Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

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Lisaflisa
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Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Lisaflisa » 1. Oktober 2007 13:35

Hej!

Da dieses Thema ja schon öfter im Forum diskutiert wurde, wollte ich nun mit taufrischen Erfahrungen beisteuern.

Erstmal zum Vergleich:
Vor drei Jahren joggte ich mit einem Freund in Süddeutschland durch den Odenwald. Es ging bergab und ziemlich schnell (unten lockte die kühle Kneippanlage). Plötzlich knickte mein linker Fuß ein und ich fiel der Länge nach hin, schlitterte über den Geröllboden und rollte dann seitlich in die Büsche. Ich habe schrecklich ausgesehen. Von oben bis unten blutig und dreckig, jeder Körperteil hat mir wehgetan, ich hab Rotz und Wasser geheult. Gottseidank war ich nicht alleine, aber ich musste trotzdem fünf Kilometer nach Hause laufen. Zuhause fuhr mein Lauffreund mich dann ins Krankenhaus und obwohl das Wartezimmer voll war bekam ich gleich erste Hilfe. Mir wurden die Wunden gereinigt und eine Decke umgelegt, danach durfte ich mich auf ein Bett legen und auf den Arzt warten. Nach etwa zwei Stunden kam ich dran und wurde von oben bis unten untersucht. Der Arzt entdeckte dann auch die Schwellung an meinem Fuss und schickte mich zum Röntgen. Danach stand fest, dass meine Aussenbänder im Sprunggelenk gerissen waren. Ich bekam Krücken und eine Überweisung an den Orthopäden mit nachhause. In den nächsten Wochen war ich regelmässig beim Arzt, erhielt Krankengymnastik und eine Schiene füur das Bein. Drei Wochen msuste ich zuhause bleiben, bis ich wieder vor die Tür durfte. Erst nach drei Monaten konnte ich wieder vernünftig laufen.

Gestern in Schweden:
Mein Freund und ich machten eine Fahrradtour längs Görnvälns Naturreservat, bei Sandudden kan man über zwei Brücken raus auf eine Insel fahren, auf der wir wunderschöne Klippen entdeckten. hier wollten wir unsere Fika einnehmen bevor wir den Heimweg antreten. Kaum machte ich ein paar Schritte auf den Klippen, da trat ich mit dem linken Fuss schräg auf einen Stein, der keiner war. Mein Fuss knickte voll um und ich erkannte sofort das bekannte "fump" als die Muskel wieder rissen.
Schreiend und heulend lag ich auf dem Boden. Sofort musste ich an die monatelange Humpelei und Zuhausebleiberei denken.
Ich konnte natürlich nicht mehr laufen. Mein Freund schwang sich aufs Rad und fuhr alleine nach Hause, holte das Auto und fuhr dann wieder zu mir auf die Insel. Währenddessen sass ich alleine fast zwei Stunden auf dieser blöden Klippe und hab gefroren...
Wir sind direkt nach Danderyds sjukhus gefahren, wo ich das letzte mal bei meiner Geburt war. Dort liess man mich erstmal auf einem Bein zu drei verschiedenen Stellen hüpfen, dann hiess es warten. Sie hatten weder Eis für meinen Fuss noch einen Rollstuhl oder Krücken. Wir warteten drei Stunden. Leute kamen und gingen oder hüpften wie ich auf einem Bein. Ein Mann aus Angola kam herein, auch auf einem Bein und musste erstmal 2000 SEK blechen um überhaupt sich setzen zu dürfen. Nachdem wir vier Stunden gewartet hatten, ging mein Freund mal fragen und bekam zur Antwort, dass es noch mehrere Stunden dauern würde. Wir überlegten dann ob wir einfach gehen sollten aber da kam dann jemand und bot mir einen Platz auf einer Pritsche an. Da warteten wir eine weitere Stunde bis tatsächlich eine Ärztin kam, die sich etwa 40 sek mit mir unterhielt, meinen Fuss betastete und mich dann zum Röntgen schickte. Eine weitere Stunde später war ich dann geröntgt und noch zwei Stunden später kam die Ärztin nochmal, erklärte mir es sei nichts gebrochen, hier noch eine Schmerztablette und ich dürfte jetzt gehen. Achja, ein paar Krücken und einen Stützstrunpf bekam ich noch.
Es war mittlerweile ein Uhr nachts, wir waren sieben Stunden im Krankenhaus gewesen und hatten keine Kraft mehr zu argumentieren. Der arme Mann aus Angola lag immernoch auf seiner Pritsche, war noch nicht mal geröntgt worden, seine Rufe nach Aufmerksamkeit wurden einfach ignoriert. Einem älteren Herrn wurde mit so einer Schnelligkeit der Stützstrumpf angezogen, das er vor Schmerz aufschrie.

Mein linker Knöchel ist heute tennisballgroß und tut höllisch weh. Ich fühle mich unzureichend behandelt und beraten. Ich möchte hier weder die Ärztin, noch die Schwestern, noch das Krankenhaus ankreiden, sondern bin der Meinung dass grundlegend im System hier was schiefgeht. Ich wäre absolut bereit eine höhere Krankenversicherungsgebühr zu zahlen, wenn mir das eine bessere Krankheitsbehandlung garantieren würde.

So, ich glaube das war bisher mein längster Beitrag. Sorry, wenn ich Euch volljammer, aber das musste jetzt mal raus. Ich geh jetzt wieder aufs Sofa den Fuß hochlegen!

//Lisa

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MyHämmer
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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon MyHämmer » 1. Oktober 2007 14:05

Hallo Lisa

erstmal noch gute Besserung und das alles wieder gut wird.

Das was du geschrieben hast kam mir irgendwie sehr bekannt vor das haben wir auch schon alles durch auch mit ähnlichen Hintergründen allerdings ging es bei meinem Ex um einen Bänderriss.

Aber du wirst jetzt vielleicht bitter lachen, das kennen wir nicht aus Schweden, nein das kennen wir so aus Good Old Germany.

Ich kann und möchte auch Schweden in dieser Hinsicht weder loben noch verurteilen, ich habe noch keinerlei Erfahrungen in Schwedischen Krankenhäusern und bei den dortigen Ärzten gesammelt.

Ich arbeite ja hier in Deutschland ebenfalls im sozialen Bereich und habe daher immer mit diesem System zu tun und daher kenne ich die tollsten Stories auf dem Gebiet.

Aber ich muss auch gestehen ich bin im Krankenhaus privat versichert und kriege im Rahmen dieser Versicherung auch Chefarztbehandlung, es sind gelegentlich schon größere Unterschiede zu merken.

Auch kriege ich schneller OP-Termine im Notfall.

Es ist nun mal überall so wie es ist, aber das man jetzt sagen könnte das schwedische System wäre sch..., glaube ich ehrlich gesagt wäre dann doch übertrieben.

Aber wie gesagt fehlende Erfahrungswerte, lediglich meine Meinung,

liebe Grüße aus Aschaffenburg
Um jemanden zu kennen ist es nicht wichtig zu wissen was er erreicht hat, sondern zu wissen wonach er sich sehnt!!!

Manty

Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Manty » 1. Oktober 2007 14:23

Auch dir schick ich heut mal ein bißchen Mitleid :smt056 und gute Besserung! Auch unser Krankenhauserlebnis mit dem Kleinen war so ähnlich. Die Ärztin hat sich seinen Fuß auch nur ganz kurz angesehen und uns zum Röntgen geschickt, da kamen wir aber gleich dran, dafür durften wir dann aber auch 2 h warten bis ich denn nachfragte, was denn nun mit unseren Röntgenbildern sei, da hat die Schwester denn in der Röntgenabteilung erst einmal angerufen und kurz darauf wurden wir endlich aufgerufen. Die Ärztin teile uns kurz mit, daß der Fuß gebrochen ist. Das war alles. Dann durften wir nochmal ewig sitzen bis endlich wieder eine Ärztin kam, die uns dann sagte, daß der der Kleine einen Komplettgips bis in den Schritt bekommt, sie schaute sich den Fuß nochmal an und weg war sie auch wieder. Hat dann nochmal über 1 h gedauert bis ein Gipsmensch kam und dann endlich, endlich hatten wir unseren Gips dran. Am Ende sind wir dann auch auf 7 h gekommen. Der Kleine hat mir so schrecklich leid getan und man konnte nichts machen, einfach nur warten und versuchen, ihn zu beruhigen. Das hat mich am meisten aufgeregt und das man Leute kommen und gehen sehen hat und man selbst saß immer noch da. Schlecht behandelt haben wir uns in dem Sinne nicht gefühlt, ich fand es nur skandalös einen so lange warten zu lassen und dann auch noch mit einem Kleinkind. Bei den Nachuntersuchungen ging aber alles rucki zucki. Aber wurde ja hier auch schon öfters erwähnt, wenn mans denn erstmal ins System geschafft hat, läufts dann auch.

Aus D kann ich auch eine Negativstory beisteuern. Hatte mal vor Jahren, ewig her, einen Bandscheibenvorfall. Im Krankenhaus haben sie mir nur eine Spritze gegeben, meine Mutter angerufen, daß sie mich abholen solle und die Empfehlung ausgesprochen, ich solle zu einem Othopäden gehen. Ich hatte fürchterliche Schmerzen trotz Spritze und konnte kaum laufen. Meine Mutter hat mich dann irgendwie ins Auto geschleppt, ich weiß bis heut nicht, wie sie das geschafft hat und mich zu einem Orthopäden gefahren. Der sagte, ich solle mich nicht so anstellen, mit 21 Jahren kann man noch nichts am Rücken haben :shock: und hat mir Schmerztabletten gegeben. Erst meine Hausärztin hat mich dann zum MRT geschickt und da wurde dann endlich festgestellt, daß ich einen Bandscheibenvorfall hatte. In dem Krankenhaus und bei dem Orthopäden war ich nie wieder! Meine noch heut mich betreuende Orthopädin ist topp. Auch hatte ich ein Jahr später nochmals einen Bandscheibenvorfall und war dann aber wohlweislich in einem anderen Krankenhaus und da wars dann wieder von Anfang bis Ende positiv, sogar einen Rollstuhl habe ich sofort angeboten bekommen.

Jeder wird mal gute und mal negative Erfahrungen machen. Wahrscheinlich muß man zur richtigen Zeit auf den richtigen Arzt treffen. Ist schon schlimm, daß es überhaupt Negativerfahrungen mit Ärzten gibt.

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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Imrhien » 1. Oktober 2007 14:25

Hej Lisa,
Du Arme. Das tut mir echt leid was Dir passiert ist. Ich wünsche Dir gute Besserung und vor allem schnell weniger Schmerzen.

:smt055 :smt039

Viele liebe Grüße

Wiebke

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Skogstroll
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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Skogstroll » 1. Oktober 2007 15:42

Hej Lisa,

erstmal auch von mir Gute Besserung!
Mit deinen Erfahrungen stehst du leider nicht alleine da. Auch wenn ich mir jetzt wieder den Unmut der Ärzte im Forum zuziehe, so ist eine miese Versorgung ganz offensichtlich keine Spezialität Norrbottens. Erst letzte Woche war wieder ein Fall in der Zeitung, wo ein achtjähriger Junge in Boden mit gebrochenem Bein in der vårdcentral abgewiesen wurde (!), weil die Eltern ihn in die nächstgelegene und damit "falsche" VC gebracht hatten. Die Eltern durften in die nächste VC (der sie per Wohnort zugewiesen sind) fahren und dort stundenlang warten, nur um eine Überweisung ins Krankenhaus im nahen Sunderbyn zu bekommen, alles mit einem Kind mit gebrochenem Bein.

Klar, Boden ist Norrbotten, aber der dichtest besiedelte Teil an der Küste mit einer Reihe schon etwas grösserer Städte in der Umgebung.
Trotzdem: Freie Arztwahl existiert nur auf dem Papier. Das Gesundheitswesen ist hoffnungslos überlastet und wird weiter zurückgebaut, Besserung ist nicht in Sicht. Einen Akuttermin in der vårdcentral zu bekommen gleicht einem Sechser im Lotto (ich habe noch nie einen bekommen und kenne auch niemanden, der schonmal einen bekommen hätte). Man sollte seine Krankheiten schon langfristig planen. Sollte ich Schweden mal wieder verlassen, dann wird das der Hauptgrund sein.

Skogstroll

Manty

Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Manty » 2. Oktober 2007 09:37

Oh Skogstroll da wird mir ja schon wieder ganz mulmig, wenn ich das lese. Da muß ich ja noch von Glück sprechen mit unseren sieben Stunden Wartezeit bei Kind mit gebrochenem Bein. Wir wurden wenigstens in der Notaufnahme angenommen.

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Santa
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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Santa » 2. Oktober 2007 12:25

huhu!
Bei den ganzen Wartereigeschichten , wo Deutschland auch nicht grad super ist, würde mich mal interessieren, wie das in Schweden läuft, wenn man per Rettungsdienst eingeliefert wird?
Hier in Deutschland geht das dann ja erfahrungsgemäß sehr schnell! Und die Verletzungen und wie es dazu kam, was ihr schildert, rechtfertigen durchaus einen Rettungswagen!
wie ist das dann in Schweden? Oder muß man den Einsatz in Schweden dann bezahlen?

Lieben Gruß
Tanja

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Joerg
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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Joerg » 13. Oktober 2007 22:52

Hallo,
na das hört sich ja toll an, aber soetwas gibt es nicht nur in Schweden. Leider habe ich in den letzten 3 Jahren einige Krankenhäuser von innen sehen müssen (in Deutschland) da ich mir selbstverschuldet einen schweren Herzschaden zugezogen habe. Was ich da zum Teil erlebt habe fällt schon in die Rubrik Horror. Ich kam ins Krankenhaus weil ich nach 3-5 Metern gehen so aus der Puste war wie wenn ein normaler Mensch 500m Sprint zurückgelegt hat. Dazu kam, dass ich permanent schwersten Muskelkater hatte. Zuerst dachten die, ich hätte eine Lungenentzündung, also wurde ich geröngt. Bis dahin musste ich, obwohl körperlich nicht mehr in der Lage, überall hin zu Fuß gehen. Treppe rauf, Treppe runter, den Gang da lang... . Und alle 3-5m eine Pause zum verschnaufen. Die Röntgenbilder waren fertig und man wußte nun was los war. Und man sagte mir, ich könne jeden Moment tot umfallen, ich muß dableiben. Ich kam sofort auf die Intensivstation, da mein Zustand sehr kritisch war. Dort angekommen gab man mir sofort auf was um das Herz zu entlasten und was gegen das angesammelte Wasser im Körper. Wer soetwas schon mal in höherer Dosis bekam, der weiß, das von dem Moment wo man merkt das man pinkeln muss, bis zu dem Moment wo das Wasser mit brachialer Gewalt raus will nur wenig Zeit liegt. Also was das Fläschen zum reinpinkeln sehr schnell voll. Ich klingel nach der Schwester (man bedenke, schwer Herzkrank und Intensivstation) aber es kam niemand. Zum Glück war mein "Zimmernachbar" ansprechbar und ich bat ihn auch zu klingeln, da ich erneut pinkeln musste. Es kam dann eine Schwester und ich bat sie meine Flasche zu leeren und mir eine zweite zusätzliche Flasche zu bringen. Das tat sie auch. Als die erste Flasche erneut voll war klingelte ich erneut nach der Schwester......... und nichts. Ich klingelte und klingelte, nichts. Als die zweite Flasche voll war und immer noch keiner da war bat ich meinen Bettnachbarn erneut nach der Schwester zu klingeln. Wenig später war auch eine da. Als ich ihr die situation erklärte schaute sie nach der Klingel und siehe da, der Stecker steckte gar nicht für meine Klingel. Und das auf einer Intensivstation. In der gleichen Klinik zur gleichen Zeit (also immer noch Intensivstation aber zwei Tage später) bekam ich zu meinen Tabletten auch noch so ein kleinen "Snapsbecher" mit einer Flüssigkeit zum einnehmen hingestellt. Auf meine Frage was ich denn da jetzt noch zusätzlich bekomme sagte die Schwester nur: "Oh, das ist ja für ihren Nachbarn." Der hatte aber nichts mit dem Herzen, der war schwerst Krebskrank und lag in den letzten Zügen.
Zu einer anderen Zeit (ich hatte ebenfalls Bänderriss) lies man mich auch rumhumpeln. Zum Röntgen, zurück... . Erst als feststand was ich hatte bekam ich Krücken.
Also dafür muss man nicht nach Schweden.
Und eines möchte ich aber zur Ehrenrettung der Ärzte ebenfalls sagen. Hier bei uns gibt es sehr viele Menschen, die zum Arzt gehen damit sich überhaupt mal einer um sie kümmert. Der Arzt hat also die Aufgabe, diese Kranken von den richtigen zu unterscheiden. Ausserdem ist ein Mensch mit nichts zu vergleichen. Nehmen wir ein Auto dagegen. Obwohl ein Auto technisch sehr fortgeschritten ist, so ist es doch sehr übersichtlich (im Vergleich zu einem Menschen). Und trotzdem unterlaufen den Mechanikern Fehldiagnosen. Jetzt kann man sich die Verantwortung eines Arztes vorstellen. Ein Mensch ist mit all seinen Nerven, Muskeln, Organen usw viel defizieler (ich weiß nicht ob das richtig geschrieben ist, aber ich finde jetzt war es Zeit für ein Fremdwort ;-)) Und wenn dann eine "Inspektion" länger dauert ist es mir recht. Und nur weil ich warten muss heißt das ja nicht, dass der Arzt untätig ist. Vielleicht hat er ja auch Notfälle?.! Und irgendwie habe ich hier nicht gelesen, das es bei den Wartezeiten um Leben oder Tot ging. Ich denke mal, da werden dann in den Wartezeiten auch unterschiede gemacht.

Gruß Jörg

P.S.: Nein, ich bin kein Arzt, ich bin Mechaniker, aber trotzdem wollte ich diese Lanze mal brechen.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
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Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Maren » 19. Oktober 2007 23:02

Hej,

jetzt möchte ich auch mal ein gutes Wort für das deutsche Gesundheitswesen einlegen.
Ich Arbeite als Röntgenfachkraft in einer chirurgischen Unfallambulanz, wo es von Morgens bis Abends nicht langweilig wird und ich, wenn ich nach einer 11 Stunden Schicht rauskomme mich wie 90 und nicht wie 29 Jahre alt fühle.
Wir versuchen alles so schnell wie möglich und natürlich für den Patienten so angenehm wie möglich zu machen, aber manchmal machen es uns die Patienten auch nicht leicht.
Oft kommt nicht mal ein Guten Morgen, sondern gleich ein "wie lange wird es dauern?" oder "ich hab in 20 Minuten einen anderen Termin,muß aber noch 15 Minuten dorthinfahren, schaffen sie das?" oder sie müssen wirklich mal ne halbe oder eine Stunde warten weil wir gerade einen Rettungswagen mit einem Verkehrsopfer und noch 2 Kleinkinder mit gebrochenen Knochen im Hause haben (Blutende Patienten und Kleinkinder haben bei uns Vorrang!) und trotzdem gibt es einige die dafür kein Verständnis haben.
So konnte ich es mir einmal echt nicht verkneifen einem mauelden Patienten der ja schon 20 Minuten warten mußte und nicht verstand warum das Kind das mit einem Fahrrad auf dem Schulweg von einem Auto angefahren wurde und jetzt blutend vom Rettungswagen gebracht wurde, vorgenommen wurde, wo ich ihm nur höflich antwortete wenn sie das nächste mal blutend eingeliefert würden, kann ich sie ja ans Ende der Patientenwarteliste setzen, worauf er mich anstarrte und sich wieder setzte.
Es ist ja nocht so, das wir uns eines Spaß daraus machen die Leute warten zu lassen oder die ganze Zeit Kaffee trinken. Mehr als arbeiten kann man einfach nicht, das ist in anderen Berufen ja nicht anders.
Und wenn ich mir ansehe wie Patienten im Ausland (Spanien und Italien z.B.) behandelt werden, da frag ich mich manchmal ob dort jeder Arzt werden kann.
Dort werden gebrochene Knochen schief eingegipst,wird ja schon irgendwie wieder zusammenwachsen, ob man den Arm oder den Fuß hinterher noch bewegen kann oder nicht spielt da keine so große Rolle.

Also auch wenn man mal warten muß, es ist nicht um den Patienten zu ärgern, bestimmt nicht!

LG

Maren :elch:

Smultron

Re: Erfahrungen mit den schwedischen Gesundheitssystem

Beitragvon Smultron » 20. Oktober 2007 13:13

Hej,
möchte noch mal mit einem neuen Erlebnis beitragen. Mein Mann hatte bei Holzarbeiten Stäube ins Auge bekommen. Am nächsten Tag war das Auge etwas entzündet, die Apotheke empfahl eine Spülung, was wir kauften u. angewendet haben. Nach 2 weiteren Tagen war keine Besserung zu erkennen. Das Auge schwoll zusehens stark an, so dass er nicht mehr selbst Auto fahren konnte. In der Vårdcentrale mußte er trotz seines geschwollenen Gesichts erst bei der Krankenschwester vorstellig werden. Diese gab dann ihr o.k. beim Arzt einen Termin zu bekommen. Der wurde dann für den Nachmittag festgelegt. Der Arzt (Augenarzt war nicht anwesend) meinte erst weiter spülen, entschied sich noch zu einer Salbe. In Auge konnte man keinen Fremdkörper erkennen. In den 2 folgenden Tage verschlechterte sich die Entzündung zusehens. Es kamen Schmerzen und Fieber dazu. Bei dem zweiten Besuch in der Vårdzentrale (8 Uhr) sollte er auch erst wieder bei der Krankenschwester vorstellig werden, bekam dann doch auf unsere Bitte hin direkt beim Arzt einen Termin für den späten Nachmittag. Da er sich aber doch recht schlecht fühlte suchten wir einen Privataugenarzt auf. Dort wurde er recht schnell untersucht, bekam Antibiotikasalbe u. Tabletten. Dann trat auch endlich Besserung ein. Diese Privatbehandlung wurde durch eine Auslandsschutzversicherung ohne Probleme erstattet.


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