Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

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unbekannt

Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon unbekannt » 18. April 2009 07:56

Hallo zusammen,

neulich musste meine geliebte alte Karre (Opel Astra, Bauj. 93, 272.000 km) zur jährlichen bilprovning. Ich habe mich schon auf das Schlimmste eingestellt, obwohl ich wusste, dass es beim schwedischen TÜV vergleichsweise locker zugeht. Man könnte doch meinen die Schweden seien so sicherheitsbewusst, da viele von Ihnen sich niemals ohne Helm auf ein Fahrrad schwingen würden.

Mein Auto hatte vorne links einen Federbruch, bei der die letzte untere Windung abgebrochen war. Raus bekommen habe ich das Bruchstück nicht. Ein deutscher KFZ-Sachverständiger meinte, dass in Deutschland zu 80% Wahrscheinlichkeit der Wagen gleich auf dem TÜV-Gelände stillgelegt werden würde. Und wie war es bei der bilprovning? Der freundliche Prüfer hatte mit geübten Griff das Bruchstück entfernt und ich bekam nur ein "bra att veta" = "gut zu wisssen" über eine gebrochene Feder. Zur Nachkontrolle muss ich nicht und reparieren muss ich das auch nicht, meinte er.

So locker war es auch bei anderen Terminen mit einem Loch im Auspuff (Bemerkung: "dags att byta"), defekter Beleuchtung oder Spiel in der vorderen Radaufhängung. Als mal die Trommelbremsen der Hinterachsen einseitig zogen, hat der Prüfer so lange gebremst, bis die Werte stimmten. Er meinte, ich würde zu wenig bremsen. Ebenso locker war die Gemütshaltung bei einer extrem pulsierenden Bremse wegen einer defekten Bremscheibe am Hinterrad. Meine Windschutzscheibe hat einen Riss auf der ganzen Länge etwa 10 cm parallel zur Unterkante. Hauptsache der Riss ist nicht im Sichtfeld.

Und für die 300 Kronen Gebühr bekommt man auch noch einen Kaffee angeboten, nachdem der Prüfer das Auto übernimmt. Die Untersuchung dauert vielleicht 20 Minuten. In der Regel musste ich nur 5 Minuten vor dem Gebäude warten. Die Termine bucht man über das Internet oder telefonisch.

Übrigens werden die Abgasewerte gleich mitgeprüft. Dafür muss man nicht in die Werkstatt wie in Deutschland. Und die Prüfer beraten einen gerne über den Zustand des Autos und wie man Reparaturen zum Teil selber ausführen kann. Man sollte also nicht müde werden, auf alle Fehler des Fahrzeuges hinzuweisen.

Krautheimer
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Krautheimer » 18. April 2009 09:37

Is ja geil, ich freu mich schon immer mehr auf mein nächstes Zuhause...

Briefmarkensammler
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Briefmarkensammler » 18. April 2009 09:43

Hej,
eigentlich solltest Du Dich schämen, mit so einer Schrottkarre im Straßenverkehr teilzunehmen und Dich und ganz besonders andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Nicht auszudenken, was alles passieren kann.
Der Briefmarkensammler


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hansbaer

Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon hansbaer » 18. April 2009 09:59

Ich hatte kürzlich registreringsbesiktning. Fand es auch recht angenehm - allerdings wusste ich, dass es keine Mängel gibt, die relevant wären. Den Prüfer auf Mängel hinzuweisen wäre mir aber nicht eingefallen. Ich glaube nicht, dass die alle derart entspannt sind.

jörgT
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon jörgT » 18. April 2009 19:21

Volker hat geschrieben:Hallo zusammen,

neulich musste meine geliebte alte Karre (Opel Astra, Bauj. 93, 272.000 km) zur jährlichen bilprovning ... Als mal die Trommelbremsen der Hinterachsen einseitig zogen, hat der Prüfer so lange gebremst, bis die Werte stimmten. Er meinte, ich würde zu wenig bremsen. Ebenso locker war die Gemütshaltung bei einer extrem pulsierenden Bremse wegen einer defekten Bremscheibe am Hinterrad.


Du hast ja ein komisches Auto - kombinierte Scheiben- und Trommelbremsen??? Der Astra sollte schon Scheibenbremsen haben, auch an der Hinterachse ... :?
Und sonst frage ich mich auch, was für eine Schrottkiste Du eigentlich fährst ... :wink:
Jörg

unbekannt

Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon unbekannt » 18. April 2009 20:37

Hier die Erklärung: Meine Frau und ich haben zusammen zwei Autos und bei zwei Autos können mehr Defekte haben als eins. Nur bin ich derjenige, der immer zur bilprovning fahren darf. Der Astra hat hinten Trommelbremsen, der Volvo Scheibenbremsen.

Abgesehen davon ist der deutsche TüV nach meiner persönlichen Erfahrung recht schlampig. Bei unserem Volvo ist mir eine schwammige Fahrweise aufgefallen. Der deutsche TÜV hat nichts gemerkt. Erst die bilprovning 7000 km später hat mich darauf hingewiesen, dass die Lager der vorderen Querlenker erheblich ausgeschlagen sind, was nicht innerhalb von 7000 km passiert. Habe ich natürlich machen lassen.

Zum Thema Schrottkarre: Man soll nicht Autos nur nach ihrem Alter, der Km-Zahl oder eventuellen Lackkratzern beurteilen. Wichtig ich die technische Sicherheit und auf die wird in Schweden nach meiner Erfahrung besser geachtet (siehe Lager der Querlenker bei meinem Volvo). Und zwar nicht alle zwei Jahre sondern jedes Jahr. In Deutschland wird mehr auf Paraqraphen und Vorschriften herumgeritten anstatt der Physik zu vertrauen. Wehe, wenn der Auspuff kein Typenprüfzeichen hat, dann verliert das Fahrzeug die Betriebszulassung, obwohl das mit der Sicherheit wenig bis nichts zu tun hat. Beim Astra kann wie bei den meisten anderen Fahrzeugen die Feder nicht vom Teller springen, selbst wenn die Feder in der Mitte bricht. Deshalb wird eine abgebrochene Windung in Schweden noch toleriert. Bei einigen Radaufhängungen bestimmter Fabrikate bohrt sich die Feder bei einem Bruch in den Reifen. So etwas sehe ich als Konstruktionsfehler an und dürfte nicht verkauft werden. Federbrüche passieren recht häufig und werden oft überhaupt nicht bemerkt, wenn nur ein kleines Stück wegbricht. Schaut mal in Eure Federteller nach, ob da nicht lose Teile herumliegen. Es ist meistens nicht der Werkzeugkasten, der so klappert.

Alte Autos - also diese "Schrottkarren" - mit hohen Laufleisteistungen sind übrigens in der Gesamtenergiebilanz umweltfreundlicher, da sehr große Mengen Kohlendioxid bei der Herstellung eines Autos entstehen. Alte Autos verbrauchen in der Regel auch weniger Sprit als die neuen, die mit Komfortfunktionen und Sicherheitsfunktionen vollgestopft sind. Jetzt wären wir schon beim Thema Abwrackprämie, volkwirtschatflich eine gute Idee aber umweltpolitisch kontraproduktiv.

Wer in einem neueren Auto mit 12 Airbags sich in Sicherheit wiegend durch die Gegend fährt, fährt im Durchschnitt weniger achtsam, was nachgewiesen ist. Übrigens weiß niemand, ob die Airbags noch nach 7 oder 8 Jahren tatsächlich immer funktioneren, aber das steht natürlich nicht in den Autoheftchen drin, die von den Anzeigen der Automobilbranche leben müssen. Ich habe viel mit der Branche Fahrzeugelektronik zu tun. Da schnappt man einiges auf, z.B. Softwarefehler in ABS-Bremssystemen, die in ganz seltenen Fahrsituationen auftreten.

Fahrt also so oder so vorsichtig und schnallt Euch an. Die Airbags nutzen ohne Gurt nicht viel. Ich war in meinem Leben 2 Mal Ersthelfer bei Verkehrsunfällen mit Verletzten. Es gibt schönere Erlebnisse. Soweit zum Vorwurf eines "Briefmarkensammlers" zu meinem Verantwortungsgefühl.

PS: Schaut Euch mal die Bilder auf http://www.vedbil.se/veddrift.shtml an. Ist doch eine tolle Sache, was da junge Leute gemacht haben. Die deutschen Vorschriften würden schon den Gedanken daran im Keime ersticken.

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon alfalfa » 26. April 2009 01:10

Sorry Volker, aber eine gerissene Windschutzscheibe, eine gebrochene Feder und eine kaputte Bremsscheibe sind sehr wohl sicherheitsrelevante Teile, die schnellstmöglich erneuert werden sollten!
Bei Opel scheinen gebrochene Federn wohl häufigerer vorzukommen (eine Freundin hatte das z.B. vor kurzem bei ihrem 95'er Corsa auch und man kann dazu in google einiges finden).
Ich kann Dir versichern, dass die Federn in meinem 94'er 5'er BMW in einwandfreiem Zustand sind, denn ich hatte sie heute beim Stoßdämpfertausch draußen.
Eine gebrochene Feder wirkt sich sofort auf das Fahrverhalten aus (nicht nur akkustisch durch klappern), denn die Stabilität geht verloren. Überleg doch nur mal, wie gefährlich es ist, wenn Du über eine Bodenwelle fährst und das Rad auf der anderen Seite ganz anders ein- und ausfedert als das auf der anderen Seite! Wenn das auch noch in einer Kurve passiert, geht es ganz schnell, dass Du nicht einmal mehr reagieren kannst.
Und selbst wenn die Feder nach einem Bruch nicht vom Federbein springt (wie auch?) - ich möchte trotzdem kein Federteil in meine Scheibe geschleudert bekommen, wenn so ein Fahrzeug vor mir fährt und sich wegen einer Fahrbahnunebenheit einer Federwindung (oder auch nur einem kleinen Teil davon!) entledigt.
Das ist doch lebensgefährlich und da denke ich zuletzt daran, dass das Teil in Deinen Reifen springt, sondern eher mein Fahrzeug auf welche Art und weise auch immer berühren könnte!
Und zur Windschutzscheibe kann ich nur sagen: Glaubst Du etwa, dass der Riss mit der Zeit wieder verschwindet, oder hast Du gar beobachten können, dass er immer größer wird?
Erwisch die richtige Bodenwelle bei der richtigen Geschwindikeit und *knacks* siehst Du vielleicht auf einmal viel weniger, als Dir und anderen Verkehrsteilnehmer in dem Augenblick lieb ist. So ein Teil gehört ausgetauscht!
Löcher im Auspuff können höchstens andere Menschen stören oder dafür sorgen, dass dein Unterbodenschutz sich durch die ausströmende Hitze schneller auflöst (wenn die Löcher oben sind), aber bei einem Opel spielt das ja eine untergeordnete Rolle, da die meisten anderen Karosserieteile vorher schon weggerostet sind.
Aber zu der von Dir erwähnten defekten Bremsscheibe fällt mir auch nur noch Kopfschütteln ein (auch wenn die am Volvo war), denn was glaubst Du denn, was während einer Gefahrenbremsung passieren kann, nachdem Du die Bremsen vielleicht schon vorher beanspruchen musstest? Im "besten" Fall kannst Du einfach "nur" sehr schlecht bremsen, knallst vielleicht jemandem hinten drauf oder drehst Dich wegen einseitiger Bremswirkung.
Im schlimmsten Fall landest Du dabei im Gegenverkehr oder verteilst Stücke Deiner reißenden Bremsscheibe und den sich verkantenden Belägen an die Hintermänner.
Bei Deiner einseitig ziehenden Trommelbremse an der Hinterachse des Astras machst Du im schlechtesten Fall ebenfalls eine Drehung.

Ich hab ja echt viel Verständnis für einige Dinge, die der deutsche TÜV viel zu eng sieht, aber bei sicherheitsrelevanten Teilen die die Sicht, das Fahrverhalten und die Möglichkeiten, ein Fahrzeug in Notsituationen zum stehen zu bringen betreffen, versteh ich keinen Spaß.

Deshalb appeliere ich an Deine Vernunft, doch wenigstens diese sicherheitsrelevanten Teile zu erneuern!
Ich habe überhaupt nichts gegen alte Autos und mag sie viel mehr als die neuen, aber alte Autos (und nicht nur die!) gehören eben gewartet und gepflegt!
Kratzer, Dellen und Rost an nichttragenden Teilen sind scheißegal, aber sicherheitsrelevante Technik gehört gefälligst gewartet und gepflegt!
Und erzähl mir bitte nicht, dass Du ein Auto mit gebrochenen Federn, einem riesigen Riss in der Windschutzscheibe und einseitiger Bremswirkung für sicher hältst!
Und Achsteile wie Querlenker werden auch (und gerade!) vom deutschen TÜV sehr wohl begutachtet und oft bemängelt. Nur, weil ein TÜV Prüfer das bei Dir nicht bemängelt hat, kannst Du nicht pauschalisieren.
Dazu muss man auch noch anmerken, dass es schwer ist, defekte Querlenkerlager im eingebauten Zustand auszumachen, zumal man es manchmal nur im eingefederten oder im ausgefederten Zustand feststellen kann und allein die Inaugenscheinnahme der Gummibuchsen selten aufschlussreich ist.

Gruß von einem, der an seinem alten 5'er schon viel geschraubt und besonders an den Fahrwerksteilen alles erneuert hat, was in 15 Jahren verschlissen ist.

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon sverige_aelg » 26. April 2009 10:25

Volker hat geschrieben:PS: Schaut Euch mal die Bilder auf http://www.vedbil.se/veddrift.shtml an. Ist doch eine tolle Sache, was da junge Leute gemacht haben. Die deutschen Vorschriften würden schon den Gedanken daran im Keime ersticken.


Na ja, im Strassenverkehr möchte ich diesem Ungetüm auch nicht begegnen!
Nix gegen Basteleien, aber die Kiste sollte maximal auf dem Schulhof bewegt werden. Aber ohne Zweifel konnten die Jungs eine Menge an angewandter Physik lernen.
!945 fuhren solche Monster in D. ja noch im öffentlichen Strassenverkehr.
Zu dem restlichen Thema stimme ich da ohne Vorbehalte alfalalfa zu. Mit einer gerissenen Windschutzscheibe zur Bilprovning zu fahren finde ich schon recht provokant und es ist auch ziemlich Verantwortungslos, so am Strassenverkehr teilzunehmen.
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon dr_hase » 26. April 2009 22:42

aber man muss solche dinge auch immer relativ sehen

klar dass man so nicht über den motorväg oder nach stockholm fahren sollte

aber für die fahrt übern waldweg zur nähsten kaufhalle sollte es wohl reichen, zumal da eh fast nie gegenverkehr kommt.

hab hier in småland genug solche autos auf der strasse und da sagt auch jeder ''ta det lugnt''...

is halt schweden und nicht deutschland

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon sverige_aelg » 27. April 2009 05:45

Precis.Da stimme ich Dir schon zu. Alles ist relativ. Gegen einen waldweg ist da kaum etwas einzuwenden. allerdings hätte ich da zu sehr Angst, dass mir bei dem nächsten Huggel die Scheibe um die Ohren fliegt.
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