Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

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blueII
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon blueII » 5. Februar 2009 10:34

suomenpoika hat geschrieben:Ich habe in einem Restaurant in Stockholm mal Hähnchenbrust bestellt... Ich freute mich schon auf das magere Stück Fleisch - und es kommt eine fettige Hähnchenbrust mit Haut :vom:

Naja gut, die haut ließ sich abtrennen, aber das Fleisch war auch nicht gerade von guter Qualität. Solche Erfahrung habe ich übrigens häufiger gemacht... Entrecote oder sowas bestelle ich zumindest auch nicht mehr.


Das ist wohl Empfindungssache oder Gewohnheit.
Mal ehrlich, so wie das Fleich in Schweden verkauft wird, sollte es eigentlich aussehen, wenn es recht "natürlich" produziert wird. Was in D größtenteils in Supermärkten verkauft wird, hat doch nur noch entfernt was mit Fleisch zutun oder man muß zum Metzger seines Vertrauens gehen.

Die Fleischqualität empfinde ich hier tausend mal besser als in Deutschland!

Im Kiga mache ich mir auch keine Sorgen um die Ernährung der Kinder...die Kochen dort so ökologisch wie ich es selbst nicht hinbekomme und die Kinder dürfen abwechselnd mithelfen beim Kochen. Aber es ist halt ein antroposophischer Kiga.
Die öffentlichen Kigas im Dorf erhalten ihr Essen von der Schulküche, dessen "Qualität" ich nur vom Speiseplan kenne.
Aber so verlockende Aufzählungen wir Pizza, Spagetti, Korv, Potatismus lassen meine Erwartungen nicht allzu hoch schrauben.
Hinzu kommt, dass die Förskola und die Klasse 1+2 schon um 10.30h dort zu Mittag essen.
Ich frag mich, wie ich demnächst essenstechnisch den restlichen Tag gestalten soll. Abendessen um 15 Uhr??

Hej heike, das hört sich ja Klasse an mit dem Kochbuch. Habt ihr es echt drucken lassen, sodass man es käuflich erwerben kann?? Dann rühr doch mal die Werbetrommel!!! Es finden sich bestimmt hier einige Interessierte!!!

LG
Heike

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon suomenpoika » 5. Februar 2009 15:51

blueII hat geschrieben:Die Fleischqualität empfinde ich hier tausend mal besser als in Deutschland!



Warum schreien dann so viele nach einem deutschen, bzw. thüringischen Metzger? Meine finnische Verwandschaft ist zumindest von der deutschen Fleischqualität immer sehr begeistert, ich denke dass man Schweden und Finnland diesbezüglich auch auf eine Stufe stellen kann. Aber gut, vielleicht hast Du Recht und es ist reine Empfindungssache...

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon blueII » 5. Februar 2009 16:05

suomenpoika hat geschrieben:

Warum schreien dann so viele nach einem deutschen, bzw. thüringischen Metzger?
..............
Aber gut, vielleicht hast Du Recht und es ist reine Empfindungssache...


:wink: sie schreien, weil ihnen - so wie mir - gute WURST fehlt! :wink:

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Tulipa » 8. Februar 2009 23:00

Guten Abend,
vorhin wollte ich es mir mit dem Wochenendteil der Hallandsposten gemütlich machen. Hauptthema: 8 Seiten Reportage über Schulessen. Von gestressten aber engagierten Köchen und überall einzusparenden Kosten.

Die Wut packte mich allerdings auf der letzten Doppelseite mit den geballten Schülermeinungen. Von "wenn es daheim so schmeckte, würde ich nichts davon essen" über "äcklig" und "väldigt äckligt" (eklig - sehr eklig) bis zu "det smakar bajs. Skriv det!" "schmeckt wie Scheisse. Schreibt das genau so!" und "det smakar spyor" "schmeckt wie Kotze".

Dass nicht alle Schulküchen so gut sind wie unsere hier (s.o.) ist mir schon klar und auch, dass nicht jedem alles schmeckt. Aber essbar wird das Essen sicher sein und auch wenn es durch Steuermittel finanziert wird, für die Schüler bzw. deren Eltern ist es kostenfrei.

Meine gedanklichen Konsequenzen:

1. Schafft alle Schulküchen ersatzlos ab. Wer so daherredet, verdient kein gesponsortes Essen, sondern soll sich selbst nach seinem/ihrem Geschmack ernähren.

2. Die bei erwachsenen SchwedInnen so gepriesene Freund- und Höflichkeit ist bei vielen Jugendlichen nicht vorhanden. Meiner Meinung nach GEHÖRT es sich unabhängig vom Sachverhalt ganz einfach nicht, in dieser Form und mit solchen Ausdrücken öffentlich Kritik zu üben.

Ist ja fast schon ein neues Thema: die Höflichkeit der Jugendlichen.
Oder was meint Ihr ?

LG
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Unhöfliche Jugendliche » 9. Februar 2009 10:15

Hej,

in Schweden findet praktisch keine Erziehung statt - wie sollen also die Jugendlichen etwas von Höflichkeit verstehen? Sie wachsen ja ohne Grenzen, Regeln und Konsequenzen auf.

Im übrigen standen neulich häufig Artikel in den Zeitungen, nach denen das schwedische Schulessen als auch das Essen, das schwedischen Rentnern in's Haus gebracht wird, schlechtere Qualität als Katzenfutter haben. Das wurde auch im Fernsehen (für schwedische Verhältnisse sogar heftig) debattiert, z.B. in der Sendung "Debatt".

tirni

Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon tirni » 9. Februar 2009 12:44

Unhöfliche Jugendliche hat geschrieben:Hej,

in Schweden findet praktisch keine Erziehung statt - wie sollen also die Jugendlichen etwas von Höflichkeit verstehen? Sie wachsen ja ohne Grenzen, Regeln und Konsequenzen auf.



Das unterschreibe ich nicht, auch hier gibt es gut erzogene Jugendliche, schert bitte nicht alle über einen Kamm.

Und das Schulessen ist nicht immer geniessbar. Wer von euch isst Erdäpfel mit Haut, die schon stundenlang warmgehalten wurden? Ich jedenfalls nicht! Leider ist das aber der Alltag für viele unserer Kinder. Wie soll man auch frischgekochte Erdfäpfel haben, wenn man von 10.30 bis 1400 1400 Portionen serviert , die reinste Massenausfütterung?

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Tulipa » 9. Februar 2009 13:11

Also, "Erdäpfel mit Haut" = Pellkartoffeln gibt es hier auch. Frisch gekocht, im Dagis von den Fröken für die Kleinen am Tisch gepellt, die Schulkinder machen das selbst. Was soll daran verkehrt sein ? z.B. mit Hering oder Grüner Sosse eines unser Lieblingsessen daheim.

Naja, und die Jugendlichen ... dass die im Gegensatz zu den Erwachsenen auf der Strasse fast nie grüssen, kann man noch als Schüchternheit auslegen. Aber seit ich z.B. mal im Hallenbad mit halbwüchsigen Mädels ernsthaften Streit hatte, sehe ich das auch anders. Deren Klasse belegte alle Schränke, aber die waren nicht bereit, sich zu zweit einen zu teilen, damit wir - ich hochschwanger und mit Kleinkind - überhaupt einen bekamen.

LG
Tulipa
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Aelve » 9. Februar 2009 14:59

Hallo,

ich kann auch keineswegs bestätigen, dass alle Kinder in Schweden schlecht erzogen sind. Vorbildfunktion macht ja viel aus, im Normalfall sind die Schweden höflich und zuvorkommend, kann mir kaum denken, dass sich die Kinder nicht etwas davon abgucken.
Und ich kann mir auch vorstellen, dass das Schulessen wirklich ungenießbar ist. Wenn fast alle Schüler sagen, dass das Essen nicht schmeckt, dann sollte man kritikfähig sein und das Essen etwas verbessern, notfalls dann eben auch geldlich etwas mehr dafür verlangen, als einen niedrigen Preis für ungenießbares Zeug vorzuhalten, wovon dann die Hälfte weggeworfen wird.

Grüße Aelve
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon HeikeBlekinge » 9. Februar 2009 16:09

Aber essbar wird das Essen sicher sein und auch wenn es durch Steuermittel finanziert wird, für die Schüler bzw. deren Eltern ist es kostenfrei.


Wie recht Du hast.
Fuer mich liegt ganz klar auf der Hand, das viele heutzutage gar nicht wissen wie gut es ihnen geht.

@Aelve:
Das Schulessen in Schweden kostet die Eltern keine einzige Öre.

Klar! Wer pellt denn heut noch selbst seine Pellkartoffel!? Ist doch viiiel zu jobbig!!
(Entschuldigt wenn ich das jetzt so sage, aber ich wuerd meine Kinder werweisswohin... ähmmm, ich mein sie zur Schnecke machen wenn die da rummaulen wuerden.)

Und sagen wir mal so: Bitte nicht missverstehen was hier so geschrieben wird. Es sind NICHT ALLE Kinder oder Jugendliche unhöflich, keinesfalls! Aber es ist erschreckend auffällig wie niedrig die Respektschwelle bei ihnen- egal in welchem Land! - ist!

Leckere Gruesse
Heike
... die grad vom Schulkochen kommt und feststellen konnte das schwedische Hausmannskost echt mal schmecken kann ;-)
www.lilla-koksgarden.se


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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon irni » 9. Februar 2009 17:57

Tulipa hat geschrieben:Also, "Erdäpfel mit Haut" = Pellkartoffeln gibt es hier auch. Frisch gekocht, im Dagis von den Fröken für die Kleinen am Tisch gepellt, die Schulkinder machen das selbst. Was soll daran verkehrt sein ? z.B. mit Hering oder Grüner Sosse eines unser Lieblingsessen daheim.



Du verstehst nicht, mit Haut meine ich keineswegs die Schale, sondern die Kruste, die entsteht wenn man geschälte, gekochte Erdäpfel stundenlang warmhalten muss. Und wenn meine Kinder das äklig nennen, muss ich ihnen leider recht geben, obwohl ich die Wortwahl nicht gutheisse.


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