Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 15. November 2008 11:13

Liebe Heike,

allmählich gewinne ich den Eindruck, dass Du jetzt zu weit gehst, wenn Du mir unterstellst, meine Ratschläge wären fahrlässig erteilt. Jeder ist seines Glückes Schmied, es wird niemand auswandern, nur weil ich das Schulsystem in Schweden lobe mit seinen Vorteilen und seinen Schwächen. Wenn hier Eltern schreiben, sie möchten für ihre Kinder ein besseres Leben erreichen, dann umschließt das mehr als nur Schule. Es schließt auch mit ein, dass man mehr Zeit für die Kinder hat, zumindestens am Wochenende und dass man eine Betreuung hat, wo es in Deutschland sehr dran hapert. Es schließt mit ein, dass es in Schweden ruhiger zugeht, nicht so hektisch wie in Deutschland. Es umfaßt auch die Tatsache, dass Häuser dort billiger sind, dass mehr Raum auf dem Lande für die Kinder zur Verfügung steht. Die Eltern, die hier nachfragen, wandern ja nun nicht aus, weil ich das Schul-System in Schweden humaner finde als es in Deutschland allgemein ist. Sie haben sich selber erkundigt, sie haben sich mit anderen Leuten evtl. ausgetauscht, die ebenfalls von dem schwedischen Modell begeistert waren.
Vielleicht sind die Vorstellungen und die Wünsche der Anfragenden an Schule ganz anders als Eure Vorstellungen, die Ihr nicht so zufrieden mit dem Schulsystem oder gerade der Schule Eures Wohngebiets seid? Laßt doch den Auswanderwilligen selber entscheiden, was dran ist an einem System, welches zwar für alle gerecht sein soll, aber nach Eurer Meinung doch nicht gerecht ist, weil das Niveau angeblich viel zu niedrig ist.

Es ist auch nicht schön, wie man an der Kritik von Anfragenden in den anderen Threads sieht, in einem Forum für Schweden plötzlich nur noch lesen zu müssen, dass es in Schweden mehr Nachteile als Vorteile geben soll.

Nehmt nicht Eure schlechten Beispiele als allgemeingültig für Schweden hin, in jedem Land der Erde macht man im Laufe seines Lebens gute Erfahrungen sowie schlechte Erfahrungen, auf die Menge kommt es dabei an. Und wenn vieles optimal ist, dann steckt man auch ein paar Widrigkeiten besser weg. Wer glaubt, wenn er auswandert, dann bekommt er ein sorgenfreies Leben geliefert, der hat keine Lebenserfahrung und wird schnell merken, dass er nur die Probleme geändert hat als er umzog. Evtl. aber stellt er auch fest, dass für seine Situation ein Umzug nach Schweden mehr als gelohnt hat. Und das haben hier im Forum ja auch sehr viele ausgewanderten Deutschen bekräftigt.


Grüße Aelve
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( Goethe)
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon blueII » 15. November 2008 11:17

kein Kommentar mehr von mir, Aelve!!!!!!

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janaquinn
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 15. November 2008 12:42

Hej Christa,
das Problem, welches viele hier einfach haben ist folgendes: Du schliesst von einigen positiven Hören-Sagen-Geschichten auf ein Land, welches 1,5mal grösser ist als Deutschland. DAS kann man einfach nicht, weil es überall anders aussieht..genauso wie in Deutschland.
Ich finde in Deutschland ebenso grossartige Schulen, wie ich sie in Schweden finden kann. Allerdings ist da wieder frage, ob der Anfahrtsweg für mein Kind überhaupt tragbar ist. Wenn mein Kind täglich 60-70 km in eine Schule fahren muss, weil sie besser ist als die nächstgelegene Schule...muss ich einfach die VOr-und Nachteile abwiegen. Unterm Strich hätte mein Kind täglich einen Schulweg von mind. 2h, wenn es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist und auch wenn ich es fahren würde, wäre es mind. 1h für die Hinfahrt. Frage: Würdest DU das deinem Kind zumuten? Im Sommer ist es möglich, aber im Winter, wo es teilweise 15.00 Uhr stockfinster und eisigkalt ist???

Ich glaube dir gern, dass deine Bekannten gute Erfahrungen gemacht haben, aber wie waren die Schulen vorher in Deutschland?? Waren es gute deutsche Schulen oder gehörten sie zu denen, in die man Kinder eher ungerne schickt? Bei letzerem kann ich mir vorstellen, dass man sie als gut befindet.

Ein persönliches Beispiel: Wir hatten in Huddinge eine wunderbare und grossartige Schule, mein Sohn hat sich dort wohlgefühlt, er hatte Freunde, wurde von Beginn an akzeptiert und machte wunderbare Fortschritte.
Als wir uns seine derzeitige Schule anschauten, war ich ensetzt: muffiger Geruch, dunkle Räume, kaum Bewegungsfreiheit und die Kinder werden dort nur aufbewahrt.
Die Komune machte uns den Vorschlag, dass Yannic bis zu den Sommerferien noch in die alte Schule gehen kann, was aber auch einen täglichen Schulweg von ca. 2h beeinhaltet hätte..einfach zuviel für mein Kind. Also mussten wir ablehnen, auch wenn wir wussten, dass es nicht de beste Schule für Yannic ist. Ab dem gleichen Zeitpunkt begann der Kampf mit der Kommune um einen Schulwechsel, der über ein halbes Jahr gedauert hat, der zwar gesichert ist, wo aber Södertälje, als einzige Kommune, den Transport nicht übernehmen will. Er muss aber gefahren werden, weil wir nur einen Führerschein und ein Auto haben, und ich ihn nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann und dann noch 2km durch den Ort fahren kann. Ausgestanden ist es also noch nicht. Und es handelt sich um einen Weg von 15(!!!!) km und nicht um eine Weltreise.

Viele deiner Argumente, wie billige Häuser sind auch nicht wahr. Die Zeiten wo man billige Häuser bekommt sind vorbei, unter 2 Mill. Kronen gibt es nichts mehr und wenn dann Bruchbuden oder die Häuser stehen in einsamen Gegenden, wo keiner hin will, weil es irgendwo im Nirgendwo ist.

Viele aus dem diesem Forum leben in Gegenden, wo sie die Schulen nehmen müssen, die da sind. Sie können ihre Kinder nicht 2h durch die Gegend fahren, in der wagen Hoffnung, dass die neue Schule besser ist und wenn nicht, die Kinder wieder raussreisen.
Es gibt in Schweden das Anrecht auf Unterricht in der Muttersprache, aber dafür muss erstmal ein Lehrer und dementsprechend auch Kinder, soviel ich weiss mind. 5, da sein. Wenn das nicht ist, passiert nichts.

Wie gesagt, deine Bekannten hatten viel Glück mit ihrer Schule, vielleicht auch andere, hier im Forum, ABER bitte bitte akzeptiere einfach, dass Schwedens Schulsystem nicht mehr perfekt ist. Wenn mittlerweile selbst die schwedischen Zeitungen und auch die Politiker Alarm schlagen....wieviele Beweise willst du denn noch??

Dieses Land hat sicherlich viele Vorteile, aber das Schulsystem gehört nunmal nur bedingt dazu. Und wenn es nach mir ginge, würde ich die Übernahme des finnischen System´s befürworten, auch wenn da nicht alles Gold ist was glänzt.

LG JANA
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nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 15. November 2008 12:45

Ich vermisse hier oben in der Schule, neben einem höheren Niveau, die Unterstuetzung in der Erziehung zu eigenständigen, selbstdenkenden, reflektierenden, kritikfähigen Menschen, die einen Anspruch an sich selber stellen und lernen Verantwortung zu uebernehmen. Aber das wäre wahrscheinlich nicht erwuenscht.


Traue mich schon gar nicht mehr noch was zu dem Thema zu sagen - möchte dennoch dem obigen Posting zustimmen, das es meiner Meinung nach den Kern der Sache trifft.

Man möchte nicht "selbst denkende Menschen" und schon gar keine "kritikfähigen" - da diese ja auch mal anders denken bzw. sich anders äußern könnten als die "Mehrheit". Das ist einfach eine Tatsache, an der man, wenn man nach Schweden zieht, nicht so leicht vorbei kommt - hier darf man nur "individuell" sein, wenn es in einen gewissen Rahmen passt.

Konsens ist wichtig - und es wird hier so lange diskutiert - bis ein solcher "scheinbar" erreicht ist!
Das Eintrainieren dieser schwedischen Haltung - wird auch manchmal mit "Diplomatie" oder "Coolness" verwechselt - beginnt schon im Kindergarten, setzt sich fort in der Schule und jeder, der hier einige Zeit lebt, wird das auch nach und nach an seinem Arbeitsplatz feststellen. Es setzt natürlich gute bis sehr gute Sprachkenntnisse voraus, denn es dauert schon eine Weile, bis man lernt, die oft sehr leisen Zwischentöne herauszuhören ...

Wenn man das nun auf die Schule überträgt - dann versteht man auch, dass hier VIELE SCHWEDEN zwar der Meinung sind, ihr MOMENTANES Schulsystem bedarf der Verbesserung - aber es widerspricht natürlich auch, bis auf einige wenige - Glada hat ja mal einen Artikel von DN eingestellt - der schwedischen Haltung zuzugeben, dass man irgendwann doch mal "versagt" hat.

Ausgehend von meiner persönlichen Situation kann ich nicht bestätigen, dass ALLES an der schwedischen Schule so schlecht wäre - nein - im Dagis und bis zur 6. Klasse fand ich das Meiste in Ordnung. Ab der 6. Klasse hätte ich mir mehr Leistung/Anforderungen gewünscht und nun hoffe ich darauf, dass mein Sohn in der 8. und den folgenden Klassen so viel Wissen erlangt, dass er sich später auch außerhalb Schwedens gut "behaupten" kann.

Heikes Schilderungen kann ich teilweise nachvollziehen - da selbst erlebt - oder zumindest von anderen so gehört/bestätigt.

In Schweden kommt es darauf an, WO man wohnt - es gibt immense Unteschiede Stadt/Land - Region/Region - oder in der Stadt je nach Stadtteil. Ganz grob - ganz pauschal - in ganz ländlichen Gebieten - außerhalb der Ballungsräume - Malmö/Göteborg/Stockholm - muss man, was Schule anbelangt, einfach das nehmen, was geboten wird - da gibt es KEINE AUSWAHLMÖGLICHKEITEN - und das fängt bei uns - in Hallands Län - schon hinter Kungsbacka an.

Das kann dann schon reine Glücksache sein - und es gibt sicher, auch GLÄNZENDE Beispiele, wo das schwedische Schulmodell HERVORRAGEND funktioniert - z. B. vielleicht eben in Älvsered, wo Aelve eben ihre Bekannten hat. Dort mag die Welt ja in Ordnung sein - aber das ist nun mal nicht GANZ SCHWEDEN!

AUSSERDEM lässt sich das schwedische Schulsystem von 1970 ABSOLUT nicht mit dem von heute 2008 vergleichen - ein Schwede, der noch 1980 oder 1990 Abitur gemacht hat - findet sich in der heutigen Schule gar nicht mehr wider. Der zurzeit zu beobachtende TREND - es geht wieder zurück in Richtung 1970 - ein Beispiel sind dafür die Noten - gleiches System wie früher - und auch sollen wieder Lehrlinge ausgebildet werden.

S-nina

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Blåbärtroll » 15. November 2008 16:52

@ S-Nina

Ja, leider sind diese Wahlmöglichkeiten nur sehr beschränkt. Es besteht da oft nur die Möglichkeit zusammen mit anderen etwas eigenes auf die Beine zu stellen, was durchaus einen immensen Kraftakt bedeutet. Ich kenne da ein Beispiel aus Deutschland.

@ glada, vinbär und bluell

Ich erlebe die Aggressivität, Mobbing und die Ablehnung von Kindern gegenueber Kindern auch fast jeden Tag.
Dies war auch und ist auch in D der Fall. Es gibt hier und dort dann Pädagogen, die daraufhin mit den Kindern Regeln aufstellen und gemeinsam ueber die Konsequenzen sprechen, die dann auch erfolgen.
Genialer Weise gibt es an einigen Schulen/Vorschulen Klassenkonferenzen/Gesprächsrunden, in denen Kinder ueber diese Themen sprechen, eventuell Aggressionssituationen auch als Rollenspiel wahrnehmbar machen, ueber die Gefuehle, die dabei entstehen reden und Regeln und Konsequenzen gemeinsam festlegen.

Und es gibt genug Leute, sowohl in D als auch in S, die wegschauen, verdrängen und/oder sich nicht in der Lage fuehlen, zu helfen. Das ist eine Frage der Zivilcourage.
Wieviel habt ihr ueber Konfliktbearbeitung/-Lösung in der Schule (Schweden und Deutschland) gelernt oder gelehrt?

Das fragt

der Blåbärtroll
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon blueII » 15. November 2008 20:37

Blåbärtroll hat geschrieben:@ S-Nina


Wieviel habt ihr ueber Konfliktbearbeitung/-Lösung in der Schule (Schweden und Deutschland) gelernt oder gelehrt?

Das fragt

der Blåbärtroll


Ich weiß das mit sogenannter Peer Mediation öfters in Schulen gearbeitet wird und auch recht erfolgreich.
Der Sohn meines Mann ist Sprecher so einer Gruppe. Allerdings ist diese Form nur bei größeren Kindern (Schulkindern)anwendbar...

Hier in Schweden bin ich so einem Modell nicht begegnet.

Das Problem was ich diesem Zusammenhang sehe, liegt in dem Wort welches Du selber benutzt: Konsequenz.

Ich habe schon mit einigen Eltern und auch Erziehern/Lehrern gesprochen. Die haben ein Problem mit der Durchsetzung von Konsequenzen. Einige hinterließen bei mir den Eindruck, als ob sie den Unterschied zwschen Bestrafung und Konsequenz nicht kennen, und wenn man somit Konsequenzen für eine Untat einfordert, es als Bitte um Bestrafung verstanden wird.


Lg
Heike

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Blåbärtroll » 19. November 2008 02:01

Hallo,

zum Thema Erziehung in Deutschland und Schweden sind mir diese Dinge eingefallen.
Dazu sei gesagt, dass es meine eigenen Erfahrungen sind, die nur ein Teil vom Ganzen darstellen und woanders GANZ ANDERE Erfahrungen gemacht wurden und werden!!! :smt064

Kindergarten Deutschland:

- Personalbesetzung 1 1/2 (1,5) pädagogische Mitarbeiter auf mind. 20 Kinder
- Krankheitsvertretung erfolgt erst nach 6-8 Wochen, manchmal wurden Eltern als zusätzliche Hilfen genutzt
- bei einigen Pädagogen ist mir Schubladendenken begegnet (... der wirds mal ganz schwer haben ...) grrrrrr :twisted:
- alternativ-pädagogische Ansätze z.B. aus Montessori- oder Freinetpädagogik wurden nicht zugelassen
- das haben wir schon immer so gemacht - fehlende Flexibilität, Neues wird abgeblockt
- unsolidarische Zusammenarbeit, fehlendes WIR-Gefuehl, Konkurrenz am Arbeitsplatz
- kaum oder keine Beratung durch Heilpädagogen oder andere Spezialisten in der Einrichtung
- Vorgesetzte, die mehr auf die Einsparmöglichkeiten geachtet haben als auf die Beduerfnisse in den Einrichtungen
- Vorgesetzte, die sich als was besseres fuehlten im Vergleich zum Personal im Kindergarten und das auch gezeigt
haben, hierarchische Verhaltensstörung (eigene Wortkreation!) :smt064
- eine huebsche Fassade, auch wenn es dahinter manchmal kräftig bröckelt (Präsentation in der Öffentlichkeit wichtiger
als pädagogische Arbeit) könnte auch als Täuschung der Allgemeinheit bezeichnet werden
- Vorbereitungszeiten waren eher sporadisch

(Mir fällt bestimmt noch mehr ein ... mal sehen wann der Proteststurm los geht ... :twisted: )

Vorschule Schweden

- Personalbesetzung auf 20 Kinder mindestens 3-4 pädagogische Mitarbeiter
- Krankheitsvertretung am gleichen/spätestens am nächsten Tag (Vikarie)
- WIR arbeiten hier zusammen, jeder bringt seine Stärken, die er hat, ein, um sie fuer die Arbeit zu nutzen
- ausgezeichnete Beratung durch Spezialpädagogen
- Vorgesetzte (Rektor) die oft vor Ort sind und problemlösend arbeiten, was zur Entlastung des Personals hilft
- Zusätzliches Personal Elevassistent oder Förskollärare als resurspersonal fuer Kinder, die besonderen Bedarf haben
- Gesundheitsvorsorge
- Vorgesetzte, die eine beratende, helfende und freundliche Art und Weise haben, Kompetenz und Erfahrungen durch
eigene praktische Tätigkeit in der Vorschule
- feste Vorbereitungszeiten

- es entzieht sich meiner Kenntnis, ob es Ergotherapie, Fruehförderung und Integrationsberatung fuer Kinder
mit Entwicklungsstörungen oder mit Behinderung gibt :cry:
- leider erfolgen zum Teil notwendige zusätzliche Hilfen (Therapien) erst, wenn das Kind in die Schule kommt, da die
Entwicklung in den ersten sechs Jahren jedoch sehr wichtig fuer den weiteren Lebensweg ist, kann da eventuell nicht
mehr genug kompensiert werden bzw. in der Entwicklung gefördert werden.
- ich wuensche mir, dass mehr auf die Individualität der Kinder eingegangen wird
- gut ausgestatte Vorschulen, aber wie in Dtld wird mehr und mehr im Bereich Erziehung und Bildung eingespart, dass
macht auch um Schweden keinen Bogen
- es bedarf mehr Konsequenz im Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen und Zerstörungswut oder
-Lust?!, Konsequenz allerdings als pädagogisch durchdachte Handlungen und methodische Vorgehensweisen
die erwuenschtes Verhalten als Ziel auch ermöglichen


(Sollte ich mehr Gedanken dazu haben, folgen diese im nächsten Beitrag!)

Fuer andere Beiträge zu diesem Thema bin ich sehr dankbar, soll doch das Bild vervollständigt werden, das Puzzle an Form und Gestalt gewinnen.
Ich habe versucht, meine Erfahrungen objektiv zu beschreiben, was mir nicht immer gelungen ist. (Faktor Mensch :oops: )

LG - der Blåbärtroll
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 19. November 2008 10:04

Hej,
Blåbär, ich fands gar nicht so unobjektiv oder sagen wir nicht schlimm. Es ist so wie Du es schreibst, Deine Erfahrung, die kann Dir niemand absprechen :)
Ausserdem hast Du es ja sachlich geschrieben.
Was mir zu den eher schlechteren Sachen in Deutschland, die Du anführst, auffällt, ist, dass das auch ein organisatorisches Problem ist. Oder sagen wir es so, es ist ein Problem das schon recht weitgehend ist.
Gestern im utvecklingssamtal für meine Tochter wurde mir gesagt, dass sich die Erzieherinnen als unsere Angestellten verstehen. So erfahre ich das auch. Sie fragten mich was mich stört und was ich anders haben will. Ob ich zufrieden sei und ob ich das Gefühl hätte immer mit ihnen reden zu können, was tatsächlich so ist.
Jedenfalls merkte ich, dass viele dieser Sachen, die hier so selbstverständlich sind, auch die Vorbereitungszeit, auch irgendwo vorgeschrieben sind. Das sind nicht nur die Erzieherinnen die tolle Arbeit machen wollen und sich das ausdenken. Das sind Richtlinien an die sie sich halten.
Das kostet ungemein viel Geld. Auch, dass so viele Vikarier da sind, die jederzeit einspringen können. Das kostet. So ein Denken ist in Deutschland noch nicht da. Das liegt aber auch daran, dass der Kindergarten in Deutschland immernoch nicht die gleiche Stellung hat. Auch wenn man hier mal kurz frei machen kann, weil das Kind krank ist, geht das auch nicht immer und jederzeit. Der Kindergarten kann einfach nicht plötzlich nur das halbe Personal haben. Und die Eltern können kaum einspringen. Sie arbeiten woanders.
Das ist also nicht so, dass die Erzieherinnen in Deutschland das so wollen, sie finden das oft auch schlecht. Da fehlt noch die Akzeptanz in der Bevölkerung und noch mehr in der Politik, dafür mehr Steuergelder auszugeben. Das ist eindeutig ein Minus in Deutschland und ein Plus in Schweden.
Ob das dann im Detail immer genau so ist, das sieht natürlich in beiden Ländern anders aus :)

Grüsse
Wiebke

nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 19. November 2008 10:17

So ein Denken ist in Deutschland noch nicht da. Das liegt aber auch daran, dass der Kindergarten in Deutschland immernoch nicht die gleiche Stellung hat.


Ein Kindergarten in Deutschland ist ja "noch" nicht für alle Familien eine Notwendigkeit.

Es gibt ja noch viele Frauen, die durchaus gerne 3 Jahre oder auch länger zu Hause bleiben, um sich um ihre Kinder selbst zu kümmern.
So ist der Kindergarten in Deutschland auch eher noch eine Ergänzung zur Erziehung zu Hause.

In Schweden ist der Dagis eine selbstverständliche Einrichtung für fast ALLE schwedischen Kinder ab 1 1/2 Jahren. Man/Frau hat ja eigentlich keine Wahl.

Aus dieser Notwendigkeit ergibt sich m. E. dann zwangsläufig, dass die Qualität des Dagis in Schweden höher ist als in D der Kindergarten - also auch mehr Personal und mehr Ressourcen zur Verfügung stehen müssen.

Bin mir aber nicht sicher, ob ich mir ein schwedisches Modell auch für Deutschland wünsche. Die WAHLMÖGLICHKEIT, die man in D noch hat, ist doch auch eine gewisse Freiheit und warum sollen Mütter, die zu Hause sind, ihre Kinder weniger fördern können als geschultes Dagis-Personal??

S-nina

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 19. November 2008 10:36

Liebe S-Nina,

man hat auch in Schweden die Wahlmöglichkeit, denn keiner kann Dich zwingen, einer Arbeit nachzugehen, wenn Du lieber zuhause bleiben möchtest. Natürlich bekommst Du, wenn Du nicht irgendwann dann doch arbeitest, keine Rente.
Ich finde das gerechter, dass jeder für seine Rente selber einzahlen muß.
Dass es hier in Deutschland Frauen gibt, die ihr ganzes Leben lang nicht arbeiten, ist auch wohl eher selten der Fall. Da ich immer gearbeitet habe, auch arbeiten wollte und mußte, wäre es mir lieber gewesen, ich hätte die Kinderbetreuung so wie in Schweden möglich, vorgefunden. Deshalb muß jeder nach seiner Situation gehen, welche Möglichkeiten treffen da besser zu. In Deutschland verdienen nicht alle Männer soviel, dass eine Familie davon leben kann, ohne dass die Frau auch ihr Scherflein dazu beiträgt.

Liebe Grüße aelve
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