Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

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amarok
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Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon amarok » 19. Februar 2009 19:04

13. Februar 2009 - Der NABU hat die Entscheidung des Bundesrates zum geplanten Bau der Fehmarnbelt-Brücke heftig kritisiert. Nur Mecklenburg-Vorpommern hat dem Gesetz nicht zugestimmt. „Und das aus gutem Grund. ..."
http://www.nabu.de/themen/verkehr/verke ... 10595.html
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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon Lapplandinfiziert » 22. Februar 2009 15:24

Wozu überhaupt die Fehmarnbelt-Brücke? Der Fährbetrieb läuft doch sehr professionell und gut organisiert. Ich habe nie längere Wartezeiten als eine 3/4 Stunde gehabt. Meist hat man bis zur Fährverbindung doch eine längere Anreise, da ist doch eigentlich eine kleine Zwangspause sehr willkommen. Große Sorgen mache ich mir aber um den Bestand der Schweinswale.

Wir sind von Mitte der 80er Jahre bis 2002 auf der Ostsee / Kattegat, überwiegend in den dänischen Gewässern gesegelt. Es war für uns immer wieder eine große Freude wenn wir auf unseren Törns von den Schweinswalen über viele sm begleitet wurden. Ihr delphinartiges und neugieriges Verhalten hat uns viel Spaß gemacht. Im Laufe der Jahre wurden diese Begegnungen leider immer seltener.

Der Schweinswal ernährt sich meist in den fischreicheren Flachwasserzonen und ist vor allen durch Stellnetze, stark gefährdet. Für vermutlich hunderte von Schweinswalen bedeutet diese Fangtechnik und der Beifang durch Schleppnetze, alljährlich den grausamen Tod durch ersticken.

Dänische Wissenschaftler haben errechnet, dass von1994 allein in der Ostsee einschl. Skagerrak und Kattegat, der Bestand von
32 000 bis zum Jahr 2005 um mehr als 50 % auf 15.600 Tiere zurückgegangen ist.

Bei einem mögliche Bau einer Fehmarnbelt-Brücke wird damit auch zwangsläufig ein Verkehrstrennungsgebiet (ähnlich wie eine Autobahn) eingerichtet. Die dadurch erfolgte Konzentration des Schiffsverkehrs auf eine kleine Fläche (Durchfahrt), sowie durch Baumaßnahmen veränderte Strömungsabläufe und den schädlichen Unterwasserlärm, wird sich der Bestand der Schweinswale in diesem Gebiet dann wohl auf Null reduzieren.
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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon hansbaer » 22. Februar 2009 15:46

Nur Mecklenburg-Vorpommern hat dem Gesetz nicht zugestimmt. „Und das aus gutem Grund. Das Projekt ist ökologisch völlig unverantwortlich, exorbitant teuer, unwirtschaftlich und gefährdet inmitten der Wirtschaftskrise massenhaft Arbeitsplätze in Tourismus und Fährwirtschaft an der deutschen Ostseeküste“


Schöne Lobbyarbeit - auf diese Art wird der Eindruck erweckt, MV hätte wegen dieser Gründe abgelehnt. Der Wahrheit kommt sicherlich näher, dass MV lieber eine Brücke gehabt hätte, die vom eigenen Bundesland nach Dänemark führt.
Zuletzt geändert von hansbaer am 22. Februar 2009 15:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon Lapplandinfiziert » 22. Februar 2009 15:50

@hansbaer

Schöne Lobbyarbeit - auf diese Art wird der Eindruck erweckt, MV hätte wegen dieser Gründe abgelehnt. Der Wahrheit kommt sicherlich, dass MV lieber eine Brücke gehabt hätte, die vom eigenen Bundesland nach Dänemark führt.

Das glaube ich auch, ausschließlich wirtschaftliches Eigeninteresse!
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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon amarok » 22. Februar 2009 16:25

hansbaer hat geschrieben:Schöne Lobbyarbeit - auf diese Art wird der Eindruck erweckt, MV hätte wegen dieser Gründe abgelehnt. Der Wahrheit kommt sicherlich näher, dass MV lieber eine Brücke gehabt hätte, die vom eigenen Bundesland nach Dänemark führt.


Hej hansbaer,

dass es MV vordergründig um eigene wirtschaftliche Interessen geht, steht doch auch so in dem zitierten Satz und somit wird auch kein falscher Eindruck erweckt. Also das vollständige Zitat lautet: "Und das aus gutem Grund. Das Projekt ist ökologisch völlig unverantwortlich, exorbitant teuer, unwirtschaftlich und gefährdet inmitten der Wirtschaftskrise massenhaft Arbeitsplätze in Tourismus und Fährwirtschaft an der deutschen Ostseeküste“. http://www.nabu.de/themen/verkehr/verke ... 10595.html
Hast Du denn Informationen, "dass MV lieber eine Brücke gehabt hätte, die vom eigenen Bundesland nach Dänemark führt."? Oder ist das nur eine Vermutung von Dir?
Ich persönlich sehe das Vorhaben allerdings als einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft, der mit nichts ausgeglichen werden kann.
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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon hansbaer » 22. Februar 2009 17:44

amarok hat geschrieben:dass es MV vordergründig um eigene wirtschaftliche Interessen geht, steht doch auch so in dem zitierten Satz und somit wird auch kein falscher Eindruck erweckt. Also das vollständige Zitat lautet: "Und das aus gutem Grund. Das Projekt ist ökologisch völlig unverantwortlich, exorbitant teuer, unwirtschaftlich und gefährdet inmitten der Wirtschaftskrise massenhaft Arbeitsplätze in Tourismus und Fährwirtschaft an der deutschen Ostseeküste“. http://www.nabu.de/themen/verkehr/verke ... 10595.html


Indem man auf die Tatsache, dass MV abgelehnt hat, direkt die eigene Ansicht folgen lässt, erweckt man bei dem unbedarften Leser den Eindruck, die beiden Aussagen hätten etwas miteinander zu tun.
Jedoch wird in dem Bericht gar nicht gesagt, warum MV abgelehnt hat, denn das Zitat des NABU-Geschäftsführer präsentiert die Meinung des NABU, aber nicht automatisch die der Landesregierung von MV.

Das ist ja nicht negativ. NABU ist ein Interessenverband und muss daher seine Interessen auch bestmöglich vertreten. In einem Zeitungsbericht wäre sowas unzulässig. Man muss nur beides auseinanderhalten.

Hast Du denn Informationen, "dass MV lieber eine Brücke gehabt hätte, die vom eigenen Bundesland nach Dänemark führt."? Oder ist das nur eine Vermutung von Dir?


Nein, ist keine Vermutung:
Das Land Mecklenburg-Vorpommern sieht in der Fehmarnbelt-Brücke eine unfaire Verteilung von Subventionen und Staatsgarantien. "Der Bau darf nicht zu Lasten anderer wichtiger Verkehrsprojekte gehen", sagte Ministerpräsident Harald Ringstorff – wohl mit Blick auf den Ausbau der Infrastruktur in seinem eigenen Land. Politiker in Dänemark hatten sich noch bis vor einem Jahr für die mehr als 45 Kilometer lange Verbindung zwischen Rostock und Gedser auf der Insel Falster als Alternative eingesetzt. Ohne Erfolg.

aus http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,576057,00.html

In dem Fall vertritt natürlich MV seine Interessen, denn mit einer Brücke Rostock-Gedser wären sie der Verkehrshub geworden, nicht das zu SH gehörende Fehmarn.

Zur aktuellen Entscheidung:
http://www.mv-schlagzeilen.de/land-stimmt-im-bundesrat-gegen-fehmarnbelt-querung/7771/ (ähnliche Artikel finden sich zuhauf - war wohl eine dpa-Meldung)

Mit Umweltbedenken halten sich die Politiker aus MV sehr zurück. Die Argumentationslinie ist vordergründig, dass sie die Verwendung des Geldes als unangemessen betrachten. Man kann aber davon ausgehen, dass einhellige Zustimmung aus MV gekommen wäre, wenn die Brücke Rostock-Gedser verwirklicht worden wäre.

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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon amarok » 22. Februar 2009 18:07

Wenn da Meinungen unterschiedlicher Interessengruppen vermischt wurden ist das wahrscheinlich nicht in Ordnung. Aber ich will, wie eben schon mal gesagt, auf die Auswirkungen des Bauvorhabens auf Natur und Landschaft aufmerksam machen.
Hast Du denn auch eine Position zu diesem Brückenbauprojekt?
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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon hansbaer » 22. Februar 2009 18:34

amarok hat geschrieben:Wenn da Meinungen unterschiedlicher Interessengruppen vermischt wurden ist das wahrscheinlich nicht in Ordnung. Aber ich will, wie eben schon mal gesagt, auf die Auswirkungen des Bauvorhabens auf Natur und Landschaft aufmerksam machen.
Hast Du denn auch eine Position zu diesem Brückenbauprojekt?


Eines vorneweg: eigentlich ist die Geschichte jetzt schon ein alter Hut. Faktisch war die Sache schon mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen Deutschland und Dänemark unter Dach und Fach. Der Bundesrat hat letztendlich nur noch einmal bestätigt, was schon lange beschlossen war. Wenn man einen Staatsvertrag mit einem Nachbarstaat schließt, muss man vor dessen Abschluss eine Position bilden und klare politische Mehrheiten hinter sich wissen. Pacta sunt servanda - wenn man sich dann die Blöße gibt, am Verhandlungstisch getroffene Vereinbarungen nicht zu ratifizieren, dann muss in der Zwischenzeit mehr vorliegen als schon längst bekannte Bedenken.

Meine Position zu der Sache: Ich war sehr erfreut über die Unterzeichnung des Staatsvertrages, weil die Brücke eine weitaus bedeutendere Verkehrsachse sein wird, als manche es zugestehen wollen. Eine Fähre bleibt ein nur unzureichender Ersatz für eine Brücke - das hat sich am Öresund gezeigt. Zwar habe ich auf die Region dort nicht so den Blick, aber ich erinnere mich an Meldungen über steigende Pendlerzahlen zwischen Skåne und Kopenhagen.
Persönlich verbinde ich mit der Fehmarnbeltbrücke die Hoffnung, dass die Schiene mehr Konkurrenz zu den Fliegern machen wird, was auch dem Klima zuträglich wäre. Bislang sind die Angebot in dem Bereich so uninteressant, dass ich sie nicht nutze. Mit der neueren Brücke wären Deutschland und Skandinvien erheblich direkter verbunden, so dass vielleicht auch wieder Direktzüge von Schweden nach Deutschland in größerem Umfang denkbar werden.

Ich muss aber einräumen, dass ich den Umweltauswirkungen auf das Meer kaum Bedeutung zugemessen habe. Die Kritik des NABU vermag mich da aber nicht wirklich umzustimmen - es wäre eine Überraschung, wenn der NABU ein solches Projekt gutheißen würde.

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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon Sápmi » 22. Februar 2009 18:56

Lapplandinfiziert hat geschrieben:Wozu überhaupt die Fehmarnbelt-Brücke?


Das hab ich auch noch nicht kapiert.
Aber soweit ich verstanden hab, soll es ja auch (ähnlich wie am Öresund) eine Straßen- UND Bahnbrücke werden, oder?
Wie sieht es denn mit der derzeitigen Bahnverbindung von D nach DK aus?
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

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Re: Elefanten durchs Nadelöhr - News zur Fehmarnbelt-Brücke

Beitragvon Stig Vox » 22. Februar 2009 19:03

.........es gibt einen "Bummelzug" von HH nach Kopenhagen :roll: :roll: Wer den nutzt muss (Bahn)abgehärtet sein, dort umsteigen in den Öresund - Tåg .
Von Dortmund zu unserem Ferienexil bis zu 21 Std. Fahrtzeit, zu horenden Bahnpreisen....
Da verschwindet der Umweltgedanke leicht zugunsten des Billigfliegers...


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