Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

glada

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon glada » 12. November 2008 10:16

Nina, Oliver, Heike (Blue) sind unzufrieden, weil sie ihre Kinder nicht vernünftig gefördert sehen...


Ich habe Sorge, dass sein (im Augenblick betrifft es erstmal nur meinen Sohn) Potential nicht gefördert wird. Ein Schulwechsel würde lange Anfahrwege bedeuten. Ich weiß nicht, ob das gut für ihn wäre.

Aber du hast schon recht, ich werde die Schwierigkeiten an seiner Schule hier nicht lösen können und werde mich jetzt auch weniger dazu melden.

Oliver

DieliebeSchule

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon DieliebeSchule » 12. November 2008 10:18

Die spezielle Art des schwedischen Schulwesens ist in erster Linie und schon sehr lange ideologisch (und weitaus weniger pädagogisch) motiviert: Alle sind gleich (in Fähigkeiten, Begabungen, Lernvermögen, Wissensstand), alle lernen das gleiche (so niedrig angesetzt wie möglich) und alle kriegen ungefähr die gleichen Noten.

Das ist ein grobes Vergehen an den Kindern, deren Individualität in keiner Weise gespiegelt und deren unterschiedliche Anlagen und Begabungen nicht gefördert - sondern gleichgemacht! werden. Nur die Schwächsten werden gefördert, alle anderen können sehen, wo sie bleiben. Undd es spielt gar keine Rolle ob man gern oder ungern, viel oder wenig lernt: Die Noten sind die gleichen und man kann auch gern einfach gar nichts tun.

Ist das erstrebenswert?

Ist nur Unterforderung auf breiter Front die richtige Förderung für alle? Sind wirklich alle Kinder gleich? (Meine jedenfalls nicht, sie hatten persönlichkeitsbedingt jede(r) ein ganz unterschiedliches Lernvermögen)

Es geht nicht darum, deutsche Schulverhältnisse nach Schweden übertragen zu wollen (um Gottes willen!) . Es geht darum, dass in Schweden die Kinder aus ideologisch motivierten Gründen alle über einen Kamm geschoren werden und das Lernen und Bildung an sich in Schweden keinen Wert darstellen. Es ist zwar nett, dass es die Schulkinder in Schweden alle "rolig" (lustig) haben sollen. Aber dazu bräuchte man sie ja eigentlich nicht auf die Schule schicken, sondern könnte sie genausogut zum Zirkus, in's Kino oder in den Urlaub schicken/mitnehmen. Oder sie vor ein nettes Computerspiel setzen :-)

Benutzeravatar
janaquinn
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2203
Registriert: 5. Oktober 2006 09:29
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 12. November 2008 10:19

Hej Olli,
wäre aber schade, gerade weil du als Lehrer und auch als Papa sehr viel mehr Einblicke hast, als wir "normale" Eltern....

Also nicht wegbleiben, sondern schön weiterschreiben :wink:

LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 12. November 2008 10:39

Hallo,

ich finde es total in Ordnung, wenn ich mir als Eltern Sorgen um mein Kind mache und nach Möglichkeiten suche, es optimal gefördert und gefordert zu sehen. Wahrscheinlich gibt es kein System, was für alle Kinder gleich gut ist. Einer wird sich in irgendeinem Fach immer überfordert oder auch unterfordert vorkommen, da eben alle Personen verschieden sind, unterschiedliche Bedingungen und Vorkenntnisse mitbringen. Einer braucht eine Note, um motiviert zu sein, der andere verweigert Leistung, wenn er trotz größter Anstrengung dann nur eine mittelmäßige Note unter seiner Arbeit vorfindet. Wie also soll man nun vorgehen, dass jedes Kind, jeder Schüler nach seiner Fasson glücklich ist und die Eltern obendrein. Wahrscheinlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, jedem genau gerecht zu werden.
Eine gute Schule wäre für mich:
die Kinder je nach Begabung und bei ihrem Wissenstand abzuholen.
Den Langsamen oder den, der einiges noch nicht so gut kann, dem würde ich Extrastunden geben.
Die Schnellen oder die, die es aufgrund mehr Übung oder Interessenlage schon können, sollte man schwierigere Fragen geben, Referate ausarbeiten lassen, evtl. auch bitten, den Langsameren es erklärlich zu machen. Ich denke, dass es da viele Möglichkeiten gibt, jemanden zusätzlich zu beschäftigen, der sich sonst langweilt.
Oder derjenige, der etwas gut kann, kann sich mit den Sachen beschäftigen, die er selber noch nicht so verstanden hat.
Nun frage ich Euch, ist dieses an Eurer Schule möglich oder nicht? Sind Eltern-Lehrergespräche möglich, wo man diese Bitten oder Vorschläge aussprechen könnte?
Oder blocken die Lehrer an der Schule des Kindes alles ab, was Eltern Sorgen bereitet?
Geht doch mal mehr ins Detail, damit man versteht, was Ihr, die dort unzufrieden seid, tatsächlich den Schulen ankreidet.
Wenn keine Gespräche möglich sind, wenn keine Verbesserung herbei geführt werden kann, dann muß man eben längere Fahrtwege in Kauf nehmen für die Kinder.
Denn genau das haben wir auch getan, wie ich ja bereits erläuterte und es hat sich letzten Endes gelohnt, denn wir haben den Bildungsabschluß bekommen, den wir angestrebt haben.

Ich habe nochmals recheriert wegen der angegebenen hohen Arbeitslosenquote von Jugendlichen in Schweden sowie aber auch Detuschland und diesen Artikel gefunden, wo dieses Problem beleuchtet wird.
http://www.fes.de/aktuell/focus_gute_ar ... igkeit.pdf
Ich habe mir daraus herausgelesen, dass es in Schweden in der Hauptsache Schulabbrecher sind, die dann keine Arbeit finden. Es wird deshalb ja darüber nachgedacht, dass in Deutschland gut funktionierende Ausbildungssystem mit Lehre auch in Schweden einzuführen, was ich für sehr sinnvoll halte, wenn jemand das Theoretische nicht mehr begreift, dass er dann andere Perspektiven bekommt.

Der Zufall will es, dass just jetzt um genau 11.12 eine Demo hier in Hamburg am Jungfernstieg von Jugendlichen in Gange ist, die für bessere Bildung demonstrieren. Sie tragen Transparente mit der Aufschrift: reiche Eltern für alle Kinder. Ist das nicht traurig genug, dass die Schüler wegen fehlendem Geld überall, sich gute Bildung einfordern müssen? Und diese auch haben möchten? Also nicht faul und untätig sind, was ja so gerne Jugendlichen vorgeworfen wird.
Ich jedenfall bin zutiefst traurig, dass Schüler um Bildung betteln müssen, was im Grundgesetzt als Recht verankert ist.

Hier nachzulesen:

http://www.bildungsstreik-hamburg.de/

http://www.bildungsstreik-hamburg.de/wa ... eiken.html


Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Imrhien » 12. November 2008 16:40

Aelve hat geschrieben:Wenn keine Gespräche möglich sind, wenn keine Verbesserung herbei geführt werden kann, dann muß man eben längere Fahrtwege in Kauf nehmen für die Kinder.


Genau! Dummerweise scheiterts daran, dass man hier möglichst mit beiden Elternteilen arbeiten muss und dafür schon fahren muss. Dumm nur, dass die Arbeit nicht immer direkt neben einer tollen Schule liegt. Man schafft es so schon nur mit schlechtem Gewissen halbwegs rechtzeitig in der förskola zu sein. Wie soll man da noch weiter fahren????

Was mache an der Schule ankreiden wurde doch mehr als deutlich geschrieben.
Jana hat recht. Lassen wir es dabei und streiten nicht ewig rum.
Man kann es anscheinend keinem recht machen. Wer denkt, dass die Schule in Schweden toll ist, wird dabei bleiben und umgekehrt. Was soll das also?

Grüße
Wiebke

Auswandern-naklar

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Auswandern-naklar » 12. November 2008 20:55

Es wäre schlimm, wenn man fortan im Forum bezüglich Fragen zur Auswanderung nur noch die Überschrift lesen könnte:

"Komm her (nach Schweden) und sieh selbst! - Wir sagen nichts mehr. "

Kann das wirklich gewünscht sein??

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 13. November 2008 10:20

Hallo Ihr,

wie ich Euch gestern berichtete, fanden in ganz Deutschland Streiks von Schülern statt, die ein besseres Schulklima sowie bessere Chancen für alle Kinder fordern.
Hier stelle ich Euch mal Fotos ein, die hier im Herzen Hamburgs am Jungfernstieg aus unserem Bürofenster geschossen wurden.
Mir kamen die Tränen, als ich Hunderte von Schülern sah, die dafür kämpfen, dass der Schulalltag erträglicher wird, dass Schüler wieder Perspektiven bekommen, dass sie gleichberechtigt lernen können.

Grüße Aelve
Dateianhänge
schuldemo.jpg
schuldemo.jpg (20.35 KiB) 395 mal betrachtet
Demo.schule.jpg
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 13. November 2008 10:21

Und dann noch diese beiden Fotos.
Dateianhänge
Demo.schule121108.jpg
ballindamm.demo.JPG
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

vinbär
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 304
Registriert: 14. Juli 2007 07:39
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon vinbär » 13. November 2008 11:16

und wenn es die Mentalität der Nordlichter wäre leichter offene Kritik zu ueben oder gar gegen Missstände zu demonstrieren, dann wuerden auch einige Schweden zu gerne auf die Strasse gehen, um fuer Verbesserungen im Schulsystem die Stimme zu erheben. Aber das ist einfach nicht die allgemeine schwedische Art.

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 13. November 2008 12:00

Hallo,

und was sagen die direkt Betroffenen - nämlich die Schüler, die jeden Tag in der Schule verbringen müssen, oft den größten Teil ihres täglichen Lebens - dazu, wie sind sie zufrieden oder eher unzufrieden. Ich finde es wichtig, nicht nur über die Köpfe der Jugendlichen hinweg zu diskutieren, sondern man muß gerade die Schüler mit einbeziehen.

http://lernwelt.workshop-zukunft.de/red ... 8d3ae6ee2f

http://www.sr.se/cgi-bin/International/ ... el=2335154

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 2 Gäste