Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

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shadoan

Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon shadoan » 14. November 2011 12:45

Hallo liebe Ausgewanderten,

meine Familie und ich tragen uns ebenfalls mit dem Gedanken einer Auswanderung. Viele Dinge haben wir vorab schon klären können. Ein Punkt der aber absolut undurchsichtig scheint ist die Sache mit dem Gesundheitssystem.

Glaubt man offiziellen Stellen ist zwar nicht alles in Butter aber nun doch nicht so schlimm, dass man gleich in Panik ausbrechen muss. Liest man aber schwedische Online-Zeitungen oder in diversen Foren, dann muss einem sich der Eindruck vermitteln, dass es bei einem Unfall oder einer Krankheit nur ein Glücksfall ist ob man überlebt oder nicht.

Kann hier mal jemand etwas Licht ins Dunkel bringen? Ich meine, dass in Schweden dahingehend nicht alles Gold ist, dass man Wartezeit mitbringen muss und es kein dichtes Netz von Hausärzten gibt, das ist uns bewusst.

Aber wie ist das dann in einer Värdcentral? Wie im Krankenhaus? Sollte man eher in die Nähe einer großen Stadt und was haben wir generell mit zwei kleinen Kindern zu erwarten?

Ich weiß, das ist mehrfach schon diskutiert worden, aber es erschließt sich mir noch nicht. Daher bitte ich um Entschuldigung und hoffe auf Eure Hilfe.

Vielen Dank.

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sverige_aelg
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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon sverige_aelg » 2. Dezember 2011 22:18

Nicht viel los hier...Ist aber auch eine der meistdiskutiertesten Fragen hier im Forum. Nimm Dir einfach die Zeit und lese ein bißchen durch's Forum. Dann hast Du zumindest schon mal eine Grundlage. Die Menschen sterben hier eher später als in D. und Verletzte bleiben auch nicht auf der Straße liegen. Insgesamt schon ein moderner europäischer Staat mit entsprechender Krankenversorgung.
Man kann überleben, auch mit kleinen Kindern.
Kommst Du aus Ost oder West, will sagen, was hat Dich geprägt?
Ein Optimist ist in der Regel ein Zeitgenosse der ungenügend informiert ist. (John B. Priestley)

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon Sumac » 3. Dezember 2011 08:56

shadoan hat geschrieben:dann muss einem sich der Eindruck vermitteln, dass es bei einem Unfall oder einer Krankheit nur ein Glücksfall ist ob man überlebt oder nicht.

so ein quatsch.
ich hatte einen autounfall und mußte ins krankenhaus, es ging alles schnell bis hin zum CT und auch darüber hinaus. also in schweden mag manches länger dauern (wartezeit auf arzt) aber bei einem notfall bist du in besten händen, das ist jedenfalls MEIN eindruck.

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon irni » 3. Dezember 2011 11:21

Das System ist einfach anders und etwas gewöhnungsbedürftig.
Ich brauchte ein Weilchen bis ich durchschaute wie das so läuft mit Augengläsern und Linsen, Kinderarzt, Gynekologen usw. Auch fand ich es sehr komisch, dass Apotheken an Samstagen geschlossen waren (ich glaube das ist jetzt nicht mehr durgehend so), dass Apotheken keine Ahnung von Naturheilmitteln, Hausmitteln oder Homöopathie haben, dass man dort aber Binden und Tampons kaufen kann.
Ich war jahrelang ziemlich verwirrt!
Allerdings funktionierte es ausgezeichnet seine Augengläser direkt beim Optiker zu besorgen und mit den Kindern zur Vårdzentral zu gehen und sich das Rezept für die Pille oder Ähnliches bei der Hebamme zu holen und die Schwangerschaftsuntersuchungen direkt bei seiner eigenen Hebamme zu machen.

Vieles ist ungewohnt und Manches funktioniert nicht so wie es sollte/könnte, aber im Grossen und Ganzen kannst du dich gut aufgehoben fühlen!

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon Elka67 » 4. Dezember 2011 08:26

Hallo,

ja was glaubt ihr wie toll das Gesundheitssystem hier in DE funktioniert?
da wartest du auch Wochen auf einen Termin, außer du bist privat versichert.
Sicher, Notfälle werden natürlich sofort behandelt, aber sonst eine Zweiklassensystem.
DE ist nicht so toll, wie es immer dargestellt wird, außer beim Geld für Andere ausgeben und den Bürgern dies aufs Auge zu drücken.

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon stavre » 4. Dezember 2011 11:59

Elka67 hat geschrieben:Hallo,

ja was glaubt ihr wie toll das Gesundheitssystem hier in DE funktioniert?
da wartest du auch Wochen auf einen Termin, außer du bist privat versichert.
Sicher, Notfälle werden natürlich sofort behandelt, aber sonst eine Zweiklassensystem.
DE ist nicht so toll, wie es immer dargestellt wird, außer beim Geld für Andere ausgeben und den Bürgern dies aufs Auge zu drücken.

Elka



ist hier genauso...

glaube nicht ,dass es hier einen deut besser ist

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon oka-kate » 4. Dezember 2011 12:03

hej,

muß der vorschreiberin leider recht geben, das es in deutschland nicht mehr so rosig ist, wie es war,
ich bin aus dem med. bereich, daher weiß ich es von haus aus, das es ein zweiklassen system ist,
die privaten dürfen alles und die kassenversicherte schauen in die röhre.

z. bsp..
die gynäkologen, braucht man als neue patientin eine termin, weil man nunmal mit 14 oder 15 noch keinen gyn besuch hatte, sagen dir alle ärzte aus dem umfeld ab, meine tochter sollte zum gyn und sollte dafür ne fahrt von 200 km auf sich nehmen da sie hier in unserer gegend keiner mehr nehmen wollte, das konitgent sei ausgefüllt, aber die privaten damen bekommen einen, kein problem....

denke also nicht das das schwedische system so schlimm sein kann...


also alles genau durchlesen, und dann hast den durchblick...
grüßle katja
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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon Lyoner » 2. Januar 2012 01:58

Nach meinen gemachten Erfahrungen im Zeitraum von 2 Jahren, muss ich ich eindeutig feststellen
das die Versorgung in Deutschland um Längen besser ist.
Ich habe Wartezeiten von einem halben Jahr für eine Überweisung erlebt, sowie endlose Versuche
mit einem Arzt per Telefon zu Sprechen obwohl die Krankenschwester mir die Telefonnummer gab.
Im Moment warte ich wieder einmal aber es sind ja erst 2 Monate seit meinem Arztbesuch, und auf Nachfrage
werde ich vertröstet die Überweisung wäre Unterwegs.
Ich weiß ja auf was ich mich hier eingelassen habe, aber schön Reden muss man es nicht.

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon GF.Skaraborg » 2. Januar 2012 08:56

Über dass Thema ist schon sehr viel geschrieben, gelobt und geschimpft worden. Grundsätzlich kann mann aber sagen, dass Gesundheitssystem in Schweden ist generell gesehen nicht schlechter aber anders als dass deutsche. Wie ein Vorschreiber schon richtig erkannt hat, gewöhnungsbeduerftig fuer einen Deutschen. Man kann es so ausdruecken, dass System basiert nicht auf dem Hausarztprinzip wie in DE sondern ist ähnlich des zentralisierten Systems wie in der ehem. DDR. Und dann kommt hier in Schweden noch etwas sehr wichtiges dazu, nämlich wo man wohnt. Je weiter man in den Norden kommt, desto länger werden die Entfernungen zu den Einrichtungen, desto "ärmer" werden die Landstings. Dann kommt noch ein Ärztemangel hinzu, der je weiter man nach Norden kommt , auffällt. Dass sind teilweise die "Tücken des Systems", durch die "Gleichstellung" (Bezahlung) der Ärzte wollen viele Ärzte nicht die Nachteile des Nordens fuer die gleiche Bezahlung auf sich nehmen und bleiben lieber im suedlicheren Teil Schwedens. Ein anderer Aspekt ist auch, dass die Unterschiede (arm/reich) der verschiedenen Landstings sich auf die Qualität der Versorgung durchschlägt. Hier in Västergötaland kann ich nach weit mehr als 30 Jahren nur konstatieren, die Qualität hat sich im Laufe der Jahre merkbar verbessert, einen direkten Vergleich zu DE kann ich zwar nicht fuehren, sondern nur durch Gespräche mit Verwandten und Bekannten in etwa sagen, dass es in DE (regional verschieden) eher schlechter geworden ist.

Ein paar kurze Beispiele zu den Wartezeiten, eine Enkeltochter hat sich am Weihnachtstag die Hand gestaucht, am Donnerstag wollte sie dann doch zum Arzt, weil es nicht besser wurde. Morgens um 8Uhr angerufen, 20min später Rueckruf und Termin zum Arzt am gleichen Vormittag um 10:15. Begutachtung durch den Arzt, Ueberweisung zum Krankenhaus zum Röntgen, (10min Fussweg zum KH) 11:30 Röntgen, zurueck zum Arzt in die VC und 12:30 fertigbehandelt. Es handelt sich dabei NICHT um einen Akutfall!
Eigene Erfahrung, bisher immer am gleichen Tag immer zu einem Arzt in der VC gekommen, wenn man morgens angerufen hat. Die Terminvergabe hier funktioniert sehr gut, wenn ich einen Arzttermin um z.B. 11:00 habe und selbst puenktlich da bin bin ich zu 98% auch um 11:00 beim Arzt im Behandlungszimmer. Ueberweisungen zu Fach/Spezialärzten können auch hier etwas Zeit in Anspruch nehmen, bei Akutfällen allerdings sofort, bei "normalen" Erkrankungen auch schon mal 4 Wochen, z.B. zum Ortopeden.
Wartezeiten von einem halben Jahr sind eigentlich Nonsens, da durch die in ganz Schweden geltende "Vårdgaranti" die Wartezeit auf 3Monate limitiert ist. Habe ich innerhalb von 3Monaten keinen Termin bei einem Fach/Spezialarzt bekommen, kann ich mich selbst einen Termin bemuehen, muss allerdings dabei in Kauf nehmen, eine gewisse Reisezeit zu bekommen. Aber die Kosten des "fremden" Arztes und der Reise werden anstandslos von der FK bezahlt.
Ich schrieb "eigentlich Nonsens", weil sehr viele, die in den Foren klagen sich nie mal selbst bemueht haben sich zu informieren, sei es aus Bequemlichkeit oder aus sprachlichen Gruenden. Dadurch dass unser System hier so grosse Unterschiede zum deutschen System aufweist, kann es fuer viele deutsche Einwanderer als "schlechter als das deutsche System" aufgefasst werden, ist in Wahrheit aber sehr oft ein Komunikationsproblem. Wenn man sich mal die Muehe macht und angeprangerte Misstände hier genauer betrachtet, stellt man fest, dass es sehr oft ein Fehler des Patienten war, der zu diesem "Misstand" gefuehrt hat.
Meine durch sehr lange Erfahrung begruendete Meinung ist, dass schwedische System ist im Vergleich nicht schlechter, nur anders, dass es nicht perfekt ist und dass man vieles noch verbessern könnte ist auch mir klar und wird immer wieder auch von mir so gesagt.

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Re: Eine Frage an die Ausgewanderten zum Gesundheitssystem

Beitragvon Auswanderer » 2. Januar 2012 11:32

"Apotheken keine Ahnung von Naturheilmitteln, Hausmitteln oder Homöopathie haben, dass man dort aber Binden und Tampons kaufen kann."

Ist gut so! Wenn sonst jemand reines Wasser als Heilmittel verkauft, ist das Betrug, aber die Homöopathen dürfen das. Dieselben Leute, die sich darüber aufregen, dass Firmen, die Medikamente herstellen, auch damit Geld verdienen, haben kein Problem damit, mehrere Euro für Wasser oder Zuckkugeln auszugeben.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson


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