Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

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blueII
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon blueII » 11. November 2008 21:51

du nennst es "Besserwisser"??

Dieliebeschule hat eigentlich einen sehr weisen Satz dazu gesagt. Der Referenzrahmen ist wichtig und grundlegend und erklärt manche Sichtweise und Ansicht.

Vielleicht sendest Du Deine Kinder mal in eine deutsche Schule und berichtest uns Deine Empfindung?

Nationalstolz sollte in dieser Diskussion nicht angebracht sein sondern kritische Betrachtung erwünscht.

Warum hinterfragst Du nicht warum wir es kritsch betrachten und nicht auf die Idee kommen mit dem Sog zu schwimmen?
By the way...in letzter Konsequenz werden wir es wohl tun, aber nicht lautlos.

Heike

Hans

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Hans » 11. November 2008 22:04

Was soll man dazu sagen?

Vielleicht sendest Du Deine Kinder mal in eine deutsche Schule und berichtest uns Deine Empfindung?


Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 11. November 2008 22:32

Dann die Blicke auf das gleiche System von aussen: Wenn man weiss, was schulisch alles möglich ist, z.B. an Auswahl, Anforderungen, Förderung (nicht nur der Schwächsten) , unterschiedlichen pädagogischen Richtungen und Umgang mit Begabung - und dazu auch noch Wert auf möglichst umfassende Bildung legt - dann können sich einem in Schweden ganz schnell die Haare sträuben.

Hallo, wenn ich sowas lese, dann sträuben sich mir tatsächlich die Nackenhaare, wenn ich diesen Satz mir auf der Zunge zergehen lasse. Redet Ihr von Deutschland oder vom anderen Stern? Deutschland und Förderung von Begabungen und Anforderung - das halte ich jetzt aber echt für einen sehr schlechten Witz.
Ich habe in Deutschland zig Foren besucht, Vorträge gehört, Kongresse besucht, Tenor selbst bei Lehrkräften, die sich für eine bessere Bildung stark machten, waren übereinstimmend, dass die Bildung in Deutschland verda... schlecht ist.
Es wird nur rumgeeiert, Erlasse werden erstellt, die niemand einhält. Jedes Bundesland brät sein eigenes Ding, man kann innerhalb Deutschlands nicht mal umziehen, da man dann Furcht vor der Veränderung der Schulischen Bedingungen haben muß. Förderung wird so gut wie gar nicht erteilt, die Hochbegabten fallen schon lange durchs Raster.

Wovon träumt Ihr nachts? Das sind Wunschdenken - oder evtl. Aussagen einer Lehrkraft, die von sich überzeugt ist trotz Wissen, dass es so nicht ist.

Nicht umsonst fand kürzlich der Bildungsgipfel statt, wo auch mittlerweile die Politiker gemerkt haben, dass Bildung in Deutschland miserabel schlecht ist.

Und ich bin, trotz dass es hier anderslautende Meinungen gibt - vielleicht auch aufgrund fehlender eigener schlechter Erfahrung in Deutschland - dass die Bildung in Schweden so schlecht niemals sein kann wie gerade in Deutschland. Wenn man in Deutschland mit Eltern spricht und fast ausnahmslos nur Kritik darüber hört, da kann ich nicht mehr sagen, dass sind Ausnahmen, sondern das ist die Regel.

Grüße Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon HeikeBlekinge » 11. November 2008 22:45

Nationalstolz sollte in dieser Diskussion nicht angebracht sein sondern kritische Betrachtung erwünscht.


Mir fehlt jeglicher Nationalstolz...hmm:
Bitte nicht so Heike (blueII). In solch einer Diskussion sollte man der Objektivität den Vortritt lassen. Ob Hans sich in seinem Nationalstolz angegriffen fuehlt ist nicht bewiesen. Eher verteidigt er stolz die Interlligenz seiner Kinder, welche mit manch hartem Wort hier doch sehr in Frage gestellt wird, weil sie schlichtweg in eine ”dieser fuerchterlichen, verdummenden schwedischen Schulen gehen, mit diesen völlig ungebildeten Lehrern und verantwortungslosen Eltern.”.. Aua! Seine Reaktion kann ich durchaus nachempfinden - bloss das ICH mittlerweile die Kunst beherrsche soetwas nicht mehr persönlich zu nehmen. Bleib kul, Hans ;-).

Man fand zu Anfang in erster Linje in dieser Diskussion sehr einseitige, negative Darstellungen zu Schule in Schweden. Das konnte ich aufgrund persönlicher Erfahrungen SO nicht stehenlassen.
Also lasst doch bitte auch die positiven Erfahrungen zu Wort kommen, sucht nicht auf Teufel komm raus nach Erklärungen oder Entschuldigungen dafuer das es halt doch Menschen gibt ,die gute Erfahrungen gemacht haben, die zufrieden sind. Nach Erklärungen suchen warum es diesem oder jenem schlechter oder besser ergeht ist fruchtlos!
Setzt niemanden eine rosarote Brille auf oder fuehlt euch dazu verpflichtet ”Warnungen” auszusprechen. Soviel Fairness sollte sein.
Bleibt objektiv und schaut nicht fuer andere in die Zukunft, in deren Leben, indem ihr schreibt: ”Denke daran, das wenn Du so oder so handelst, ja rechne damit, das es dir so und so ergehen wird! Denn was ich erlebe und erzähle ist die einzige Wahrheit.”
Man macht nie die Erfahrungen anderer – nur eigene.

.... ist Haarspalterei eigentlich auch so ein typisch deutsches Phänomen? ...grins

mh
Heike
.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 11. November 2008 23:21

Hallo,

was mir auffällt ist, dass niemand von Euch, die das Schulsystem in Deutschland beweihräuchern, etwas zu dem Beitrag im Hamburger Abendblatt gesagt hat.

Wollt Ihr es schlichtweg leugnen, dass sich in Deutschland Pädagogen, angesehene Professoren wie Dr. Hurrelmann -Erziehungswissenschaftler, Politiker, sogar auch Kultusminister einräumen, dass in Deutschland das Schulwesen desolat ist?
Alle Personen in verantwortungsvollen Positionen beten seit Jahren gebetsmühlenartig, dass die Bildung in D besser werden muß, dass nicht eine derartige Selektion stattfinden darf, dass das dreigliedrige Schulsystem durchlässiger werden muß, da es volkswirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist, was an deutschen Schulen so abläuft?

Und da wird dann ein gut funktionierendes und überall anerkanntes Schwedisches Schulsystem angegriffen, wobei gerade bekannt ist, dass die Schweden sehr vielen Ländern bei weitem voraus sind in großen Bereichen und das seit Jahren. Irgendwie kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen, wie das gehen soll.

Jetzt wurde folgende Frage an mich herangetreten: wie sieht in Schweden die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus aus. Wer kann hierzu seine Erfahrungen mitteilen?

Grüße Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Tommy2 » 11. November 2008 23:30

Aelve kommt immer wieder auf ihre schlechten Erfahrungen mit der deutschen Schule zurück, und hat von der schwedischen Schule offensichtlich nur vom Hörensagen eine Ahnung. Es geht in diesem Thread überhaupt nicht um Vergleiche, weder mit der deutschen Schule oder anderen. Sondern hier wird nur von einigen Leuten (u.a. mir) gesagt, dass wir aufgrund eigener Erfahrungen die schwedische Schule ungenügend und noch einiges anderes finden. Das hat mit der deutschen Schule ÜBERHAUPT nichts zu tun. Andere hier haben z.T. gute Erfahrungen gemacht und sind mit der schwedisachen Schule zufrieden. Erfahrungen kann man keinem absprechen.
Wenn nicht anders, kann man daraus jedenfalls 2 Schlüsse ziehen:
1. Das schwedische Schulsystem passt für manche Kinder gut, für andere ist es offensichtlich nicht geeignet.
2. Das schwedische Schulsystem wird offensichtlich nicht überall gleich praktiziert. Der nationale Lehrplan lässt den Kommunen und den einzelnen Schulen grosse Gestaltungsmöglichkeiten im Inhalt, wobei natürlich meistens kein Geld da ist. Pädagogische Konzepte unterscheiden sich sehr zwischen den einzelnen Schulen, ob kommunal oder freistehend.

Also nochmal, es ging hier um die schwedische Schule und wie wir in S sie empfinden, nicht um einen Vergleich mit D.

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 11. November 2008 23:51

Hallo Tommy,

ja und warum kommen dann immer die Lobhudeleien über das ach so gute Bildungswesen in Deutschland?
Ich kenne das schwedische Schulwesen nicht persönlich, kann ich ja leider nicht, da ich dummerweise in D geboren bin und dort wohne, da mußte ich mich damit, sehr zu meinem Leidwesen, auseinander setzen.

Aber ich kenne mehrere Deutsche, die nach Schweden ausgewandert sind, nicht nur 1 Familie sondern sehr viele und mit verschieden alten Kindern. Alle sind voll des Lobes über das gute Bildungssystem in Schweden und sie haben Vergleichsmöglichkeiten.
Das kleinste Kind ist gerade 5 Jahre alt geworden, geht schon zur Vorschule, lernt spielerisch sich auf die Schule vorzubereiten. Wo gibt es das in Deutschland? Auch ohne Vergleich weiß ich, dass das eine sehr gute Sache ist, wenn man Kinder spielerisch auf den Ernst des Lebens vorbereitet. In jungen Jahren nehmen Kinder am besten auf, da werden die Weichen für das Lernen gestellt. Und das ohne den unnötigen Leistungs- und Notendruck.
Die eine Familie wohnt erst seit 1/2 Jahr in Schweden, der Sohn bekam sofort Sprachunterricht und es wurde eine Lehrkraft für ihn abgestellt, die ihn sprachlich untersützt. Wo ist solch eine humane Geste möglich? Nur in einem Land, in dem Kinderfreundlichkeit groß geschrieben wird und Integration ebenfalls. Dem Jungen gefällt es im Gegensatz zu seiner erst kürzlich verlassenen Schule in D ausgezeichnet. Er muß sich nicht mehr mit der Ellbogengesellschaft, die bereits in D in den Schulen beginnt, herumplagen.
Die anderen mir bekannten Kinder gehen seit 6 -7 Jahren in Schweden zur Schule, lieben ihre Schule und die Tochter hat den Gesundheitszweig im Gymnasialbereich belegt. Mit Praktikumsplatz und Aussicht auf Anstellung.

Frage doch mal in anderen Ländern nach, ob Jugendliche und Schüler so durchgehende Chancen haben vom Schulabgang gleich eine Arbeit vorzufinden.

Wenn Ihr, die Ihr das schwedischen Schulwesen so angreift, so sehr der Meinung seid, dass es Euren Kindern schadet oder nicht genügend nutzt, dann bleibt Euch doch die Möglichkeit, Euch nach einer anderen Schulart umzusehen wie Internat oder Auslandsaufenthalt, wo Eure Kinder dann gedrillt werden können, ob sie dann fürs Leben besser vorbereitet sind, zeigt sich danach.

Grüße Aelve
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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon blueII » 12. November 2008 00:26

Danke Tommy2, das Du es nochmals unterstreichst.
Wir heben nicht D in den Vordergrund als Beispiel der superlativen Bildung.
Nein, ich spreche von meinen persönlichen Erfahrungen in einem Land in dem ich jetzt lebe und von dem "überall anerkannten Schulwesen". Ich frage mich persönlich nur noch einmal...woher kommt dieses Bild??
Ich kann nur sagen, ich habe sie hier nicht gefunden...und scheinbar weitere Personen in Schweden auch nicht, wo ist das Problem?

Ich verstehe Referenzrahmen nicht negativ!!
Wer vieles kennengelernt hat, hat den Vorteil aber auch gleichzeitig die Bürde, viele gute und weniger gute Lebensformen kennenlernen zu dürfen.
Niemals wird er alles Gute vereint irgendwo finden, aber immer wieder Vergleiche ziehen, das ist denke ich menschlich.

Akkut stellt sich mir aktuelles Problem..Schule rechts und links eine große Misere...weitläufigere Ausweichmöglichkeiten sind nicht in Sicht und schon gar nicht Ansprechpartner (außer Nichtschweden...nein korrigiere kenne auch einen Franzosen/schweden mit identische Einstellung) in denen man Gleichgesinnte finden würde.

In dem deutschen Dörflein in dem wir vorher gelebt haben, gab es eine Schule mit äußerst miserablen Ruf, aber Auswahlmöglichkeit war in erreichbarer Nähe und vieles andere der Förderung förderliches ebenso.

Hier ist eine 30tausend Seelen Stadt und ich werde nicht fündig..das ist leider die Realität.

Warum kannst Du Dir Hans nicht vorstellen Deine Kinder in eine deutsche Schule zu senden und uns Deine Empfindungen zu berichten??...Du wirst uns was dazu zu sagen haben, hoffe ich!
Und damit erhoffe ich mir keine Beweihreucherung des deutschen Schulsystems, sondern Du wirst Vergleichen und so manches finden was Dich befremdet...vollkommen natürlich, warum so erstaunt über meine Frage?

Ja Heike, vielleicht hast Du in einigesm Recht, aber !! da ist es wieder das deutsche? aber.. :wink: , wenn einer sich doch sprichwörtlich von Geburt an mit dem Sysem auskennt, hätte ich doch erwartet, das mir das so unverständliche System vielleicht mal aus erster Hand begründet wird.
Eine totale Negierung der vorhandenen Situation finde ich da ein wenig sehr bequem und den Vorwurf in einem intellektuellem Kahlschlag zu enden, etwas sehr einfach
:roll:

und zu guter letzt, warum Aelve all unsere persönlichen Erfahrungen negiert, uns Drill-Wunsch und sonstiges unterstellt (super Idee, ich hab ne ziemlich quierlliges Willenstarkes Mädel, da geht gar nix mit Anweisung, nur mit Überzeugung...und nebenbei bemerkt ist sie in einem Waldorfkiga :wink: ) ist mir ein vollkommenes Rätsel und ich höre auch langsam auf darüber nachzudenken..

Gutes Nächtle
Heike

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Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon Aelve » 12. November 2008 01:02

Liebe Heike, liebe anderen Foris,

ich hatte heute einen anstrengenden Tag, da mein Mann wegen einer Herzuntersuchung ins Krankenhaus kam und ich ihn auf der Intensivstation besuchen durfte. Einerseits war ich deshalb froh, hier mit Euch diskutieren zu dürfen, da ich dadurch von meiner Sache abgelenkt war und mich auch etwas abreagieren konnt. Falls ich also etwas angriffslustiger war, dann liegt das an meiner Anspannung und meiner Angst, dass es bei meinem Mann etwas ernsteres ist.

Aber davon abgesehen, verfüge ich nur über meine ureigensten Erfahrungen, über die ich hier schreiben kann, aber die waren mir nicht genug, da ich ein Mensch bin, der erstmal bei sich den Fehler sucht. Deshalb habe ich mich mit sehr vielen Eltern ausgetauscht und habe erfahren, dass es nicht nur meine schlechten Erfahrungen sind, auf die sich meine Aussagen stützen sondern die Erfahrungen machten die Mehrzahl der Personen, die ich kenne, ergo muß was dran sein am schlechten Schulsystem in Deutschland.
An Schule aus bekannten Gründen nun einmal sehr interessiert, spreche ich auch mit Eltern in Schweden über das Schulwesen in Schweden - und es sind alle begeistert - vor allem aber die Betroffenen nämlich die Kinder. Ich habe keinerlei Grund ihnen nicht zu glauben. Du, liebe Heike, schreibst, dass Deine Tochter in den Waldorfkindergarten geht. Gerade die Waldorfpädagogik sagt doch aus, dass die Kinder Kinder bleiben sollen, dass man sie nicht zu früh überfordert, dass man keine Noten vergibt, dass man an praktischen Beispielen lernt. Deshalb kann ich es nicht nachvollziehen, dass Du das Schulsystem in Schweden angreifst, welches doch auch human ist und sehr ähnlich der Waldorfpädagogik.
Unsere Kinder sagen, obwohl sie beide Abitur haben, dass sie sehr viel gelernt haben an der Schule, was sie überhaupt nicht mehr verwenden können, vieles ist viel zu theoretisch. Und im Beruf muß man nachher praktisch arbeiten können und nicht nur theoretisch.
Mir ist nicht nur die reine Wissensvermittlung wichtig, sondern auch soziale Kompetenz, Miteinander anstatt Gegeneinander, Teamwork anstatt Hirarchie. Deshalb sprach mich der genannte Artikel von Adolf Timm auch so an, der genau diese Voraussetzungen als gute Erziehungsaufgaben anspricht. Unser Sohn sagte schon sehr oft, dass was ich auf der Schule lernte, das hätte ich ebenso im Internet nachlesen können. Und ist es nicht wichtig, einen Schüler zu zeigen, wie er an Wissen kommt, wo er sich Informationen holt? So ist selbständiges Arbeiten später möglich, nicht durch Vorträge und die Schüler haben gar nicht den Sinn erfaßt, wie es oft von Lehrkräften praktiziert wird.
Meine Meinung deshalb - und ich kann nur meine Meinung durch meine Erfahrungen wiedergeben - ist die, dass Ihr Eure Kinder fördern müßt, wenn sie nicht ausgelastet sind. Es gibt soviele Möglichkeiten, kulturell, geschichtlich, hobbymäßig über tausend Themen, dass es auch an Euch liegt, den Kindern Wissen zu vermitteln. Durch die Praxis lernt man, wenn man in der Natur ist, wenn man Museen besucht, Tierparks, Schlösser besichtigt, Theateraufführungen besucht, Musik macht, Vogelkunde betreibt, ich könnte tausend Dinge aufzählen, die in der Schule nur am Rande vorkommen.
Laßt Euch anspornen, diese Dinge selbst in die Hand zu nehmen, denn reine Wissensvorträge bringen lange nicht den Erfolg, den praktische Erfahrungen bescheren.

Grüße Aelve
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nysn

Re: Erziehung, Schule in Deutschland und Schweden

Beitragvon nysn » 12. November 2008 08:35

Ich kann dieses Schlechtmachen nicht bestätigen.
Probleme gibts- leider, aber wie man hier sagt
"Ausnahmen bestätigen die Regel nicht"

Meine Kinder in der Schule und ihre Freunde haben diese Probleme nicht auf diese Weise.
Auch die ganze Klasse nicht in der beschriebenen Form.

So, ich wende mich gegen diese Beschreibung welche unserer Wirklichkeit nicht enspricht.


Es geht doch auch gar nicht darum, etwas "schlecht" zu machen und ich finde auch nicht, dass ich das getan hätte.

Für mich hat das schwedische Schulsystem erhebliche Schwachstellen, die leider nicht überbrückbar wären, wenn wir mit unserem Sohn zum jetzigen Zeitpunkt - in der 8. Klasse - das Schulsystem wechseln würden - also von S nach D.

Das ist leider unsere Wirklichkeit, mit der wir leben müssen.
Wir sind quasi gezwungen so lange in Schweden zu bleiben, bis mein Sohn mit der Schule fertig ist.

Auch wenn das mit dem Vergleichen so eine "Sache" ist, so muss man den Vergleich spätestens dann anstellen, wenn man von einem Land in das andere wechseln möchte.

S-nina


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