Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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DieliebeSchule

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon DieliebeSchule » 12. November 2008 09:01

Ist es nicht seltsam? Der offenbar einzige gebürtige Schwede in diesem Thread will nichts konkretes zur schwedischen Schule sagen - und die Posterin,die am meisten dazu sagt und das schwedische Schulsystem am erbittertsten verteidigt, wohnt gar nicht in Schweden und hat gar keine Kinder hier auf der Schule.

Posting Aelve:
"Frage doch mal in anderen Ländern nach, ob Jugendliche und Schüler so durchgehende Chancen haben vom Schulabgang gleich eine Arbeit vorzufinden. "

Das ist sachlich falsch. Schweden hat eine der höchsten, wenn nicht DIE höchste Jugendarbeitslosigkeit in Europa, was tägliches Thema in den Medien ist und bereits zur Bildung eines nationalen Krisenstabes führte.

"Intellektuella kalhyggen": Ich glaube, das bedeutet in Schweden: intellektuelle Eierköpfe (und nicht Kahlschlag, obwohl ja ein kalhygge wörtlich übersetzt ein Kahlschlag ist). Als intellektuelle Eierköpfe werden in Schweden vor allem die Leute bezeichnet, die gern nachdenken, sich auch mit theoretischen Fragestellungen auseinandersetzen, viel lesen (oder gar forschen und schreiben) und vor allem Lust dabei empfinden, sich (oder gar ihre Kinder) zu bilden.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 12. November 2008 09:14

Hej Hej,
ich will mich garnicht grossartig einmischen, nur eine Anregung, dass es auch in Deutschland Probleme gibt...diese fallen weniger den Politikern auf, sondern viel mehr den Schülern selber....

LG JANA
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 12. November 2008 09:19

Denke mal, die Schüler in Deutschland "streiken" für eine Verbesserung dort, wo es Probleme gibt und die streitet ja auch in diesem Thread niemand ab.

Beim Streik der deutschen Schüler geht es aber auch nicht darum, dass sie gerade das "schwedische" Schulsystem haben wollen.

S-nina

glada

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon glada » 12. November 2008 09:20

aelve hat geschrieben:was mir auffällt ist, dass niemand von Euch, die das Schulsystem in Deutschland beweihräuchern, etwas zu dem Beitrag im Hamburger Abendblatt gesagt hat.

Dem gegenüberstellen kann man einen Artikel aus der DN
http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=572&a=750103

aelve hat geschrieben:Und da wird dann ein gut funktionierendes und überall anerkanntes Schwedisches Schulsystem angegriffen, wobei gerade bekannt ist, dass die Schweden sehr vielen Ländern bei weitem voraus sind in großen Bereichen und das seit Jahren. Irgendwie kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen, wie das gehen soll.



Dagens Nyheter hat geschrieben:Sverige har världens dyraste skola. Men vi har inte världens bästa skola. Tvärtom har vi haft en generande misshushållning med skolan, eftersom den baserats på en flummig central dogmatik som saknar förankring i god vetenskap. På senare år har Sveriges elever halkat ner från en bra position till en tydligt medioker plats i de internationella jämförelser som finns.


Dagens Nyheter hat geschrieben:Just arbetarklasspojken som är född på landet i Sverige är den största förloraren i det misslyckade skolsystem som socialdemokratin bär ett sådant avgörande ansvar för.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 12. November 2008 09:30

Nina, das habe ich auch nirgendswo geschrieben, ich wollte nur zeigen, dass es überall Probleme gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich hebe hier weder das deutsche noch das schwedische System in den Himmel, fällt mir garnicht ein. Schliesslich haben wir lange genug um den Schulwechsel für Yannic gekämpft, aber ganz ehrlich....in Deutschland hätte ich meinen Sohn nie im Leben auf eine Waldorfschule bekommen, entweder weil sie ihn nicht genommen hätten ( zuviel Arbeit und zuwenig gut ausgebildetes Personal) oder wir hätten es uns finanziell nicht leisten können.
Ich habe Glück, weil ich im Grossraum Stockholm lebe, ich kann mir die Schulen aussuchen, wo meine Kinder hingehen sollen, solange ich für den Transport sichere, weiss aber auch, dass ich priviligiert bin....weil ich in Stockholm lebe.


Andererseits sind mir bei meinem Deutschlandtrip viele Sachen sauer aufgestossen und ich war bitter enttäuscht von München....von der "Weltstadt mit Herz" ist praktisch nichts mehr vorhanden....schade....


LG JANA
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 12. November 2008 09:41

Hallo,

und dann sind da noch die extra angemeldeten, die sich anonym über das Schulwesen auslassen in einem Land, in welchem sie nur zugezogen sind.
Mir sieht das sehr schulmeisterlich aus, was aus einigen anonymen Ecken kommt.
Allen, die etwas positiv zur Schule in Schweden ausführen, wird Unkenntnis vorgeworfen, selbst einem Schweden werden noch Dinge unterstellt, die meines Erachtens schon unter die Gürtellinie gehen. Und auch eingewanderte Deutsche, die sich positiv äußern wird vorgehalten, dass ihre Kinder wohl so schlecht seien, dass sie deshalb das schwedische Schulwesen gutheißen.

Man kann sich gerne über Vor- und Nachteile von verschiedenen Schulsystemen unterhalten, aber bei mir erweckt es allmählich den Anschein, als wenn Eingewanderte die Fehler von Deutschland nach Schweden transportieren wollen und sich in Schweden ein zweites Deutschland errichten wollen mit einem grottenschlechten Bildungswesen. Darüber hinaus auch noch das Selektieren, was ich gerade an Schweden so lebenswert finde, dass es dort nicht stattfindet, einführen möchten. Ich merke auch immer mehr, dass auf bestimmte Dinge gar nicht eingegangen wird. Beinahe kommt es mir so vor, als wenn es mehr darum geht, die Schulen in Schweden madig zu machen, um selbst keine Verantwortung für mein Kind und deren Weiterkommen übernehmen zu müssen.

Das kann ja wohl so nicht sein.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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glada

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon glada » 12. November 2008 09:57

Aelve, du hast sicherlich recht damit, dass die Diskussion nicht immer blütenrein ist. Ich möchte aber behaupten, dass deine Beharrlichkeit und der Unwille, von deiner vorgefassten Meinung nur einen Zentimeter abrücken zu wollen, maßgeblich dazu beiträgt. Einige reagieren schlichtweg sauer darauf, dass du mit deinen Vorurteilen Öl ins Feuer gisst, denn deine Argumente , die du bisher - und in früheren Diskussionen gebracht hast - sind immer "ich habe gehört", "Freunde von uns" usw.

Ich habe oben eine Textstellen aus der Dagens Nyheter (übrigens eine sehr renommierte Tageszeitung) reingestellt, die sich wissenschaftlich kritisch mit der schwedischen Schule auseinandersetzt. Ich würde mir wünschen, dass du dazu mal etwas sagst.

Mir geht es übrigens nicht darum, welches Schulsystem das bessere ist. Ich kenne die Schwächen der deutschen Schule aus meiner langjährigen Arbeit. Ich hätte mir beispielsweise gewünscht, dass etablierte Konzepte aus der DDR in die westdeutschen Schulen integriert worden wären. Das hat man vermasselt. Es hilft aber sicherlich keinem, ein Schulsystem zu huldigen, das ebenfalls viele Lücken und Schwächen hat.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 12. November 2008 10:00

Ich habe in unserer Zeit hier in Schweden 2 schwedische Schulen erlebt, eine sehr sehr gute und eine schlechte Schule, zumindest für unseren Sohn war sie schlecht und für uns als Eltern ein Alptraum. Es gibt gute Schulen in Schweden, ich habe es persönlich erlebt, weil ich mit meinem Kind jeden Tag dort war und auch Kontakt zu "gesunden" Kindern hatte, in den Unterricht schauen konnte.
Ich bin der Meinung, dass es meist von der finanziellen Situation der Kommune abhänig ist, wie gut oder wie schlecht eine Schule ist.

Anstatt hier aufeinander loszugehen bzw. alles runterzumachen, das ein Befürworter bzw. Gegner/Kritiker des deutschen bzw. schwedischen Schulsystemes schreibt, sollte man überlegen, ob es möglich ist, eine Besserung für´s eigne Kind zu organisieren, z.B. durch einen Schulwechsel. Wir haben hier in Schweden die Möglichkeit der freien Schulwahl, müssen unsere Kinder nicht auf die nächstgelegene Schule schicken.

Die Kinder von Hans fühlen sich wohl in ihrer Schule und haben scheinbar keinerlei schulischen Defizite.....ist doch klasse...warum wird er dann angefeindet? Heike macht gerade den schwedischen Grundschulabschluss, ihre Kinder gehen gern in die Schule....wunderbar..warum wird es ihr vorgeworfen??
Nina, Oliver, Heike (Blue) sind unzufrieden, weil sie ihre Kinder nicht vernünftig gefördert sehen....verständlich und nachvollziehbar, bin ich doch, auf absehbare Zeit, in einer ähnlichen Situation....es muss also was geschehen, damit die Kids nicht den Spass verlieren, sondern wieder gerne in die Schule gehen.

Unterm Strich wollen wir alle, egal welcher Meinung wir sind, nur eines: Das Beste für unsere Kinder. Die einen haben es bereits erreicht, die anderen stehen noch am Anfang...vielleicht könnten diejenigen, die zufrieden sind mit "ihrer" Schule Tips geben bzw. genaue Daten nennen, damit eventuell und falls es möglich ist, einen Wechsel der Kinder zu erreichen. Natürlich nur dann, wenn es in der nächstmöglichen Umgebung ist.

Also lieber zusammenarbeiten, als gegenseitig Vorwürfe zu machen...

In diesem Sinne
JANA
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon S_nina » 12. November 2008 10:05

Dachte, ich bin jetzt mal richtig nett und übersetze einige Stellen aus Olivers Posting - für Aelve und auch Hans:

Sverige har världens dyraste skola. Men vi har inte världens bästa skola. Tvärtom har vi haft en generande misshushållning med skolan, eftersom den baserats på en flummig central dogmatik som saknar förankring i god vetenskap. På senare år har Sveriges elever halkat ner från en bra position till en tydligt medioker plats i de internationella jämförelser som finns.


Schweden hat die weltweit teuerste Schule. Aber wir haben nicht die weltweit beste Schule. Im Gegenteil, wir haben eine beschämende Misswirtschaft mit der Schule betrieben, die auf einer schwammigen zentralen Dogmatik basiert, der jede Verankerung in guter Wissenschaft fehlt. In den letzten Jahren sanken die schwedischen Schüler von einer guten Position auf einen deutlich mittelmäßigen Platz in existierenden internationalen Vergleichen ab.

Just arbetarklasspojken som är född på landet i Sverige är den största förloraren i det misslyckade skolsystem som socialdemokratin bär ett sådant avgörande ansvar för.


Gearde der Junge aus der Arbeiteschicht, der auf dem Land in Schweden geboren ist, ist der größte Verlierer im missglückten Schulsystem, für das die Sozialdemokratie eine solch entscheidende Verantwortung trägt.


S-nina
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon janaquinn » 12. November 2008 10:10

Hej Nina,
dann klick mal auf den Link, den ich reingesetzt habe...die deutschen Schüler prangern genau das gleiche in Deutschland an...vernünftige Schulbildung nur noch für Kinder aus "reichen" Familien, Studium nur noch für die Leute, welche die Gebühren zahlen können....viele sozilschwache fallen durch das "schulnetz".....hört sich sehr ähnlich an, wie der Artikel aus der DN....beide Schulsysteme haben Schwachstellen und zeigen Probleme auf...ich denke/glaube sie sind sich sehr ähnlich.
In beiden Ländern müssen sowohl Eltern, Schüler als auch Lehrer das beste aus der Situation machen und eine Besserung von "unten" erreichen.

LG JANA
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