Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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vinbär
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 19. November 2008 10:48

Ich empfinde die Situation in beiden Ländern als Extreme: in D kaum Möglichkeit einer regelmässigen Berufstätigkeit nachzugehen und eine gute Kinderbetreuung zu haben. In S keine bis kaum eine Wahlmöglichkeit länger als 1-1,5 Jahre beim Kind zu bleiben.

blueII
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon blueII » 19. November 2008 11:11

Hej

danke Blåbärtroll, dass Du Deinen Gedankenfaden auch "öffentlich" schreibst :wink: .

Das ist für mich alles sehr interessantes "Insiderwissen".
Da es bei uns leider nicht so reibungslos läuft. Es beginnt damit, dass das Personal nur 70% wirklich geschult ist, die anderen sind Quereinsteiger und auch wirklich oftmals Mütter, die als "Ersatz" einspringen und endet für mich in der verbrieften Regelung gewisse Ansprüche zu erzielen, sodass ich dort auch mal "nachhaken" könnte. :twisted:
Auf die Idee wäre ich vorher nie gekommen, mal nachzufrragen wie geschult dass Personal ist, bis ich über den Stand mehr durch Zufall erfuhr. :roll: . Einer der Punkte auf der Fragenliste bei BEsichtigungen der Schulen ist nun für mich: Ausbildung des Personals!!

Leider sind solche Gespräche seitens des Personal an dem Kiga vorort nicht so erwünscht, wie Du Wiebke es erfährst.
Außer dem Kind geht es gut und hat prima gegessen, sind den Damen leider nur schwer Informationen zu entlocken.
Die Anwesenheit oder Abrufbarkeit von Spezialpädagogen ist mir bisher entgangen.
Diesbezüglich sehe ich ein riesen Manko, weil so manches Kind mit Verhaltensauffälligkeiten im Endeffekt so belassen wird, weil die angewandte Pädagogik kaum greift es aber auch nicht auf das Kind abgestimmt respektive geändert wird.

Und ich stimme S-Nina und Vinbär voll zu. Die mangelnde Wahlmöglichkeit ist hier das größte Problem.
Wie alle extreme, die eine gewisse Breitspanne nicht zulassen. Hinzu kommt die gesellschaftliche Verankerte Meinung, dass alle arbeiten sollten.
Eine Bekannte von mir ist 3fache Mutter von 1,5, 3 und 7 jährigen Kindern. Der Mann ist kaum greifbar, da er viel auf Dienstreisen ist. Sie will und müßte aus finanziellen Gründen nicht arbeiten, weiß auch gar nicht so genau, wie sie es als fast alleinerziehende von 3 kleinen Kindern schaffen soll.
Aber der Verlust der Rente und der nicht unerhebliche gesellschaftliche Druck macht ihr schwer zu schaffen, wie sie mir erzählte.

Wie in Allem wäre ein gesundes Mittelmaß natürlich besser. Es fällt mir sehr schwer, diese 100% Kinderverwahrung zu aktzeptieren, auch in dem Wissen über die poltischen Hintergründe dieser Regelung.

LG
Heike

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 19. November 2008 12:38

Ich glaube, ich habe wieder mal Glück gehabt. Bisher jedenfalls haben wir keinen Stress im Kiga, wir dürfen alles fragen und erhalten freundlich Auskunft.
Bei uns sind alle ausgebildet, ausser vielleicht mal ein Vikarie, allerdings ist der/die dann nur kurz da. Selbst da haben die ein paar Springer, die auch entsprechende Ausbildung haben. Es gibt allerdings viele Praktikanten, die haben keine oder sind mittendrin. Das finde ich aber nicht schlimm, da die nie ganz alleine sind.
Was das Arbeiten angeht, bei uns im Ort gibt es ein paar wenige Familien, die sich den Luxus gönnen und daheim bleiben, bzw. einer bleibt daheim.
Ich kenne alleine bei mir im Ortsteil drei Familien näher. Bei einer bleibt der Mann daheim, er hat noch soooo viele papaledigtage, dass er bleiben kann. Die Frau arbeitet fast 100%.
Eine andere Familie hat die Aufteilung anders. Da ist die Frau daheim, allerdings auch weil das kleinere ein Baby ist. Das größere Kind ist fast 3. Sie geht ab Januar in den Kindergarten.
Die dritte Familie ist ebenfalls so. Da ist die Frau daheim. Das Kind ist fast 2 und sie arbeitet für ein Taschengeld bei einem Supermarkt, allerdings nur so mal am Wochenende für 4 Stunden oder mal abends, wenn der Vater daheim ist.
Sie sind Ausnahmen, das wissen sie selber. Sie finden es auch nicht besonders schön, dass sie damit solche Exoten sind. Aber, sie stehen zu ihrer Meinung, dass sie es für ihre Kinder richtig finden und so beibehalten wollen. In allen drei Fällen ist es aber so, dass entsprechende Gehälter vorhanden sind. Auch das ist nicht unbedingt normal.
Man kann aber beobachten, dass ein klitze kleiner Trend in Richtung längere Betreuung daheim, vorliegt.
Vielleicht ist das nicht überall in Schweden so. Ich bin erfreut, dass es hier so ist. Nicht weil ich gegen die Betreuuung der Kinder bin. Meine sind selber recht früh gegangen. Einfach weil ich auch die Wahlfreiheit gut finde. Nicht jede Familie muss es so machen wie Nachbars.

Grüße
Wiebke

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 19. November 2008 13:52

Liebe Wiebke,

das ist das Wort, was ich unterstreichen kann: Wahlfreiheit.

Es sollte optimal so sein, dass jeder die Möglichkeit zu wählen, ob er einer Arbeit nachgehen will, ob er einige Jahre der Kindererziehung widmen will, ob er Karriere machen will und ob die Frau oder der Mann eine zeitlang aussetzen will.
Das ist für mich Gleichberechtigung und liberal, wenn ich die Möglichkeit habe, zu wählen, wie ich es in meinem Leben handhabe.

Grüße Dich Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon McGarry14101976 » 4. Dezember 2008 19:42

Das System ist krank dort oben scheinbar, ich habe auch gelesen, dass etliche Jugendliche mehr dort oben suizidgefährdet sind als in anderen Ländern.

Gott sei Dank kann ich nach dem durchgelesenen nur sagen, lebe ich in Österreich, wo zwar auch etliches schiefläuft, aber wenn man fortgeht lernt man sicher leichter Leute kennen als es dort oben wahrscheinlich ist.

Wie gesagt ich habe viele Schweden so in Erinnerung von den internationalen Kursen, dass sie fürchterlich präpotent sind und sich mit Südländern nicht abgeben wollen :-( Obwohl ich in Ystad wenn ich Leute fragte, doch nett fand, da sie weiterhalfen.

Ob ihnen das in der Schule auch schon beigebracht wird?

Hans

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Hans » 4. Dezember 2008 20:54

Präpotent

Was bedeutet das?

Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon McGarry14101976 » 4. Dezember 2008 21:22

Präpotent = arrogant.

Hans

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Hans » 4. Dezember 2008 21:54

Danke

Noch nie gehört.
Laut wikipedia
http://de.wiktionary.org/wiki/pr%C3%A4potent

Also was ist richtig?

Fragt
H :smt006 ans

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Fanny » 4. Dezember 2008 22:36

Hallo Hans,

"präpotent" kommt aus Österrreich und bedeutet überheblich, also das, was McGarry auch geschrieben hat.
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)

Sabine

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Sabine » 5. Dezember 2008 10:36

Blåbärtroll hat geschrieben:
Genialer Weise gibt es an einigen Schulen/Vorschulen Klassenkonferenzen/Gesprächsrunden, in denen Kinder ueber diese Themen sprechen, eventuell Aggressionssituationen auch als Rollenspiel wahrnehmbar machen, ueber die Gefuehle, die dabei entstehen reden und Regeln und Konsequenzen gemeinsam festlegen.
Wieviel habt ihr ueber Konfliktbearbeitung/-Lösung in der Schule (Schweden und Deutschland) gelernt oder gelehrt?

Hier an unserer Schule bekommen die Kinder regelmäßig einen Bogen,auf dem 10-15 Fragen stehen,die von "sehr gut" bis "sehr schlecht" beantwortet werden können.
U.a. wird danach gefragt ob das Kind sich im Klassenverband wohlfühlt(wenn nicht-woran es liegt)
Ob es körperlichen oder seelischen Angriffen ausgesetzt sei...usw.
Diesen Bericht gibt es dann beim halbjährlichen Entwicklungsbericht zur Einsicht.
Es gibt auch Rollenspiele,in denen die Kinder verschiedene Situationen erleben und anschließend über ihre Gefühle sprechen können.

Ich muß dazu sagen,das unsere Schule ziemlich klein ist und es keine "richtigen" Gewaltausbrüche gibt.
Natürlich gibt es dort auch Streit,aber nie in extremen Ausmaßen.
Was ich besonders schön finde:
Es wird geredet UND sich anschließend entschuldigt.
Es ist meiner Tochter sofort aufgefallen,das die Mitschüler hier sehr viel netter miteinander umgehen.
Was ja auch Zufall sein mag-Will ich aber nicht glauben :wink:

Viele Grüße
Sabine


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