Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

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Imrhien
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Imrhien » 19. Januar 2009 21:17

Lyoner, das ist es! Falu, wenn ich das nur schon höre... bäh. Sieht aus wie Lyoner, ist aber keine. Im Saarland gibts wenigstens gute echte Lyoner die auch danach schmeckt.
Allergien haben hier wirklich viele und das ist echt nervig und anstrengend. Haben die die echt oder sagen die das nur weil man ja offensichtlihc was haben muss???
Ein Kind kann keine laktose das andere kein Eiweiss und das nächste nur besonderes Mehl. Klasse, da macht Waffelbacken doch echt Spaß :roll:
Und dann noch die besonderen Duftallergiker. Da darf man nicht mal ne Orange im gleichen Raum öffnen... sowas kannte ihc bis ich in Schweden lebte gar nicht. Unglaublich was es alles gibt.
Müll? Ja, massenweise. Schmeckt nicht, will ich nicht, werf ich weg. Unglaublich auch das.
Dann die Unart beim Essen immer rumzulaufen.
Was ich auch krass finde, sind die Fertigsachen. Ich meine, die gibt es in Deutschland ja auch aber irgendwie kannte ich da weniger Leute die das auch gekauft haben. Kann Zufall sein aber ich bin mir da nicht sicher.
Plätzchenteig, Waffelteig, Pfannkuchenteig oder gleich ganz fertige Pfannkuchen... Das kann man nun wirklich schnell selber anrühren? Ist nicht mal wirklich mehr Arbeit. :roll:
Das verstehe ich dann echt nicht mehr. Da ist ja nur noch Chemie drin, damit es die Konsistenz behält und so.
Naja, Eier aufschlagen ist auch echt schwer.

Grüße
Wiebke

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Hexenhäuschen » 20. Januar 2009 16:21

Hej,

sehr interessante Diskussion. Und wenn ich das so lese, bin ich nicht böse, daß ich keine Kindergeburtstage organisieren muß und auch noch nie bei Schweden zum Essen eingeladen wurde. Es wundert mich auch nicht, daß meine schw. Nachbarn eine Einladung zum Essen bei mir dankend abgelehnt (obwohl sie generell in D, Schweiz oder Österreich Urlaub machen) und den selbstgebackenen Kuchen nicht angerührt, sonder nur die Kekse gegessen haben. Die Kekse waren aus S..... :roll:

Gott sei dank habe ich liebe Freunde (gelle, Heike), wo ich öfter mal nachfragen kann, ob da was "genießbar" ist. Ich bin bestimmt nicht zimperlich, aber alles stecke ich nicht in den Mund. Aus dem Alter bin raus :smt045 !

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon irni » 20. Januar 2009 19:46

Ja, das liebe Essen!
Für mich bedeutete die Umstellung von richtigem Schwarzbrot zu Limpa eine Speckfalte pro Monat mehr. Man wurde ja niemals satt von dem Schaumgummibrot :wink:
Das mit dem Essenwegwerfen habe ich auch mit Schrecken registriert und sobald das Ablaufdatum eine Minute um ist wird alles sofort in den Müll geschmissen. Ablaufdatum bei Mineralwasser, als ob Wasser schlecht werden könnte, also Leute wo sind wir denn?
Bei uns hat die schwedische Küche die Überhand, nachdem ich einfach das Kochen zu öde finde, ist ja immer jemand der meckert.
Aber es geht ganz gut mit Sauerkraut und Kassler und einem richtigen Schweinebraten oder einem Gulasch. Das essen zumindest meine Kinder gerne. Gib´s dann auch noch Mamas Gummibälle (sprich Knödel) ist das Glück komplett, aber nur wenn keine schwedischen Freunde da sind :D
Bei uns heisst es, dass die Sonne nur scheint, wenn man brav aufisst. Alles muss zumindest verkostet werden, mag man´s nicht biete zumindest ich keine Alternative an. Da heisst es brav auf die nächste Mahlzeit zu warten, naja es gibt Ausnahmen, beim Schmalzbrot und dergleichen geht bei meiner Familie eine gewisse Grenze :roll:
Aber man nimmt auch nur so viel, wie man essen kann!
Man kann ja immer nachnehmen!

Allerdings glaube ich, dass das komische Essverhalten von der Schulküche kommt. Es passiert nicht so selten, dass das normale Essen aus ist, bevor alle bekommen haben. Da heisst es sich schnell mit genug zu versehen :) Ganz besonders, wenn populäre Gerichte serviert werden.

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Tulipa » 3. Februar 2009 23:24

Also,
einen Trick haben wir nun am Wochenende gelernt: eine kleine Freundin war bei uns, deren "det gillar jag inte" (das mag ich nicht) regelmässig beim Anblick selbstgebackenen Kuchens zu hören ist.

Nun verdrückte sie fröhlich mehrere Teller voll davon. Es gab dazu nämlich Schlagsahne und Erdbeersosse aus der Tube. Wobei diese Vorliebe ja nicht unbedingt typisch schwedisch ist.

LG
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon vinbär » 4. Februar 2009 08:25

Mir ist aufgefallen, dass man oft mit dem Essen anfängt, ohne auf die anderen zu warten, die Hände meist unter dem Tisch sind und die Aufgeschlossenheit gegenueber "Neuem" sich in starken Grenzen hält.

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon suomenpoika » 4. Februar 2009 09:30

Ich habe in einem Restaurant in Stockholm mal Hähnchenbrust bestellt... Ich freute mich schon auf das magere Stück Fleisch - und es kommt eine fettige Hähnchenbrust mit Haut :vom:

Naja gut, die haut ließ sich abtrennen, aber das Fleisch war auch nicht gerade von guter Qualität. Solche Erfahrung habe ich übrigens häufiger gemacht... Entrecote oder sowas bestelle ich zumindest auch nicht mehr.

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Tulipa » 4. Februar 2009 10:23

Guten Morgen,

ich kopiere mal meinen Beitrag von gestern zu den dicken (?) Kindern herüber, weil er ja auch hierhin passt. Wir sind jedenfalls sehr zufrieden und ich will doch auch mal etwas Positives schreiben:

Tulipa hat geschrieben:Wie schon mehrfach dargelegt, beobachte ich rundherum in der Bevölkerung hier fast ausnahmslos ungesunde, achtlose und verschwenderische Ernährung.

Für unsere Schul-/Kindergartenküche muss ich aber wirklich eine Lanze brechen. Was ich fast täglich beim Anrichten oder an Resten sehe, finde ich ausnahmlos lecker und appetitlich und auch hochwertig. Die Küche mit 2 Köchen ist durch Fenster voll einsehbar und blitzsauber. Wenn wir morgens kommen, winken uns die netten Köche schon durchs Fenster zu und wir sehen, wie sie ganze Kohlköpfe zerhacken, Salat waschen usw. Beim Abholen wird dann das mellanmål angerichtet mit frischem Brot und aufgeschnittenem Obst und Gemüse, da würde ich mich oft gar zu gern selbst bedienen.

Leider ist auch diese Idylle bedroht durch akute Zentralisierungsdiskussionen.


Die Kinder vom Kindergarten dürfen auch immer mal in der Küche zusehen, ich denke sogar, dass dort gesunde Ernährung erklärt wird. Neulich habe ich den Koch bei den Kleinen nach dem Mittagessen gesehen, er fragte, ob das Essen denn gut geschmeckt habe. Die Kinder jaja, und dann der Koch "Gut, wie immer!" - ist doch auch geschicktes Marketing, wie gesagt wollen sparsame Politiker diese Küche gern schliessen. Aber auch für gute Stimmung bei den Eltern sorgen die Köche, geben uns schon mal frische Brötchen mit weil wir beim mellanmål nicht dabei sind und neulich auf dem Elternabend wurden selbstgebackene Brote verlost.

Wohl leider nicht typisch, gibts aber eben auch.

LG
Tulipa
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rekukurz

Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon rekukurz » 4. Februar 2009 11:16

Ich habe in all den Jahren und mit den Freunden meiner Kinder noch nicht solche Erfahrungen gemacht. Ja gut, die Kleinen waren immer ein bisschen skeptisch, wenn sie etwas unbekanntes auf den Tellern sahen, aber sie haben meist probiert. Meine Kinder sind auch immer vorsichtig, wenn sie etwas essen sollen, dass sie nicht kennen, ich denke, das ist normal. Aber ich bin auch heikel und esse vieles nicht.

Die Klassen meiner Kinder haben zwei Jahre lang viele Samstage Kuchen verkauft für die Klassenreise und da wurde verschiedenst gebacken, Brot, Kuchen, Kekse, ... und da wurde gut dabei verdient.

Hier in der Stadt gibt es sehr gute Lebensmittelgeschäfte, ausgezeichnetes Brot und ziemlich vielfältig, ein reiches Käseangebot, einen guten Fleischer, .... und der Markt ist auch immer sehr gut besucht. Selbst unser ICA hat vor einiger Zeit renoviert und das Angebot ist noch besser geworden. Es sind vor allem ältere Leute (um die 60) und Migranten, bei deren Einkäufen ich mir so meine Gedanken mache.

Lebensmittelallergien sind in allen Industrieländern sehr im Vormarsch, Allergien überhaupt, Richtung Norden hin steigend. Man weiss nicht genau, woran das liegt, es ist aber so. In den letzten Jahren erkennt man sie früher und besser, Milchallergien zum Beispiel. Ich habe eine Kollegin, die schon reagiert, wenn jemand einen Erdnussriegel in ihrer Gegenwart auspackt. Und dass ist definitiv keine Mode und kein lustiges Erlebnis.

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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon Tulipa » 4. Februar 2009 21:32

Prima Aktion, die Klassenreise durch Backen zu finanzieren, würde ich sicher auch etwas kaufen. Ich tät auch bezahlen, wenn die z.B. mein Fahrrad putzen oder mein Auto waschen, oder liefe das schon unter Schwarzarbeit ?

Hier fällt der 5. Klasse nichts Besseres ein als gegen Eintritt Diskoabende für die Kleinen (ab Förskoleklass) zu veranstalten und dort Süssigkeiten zu verkaufen :shock:

LG
Tulipa

ach ja, ausser bei diesen Disko-Veranstaltungen ist an der Schule grundsätzliches godis-Verbot, ist das überall so ?
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Re: Erfahrungen mit der schwedischen "Esskultur"

Beitragvon HeikeBlekinge » 4. Februar 2009 22:39

Das haben wir bei uns hier auch: Dass die Klassen durch Backen Geld verdienen um sich Klassenfahrten zu finanzieren. Find ich prima.
Das regt die Eigenverantwortung an.
Letztes Jahr hatte die 8te meines Ältestens die glorreiche Idee gehabt ein Kochbuch herauszubringen. Fragt mich aber lieber nicht was da fuer "gesunde" Rezepte drin sind - grins (Mamma "durfte" es setzen/layouten)
Von Marschmallowglass ueber Dajm bis zu hin zu Kycklingsoppa Tom Ka Gai (die nieee jemand abkochen wird) war das "Esskultur schwedisch HOCH DREI"
Aber verkaufen tuts sichs gut ;-)

Natti
Heike
www.lilla-koksgarden.se


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