Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

nysn

Re: Rückwanderung?

Beitragvon nysn » 15. Oktober 2008 11:42

So, nun sind wir total Offtopic, und ich als Mod. habe auch noch mitgemacht!! Vielleicht wäre eine Teilung und Verschiebung ins Cafe´besser....werde mal mit Dietmar sprechen...


Spannende Diskussion, die hoffentlich nicht abgebrochen wird.

Wollte nur sagen, dass Hans vorhin einen neuen Thread gerade zum Thema Schule/Erziehung aufgemacht hat "Überforderung/Unterforderung Schule" - vielleicht ist es ja eine Idee, mit den Off-Topic-Postings dahin umzuziehen?

S-nina

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 11:48

Liebe Heike,

wie schade, dass unsere Kinder schon erwachsen sind, sonst wären sie bestimmt tolle Spielkameraden für Eure Tochter geworden. :lol: :lol: .

Aber Spaß beiseite, man kann Kinder auch nicht vor allem behüten, wenn der Umgang mal nicht so gut ist, dann muß man die Gelegenheit nutzen, diese Sachen mit dem Kind zu besprechen. Ich finde, dass es auch sehr wichtig ist, Dinge anzusprechen und auch zu erklären, warum es so ist. So kann man ja erklären, dass Kinder ohne Manieren es später im Leben schwer haben, wie sollen sie später in einem Team zurecht kommen, wenn sie keine Manieren haben? Und den Rabauken versuche doch im Guten beizukommen, indem Du sagst, dass es gewisse Regeln bei Euch gibt, die einzuhalten sind, dazu gehört auch, dass man nicht alles liegen läßt und nach dem Spielen auch aufräumt. Oder dass man Rücksicht nehmen muß und bestimmte Ruhezeiten einhalten muß. Ich habe Kinder eigentlich immer so erlebt, dass sie vernünftigen und wohlgemeinten Ratschlägen gefolgt sind, wenn man ihnen das Gefühl gibt, dass man sie wichtig nimmt und dass man sie für so gut erzogen hält, dass sie gewisse Regeln einhalten.
Was das Sprechen angeht, unsere Tochter hat sehr spät gesprochen, lag mit an ihrem Hörvermögen, was durch Mittelohrentündungen sehr gelitten hatte. Mit 5Jahren bekam sie logopädische Betreuung. Heute spricht sie sehr gut, von ihrem damaligem Sprachfehler merkt man heute nicht mehr die Bohne. Trotzdem fällt es ihr noch heute schwer, sich im mündlichen Vortragen hervorzutun bei ihrem Studium.
Dafür ist sie schriftlich umso besser (hat sie wohl von mir :) :? ).

Liebe Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

swedenlive

Re: Rückwanderung?

Beitragvon swedenlive » 15. Oktober 2008 21:48

Das ist der tollste Thread, den ich jemals in einem Schwedenforum gelesen habe. Das Thema ist ja gar nicht neu, aber diese Ehrlichkeit und Offenheit, die sind neu!

Ich bin wirklich begeistert über die Ehrlichkeit der Beiträge in diesem Thread, weil sie den beschriebenen Umständen in Schweden wirklich Rechnung tragen - und hoffentlich vielen anderen helfen, die mit einer Auswanderung nach Schweden liebäugeln bzw. diesen hilfreiche Anregungen geben können.

Bluell und Janaquinn: Wie ihr es sagt, genauso ist es. Da beisst die Maus einfach keinen Faden ab. Ich danke Euch für Eure Ehrlichkeit.

Zu Aelve

"Ich bin der Meinung, man kann intelligenten Kindern, wenn sie denn unterfordert sind, zuhause ja einiges zumuten, es gibt genügend Dinge wie Musik, Sport, Werken, Geschichte, Kunst, Gartenarbeit usw., womit man die Kinder fördern und fordern kann und ihnen Aufgaben geben kann, mit denen sie sich auseinander setzen können, damit sie damit hohe Anforderungen haben. "

Aelve, Du gehst offenbar von einer Hausfrauen-Ehe aus, die es so normalerweise in Schweden nicht gibt. Hier stehen nicht die Mütter mittags am Herd, kontrollieren nachmittags die Hausaufgaben und chauffieren die Kinder zu Aktivitäten oder bieten ihnen selbst nachmittägliche Aufgaben und Anregungen. In Schweden arbeiten Väter UND Mütter, beide oft ganztags. Kinder abgeben zu können ist dafür die wichtigste Voraussetzung. - Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Du, egal was kommt, Schweden ungemein idealisierend betrachtest. Und gerade bei Dir bin ich sehr gespannt, wie es wird, wenn DU tatsächlich mal DAUERHAFT in Schweden lebst.

Zu Sinlalu
"Aber zurück zum Ursprung , zu Snickare: Ich stimme Heike zu, vieles ist für Euch einfach ungewohnt. Ihr hattet keine Zeit Euch daran zu gewöhnen. Nun wird nichts besser, weil man sich daran gewöhnt. Man sieht es nur nicht mehr so deutlich. Das kann(!) hilfreich sein."

Du hast völlig recht: Nichts wird besser, weil man sich daran gewöhnt. Man sieht es nur nicht mehr so deutlich. Will man das? Kann das wirklich hilfreich sein? Ist man bereit, diesen Preis zu zahlen? Kann man sich so abstumpfen, dass man die eindeutig schädlichen und unerquicklichen Dinge einfach nicht mehr sieht? Ist das gut??

My five cents:
Wenn man sich als Eltern schulpflichtiger Kinder auf ein Leben in Schweden vorbereitet - und ich gehe davon aus, dass die allermeisten das gründlich tun - so liest man, forscht im Internet, bestellt sich Broschüren, kontaktet Institutionen usw und so fort. Was man nicht wissen und vor allem nicht im voraus erfühlen kann, ist was sich eigentlich wirklich hinter den Begriffen und Erläuterungen verbirgt. Das kann man nur erleben. Und daran verzweifeln oder aushalten oder nach (z.B. ideologiemotivierten) Leibeskräften ausblenden. (Das gilt wohl für jedes Land, in das man auswandert). Als wir 1997 unsere Auswanderung vorbereiteten (Internet war damals noch nicht verbreitet und wir hatten keins) lasen wir ALLES, was es in geschriebener Form auf Deutsch über Schweden zu lesen gab. Das hat uns aber nicht viel genützt bzw. nicht vor dem Realitätsschock bewahrt. Und in puncto Schule, Einsamkeit und Gesundheitssystem (und auch in puncto Wohnungen in den grossen Städten) ist es einfach ein echt harter Realitätsschock in Schweden.

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 22:07

Hallo Schwedenlive,

nur mal zu Deiner Information, ich habe immer gearbeitet, auch als die Kinder schulpflichtig waren. Niemals habe ich nur am Herd gestanden und darauf gewartet, dass die Kinder kommen und ich sie beglucken kann. Trotzdem habe ich sie nach der Arbeit zu Aktivitäten gebracht wie Musikalische Früherziehung, später dann zum Klavierunterricht im 20 km entfernten Ort. Habe sie zum Kirchenchor gebracht, zu Sportveranstaltungen und habe mich nebenbei noch ausgiebig mit Legasthenie befaßt, zig Vorträge besucht, Ehrenarbeit zu Gunsten anderer betroffener Kinder geleistet. Wenn man etwas will, dann geht es auch. Oder bist Du der Meinung, dass das in Deutschland besser geregelt ist? Besonders in Deutschland werden intelligente Kinder nicht besonders gut gefördert in den Schulen, weshalb soll es dann in Deutschland anders sein bei Unterforderung. Das Problem besteht dort und hier.
Ich mußte nach der Arbeit dann abends noch die Schularbeiten entweder nachschauen oder zusammen mit den Kindern erledigen, wenn sich Fragen auftaten. Und noch abends am Herd stehen und kochen.

Und ich weiß auch, dass es in Schweden Eltern gibt, die nicht den ganzen Tag arbeiten, sondern auch stundenweise und demnach dann noch Zeit aufbringen können, sich mit den Kindern zu beschäftigen und sie zu fordern. Wie ich jedoch Snickare verstanden habe, arbeitet sie noch nicht, deshalb mein Ratschlag die im Moment unterforderte Tochter zuhause zu fordern. Und um den Kindern zu Aufgaben oder Hobbies zu bewegen, da muß man auch nicht dabei sein, das können Kinder auch schon alleine, besonders wenn sie so intelligent sind, wie hier ja behauptet wird. Da reicht dann eine Heranführung an bestimmt Dinge.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Nina
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 23
Registriert: 13. September 2008 23:47
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Nina » 15. Oktober 2008 22:26

hej,

könnte es sein, dass du einen kulturschock hast?

das hier sind die symptome:
1. Stress aufgrund der Belastung, die notwendigen psychischen Anpassungsleistungen zu erbringen;
2. ein Gefühl des Verlustes in Bezug auf Freunde, Status, Beruf und Besitztümer;
3. ein Gefühl der Ablehnung, weil man sich von Mitgliedern der neuen Kultur abgelehnt fühlt oder diese selbst ablehnt;
4. Verwirrung über die eigene Rolle, über die Rollenerwartungen anderer, über Werte, über die eigenen Gefühle und die eigene Identität;
5. Überraschung, Angst und Empörung, nachdem man sich des vollen Ausmaßes der kulturellen Unterschiede bewusst wird;
6. Ohnmachtsgefühl, weil man meint, mit der neuen Umgebung nicht zurechtzukommen.

vielleicht ist das aber auch totaler blödsinn, dann vergiss, was ich geschrieben habe :oops:

Benutzeravatar
janaquinn
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2203
Registriert: 5. Oktober 2006 09:29
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Rückwanderung?

Beitragvon janaquinn » 16. Oktober 2008 08:09

Hej Swedenlive,
ich fände es klasse, wenn du dich vielleicht hier anmelden würdest, denn deine Beiträge sind wirklich gut und du könntest sicherlich vielen Auswanderungswilligen wertvolle und gute Tips geben...ist aber nur ein Vorschlag :wink: .

Und dann danke für die Blumen, sowohl natürlich für das Forum, die Beiträge dieses Threads und für mich :oops: .
Ich persönlich finde, Ehrlichkeit ist besser, als irgendein Land, egal welches, zu romantisieren und das reele Bild zu verklären. Auch wenn jeder einzelne es anders erlebt, es gibt sicherlich einige Foris, die mir widersprechen würden, was meine und auch Heike´s Beobachtungen betrifft, einfach weil sie es komplett anders erleben.

Ich bin nicht mal annähernd soo lange in Schweden wie z.B. du, JörgT, S-Nina ect...aber ich habe mittlerweile ein recht klares Bild von Schweden. Was nicht heissen soll, dass ich Schweden nicht mag oder alles einfach nur schlecht ist, denn das ist es defintiv nicht. Vieles ist einfacher und besser geregelt als in Deutschland, gerade die Behindertenpolitik ist in meinen Augen und als Persönliche Assistentin meines Sohnes wegweisend, auch wenn auch da mittlerweile Sparpläne in der Sprache sind.
Die Akzeptanz, die Hilfen durch den Staat ect....sind grossartig, daran kann sich Deutschland auf jedenfall ein Beispiel nehmen. Nach fast 7 Jahren deutscher Behindertenpolitik und Leben mit der deutschen Gesellschaft weiss ich, wovon ich spreche.

Aber es gibt eben auch genügend Kritikpunkte in Schweden, welche einfach nicht verschwiegen werden sollten und auch nicht beschönigt werden sollten: eine Pflegegarantie, die definitiv nicht greift, weil einfach zu wenig Ärzte vorhanden sind, ein Gesundheitsystem, welches ebenfalls an Ärztemangel leidet, selbst hier in Stockholms-Län, ein Schulsystem, welches einfach nicht immer Gold ist, weil es nicht nur lernschwache Schüler gibt, sondern auch Kinder, welche viel schneller und einfacher lernen als andere.
Für mich als ehemalige Schülerin wäre das schwedische Schulsystem besser gewesen, weil ich gerade in Mathe Probleme hattte, in Deutsch war ich dafür ein Ass....da hätte ich mich also gelangweilt, hätte ich auf langsamere Schüler warten müssen.
Und warum, sollte ich es still akzeptieren, nur weil meine Kinder und ich "nur" Einwanderer sind? Wir zahlen unsere Steuern, so wie jeder andere Otto-Normal-Schwede auch.


@Christa: Natürlich gibt es Eltern, wo ein Partner nur wenige Stunden arbeitet, aber das ist eher eine Seltenheit. Die meisten schwedischen Paare, die wir kennen, sind beide berufstätig und zwar Vollzeit, die Kids sind bis 17.00 Uhr in der Dagis und danach beginnt der Freizeitstress: Vereine, Fahrgemeinschaften ect.... Am WE ist mehr Zeit für die Kinder da, ist bei uns auch so. Unter der Woche sind wir genauso im Stress, obwohl meine Schwester und ich daheim arbeiten, aber wir haben genug Termine gerade mit Yannic, dass wir abends einfach nur total kaputt sind und nicht mehr viel los ist mit spielen o.ä.
Man nimmt natürlich vieles ruhiger ect. aber Terminstress gibt es in Schweden genauso. Wir hatten allein in den letzten 4 Wochen mind. 10 Termine wegen Yannic und es kommen noch mind. 6-7 in den nächsten Wochen bis Weihnachten auf uns zu.
Und wenn ich meinen Mann sehe, der JEDEN Morgen um 5.30 Uhr aus dem Haus geht und meist erst gegen 17-18.00 Uhr daheim ist....sind das natürlich andere Arbeitszeiten als in Deutschland, aber Stress ist es trotzdem. Es gibt auch Tage, da kommt er garnicht heim, sondern schläft im Hotel, weil es abends so spät, dass sich eine Heimfahrt nicht mal lohnen würde. Der Unterschied zu Deutschland: Wir sind mit der Gesamtsituation zufriedener, daher können wir damit leben und haben uns damit arrangiert. Ausser was meine Kinder betrifft, da werde ich auch weiterhin sehr "deutsch" bleiben, denn ich möchte nun mal nur das Beste für beide und das ist gerade genug genug....eine typische Mutter eben :lol:

LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

hansbaer

Re: Rückwanderung?

Beitragvon hansbaer » 16. Oktober 2008 08:56

janaquinn hat geschrieben:eine Pflegegarantie, die definitiv nicht greift, weil einfach zu wenig Ärzte vorhanden sind, ein Gesundheitsystem, welches ebenfalls an Ärztemangel leidet, selbst hier in Stockholms-Län,


Ich glaube, es müsste eher heißen "gerade hier in Stockholms Län". Eine Statistik konnte ich nicht finden, aber mir wurde jetzt schon ein paarmal davon erzählt, dass es gerade hier besonders schlimm mit den Wartezeiten wäre. Das Gesundheitssystems Schwedens an sich ist ja nicht schlecht, und wenn man mal drankommt, ist die Qualität hoch. Es leidet aber an einer chronischen Unterbesetzung.

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Aelve » 16. Oktober 2008 09:24

Hallo,

auch wenn für mich persönlich Schweden das Land meiner Träume ist, behaupte ich nicht, dass dort das Paradies herrscht.
Es gibt ein gutes Sprichwort:
das Leben ist kein Leben, wer dennoch lebt, der wird bestraft.

Wenn ich auswandern würde, dann wäre mir von vorneherein klar, dass ich auch die Nachteile eines ansonsten guten Systems mit übernehme. Es gibt kein Ding ohne 2 Seiten und was für den einen gut ist, ist es für den nächsten noch lange nicht.
Deshalb kann man auch nicht behaupten, dass das Schulsystem wie es in Schweden gehandhabt wird, nun für jeden das Non Plus Ultra ist. Ob es für den einen besser für den anderen schlechter ist, liegt in jedem persönlichen Bereich, den man hier auch nicht so auseinander nehmen kann.
Auch in Deutschland stöhnen die Eltern hochbegabter Kinder, dass die Kinder nicht genügend gefordert werden, das ist nicht nur in Schweden der Fall. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass in Deutschland viel öfter sehr begabte Kinder nur mittlere Schullaufbahnen durchlaufen müssen mit noch schlechteren Aussichten auf eine spätere gute Anstellung als in Schweden. Es gibt einfach kein System, wo sich niemand langweilt, wo von niemanden mal mehr verlangt wird, als ihm möglich ist.
Das liegt an der einzelnden Interessenlage der Schüler, danach was zuhause vielleicht Priorität hat, wo sich das Kind schon mit befaßt hat und sattelfest ist.
Es mag trotzdem Überflieger geben, die alles können, aber die meisten Schüler haben ihre verschiedenen Stärken und Schwächen, müssen für ein Fach mehr tun für das andere Fach weniger.
Der Vorteil, dass man in Schweden allen Kindern die gleichen Bildungschancen geben will, bringt nun einmal den Nachteil für die Schüler, die in bestimmten Dingen schon weiter sind. Das ist einfach so und in Deutschland auch nicht besser.
Aber was ich bemängel in Deutschland ist die Tatsache, dass man sovielen Kindern gar nicht erst gute Bildungschancen einräumt. Dass die meisten Schüler nach 1 oder 2 Schuljahren schon ungerne zur Schule gehen, dass die Lernfreude ausgetrieben wird. Dass Lehrkräfte in Deutschland einen Freifahrtsschein haben, nicht umsonst ist der Beruf des Lehrers sehr , sehr negativ besetzt, das kommt ja nicht von ungefähr.
Ich hätte mir früher auch nie träumen lassen, dass sich das Schulsystem in D so schlecht entwickelt hat, wie gerade in den letzten Jahren, denn ich persönlich hatte keine schlechte Schulzeit und war und bin deshalb ständiger Bildung sowie Fortbildung mehr als aufgeschlossen. Ich persönlich könnte es besser ertragen, dass unsere Kinder sich etwas langweilen, als dass ich mit ansehen muss, dass sie von Lehrkräften drangsaliert werden, herabgewürdigt, diskriminiert und der Lernfreude beraubt. Das aber nur, weil ich eben diese schlechten Erfahrungen durchlaufen mußte, Ihr die Ihr in Schweden seid, habt eben stattdessen anders gelagerte Probleme, die Ihr auch selbst lösen müßt und die Euch leider keiner abnehmen kann.
Nur Euch aufzeigen, dass Ihr bei den in Kauf zu nehmenden Nachteilen evtl. doch ganz gut liegt und es hätte woanders noch schlimmer sein können.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Imrhien » 16. Oktober 2008 11:03

blueII hat geschrieben:Außerdem, hast Du mal über die Konsequenzen "unserer" anderen Erziehung nachgedacht?


hej heike,
mach Dir darüber keine Gedanken. Oder bzw. weniger unangenehme Gedanken. Kinder können und müssen lernen, dass es überall Unterschiede gibt. Und sie können ziemlich gut unterscheiden. Und nicht zu verachten, sie werde es Dir irgendwann danken. :) Kinder merken schon, dass es nicht nur ein Nachteil ist, wenn die Eltern sie etwas intensiver Erziehen. Mir fällt kein anderes Wort ein...
Aber was zu Deinen Erfahrungen:
Ich glaube, auch hier habe ich unendlich viel Glück. Natürlich sehe ich hier die von Dir uns Jana angesprochenen Beispiele. Ja, manches ist lockerer und ich wundere mich immer mal wieder. Aber so richtig schlimm habe ich es nicht erlebt. Die Kinder die zu uns zu besuch kommen, sind anständig erzogen. Ihre Eltern achten darauf, dass sie nichts zerstören, sich benehmen und im Streit eine Entschuldigung "rausdrücken" :)
Auch im Kindergarten erlebe ich, dass all diese Dinge beachtet und geachtet werden. Die Kinder sollen lernen zu teilen, sich zu streiten (ohne Fäuste) und bekommen Tischmanieren beigebracht.
Es kann also nicht überall so sein, wie Du/ihr es leider erlebt.
Ich habe auch nicht nur ausländische Kinder hier, nein auch "echte" Schweden. Wie gesagt, ich kenne auch Eure Beispiele, allerdings eher vom entfernten sehen in der Stadt, der öppna förskola und so. Aber nicht im direkten Bekanntenkreis, zum Glück.
Ich hoffe, dass Ihr bald andere Kinder und Familien trefft, denn ich kann mir vorstellen, dass Dich das wahnsinnig macht. Das würde es mich auch tun. Kleinere Unterschiede steckt man ja gut weg. Aber sowas??? Wobei ich auch sagen muss, dass ich auch schon mal durch Strenge im Kidnergarten auffalle...

Grüße
Wiebke

blueII
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 763
Registriert: 4. Mai 2008 21:43
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Rückwanderung?

Beitragvon blueII » 16. Oktober 2008 11:13

Hallo Christa
Du bist mir ja lieb und teuer aber ein wenig ist bei Dir wirklich die schwedische Blümchenwelt aktiv. Sei mir bitte bitte nicht böse, aber die Zustände hier lassen sich nun mal nicht weg argumentieren.
Du hast Deine Kinder zur musikalischen Früherziehung, zum Sport und zum Klavier geschickt.??..ja das hatte ich mir auch so vorgestellt als ich mein Kind erwartet habe. Aber jetzt erinnere Dich mal genau, WANN hast Du angefangen zu arbeiten (Vollzeit) um diese Aktivitäten mit Deinen Kindern trotzdem zu gestalten? Ab 3.Klasse, 4.Klasse oder ???

Wir reden hier von Pampers-Kindern, kleine Kinder von 11/2 Jahren!!!!!!! die von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr ganztagsbetreut werden!! Wenn die abends abgeholt werden passiert nicht mehr viel, was in der Daggi nicht geleistet wird, wird auch kaum außerhalb nachgeholt(weder Erziehung noch Förderung), wann denn auch?? Kein Kinderschwimmen am Nachmittag, oder Spielgruppe an Mama´s Zipfel!
Ich habe mich erkundigt (meine ist 4 Jahre) und Möglichkeiten gesucht ihr Aktivitäten zu bieten.
Resultat:
Turnen: Mo. abends um 18 Uhr..ok ein wenig knapp mit der Zubettgehzeit aber realisierbar.
Reiten: Samstags!! um 10uhr,
Tanzen: Sonntags!! um 14 Uhr.
Warum solche Zeiten, warum Kurse am WE?? weil sonst keine Familie diese Aktivitäten wahrnehmen kann, weil es kein Familienleben unter der Woche gibt!! Mache Dir bitte mal solch ein Leben klar. Du siehst Deine Kinder am Abendbrottisch und das ist alles. Und das, ab einen Alter von 1,5 Jahren!!! Solche Zustände sind mir in D nun wirklich nicht bekannt, vielleicht einige wenige der älteren, so ab 5 Jahre, aber alles andere wäre höchstens eine Ausnahme und durch das Betreuungssystem in D auch nicht realisierbar. Halte Dir das vor Augen und versuche Dir die Konsequenzen daraus vorzustellen.

Das Schulsystem wird ja bereits in einem anderen Thread diskutiert, deshalb will ich darauf gar nicht weiter eingehen, aber Wiebke hat dort die Situation beschrieben, wie schwer kontrollbier eine Klasse ist, ohne Handhabe der Noten als Druckmittel, gepaart mit dem zügellosen Verhalten der Kinder, als Resultat einer inkonsequenten Erziehung, siehe oben.

swedenlive schrieb:
Das ist der tollste Thread, den ich jemals in einem Schwedenforum gelesen habe. Das Thema ist ja gar nicht neu, aber diese Ehrlichkeit und Offenheit, die sind neu!


und schön dass Du in wieder aktiviert hast, Mod. Jana soll mal beide Augen zudrücken :lol:

schwedenlive schrieb:
Du hast völlig recht: Nichts wird besser, weil man sich daran gewöhnt. Man sieht es nur nicht mehr so deutlich. Will man das? Kann das wirklich hilfreich sein? Ist man bereit, diesen Preis zu zahlen? Kann man sich so abstumpfen, dass man die eindeutig schädlichen und unerquicklichen Dinge einfach nicht mehr sieht? Ist das gut??


Nein, mit gewöhnen sollte man auch nicht abstumpfen verstehen. Ich verstehe unter gewöhnen, eine Form sich anpassen aber seinem Lebensziel gerecht bleiben. Die Schwachstellen erkennen, den Schock verarbeiten und es für sich ändern, eine andere alternative Lebensform finden. Der Weg ist anstrengend, weil es auch Frustration und Enttäuschung bedeutet und auf Zustimmung der Gesellschaft braucht man nicht zu warten, aber es befriedigt vielleicht soweit, dass es einem mit der Gesamtsituation versöhnt, sodaß in letzter Konsequenz die Rückwanderung nicht notwendig ist.

In unserem Beispiel, ich lehne eine Ganztagsbetreuung für mein Kind ab. Trotzdem braucht sie Spielkameraden und Förderung. Zu Beginn hatte ich mir überlegt einfach aktiv mir Kinder nach Hause zu holen. Dh. ich nehme Spielkameraden mittags aus dem Kiga mit, dessen Eltern eh noch arbeiten oder hole Nachbarskinder aus dem Fritids ab. Eine, durch das Verhalten der Kinder -wie beschrieben- sehr nervenaufreibende Situation für mich, da ich keinesfalls gewillt bin - wie vorgeschlagen - eine komplette Erziehung bei manchen Kindern nachzuholen, nur um Haus und eigenen Nachwuchs zu schützen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, eine kleine Gruppe "normale" Kinder zu erwischen, mit denen meine Tochter spielen kann und möchte. Und wenn dass nicht der Weg ist, so muß ich mir einen anderen suchen. Auf keinen Fall käme für mich Anpassung in Frage, aber ich bin Realist genung um zu wissen, dass ich die allgemeine Situation nicht ändern kann, ich muß nur meine Lücke finden.

My five cents:
Wenn man sich als Eltern schulpflichtiger Kinder auf ein Leben in Schweden vorbereitet - und ich gehe davon aus, dass die allermeisten das gründlich tun - so liest man, forscht im Internet, bestellt sich Broschüren, kontaktet Institutionen usw und so fort. Was man nicht wissen und vor allem nicht im voraus erfühlen kann, ist was sich eigentlich wirklich hinter den Begriffen und Erläuterungen verbirgt. Das kann man nur erleben. Und daran verzweifeln oder aushalten oder nach (z.B. ideologiemotivierten) Leibeskräften ausblenden. (Das gilt wohl für jedes Land, in das man auswandert). Als wir 1997 unsere Auswanderung vorbereiteten (Internet war damals noch nicht verbreitet und wir hatten keins) lasen wir ALLES, was es in geschriebener Form auf Deutsch über Schweden zu lesen gab. Das hat uns aber nicht viel genützt bzw. nicht vor dem Realitätsschock bewahrt. Und in puncto Schule, Einsamkeit und Gesundheitssystem (und auch in puncto Wohnungen in den grossen Städten) ist es einfach ein echt harter Realitätsschock in Schweden.


Ein wichtiger Punkt den Du ansprichst. Sachen/Zustände/Beschreibungen die einem bei der Vorbereitung merkwürdig erscheinen, sollte man nicht ausblenden. Ein mulmiges Gefühl beim Durchlesen von Informationen oder ein Stutzen sollte einen dazu auffordern, sich noch tiefer zu informieren, da die Realität immer ein wenig härter ist, als die Vorstellung.
Dies soll Auswanderungswillige nicht abschrecken ihren Weg zu gehen, doch sie vor einigen bösen Überaschungen schützen.

LG
Heike


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast