Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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tilmann

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon tilmann » 25. Februar 2009 09:22

Hej Wiebke!
Die StudentInnen, die gerade an der Uni sind, waren wohl vor nicht allzulanger Zeit SchülerInnen im schwedischen Schulsystem.
Warum zeigt sich die Leistungsfähgikeit des Schulsystems daran, wie die schwedischen StudentInnen im Ausland abschneiden? Der Fachbereich für Linguistik hier, ist jedenfalls auch international anerkannt. Und meine Freundin hat auch schon in D StudentInnen unterrichtet, kann also vergleichen.
Keine Ahnung, wie die Situation in Mathe ist, generell hatte ich den Eindruck, dass die Leute, die besonders gut in Mathe sind, nicht besonders viel dafür tun mussten.
Grüße,
Tilmann

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 25. Februar 2009 10:05

Hm, ich glaube Du verstehst das ein wenig falsch, bzw. vielleicht habe ich es nicht richtig ausgedrückt. Ich denke ja nicht mal grundsätzlich, dass das schwedische Schulsystem so arg schlecht ist und alle die es geniessen dumm die Schule verlassen um es mal übertrieben auszudrücken. Ich denke eben nur, dass es einige Fehler hat (aus meiner Sicht) und dass dies sich auf den internationalen Wettbewerb auswirken kann. Vielleicht erst in 5-10 Jahren... weir weiss. Weshalb es sich an ausländischen Unis zeigt ob die Schweden mithalten können und das System gut oder schlecht ist? Naja, das ist doch logisch. Das schwedische System schliesst ja auch die unis mit ein. Die sind auf die Schweden vorbereitet und arbeiten teilweise mit dem gleichen System. Dies hat die gleichen Vor- wie auch die gleichen Nachteile. Natürlich ist das deutsche Unissystem auf deutsche Abiturienten abgeschnitten und so weiter. Nur wenn also viele verschieden Länder aufeinandertreffen sieht man wer wo im Vorteil ist und wer wo im Nachteil ist.
Im Vergleich Deutschland-Schweden kann ich sagen (und das nur aus meiner Erfahrung mit den Schulen die ich kenne) Mathe: Deutschland liegt klar vorne. Und das teilweise ziemlich weit. Englisch: Schweden liegt vorne und auch hier mindestens ein Schuljahr. Nun kann man sich persönlich fragen was wichtiger ist. Das hängt mit der Begabung des einzelnen zusammen. Für mich war es nicht schlimm, dass englisch bei uns nicht so dolle war. Ich habe es später viel besser gelernt. An der UNi mit Freunden aus dem Ausland. Aber in Mathe bin ich ne Null und da bin ich auf das bisserl was aus der Schule hängen geblieben ist echt froh. Wenn ich mir überlege ich wüsste nun vielleicht noch weniger weil ich in der Schule schon weniger gelernt habe... Wie gesagt, ich beziehe das auf die Schulen die ich kenne und auf mich und meine Familie. Mir ist klar, dass andere das anders sehen und andere Erfahrungen gemacht haben. Für jemanden der Sprachen nicht gut alleine lernt, wäre es ziemlich gut hier in Schweden aufzuwachsen wo der Sprache ein recht hoher Wert beigemessen wird. Allerdings hat sich da auch in Deutschland viel getan in den letzten Jahren und ich kann meinen Unterricht nicht mehr mit heutigem Unterricht vergleichen.

Grüße
Wiebke

tilmann

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon tilmann » 25. Februar 2009 10:43

Kann sein, dass ich Dich falsch verstehe. Ich dachte, Du würdest gerne wissen, wie es an den schwedischen Unis aussieht. Und weil ich da einen kleinen Einblick habe, dachte ich, dass ein Erfahrungsbericht hilfreich ist. Dass der positiv war, passt vielleicht nicht so ins Bild der zurückgebliebenen schwedischen Schule.
Aus der Schuldiskussion will ich mich sowieso lieber raushalten, irgendwie klingt das alles nach Früher war alles besser. Es gibt so viele Faktoren, die bestimmen, wie man in der Schule klarkommt, da scheinen mir generelle Aussagen über das schwedische und deutsche Schulsystem schwierig zu sein.
Sicherlich hast Du recht, dass die Universiteten Teil des schwedischen Bildungssystems sind, allerdings würde ich nicht unbedingt sagen, dass diejenigen, die gute schulische Leistungen haben auch gut an Unis zurecht kommen. Und schon gar nicht, dass schlechte SchülerInnen auch schlechte StudentInnen sind.
Neben der fachlichen Kompetenz braucht man sicher an Hochschulen persönliche Fähigkeiten, die an der Schule nicht unbedingt vermittelt werden.
Naja. Wie auch immer :-)
Grüße,
Tilmann

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 25. Februar 2009 11:14

tilmann hat geschrieben:Es gibt so viele Faktoren, die bestimmen, wie man in der Schule klarkommt, da scheinen mir generelle Aussagen über das schwedische und deutsche Schulsystem schwierig zu sein.


Wie wahr wie wahr. Das ist ja auch der Grund weshalb ich zwar viele Aspekte des schwedischen Schulsystems noch kritisch sehe, ich aber trotzdem hoffe, dass es für uns insgesamt gut ausgehen wird. Ich weiss, dass nicht die Schule alleine die Grundlagen für später legt und hoffe einfach, dass wir Glück haben. Mit der Zeit die wir für die Kinder haben, unseren Möglichkeiten und den Lehrern. Die können auch noch mal einiges steuern und ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in Deutschland vielleicht nicht auf die gleichen doch zumindest auf ähnlich viele Probleme stossen kann. Wir warten einfach ab bis unsere Kinder in das richtige Alter kommen und schauen dann...

Grüße
Wiebke

ach ja, der Bericht über die Uni ist immer Willkommen. Er beruhigt ja auhc :) Es ist ja nicht so, dass ich mir nur schlechte Beispiele anhören will. :)

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 25. Februar 2009 11:45

Wir sollten uns in 10-20 Jahren (je nach Alter der Kinder) zusammensetzen und Resumee ziehen, ob unsere Hoffnungen, Erwartungen und Befuerchtungen sich erfuellt haben bzw. hoffentlich nicht so krass eingetreten sind und niemand die Tatsache, dass seine Kinder in Schweden aufgewachsen sind, im Nachhinein bereut oder sich wuenscht anders entschieden zu haben- damals.
Tatsache ist aber, dass das schwedische Schulsystem sich seit den 90er Jahren verschlechtert hat.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 25. Februar 2009 12:04

Hallo Vinbär,

die Idee ist gut. Aber paß auf, dass in 10 oder 20 Jahren hier die gleichen Teilnehmer vertreten sind, sonst läufst Du Gefahr, dass Du als Besserwisser abgestempelt wirst, wenn Du dann Deine guten oder auch negativen Erfahrungsberichte hier reinschreibst - im nachherein. Oder dass die dann mit dem Problem Schule befaßten Leute Dir schlicht Deine Erfahrungen absprechen wollen und sogar meinen, dass Du ihnen ihre Probleme nicht abnimmst.

Grüße Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 25. Februar 2009 12:14

Danke Aelve, ich werde mich bemuehen und an Deine Worte denken, ich wuensche mir sehr, Du hättest Recht mit Deinem Bild ueber Schweden, und ich habe temporär nur Probleme die ganze Palette an Vorzuegen zu sehen:)
Gruesse nach D
vinbär

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 25. Februar 2009 12:33

Liebe Vinbär,

schön, dass Du mich verstehst. Es ist ja leider so, dass man nur einen Weg beschreiten kann. Man weiß ja nicht, wie es anders gelaufen wäre, wenn man sich anders entschieden hätte. Wie oft habe ich schon gedacht, man müßte sehen können, was passiert wäre, wenn man den anderen Weg gegangen wäre, der einen bei der Weggabelung offen gestanden hätte. Und ich kann sogar sehr gut nachvollziehen, dass Ihr Euch - die Ihr diesen Weg ja noch vor Euch habt - Sorgen um die Bildung Eurer Kinder macht. Denn sie ist heute wichtiger denn je, denn man wird ja jeden Tag damit konfrontiert, dass Leistung und Wissen beste Voraussetzungen für einen Erfolg im Berufsleben sind.
Und deshalb kann ich Euch nur raten, stützt Eure Kinder so gut es geht. Gebt Ihnen oft Motivationsschübe, erklärt ihnen, warum sie mehr tun müssen, wenn es ihnen besser als anderen gehen soll. Führt Ihr die Kinder an Bildung heran, an Kunst, an Freude an der Natur, an Basteln, Nähen, Kochen, Musik.
Es gibt soviel Bereiche, da kann man als Eltern sehr viel dazu beitragen, dass Kinder Spaß daran finden und haben. Schule ist nur ein Teil, vieles lernen Eure Kinder von Euch und von Eurem Vorleben.

Liebe Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 25. Februar 2009 12:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 25. Februar 2009 12:39

Hallo Aelve,
Dein vorangehendes Posting kann ich zum ersten Mal in meinem Forumsdasein ausnahmslos unterschreiben :wink: . Schön gesagt. Letztendlich streben wir alle nach dem Besten fuer unsere Kinder.
Gruesse
vinbär

hansbaer

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon hansbaer » 25. Februar 2009 13:13

Unverhofft kommt oft. Habe gerade den MP3-Player angeschaltet:
http://mp3.swr.de/swr2/wissen/sendungen ... 12844s.mp3

Infotext dazu:
"Wie eine Fernsehdokumentation die Bildungsdebatte in Schweden prägt. Noch vor einem Jahr hatte die Johannesskola, eine Volksschule im Zentrum der südschwedischen Stadt Malmö, den Ruf als schlechteste Schule der Stadt. Die Behörden dachten bereits über die Schließung der Schule nach. Dabei ist die Schule in Malmö nur ein besonders extremes Beispiel für ein Schulsystem in der Krise. Was würde wohl passieren, wenn man eine Klasse solch unmotivierter Schüler ein halbes Jahr lang von den besten Pädagogen des Landes unterrichten ließe, fragte sich eine schwedische Fernsehproduktionsfirma. Sechs Monate lang unterrichteten besonders engagierte Lehrer eine neunte Klasse, täglich beobachtet von einem Fernsehteam. Die daraus entstandene Doku-Serie wurde zum Quotenhit im schwedischen Fernsehen. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen und lösten in Schweden eine landesweite Bildungsdebatte über das Selbstverständnis und die Rolle von Lehrern aus."

Sehr interessant, würde ich sagen.


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