Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 13. November 2008 15:10

Kannst Du dir vorstellen, das schwedische Schüler in europäischen Hochschulen studieren wollen?
Und spätestens hier kommt die Kehrseite der Medallie zu Vorschein, es ist halt nicht egal nur weil es in Schweden für die Schüler und Lehrer so schön läuft.........


Ja genau - hier liegt der KERN - und genau das haben die Schweden ja inzwischen auch bemerkt, dass sie in den letzten Jahren gewaltig ins Hintertreffen geraten sind.

Hier gehen zwar noch keine Lehrer/Schüler auf die Straße - aber die Diskussionen über die Verbesserung des Schulsystems sind hier so aktuell wie nie.

Der Nachteil in/von Schweden ist eben der - es gibt jetzt möglicherweise eine Verbesserung, z. B. wieder Noten von 1 bis 6 und höhere Anforderungen an die Kinder - doch das haben hier die "Moderaten" angeleiert und das können natürlich die "SOZIALDEMOKRATEN" bei der nächsten Wahl nicht zugeben, sondern dann wird womöglich wieder das System geändert und man DISKUTIERT, DISKUTIERT, DISKUTIERT ..... immer im Kreis herum und NICHTS, HICHTS kommt dabei raus .....

und das ist, wenn man so will, Schweden in einer Nussschale ...

S-nina

DieliebeSchule

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon DieliebeSchule » 13. November 2008 15:56

Es ist lustig: Während praktisch ganz Schweden schon lange die schwedische Schule als kravlös flumskola (schwammige Schule, die keine Ansprüche stellt) verteufelt, gibt es immer noch - und vor allem in Deutschland- unerschütterliche Gläubige, die sie beinhart verteidigen, als ginge es um den heiligen Gral....

Den Gläubigen sei empfohlen: Lernt schwedisch und lest täglich schwedische Zeitungen (und vor allem die Kommentare schwedischer Leser), dann bekommt Ihr in etwa eine Vorstellung davon, wie es wirklich hier aussieht (nicht nur in puncto Schule)

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 13. November 2008 15:56

Eine Lehrerin die ich hier kenne, hatte ihren Schülern mal erzählt, dass sie in Deutschland kein Abitur brauchen um Frisöse zu werden. Die fanden das total toll. Sie verstanden auch nicht, dass dieser Beruf da nicht unbedingt so sehr hoch angesehen ist und man nicht gut verdient, wo man dafür doch in Schweden das Abitur braucht...

Grüße
Wiebke

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 13. November 2008 17:19

Hallo,

seit wann schadet Bildung, egal ob ich Fríseuse werde, Verkäuferin, Bürokraft oder Arzt. Korrigiert mich, wenn ich es jetzt falsch darlege: In Schweden wird zunächst allen die gleiche Bildung gewährt bis zur 10. Klasse. Danach können Schüler, die ihr Abitur ablegen wollen, weiter zur Schule gehen bis zur 13. Klasse. Die letzten 3 Jahre sind bereits praxisbezogen und je nach dem Gebiet unterteilt, in welches man später seiner Tätigkeit nachgehen will. Also hat man erstmal jedem Kind die Möglichkeit gegeben zu studieren, kein Weg ist verbaut, kein Spätentwicklung ausgeschlossen worden, kein Junge benachteilt, weil er noch nicht soweit ist wie ein Mädchen in seinem Alter. Deswegen verstehe ich nicht, warum eine Friseure Abitur haben muß, aber das werdet Ihr ja wissen.
Ich bin gegen eine frühe Selektion, wie Sie hier in Deutschland statt findet. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch für hohe Anforderungen bin, denn Kinder allgemein wollen gefordert werden. Sie lieben Anstrengung und Lernerfolge. Und ich finde es auch nicht gut, wenn sich Anstrengung in keiner Weise lohnt. Das nur mal nebenbei. Totzdem kann man über Zensuren schon alleine stundenlang debattieren, z.B. ob Anstrengungsbereitschaft nicht auch eine gute Note wert ist. Oder ob nur derjenige, dessen Fach ihm nun gerade liegt, eine sehr gute Note bekommt und der andere, der viel länger geübt hat, sich viel mehr vorbereiten mußte, nicht ebenfalls eine gute Note verdient hätte. Auch da gibt es unterschiedliche Meinungen, von der Ungerechtigkeit von Noten, wenn eine Lehrkraft jemanden gut kennt oder bevorzugt bis zur Note, wo die Lehrkraft nur das hören will, was ihre Meinung ist.
Also selbst Notenvergabe hat ihre Tücken.

Ich fasse nochmals zusammen:
hohe Anforderungen sind wichtig und gut
Lob ist immens wichtig
Motivation fördern ist sehr wichtig
Lernen und Fortbilden ist das ganze Leben lang wichtig

Wenn was an Schwedens Schulen zu verbessern geht, dann wird es auch passieren. Ihr selber berichtet, dass Pläne dafür schon vorhanden sind. Aber paßt auf, dass es nicht dazu führt, dass die jetzigen Vorteile Schwedens Schulsystem dann auf der Strecke bleiben, denn eine soziale Schieflage, in der die meisten Kinder nicht die Förderung erhalten, die sie ebenfalls nach vorne bringt, ist meiner Meinung nach volkswirtschaftlich nicht vertretbar.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Hans

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Hans » 13. November 2008 17:24

Högskoleprovet

http://www.gp.se/gp/jsp/Crosslink.jsp?d=873&a=453048

Hier kann man sich testen um zu schaun was man kann.

Grüsst
H :smt006 ans

nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 13. November 2008 17:29

In Schweden wird zunächst allen die gleiche Bildung gewährt bis zur 10. Klasse. Danach können Schüler, die ihr Abitur ablegen wollen, weiter zur Schule gehen bis zur 13. Klasse. Die letzten 3 Jahre sind bereits praxisbezogen und je nach dem Gebiet unterteilt, in welches man später seiner Tätigkeit nachgehen will. Also hat man erstmal jedem Kind die Möglichkeit gegeben zu studieren, kein Weg ist verbaut, kein Spätentwicklung ausgeschlossen worden, kein Junge benachteilt, weil er noch nicht soweit ist wie ein Mädchen in seinem Alter. Deswegen verstehe ich nicht, warum eine Friseure Abitur haben muß, aber das werdet Ihr ja wissen.


In Schweden hat auch keine "Friseuse" - "ABITUR" - jedenfalls nicht Abitur im deutschen Sinne.
Das heißt nur so, weil eben alle auf ein "Gymnasium" gehen - wobei ein Gymnasium, dann auch, je nach Programm, wieder eher eine Berufsschule ist.
In Schweden kann auch keine Friseuse mit Friseusen-Gymnasium-Abitur - z. B. Medizin oder Physik oder sonst was studieren ...

Schulsystem in S - so wie ich es bisher verstanden habe:

0 Klasse mit 6 Jahren - eine Art "Vorschule"
1 bis 9 Klasse - Grundschule - nach Gesamtschulen-Modell
10 bis 12 Klasse - schwedisches Gymnasium - je nach Programm/Ausrichtung kann das dann zu einer Ausbildung führen, die einem deutschen Abitur entspricht.

S-nina

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Högskoleprovet

Beitragvon vinbär » 13. November 2008 18:12

wozu macht man diese?

Hans

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Hans » 13. November 2008 18:28

Högskoleprovet

https://www.studera.nu/studera/314.html
Um zu sehen was man kann und möglicherweise seine Chansen zu
verbessern um in die gewünschte Ausbildung hineinzukommen.
Just try

Grüsst
H :smt006 ans

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 13. November 2008 18:32

Danke Hans

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 13. November 2008 20:00

Danke Nina,
das war es worauf ich hinaus wollte. Mir ist es doch egal ob eine Friseuse was im Kopf hat oder nicht um es mal ganz platt auszudrücken. Ich meine damit, welchen Abschluss sie hat, das ist mir herzlich egal. SOlange sie ihren Job gerne macht, sich dabei wohlfühlt und die Arbeit noch gut macht, ist mir egal ob sie total schlau ist oder eher nicht so sehr.
Was ich meinte ist aber das, dass das schwedische Schulsystem dem einen oder anderen (bestimmt auch wieder nicht allen) vorgaukelt, dass sie mehr können als es in der Wirklichkeit eben so ist. Sie vergleichen eben schon ihren Abschluss mit dem in anderen Ländern. Jedenfalls die Schüler der besagten Lehrerin taten es. Und das führt dann zu einem verzerrten Bild, denn der Abschluss den sie haben, ist ja eben nicht gleichsetzbar. Das Abitur das in Schweden zum Studieren befähigt, ist ja eben auch ein anderes.
Hab da mal noch eine Frage so nebenbei. Wäre es theoretisch möglich, dass jemand mir einem schwedischen Abschluss, der ja irgendwie Abitur heisst, in der Lage in Deutschland oder wo auch immer studieren, auch wenn er nicht das Programm dazu gewählt hatte? Also, ich meine, weiss denn die Uni in Hamburg, wie der Abschluss zu werten ist? Oder die in Paris... egal.

Grüße
Wiebke


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste