Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

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unbekannt

Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon unbekannt » 27. April 2009 08:15

Hallo zusammen,

ich habe einen Freund, der deutscher KFZ-Sachverständiger ist, gebeten sich das alles mal durchzulesen und ihm ist dabei leider echt die Hutschnur hochgegangen. Ich habe keine Lust auf alles einzugehen.

Zur gerissenen Frontscheibe: Verbundglasscheibe (also zwei zusammengeklebte Scheiben). Der Riss hört irgendwann irgendwo am Scheibenende auf. Wenn der Riss außerhalb des Sichtfeldes ist, bekommst du auch in Deutschland trotzdem deine Plakette. Es gibt nur eine Anmerkung, damit sich der TÜV-Prüfer absichern kann, dass er sich die Scheibe angeschaut hat. Ein Sicherheitsrisiko ist das nicht. Sieht aber "nach arme Leute" aus. Tut mir Leid, aber voll daneben mit der Scheibe.

Das mit der Feder hängt von der jeweiligen Konstruktion ab und hier scheiden sich tatsächlich etwas die Geister. Lasst euch das von einem wirklichen Fachmann angucken und macht Euch keinen unnötigen Kopf. In Deutschland wird das offenbar strenger gesehen als in Schweden. In Deutschland kommt man mit gebrochener Feder nicht durch den TÜV. Aber das wurde bei mir einmal in Deutschland überhaupt nicht entdeckt. TÜV-Prüfer sind eben auch nur Menschen.

Vibration in der Bremsscheibe: Bis zu einem gewissen Grad kann man das tolerieren. Bei mir ging das sogar wieder weg mit der Zeit. Seltener Glücksfall.
Die typische Werkstatt-Argumentation ist übrigens: "Die Bremscheibe muss raus - da ist außen schon ein Wulst". Richtige Antwort: Da entsteht konstruktionsbedingt außen ein Wulst. Jede Scheibe hat eine bestimmte zulässige Mindestdicke: Nachmesen und dann eventuell austauschen. Alles andere ist Augenwischerei.

Wenn der Auspuff ein Loch hat: Es ist meist konstengünstiger ihn von vorne bis hinten austauschen zu lassen, denn früher oder später rostet das Verschleißteil so oder so völlig zusammen oder brennt ausgerechnet auf der Autobahn durch. Wenn man ihn während der Fahrt verliert, ist das bestenfalls ärgerlich, wenn nicht gefährlich.

Zu dem ausgeschlagenen Lagern der Radaufhängung: Bei der schwedischen bilprovning wird die ganze Vorderachse durchgeschüttelt, damit man das Spiel dieser ausgeschlagenen Gummi-Lager entdeckt. In Deutschland wird das auf diese Art so nicht geprüft und deshalb meistens übersehen. In der Werkstatt gehen manche Mechaniker mit der Brechstange ran, was halt nicht besonders elegant ist. Klar lässt man das austauschen, denn der Geradeauslauf ist miserabel und erfordert ständiges Gegenlenken.

Auch beim schwedischen "TÜV" kommt man mit einseitig ziehenden Bremsen natürlich nicht durch. Trommelbremsen haben die dumme Eigenschaft Rost anzusetzen, wenn man sie selten benutzt. Sowohl bei der deutschen Decra als auch bei der bilprovning haben sich beide bei mir durch Bremsen erfolgreich bemüht die gleichmäßige Bremswirkung wieder herzustellen. Ansonsten spricht nichts gegen Trommelbremsen auf der Hinterachse. LKW haben sie ja auch.

Und nun zu dem vedmobil, also dem Holzgasvolvo. Ihm hat man ihm schwedischen Fernsehen sogar einen TV-Beitrag gewidmet. Zugegebnermaßen sieht er potthässlich aus und schon wird darüber hergezogen. Aber schafft ihr es mal so etwas nachzubauen und durch die bilprovning zu bringen. Die Jungs haben genau gewusst, was sie taten. Das Rohr sitzt deshalb oben, damit ja nicht das hochgiftige CO in den Innenraum gelangen kann. Innen im Armaturenbrett ist deshalb noch ein CO-Messer angebracht. Während und nach dem zweiten Weltkrieg sind sehr viele Fahrer an CO-Vergiftung gestorben. Das Gas riecht man nicht. Und erklärt mir mal, was dagegen spricht mit so einem Auto über die schwedische Autobahn zu fahren? Es fährt 100 km/h. Tankstellen als Halteplatz wegen der Brandgefahr und Tiefgaragen wegen dem CO muss man natürlich meiden. Ein praktisches Auto für den Alltag ist das bestimmt nicht.

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon alfalfa » 27. April 2009 08:46

Hi Volker,

dass in Deutschland die Lager an den Radaufhängungen nicht geprüft werden, kann ich nicht bestätigen.
Ich fahre immer zu FSP (sowas wie Dekra) und dort steht das Auto auf einer Rüttelplatte und wird ordentlich durchgeschaukelt.

Die Federn werden ebenfalls begutachtet und deren Bühne bietet die Möglichkeit, das Fahrzeug sowohl im ein- als auch im ausgefederten Zustand anzuheben. Ich halte es nach wie vor für sehr unvernünftig, eine gebrochene Feder nicht auszutauschen. So'ne Feder ist ja auch alles andere als teuer, wobei es natürlich auch etwas Arbeitsaufwand gibt, der extra kostet.

Eine vibrierende Bremsscheibe hat höchstwahrscheinlich einen Seitenschlag, weil sie verzogen ist. Ist ein Schönheitsfehler, mit dem man noch leben kann, wenn es nicht zu stark ist. Das Auto schüttelt sich halt in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen oder beim bremsen.
Dass sich am Rand einer Bremsscheibe eine Wulst bildet, ist vollkommen normal. Das geht gar nicht anders, weil die Bremsscheibe sich am Rand gar nicht abnutzt. Die Mindestdicke sollte eingehalten werden und gut ist.
Natürlich versuchen Werkstätten immer wieder, einem unwissenden Kunden Neuteile anzudrehen. So lange sie aber noch dick genug ist und keine Risse hat, muss natürlich nichts getauscht werden.
Was an der Bremsscheibe "defekt" war, wurde mir aus Deinem ersten Beitrag nicht ganz klar, aber wenn es nur um Vibrationen ging, ist es ja nicht weiter schlimm.
Bremstrommeln rosten von innen, wenn sie nicht regelmäßig beansprucht werden, das stimmt. So lange noch Material an den Bremsbacken ist, kann man den Rost natürlich wegbremsen und die Bremsleistung wieder erhöhen. Das gleiche trifft auf die Handbremse zu (ist ja auch nur eine kleine Trommelbremse) nur sollte man es da nicht übertreiben, weil die Beläge wesentlich dünner und nicht für das bremsen an sich ausgelegt sind.

Und zur Scheibe: Sicherlich zerspringt sie nicht in 1000 Stücke wie eine Seitenscheibe. Ich hoffe, dass der Riss sich bei Dir nie ins Sichtfeld ziehen wird. Kleiner wird er jedenfalls nicht werden und ich hätte die Scheibe tauschen lassen, aber das musst Du ja selbst wissen.

Ich wünsch Dir 'ne knitterfreie Fahrt!

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Skogstroll » 27. April 2009 10:39

Also, ich weiss nicht, bei welcher bilprovningen-Filiale der Prüfer das alles hat durchgehen lassen, aber ich weiss, dass eine gerissene Frontscheibe hier definitiv nicht durchkommt.
Übrigens kann auch die Frontscheibe in tausende Stücke zerspringen, ist schliesslich gehärtetes Glas. Im Unterschied zu den meisten Seitenfenstern ist die Frontscheibe aber ausserdem lamniert, weshalb sie dir auch dann nicht auf dem Schoss liegt. Die Sicht ist trotzdem weg.

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Hanjo » 27. April 2009 18:41

Skogstroll hat geschrieben:Also, ich weiss nicht, bei welcher bilprovningen-Filiale der Prüfer das alles hat durchgehen lassen, aber ich weiss, dass eine gerissene Frontscheibe hier definitiv nicht durchkommt. . . . Skogstroll

Hejsan Skogstroll,
muss Dir widersprechen - unser Freund Andy (Målilla) ist mit seinem Audi mit einem langen Querriss in der Fronstscheibe unterhalb des Sichtfeldes ohne Beanstandung durch die bilprofning gekommen.

Ich halte es auch für besser, einen Sprung umgehend zu reparieren bzw. die Scheibe zu tauschen (habs letztes Jahr auch machen lassen, Steinschlag).

Richtig ist aber sicherlich, dass man hier jedes Jahr zur bilprofning muss (für mich als Kfz.-Laie gut), man dort aber insgesamt gesehen in der Tat nur die verkehrs- und betriebssicherheitsrelevanten Schäden bemängelt und Abhilfe und erneute Vorführung fordert.
Das ist jedenfalls die Erfahrung von
Hanjo
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Faxälva » 27. April 2009 22:39

...wenn du hier bei jedem Steinschlag die Scheibe wechseln lassen willst, geht das aber mächtig ins Geld .... bei meinem alten Golf, den ich gerade in den Autohimmel geschickt habe, hatte ich zuletzt 28 Steinschläge ..... den ersten bekam ich 2 Wochen nach dem Umzug... gerade hatte ich da eine neue Scheibe in Deutschland einbauen lassen muessen, der TUeF wollte es so... hier hat sich keiner um die mit jedem Jahr zunehmende Anzahl kleiner Löcher interessiert, solange sie nicht im Sichtfeld waren...
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon alfalfa » 27. April 2009 23:09

Steinschläge sind was anderes...
Die kann (und sollte) man auch reparieren lassen, kostet ja bei Teilkasko nüx.
Ein Riss über mehrere Zentimeter hat nicht direkt mit einem Steinschlag zu tun und entsteht manchmal allein schon durch den nicht fachgerechten Einbau einer Scheibe.
Ist ein Riss erstmal da, verschwindet er auch nicht mehr und wird höchstens größer und größer.
Ein Steinschlag kann früher oder später zu einem Riss werden, muss aber nicht.

Ich bleib dabei: Gerissene Scheibe gehört getauscht - aber jeder muss selbst wissen, was er verantworten kann.

Thomas Mäurer

Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Thomas Mäurer » 2. Dezember 2009 16:42

"Wenn der Riss außerhalb des Sichtfeldes ist, bekommst du auch in Deutschland trotzdem deine Plakette."

Das dachte ich auch - bis heute. Vor 2 Jahren bin ich auch mit dem Riss außerhalb des Sichtfeldes (ganz links unten, da wo die Pickerl und Plaketten hinkommen) bei der HU durchgekommen (kleiner Mangel).
Heute wollte der Dekra-Prüfer das so nicht mehr akzeptieren (erheblicher Mangel), wie ich hinterher erfahren habe angeblich, weil die Scheibe "tragendes Teil" der Karosserie sei. Der Rissselbst hat sich in der Zwischenzeit nur zum Rand hin geringfügig vergrößert.
Mir scheint, in Deutschland wiehert etwas der Amtsschimmel.

unbekannt

Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon unbekannt » 2. Dezember 2009 16:58

Hallo Thomas,

habe per Zufall gerade "meinen" KFz-Sachverständigen und ehemaligen TÜV-Prüfer an der Strippe. Eine eingeklebte Scheibe trägt zwar etwas zur Steifigkeit einer Karosserie bei, ist aber kein tragendes Teil. Gehe zu einem anderen Prüfer. Der deinige hatte wohl einen schlechten Tag.

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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon HeikeBlekinge » 2. Dezember 2009 17:24

Das ist absolut richtig und korrekt, das man mit Schäden - insb. Risse! - an der Frontscheibe nicht durch den Tüv kommt! Die Gefahr, das die Scheibe während der Fahrt total kaputt geht und man dann durch das in kleinste Teile zerspringende Sicherheitsglas gar nichts sieht ist gegeben und viel zu gross!
Da wiehert mitnichten irgendein Amtsschimmel!
Nur kleine Glasabsplitterungen die NICHT im Sichtfeld des Fahrers liegen kommen durch. Sollten aber auch schnell und können zudem kostenlos repariert werden.

mh
Heike
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Re: Erfahrungen mit dem schwedischen "TÜV" = bilprovning

Beitragvon Alex-Art » 4. Dezember 2009 14:09

Man man...
das ist ja schlimmer als in der Schule hier!! "Du, du, du!! :smt018
Man ist hier im Schwedenforum (und wir zum Glück) auch in Schweden...
aber die Deutsche Mentalität kommt hier im Forum sehr gut durch! Schade.
Sieht das Leben doch mal etwas entspannter! Macht dann alles viel mehr spass!!

Wenn man jedes , wirklich jedes, Risiko im Leben aus dem Weg gehen möchte
(Riss in der Windschutzscheibe, Loch im Auspuff, etc. OOOH!! Wie gefährlich)
dann kann man sich gleich die Kugel geben!

Vorallem wenn jemand was schreibt, ihm gleich das Schlimmste anzudichten...

Autos sind schön, machen spass und sind keine gefährliche Monster...sie wollen auch nur ein wenig geliebt werden!

:smt033 hang loose!
Alexandra


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