine richtige Handschrift hat. Dass man Gedichte schreibt ist doch eine tolle Leistung.
Keines meiner Kinder lernte "Schreibschrift", beide schreiben heute tadellos und können ohne grössere Mühe in der Schule leserliche Notizen machen.
Ich erinnere mich mit Schrecken an meine eigenen Alster aus der Zeit. Ich schreibe auch heute noch alles auf dem Computer, damit meine Arbeitskollegen es auch ohne Ausbildung zum Hiroglyphologen lesen können. Ich habe mein Leben lang hören müssen, dass ich unleserlich schreibe und Arzt hätte werden sollen :?

Dass in Schweden so viele Schüler mit Mängeln beim Schreiben und Lesen auffallen kann vielleicht teilweise darauf zurückzuführen sein, dass man hier alle in einer Klasse hat, vom hochbegabten bis zum weniger begabten Schüler. Erst im Gymnasium werden die Schüler gruppiert.

Das mit der Rechtschreibung fällt mir allerdings auch auf. Meine Älteste ist so ein i-Tüpfelreiter und hat ihren Schwedischlehrer nicht nur einmal verbessert. Sie selbst fand das eher peinlich, aber der Lehrer fand das ganz ok. Nach der Matura stellte sich heraus, dass er selbst eine Schreibschwäche hat, was ihn aber nicht hinderte Lehrer zu werden.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tulipa » 1. März 2009 17:03

Hallo,
nun habe ich noch Verständnisfragen vor allem an Tinil und Heike:

Ihr schreibt, dass eure Kinder jetzt eine tadellose bzw. schöne Schrift haben, bei Tinil ohne dass sie Schreibschrift gelernt haben.
Heike, haben deine Kinder denn in der schwedischen Schule Schreibschrift gelernt und wenn ja, in welchem Alter etwa ?

Und wie ist die "tadellose schöne" Handschrift die sie nun verwenden zu verstehen, schöne Druckbuchstaben oder Schreibschrift ?

Unsere Lehrerin gab jedenfalls sehr unklare Antworten auf meine Frage, wann die Kinder hier Schreibschrift lernen, ich habe das als "eher nie" gedeutet. Und wenn eure Kinder das nun trotzdem gut und problemlos können, haben sie sich das dann selbst beigebracht, oder kam das dann ganz von alleine so oder wie ?

Danke und lG
Tulipa
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 1. März 2009 17:20

Tulipa: Weder in Deutschland noch in Schweden lernen die Kinder - zumindest am Anfang - heute noch richtige Schreibschrift. So jedenfalls habe ich es erlebt, bzw. erlebe ich es.
Als gute Schrift bezeichne ich eine gut leserliche, die Buchstaben ordenlich und in passender Grösse aneinandergereiht, keine Schmiererei oä
Mein Juengster fragt mich ab und dann was ich da geschrieben hätte. Wenn ich halt richtig Schreibschrift schreibe. Dann versucht er es ganz interessiert nachzumachen; oder neulich endeckte er ein altes Kinderbuch in Schreibschrift, wo er sich nach kurzer Zeit einlas.

Heute lernen die Kinder wohl mehr oder nur noch Blockschrift, weil sie ueberwiegend davon umgeben sind. Ich kann mir vorstellen, das unsere Vorväter ebenfalls etwas empört waren, als "die gute alte deutsche Schrift" so langsam abgeschafft oder nicht mehr gelehrt wurde...
Ich kann mich noch entsinnen als ich lesen lernte. Zuerst noch richtige Schreibschrift. Als ich dann das erste Mal Blockbuchstaben entziffern musste, war es ungewohnt aber bald völlig ok.

Ich tippe die Aussage der Lehrerin auch auf "eher nie" ;-)

Denkt ihr, oder Du, denn, dass richtige Schreibschrift heutzutage noch als dringendst zu erlernen gehandhabt werden sollte??
Ich eher nicht. Auch wenn ich persönlich bei einer schönen Schrift ins Schwärmen geraten könnte ... das sehe ich eher kuenstlerisch, so wie halt Kalligraphie :D

LG
Heike
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