Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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HeikeBlekinge
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 22. Februar 2009 20:03

Ein Hinweis: die positiven Postings, die alles in bestem Licht schildern, stammen zumeist von Leuten, die nicht in Schweden wohnen/leben und oft überhaupt nicht der schwedischen Sprache mächtig sind. Diese Infos stammen zumeist vom Hörensagen und von irgendwelchen Traumvorstellungen, die zumeist nichts mit der Realität gemeinsam haben.

Leute, die in Schweden Kinder im Kindergarten- oder Schulalter haben, haben zumeist eine andere Ansicht.


Ähmm , bitte??
Möchtest Du meine PN als Beweis das wir in Schweden leben?

Mensch Nina? Haste ne Winter-Depri ;-)??
Scherz :P
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 22. Februar 2009 20:14

Kinder wie die Zeit vergeht. Ist gar schon soviel Zeit vergangen, als dass die Schuldiskussion wieder fällig wäre? :wink:

nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 22. Februar 2009 20:17

Mensch Nina? Haste ne Winter-Depri ??


Vielleicht kann man das so sagen - ja.
Eigentlich seit meinem ersten Jahr in Schweden machen mir die Wintermonate sehr zu schaffen. Hier an der Westküste regnet es im Winter sehr viel, der Wind bläst kalt und ich muss sagen, ich vermisse oft die Sonne und die Wärme (in München konnte man teilweise schon im Januar im Biergarten sitzen oder in die Berge fahren, wo es viel Schnee und Sonne pur gab ...)

Aber das ist mein eigenes Problem, damit möchte ich andere nicht langweilen. Es ist ja auch sehr individuell, wie man sich einlebt und aus welchen Gründen man/frau nach Schweden kommt.

Nur oder ausschließlich wegen der Schule würde ich es ganz ehrlich nicht machen. Aber das ist auch individuell.

Es gibt Kinder, für die ist die schwedische Schule sogar ganz gut. Ich habe auch eine deutsche Freundin mit drei Kindern - der Älteste hätte in Deutschland in eine Sonderschule gemusst (nicht weil er weniger intelligent wäre, sondern einfach, weil er etwas langsamer lernt und auch Legastheniker ist). Für ihn ist es ein Vorteil, da er mit allen anderen Kindern ganz normal in seinem Takt lernen kann. Und das finde ich durchaus gut.

Was ich damit sagen möchte, ist einfach, dass man keine GENERELLE Empfehlung geben kann. Es kommt immer auf die jeweiligen eigenen/persönlichen Voraussetzungen an, was man erwartet und auch wie man selbst eingestellt ist.

Was mich manchmal etwas "nervt" ist dann schon, wenn man so Pauschalempfehlungen gibt - so nach dem Motto: in Schweden ist alles besser. Und dann noch aufgrund vom Hörensagen also nicht mal selbst erlebt.

S-nina

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 22. Februar 2009 20:24

Alle Jahre wieder, gelle? @vinbär :D :D :D

Oh Nina. Schön das du das so sagst. Ich wuensch dir (und mir auch, denn das grau in grau diesen Winter ist echt grausig) einen baldigen sonnigen Fruehjahrsbeginn :smt112
Ja, man muss schon immer sehr genau formulieren - und auch lesen - damit nichts pauschaliert wird.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 22. Februar 2009 20:31

So sehe ich das auch. Letztendlich wollen wir alle nur das Beste fuer unsere Kinder, und da bedarf es individueller Entscheidungen, Wege und Anstrengungen dies zu erreichen.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 22. Februar 2009 20:51

Hallo,

auch ich mag den langen Winter nicht so gerne, es fehlt einem einfach, dass man nicht nach Feierabend mal in den Garten gehen kann. Wenn man wie ich, den ganzen Tag im Büro arbeitet, dann fehlt es einem schon, dass man abends wenigstens dann 1 oder 2 Std. den Tag im Garten ausklingen lassen kann. Es fehlt einem im Winter schon die Sonne, das geht aufs Gemüt.

Ich kenne von meiner Nichte, die in Greifswald wohnt, den damaligen Vergleich der Schulen West und Ost und auch die Anforderungen, denn ihre Kinder waren fast im gleichen Alter wie unsere Kinder. Wenn wir die Stundenpläne verglichen, stellte ich fest, dass unsere Kinder viel zu wenig Unterricht im Fach Deutsch hatten.
In der damaligen DDR gab es Rechtschreibung, Lesen, Aufsatz usw., wenn man dann alles zusammen zog, waren es recht viele Schulstunden für Deutsch. Bei uns erteilten die Schulen viel weniger Unterricht im Fach Deutsch, das störte mich schon sehr. Denn trotz Unterrichtsausfall und viel zu wenig Übung in einigen Fächern sollten die Schüler aber alles wissen, was vorher gar nicht gelehrt wurde. Wenn wir nicht jeden Tag zuhause viel mit den Kindern durchgenommen hätten, dann wären sie mit Sicherheit gescheitert. Und das habe ich von fast allen Eltern gehört, mit denen wir uns darüber ausgetauscht haben. Es ist keineswegs so, dass die Eltern die Verantwortung für die Erziehung der Kinder ablegen wollen, es war bei uns vielmehr so, dass die Eltern den Kindern alles beibringen sollten, was eigentlich Lehrauftrag der Schulen ist. Auch heute höre ich von meinem Kollegen das Gleiche, also Stundenausfall ist an der Tagesordnung, also müssen die Eltern das Pensum mit den Kindern durchgehen, was sie wissen müssen, um einigermaßen gute Zensuren schreiben zu können.

Ich habe von meinen Bekannten, die nach Schweden gezogen sind und schulpflichtige Kinder haben, erfahren, dass die Kinder fast alle Aufgaben in der Schule erledigen. Da wird den Eltern nicht zugemutet, abends nach einem anstrengenden Tag noch stundenlang Aufgaben zu erledigen, in Büchern zu wälzen, mit anderen Eltern oder Schülern zu telefonieren, um sich auszutauschen über die noch zu erledigenden Hausarbeiten.
Ich kann keineswegs behaupten, dass wir von Lehrkräften erwartet haben, dass sie unsere Kinder erziehen, ich habe nur erwartet, dass sie eine interessante und ausreichende Wissensvermittlung ausüben, wozu die Lehrkräfte eingestellt und bezahlt werden, nicht mehr und nicht weniger. Aber damit waren die Lehrkräfte, mit denen wir es zu tun hatten, schon mehr als überfordert. Ich vermag bis heute nicht zu sagen, woran das lag, ob aus Interesselosigkeit oder aus Überforderung. In Schweden verdienen die Lehrkräfte weniger als in Deutschland sind aber in der Regel mehr an einer guten Ausbildung der Schüler interessiert und werden auch mehr in die Pflicht genommen, ähnlich wir damals in der DDR, wo zunächst die Lehrkraft gefordert war, dem Kind alles richtig zu erklären und nicht, dass es so hingestellt wird, als wenn die Schüler unfähig sind, so wie es leider viel zu oft an deutschen Schulen praktiziert wird.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 22. Februar 2009 21:09

Danke, das war dann noch das abschliessende unvermeidliche Wort zum Sonntag.
Allseits einen schönen Abend und den Beginn einer neuen Schulwoche :wink: .....

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tulipa » 23. Februar 2009 18:08

Hej,
eigentlich schien mir zu diesem Thema nun wirklich alles gesagt, aber ein Aspekt kommt mir doch zu kurz, und zwar die jeweils individuelle Familiensituation.

Ich finde eine gute Ausbildung für Kinder überaus wichtig, aber noch wichtiger eine glückliche Kindheit. Damit meine ich nur teilweise die verklärte schöne Kinder-Zeit, sondern vielmehr, dass Weichen für die Persönlichkeitsentwicklung gestellt werden, die den Rest des Lebens prägen. Alle kennen doch sicher gut ausgebildete Erwachsene, die aber so verkorkst sind, dass sie mit dem Leben nicht besonders gut zurecht kommen, bei denen ist also etwas ganz anderes schief gelaufen.

Im Idealfall haben Kinder ja wohl eine intakte Familie, in der alle liebevoll miteinander umgehen und Zeit füreinander haben. Und ein sorgenfreies materielles Auskommen. Und an dem Ort, wo dieses Familienleben bestmöglich ist, sollten Kinder auch dann zur Schule gehen. Die beste Schule kann z.B. nicht wettmachen, wenn dort beide Eltern bzw. der Hauptverdiener arbeitslos sind und die finanzielle und menschliche Situation entsprechend angespannt ist.

Mein Mann und ich sind beide leistungs- und bildungsorientiert und entsprechend unzufrieden mit der schwedischen Schule. Dennoch haben wir uns bewusst für diese entschieden, da wir in unserer speziellen Situation derzeit eben nur hier ein harmonisches, ziemlich stressfreies und materiell gutes Familienleben führen können und wir dieses eben als vorrangig für die Entwicklung unserer Kinder sehen.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Kinder uns dieses später danken werden und nicht mit Vorwürfen wegen verpasster Karrierechancen kommen ...

LG
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon kukurz » 23. Februar 2009 18:56

Das sind wir auch, also leistungs- und bildungsorientiert. Und wir teilen Eure Einstellung. Erfolge zeigen sich. Schulisch sowie in der Freizeit und in der Freizeitgestaltung (von wegen Saufgelage am Wochende oder Suchtverhalten).

Als die Kinder noch die Grundschule besuchten hatten sie mehr Freizeit als ihre Cousins und Cousinen, dafür durften sie viele Freizeitaktivitäten kennenlernen, die wiederum ausschlaggebend für ihre Zukunft wurden. Damit meine ich Musik- und Kunstunterricht, Schreiben, .... Sie konnten ihre Interessen und Neigungen mit weniger Druck und mit mehr Zeit suchen und ausbauen. Allerdings konnten wir das glücklicherweise auch finanzieren, denn teuer ist es. Dazu kam unsere Art zu leben, die Interessen meines Mannes und meine.

..... und das hat sich dann wiederum positiv in der Wahl des Gymnasiums ausgewirkt.
Meine Tochter lernt und arbeitet sehr viel, trotz guter Begabung und Talenten. Sie hat (fast zu) hohe Ziele, hat mehr Fächer gewählt als nötig und sie versuche ich eher ein bisschen zu bremsen. Mein Sohn geht es ruhiger an und ihn schupse ich. Zusammengenommen denke ich dass die Kombination Schule - Familie bei uns eine gelungene ist.

Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass das in sehr vielen Familien nicht der Fall ist, hier wie dort. Und gerade darum scheint es mir oft so, als wären all diese Schuldiskussionen im Grunde so unlösbar, weil eben jeder Elternteil oder Lehrer seine eigenen Probleme miteinbringt.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 23. Februar 2009 21:51

Hallo Tulipa und Kukurz,

Ihr sprecht mir genau aus dem Herzen. Ich kann das gleiche von mir sagen, ich bin sehr leistungsbewußt und bildungsorientiert, für mich hat eine gute Bildung und Ausbildung höchste Priorität. Aber nicht auf Kosten des Sozialverhaltens und der Persönlichkeitsstruktur. Es mag ja Kinder geben, auf die laufend Druck ausgeübt werden muß, ebenso gibt es Erwachsene, die nur unter Druck Leistung zu erbringen vermögen. Unsere Kinder waren von sich aus an allem sehr interessiert, genau wie Ihr berichtet, haben sich eher zu hohe Ziele gesetzt als umgekehrt. Wir haben sehr viel außerhalb der Schule angeboten, Musikunterricht, Kirchenchor und Kunst. Das hat zur Folge, dass beide Kinder auch in diesem Bereich jetzt ihre Ausbildung absolviert haben bzw. absolvieren. Unser Sohn hat Veranstaltungskaufmann gelernt und hat viel mit Theater, Konzerten, Musicals und Opern zu tun in seinem Beruf. Dabei kommt er durch sein gutes Sozialverhalten überall sehr gut an. Unsere Tochter studiert Germanistik und Kunstgeschichte, sie ist sehr an Antiquitäten, alten Gebäuden, alter Literatur und Kunst interessiert. Diese Begabung oder Freude an Kunst kommt nicht durch die Schule sondern der Grundstock wurde außerschulisch gelegt. Wir haben uns und unseren Kindern die Freude an Zeichnen, an Musik, an Theateraufführungen, an Literatur durch die Schule nicht nehmen lassen und auch nicht die Freude am Lernen. Das ist das, was ich meine, was nützt es, wenn in Kinder alles Wissen reingepumpt wird, sie aber keine Freizeit mehr haben und sich nur mit Ellenbogenmentalität durchs Leben boxen können. Wenn die Freude am Lernen und am Wissen durch zuviel Druckausübung genommen wird, dann ist das für mich ein erhebliches Manko.

Grüße Aelve
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