Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

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glada

Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon glada » 19. März 2007 15:31

Ich denke auch, man sollte sich nichts vormachen. Das Leben in Schweden hat seine Vorzüge; für mich zählen vor allem die Kinderfreundlichkeit und die Ruhe dazu.
Ich habe Schwierigkeiten damit, wenn die Dinge allzu rosa dargestellt werden, bzw. in Deutschland alles schwarz gemalt wird. Insofern stimme ich Tommy zu. Außerdem fand ich sehr lustig, wie er die Dinge beschrieben hat. :lol:
Das noch kurz zu den Autofahrern: Mittlerweile habe ich auch überhaupt keine Lust mehr in Deutschland Auto zu fahren. Die Schweden sind aber dadurch nicht die besseren Autofahrer, es sind einfach nur weniger. Ich finde, sie sind unglaublich stur; das kann schon nerven.

Oliver

Tommy
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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Tommy » 19. März 2007 17:57

@Wiebke, Ich bin schon seit den 80'ern hier. Nach der Begeisterung kam die Ernüchterung, danach war alles grauer Alltag und allmählich sieht man sich nach dem nächsten Land um.
Nicht dass ich S Scheisse finde, für bestimmte Lebensabschnitte und Menschentypen passt es sicher supergut.

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Imrhien
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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Imrhien » 19. März 2007 18:03

@Tommy: Dann bist Du ja schon richtig lange da...

Naja ich würde mal sagen, manche Menschen sind immer rastlos.. Auf gewisse Weise gehöre ich auch dazu. Ich hoffe allerdings, dass ich in Schweden wirklich sesshaft werde. Wäre schön wenn ich nicht mehr all zu oft umziehen würde... es nervt auf Dauer.

Aber die Ernüchterung kommt wohl immer. Nur muss es ja nicht bedeuten, dass man wieder weg will. WIe gesagt, ich hoffe, dass wir uns mit den schwedischen Eigenheiten so anfreunden oder sie zumindest einfach hinnehmen können. Denn das Land bietet ja auch sehr viele wunderschöne Dinge die es sich lohnen da zu leben.

Liebe Grüße Wiebke

Tommy
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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Tommy » 19. März 2007 18:09

Also ich will das hier wirklich keinem verderben, nur meine eigenen persönlichen Eindrücke zum Besten geben. Schliesslich bin ich ja auch freiwilig hergekommen und geblieben.

Egal, wie es ausgeht, ist es eine unglaublich nützliche Erfahrung, mal ins Ausland zu gehen. Und ich denke, Schweden gehört zu einem der "leichtesten" Auswanderländer.

Volker
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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Volker » 19. März 2007 20:59

Hallo Tommy,

deine Kritik an Schweden habe ich mir mal genauer durch den Kopf gehen lassen. Leider bleiben deine weiteren Lebensumstände im Dunkeln. Dass du dich an Snus kauende Arbeitskollegen störst, dich über Menschen, die im Wege stehen und Leute, die eine Milchtüte mit der Kreditkarte bezahlen, störst, gibt mir doch etwas zu Denken.

Das sind doch ehrlich gesagt alles nur Kleinigkeiten, die ich mit einer gewissen Toleranz oder noch besser mit Humor betrachten muss, denn auch ich stehe ab und zu mal anderen im Weg, brauche ab und zu recht lange an der Kasse, weil ich kein Bargeld dabei habe oder einigen gefällt mein Haarschnitt nicht. Ich denke, die wahren Gründe deiner Unzufriedenheit liegen woanders und im nächsten Land wird auch nicht alles Friede Freude Eierkuchen sein.

Ich empfehle dir 3 Monate Aufenthalt in Städten wie Pforzheim oder Stuttgart, die mir spontan einfallen. Verkehrstaus als Normalzustand, notorischer Parkplatzmangel, sündhaft teure öffentliche Verkehrsmittel, die meist überfüllt sind und ausgerechnet dann nicht fahren, wenn man sie braucht. Die Erkältungsgefahr ist im Fahrpreis inbegriffen. Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze befinden sich am falschen Ende der Stadt. Naherholungsgebiete sind an Wochenenden durch Horden von Motorradfahrern akustisch versaut. Es gibt keinen Ort und keine Tageszeit, wo du mal richtig abschalten kannst. Das zehrt echt an die Nerven und an die Gesundheit.

In Pforzheim bin ich mal überfallen worden. Andere Passanten haben gegafft und fanden das noch lustig. Dann der stockbesoffene Nachbar, der regelmäßig gegen unsere Haustür pinkelte, nachdem er von der Polizei nach Hause gebracht wurde. Oder der musikalisch unbegabte Nachbar über uns, dem Morgens um 4 einfiel auf seiner E-Gitarre zu üben. Da kommt Freude auf. Verkehrteilnehmer, die sich wegen Nichtigkeiten anpöbeln gehören zum Alltagsbild. Mehrere Lastwagenfahrer, die unser Haus rammten und dann das Weite suchten. Nächtliche Verkehrsunfälle direkt vor der Haustür, Blutlache auf dem Gehsteig inbegriffen. Ich könnte noch viele weitere Beispiele aufführen, die für die meisten Schweden völlig unglaubwürdig klingen würden. Du glaubst du bekommst ein dickes Fell, aber das ist nicht so.

Jedenfalls wird der Alltagsstress in Deutschland für viele Menschen von Jahr zu Jahr immer schlimmer ohne Hoffnung auf Besserung.

Volli

Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Volli » 19. März 2007 22:17

Volker hat geschrieben:Hallo Tommy,

deine Kritik an Schweden habe ich mir mal genauer durch den Kopf gehen lassen. Leider bleiben deine weiteren Lebensumstände im Dunkeln. Dass du dich an Snus kauende Arbeitskollegen störst, dich über Menschen, die im Wege stehen und Leute, die eine Milchtüte mit der Kreditkarte bezahlen, störst, gibt mir doch etwas zu Denken.

Das sind doch ehrlich gesagt alles nur Kleinigkeiten, die ich mit einer gewissen Toleranz oder noch besser mit Humor betrachten muss, denn auch ich stehe ab und zu mal anderen im Weg, brauche ab und zu recht lange an der Kasse, weil ich kein Bargeld dabei habe oder einigen gefällt mein Haarschnitt nicht. ...


Hallo Volker,

im Grunde fing Dein erster Beitrag ja auch nicht anders an (Kleinigkeiten, nur eben in Deutschland). Es ist doch eh alles relativ und individuell erlebt. Ein Urlauber aus New York würde Stuttgart wohl auch eher als nettes, kleines, harmloses Städtchen bezeichnen.

Auf der einen Seite gibt es Deutschland (mit immerhin 80 Mio. Einwohnern auf eher kleinem Terrain) mit den teilweise typischen Macken, auf die man gern verzichten möchte. Und auf der anderen Seite dann Schweden (mit ca. 1/10 an Einwohnern auf ziemlich großem Terrain) mit der atemberaubenden Natur und den liebenswerten Menschen, die scheinbar eher harmlosere Macken haben. Das ist es wohl, was den meisten hier im Forum so gut gefällt.

Aber warum sollte man hier nicht auch mal Kritik üben dürfen ?

Gruß
Volli

Gast

Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Gast » 19. März 2007 23:27

@Volker, wenn ich so deinen Beitrag lese, dann bin ich schon echt froh, in Skandinavien zu leben.
In der Schärfe habe ich das nicht erlebt. Ich komme immer nur in die Feriengebiete in Deutschland, und da ist es natürlich in Ordnung.
In S zumindestens kann man sich oft ein eigenes Häuschen leisten (wenn man Arbeit hat) und dann hat man keine komischen Nachbarn.

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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Joerg » 20. März 2007 16:02

Um das zu finden muss ich nicht nach Schweden. Ich wohne in der "berühmten" Lüneburger Heide, und da bekommt man schon einiges mit. Wenn ich mal nach Hamburg fahre, dann stehe ich z.B.: an einer Ampel (natürlich Rot). Die Ampel springt auf gelb um und eine millisekunde später hupt es hinter mir, weil ich noch nicht los gefahren bin. Dann fahre ich los, komme aber nicht weiter, weil die, die noch bei spätgelb über die Ampel sind blockieren noch die Kreuzung. Und das wird sofort mit einem Hupkonzert kommentiert. Vorfahrtsregeln....... Fehlanzeige. Das ist echt gruselig. Aber dann komme ich nach Hause in "meine" Lüneburger Heide, fahre die erlaubten 50 Km/h komme in eine Kurve und OOOHHHHHHH muss ich voll den Anker werfen. Und warum? Weil ein Auto mit Hamburger Kennzeichen da steht, und Oma und Opa schauen sich die Heidschnucken an. Ok, das ist nochmal gut gegangen. Etwas weiter muss ich erneut den Anker werfen, weil jetzt der Fahrer des Fahrzeuges vor mir am Straßenrand einen Stand entdeckt hat wo Honig verkauft wird. Naja, Einzelfall? Ich gehe erstmal einkaufen. Alle Parkplätze frei, und trotzdem steht ein Auto (Pinneberger Kennzeichen) direkt vor der Eingangstür des Marktes. Man kommt nicht einmal an das Obst was dahinter steht. Jetzt kommt Schadenfreude auf, weil vor mir auch die Rennleitung (ok Polizei) fährt und dies sieht. Die Herren halten an und die Fahrerin des Wagens aus Pinneberg kommt aus dem Markt. Völlig uneinsichtig diskutiert sie mit dem Rennleiter. Dieser hört sich das einige Zeit an und gibt ihr schließlich ein Ticket. Die Frau steigt schimpfend in ihr Fahrzeug und fährt weg. Wie man sieht, um soetwas zu erleben muss man nicht aus Schweden kommen, Die Kluft ist schon zwischen Dorf und Stadt in Deutschland.

Gruß Jörg
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon Skogstroll » 20. März 2007 17:23

Neulich stehe ich an einer Kreuzung und warte, bis ich fahren kann. Hinter mir ein weisser Volvo, dem ich offenbar nicht schnell genug abbiege. Als wir schliesslich beide losfahren, geht er sofort auf die linke Spur und zieht mit etwa 70-80 (innerorts, erlaubt sind 50) an mir vorbei, schert haarscharf vor mir ein und geht auf die Bremse, damit er noch recht abbiegen kann. Also "werfe ich den Anker". Zwei Minuten später sehe ich ihn wieder, weil er nur über die Parallelstrasse gefahren ist. Diesmal habe ich Vorfahrt und er muss warten, aber wenigstens reicht es ihm zum erhobenen Mittelfinger.
Ein paar Stunden später stehen meherer Autos am Rand der Fernstrasse, weil die Fahrer neben der Strasse grillen. Zwar wäre 30m weiter ein Parkplatz gewesen, aber das ist zu weit zum Laufen.
In einer Nebenstrasse treffen sich zwei Bekannte, also machen sie ein Schwätzchen. Allerdings sitzen sie dabei in jeweils ihrem Auto, was einer Vollsperrung gleichkommt.
Dann nimmt mir ein Radlader (!) im Bewusstsein seiner Stärke die Vorfahrt, also wieder "Anker werfen" und mit 30 hinterherzuckeln.
Dann kommt ein PKW aus einer Nebenstrasse und hält auch korrekt an. Er denkt aber, dass er noch vor mir rüberkommt und fährt los, bedenkt aber nicht, dass die Strasse glatt ist und er nicht so recht vom Fleck kommt. Also "werfe ich den Anker", was wegen der Glätte aber auch nicht so gut funktioniert. Schliesslich komme ich haarscharf und leicht schleudernd zwischen seinem Heck und dem Graben durch.

Stuttgart? Pforzheim? Berlin? Dresden?
Nee. Gällivare, Lappland.
Klar, sowas passiert viel seltener als in den zuerst genannten Städten, aber das liegt wirklich nur an der viel geringeren Bevölkerungsdichte!

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Re: Eine deutsche Kleinstadt aus skandinavischer Sicht?

Beitragvon janaquinn » 20. März 2007 17:39

Hej, wir haben zwar zur Zeit kein Auto, aber solche Story´s habe ich auch.
Wir fahren zum Einkaufen und wollen auf die Mutter-Kind-Parkplätze, Yannic und Taima im Kindersitz dabei, alle Plätze voll, ALLE Auto´s ohne Kindersitz, aber dafür mit Wackeldackel und gehäckelten Toiletten-Papier-Mützchen. KLASSE!. Okay, wir haben den Parkausweis von Yannic dabei, dürfen also auch auf die Behindertenparkplätze, was wir eigentlich nur selten machen, nur im Notfall. Aber, alle voll, UND alle ohne Parkerlaubniss.
Gut wir warten, da kommt eine ca. 35jährige durchgestylte BWL-Studentin und steigt elegant mit ihrem A*** wackelnd in den teuren BMW ein, welcher wo parkt? Richtig, auf einem Behindertenparkplatz. Mein Mann steigt aus, spricht sie darauf an, das die eigentlich für Leute wie uns reserviert sind, bezgl. Rolli ect. Ein eiskalter Blick von Madam auf meinen Mann, dann auf unser Auto, ätsch auch ein BMW, okay 16 Jahre alt, aber ein BMW, und dann folgender Spruch: Ich darf parken woo und wie ich will! Interessiert mich doch nicht. Außerdem wären dahinten ja auch noch Plätze frei!
Ja, super, 20 kg Kind über den gesamten parkplatz schleppen, obwohl man einen Parkplatz haben könnte.
UND: In W´tal kennen die Autofahrer keine Zebrastreifen! Die sieht man eher als bevorzugtes Jagdgebiet auf Fußgänger, vorallem auf Mütter mit Kinderwägen. Da gibt man extra nochmal Gas!

Wie es in Schweden sein wird, werde ich erleben, aber es kann nur besser werden.

LG JANA
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