Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
svenska-nyheter
-bot-
Beiträge: 16218
Registriert: 9. Juli 1998 17:00

Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon svenska-nyheter » 2. Juni 2009 10:48

Ein Drittel der Plätze in den so genannten Elite-Oberstufen für theoretische Fächer wie Mathematik und Naturwissenschaften steht leer. Zum nächsten Schuljahr haben sich um die 300 zur Verfügung stehenden Plätze nur 207 Schüler beworben. Rektor Mattias Liedholm in Karlskrona, dessen Schule eine Mathematikklasse anbietet, glaubt, dass das System gewöhnungsbedürftig ist.


>>ganzer Artikel

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

Tulipa
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 949
Registriert: 19. November 2008 21:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Tulipa » 2. Juni 2009 19:39

Ja, das scheint mir auch so, dass so neue Methoden in Schweden für sehr viele sehr gewöhnungsbedürftig sind.

Genau, wie ich mich einfach nicht daran gewöhnen kann, dass diese Ideen von fast allen Eltern, mit denen ich mal rede, tatsächlich abgelehnt werden ... die schwärmen alle vom "Utematte", wo die Kinder halbe Tage draussen herumlaufen und Formen aus Stöcken und Steinen legen, aber mit 8 Jahren kaum bis 20 addieren können.

Der extra angestellte Mathe-Lehrer der Grundschule profiliert sich dadurch, geometrische Figuren in Beton zu giessen und im ansonsten weiblichen Kollegium Männerarbeit wie Bäume schneiden und kleinere Reparaturen zu übernehmen.

LG
Tulipa
man vet aldrig, vem som finns där ute

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Aelve » 2. Juni 2009 19:48

Hallo Tulipa,

Dein Bericht erinnert mich sehr an die Waldorfschulpädagogik. Denn dort sollen die Kinder ja auch nicht so früh gefördert werden und sie sollen lieber spielen uns sich austoben. Kann man sagen, dass die meisten Schweden die Steiner Pädagogik befürworten?
Wo ja auch die Buchstaben durch Berühren und Ertasten gelernt werden und anfangs keine Bücher zum Lernen benötigt werden?

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Tulipa
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 949
Registriert: 19. November 2008 21:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Tulipa » 3. Juni 2009 18:56

Aelve hat geschrieben:
Kann man sagen, dass die meisten Schweden die Steiner Pädagogik befürworten?


So würde ich das nicht sehen.

LG
Tulipa
man vet aldrig, vem som finns där ute

Benutzeravatar
Imrhien
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 3310
Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Imrhien » 3. Juni 2009 19:30

Ich würde sagen, dass der Durchschnittsschwede nie von Steiner gehört hat.
Dass sie Anhänger der antropologischen Sichtweise oder daraus folgend der Waldorfschule wären, würde ich ebenfalls nicht befürworten. Sie finden es einfach grundsätzlich gut wenn die Kinder draussen sind und mit ihren Sinnen die Welt erfahren. Das finde ich aber auch grundsätzlich gut. Dennoch glaube ich, dass zu einem guten Schulabschluss mehr gehört.
Wie schon oft gesagt: das schwedische System ist nicht nur schlecht. Es hat viele reizvolle Dinge. Leider braucht es Lehrer, Schüler und nicht zuletzt Eltern, die es unterstützen. Es kann heute so nicht mehr funktionieren weil die Eltern sich nicht mehr in dem Umfang kümmern können wie das früher mal war. Lehrer können das nicht ausgleichen und wollen es mit Recht auch nicht. Schüler sind dann überfordert von der Aufgabe sich selbst etwas beizubringen und lernen nur noch sehr langsam... in ihrem Takt eben. Die Lehrer drehen die Anforderungen nach und nach runter... Mal überspitzt ausgedrückt.

Was ich schade finde, ist die Tatsache, dass an vielen Schulen und in vielen Kommunen überhaupt niemand besser sein darf als andere. So fördert man nicht, sondern macht klein. Die langsamen Schüler sollten nicht schlechter behandelt werden, sie sollten gefördert werden, entsprechend ihrer Bedürfnisse. Das gleiche gilt aber für schnelle Schüler. Auch sie sollten ihren Bedürfnissen entsprechend lernen dürfen. Da man aber vielerorts (zum Glück nicht überall in Schweden) davon ausgeht, dass ein schneller Schüler automatisch eine Diskriminierung für einen langsamen Schüler ist, wird der Schnelle gebremst, damit der Langsame sich nicht schlecht fühlt. Das ist doch für beide nicht gut.

Die Kunskapskolan soll da anders vorgehen. Hat jemand hier Erfahrungen damit gemacht?
Ich habe von Kollegen nur Gutes davon gehört. Unter anderem sollen Schüler da wirklcih nach eigenem Tempo und eigenen Bedürfnissen arbeiten können. Es sollen angeblich auch schon Schüler die Schule schneller beendet haben als andere. Allerdings muss man auch hier sagen, dass es nur für die Schüler gut ist, die selbständig lernen und arbeiten können und die die entsprechende Unterstützung von daheim bekommen.

Grüße
Wiebke

Tommy3

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Tommy3 » 3. Juni 2009 19:46

Hej,
gestern gab es im Radio einen Bericht über private Hausaufgabenhilfe, also das, was man aus D als Nachhilfe kennt. Inzwischen gibt es wohl auch in den Grosstädten von S entsprechende Firmen. Im Radio wurde das Für und Wider erörtert. Ein Schüler fand es wunderbar, weil er endlich mal Mathe verständlich erklärt kriegte (warum kann die Schule das nicht?), das verstand, Zensuren erreichte und Erfolgerlebnisse.
Eine andere Stimme (ratet mal aus welcher Ecke) fand es gar schrecklich, weil ja sich das nicht jeder leisten könne. Fazit: wenns schon schlecht ist, soll es für alle gleich schlecht sein.
Der Gedanke, dass das Abwandern der reicheren Schüler zu den privaten Nachhilfeanbietern den Lehrern mehr Freiraum für die übrigen Schüler verschafft, ist natürlich ketzerisch und unzulässig.

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Aelve » 3. Juni 2009 19:53

Hallo,

es ist schon seltsam, dass es keinen Mittelweg gibt, sondern immer nur so oder so. Also von einem Extrem ins andere Extrem.
Meine Auffassung von Chancengleichheit ist die, dass jedem Schüler die gleiche Chance gegeben werden muß, seiner Begabung entsprechend zu lernen. Es gibt wenige Schüler, die überall gleich gut sind, dem einen liegt Deutsch mehr, der andere kann besser Mathematik, der nächste ist künstlerisch sehr begabt. Und da kann jedem nur gerecht werden, wenn man jeden nach besten Möglichkeiten fördert. Es nützt doch nichts, wenn eine Begabung mangels Forderung oder Anforderung verschüttet wird. Eine gute Lehrkraft oder ein guter Schulleiter wird seinen Unterricht so aufbauen, dass der Langsame gut zurecht kommt und auch der Schnelle nicht unterfordert wird. Es ist bestimmt nicht leicht, jedem Kind gerecht zu werden, aber nun einseitig nur die Schwachen zu stützen und die sehr Begabten runterzuziehen, davon halte ich absolut nichts. Wenn der Schüler, der mathematisch nicht so begabt ist, für das Fach Mathematik ein wenig mehr Zeit benötigt oder fleißiger sein muß, dann muß er evtl. für Deutsch nicht soviel Arbeit investieren, so dass sich das dann einpendelt. Wenn natürlich ein Kind in allen Fächern schlecht ist, dann muß das Kind dann entweder überall ein wenig mehr tun als andere Kinder und evtl. auch nie das erreichen, was ein intelligentes und schnell lernendes Kind kann, aber es wird auch seinen Weg machen, wenn man es trotzdem soweit lobt, indem man die Bereitschaft zum Fleiß mit einfließen läßt in Lob und Anerkennung. Und auf irgendeinem Gebiet wird sich auch das Kind auszeichnen und zufrieden mit seiner Leistung sein können, weil es vielleicht besser Sport machen kann oder musikalisch ein Ass ist.

Es ist zwar ein schmaler Grad der Über- oder Unterforderung, aber zumindest sollte versucht werden, jedes Kind nach seiner Fasson zu fördern und zu fordern. Ich finde wichtig, dass man stets jede Leistung anerkennen sollte, egal ob jemand einen Teil nicht so schnell beherrscht oder ob jemand sich nun schnell alles einprägen kann.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Samweis
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 358
Registriert: 8. April 2009 12:51
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Samweis » 3. Juni 2009 20:47

Hallo Aelve,

Aelve hat geschrieben:Wenn der Schüler, der mathematisch nicht so begabt ist, für das Fach Mathematik ein wenig mehr Zeit benötigt oder fleißiger sein muß, dann muß er evtl. für Deutsch nicht soviel Arbeit investieren, so dass sich das dann einpendelt. Wenn natürlich ein Kind in allen Fächern schlecht ist,

Ich finde es gut, dass Du hier klarmachst, dass es Menschen gibt, die in allen Disziplinen "schlecht" sind (und dann natürlich solche, die in allem "besser" sind.) Ich denke, es ist für eine Gesellschaft wichtig zu erkennen, dass Leistungsfähigkeit eben nicht gleich verteilt ist.
Es gibt Leute, die die Ansicht vertreten, dass, wenn jemand in einem Bereich "gut" ist, er automatisch in irgendeinem anderen Bereich "schlecht" sein muss und umgekehrt - als seien wie in dem biblischen Gleichnis die "Talente" tatsächlich alle gleich und gerecht verteilt worden. Dabei finde ich, dass diese Argumentation genau das erreciht, was sie eigentlich gar nicht will: Sie reduziert den Wert des Menschen auf seine Leistungsfähigkeit.

Viele Grüße

Samweis

Benutzeravatar
Aelve
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1454
Registriert: 14. Januar 2008 11:20
Schwedisch-Kenntnisse: praktisch keine
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Aelve » 3. Juni 2009 21:05

Hallo Samweis,

bei Dir weiß ich oft nicht, wie es gemeint ist, zynisch, anerkennend oder sarkastisch. Deshalb ist mir auch nicht richtig klar geworden, ob Du meinem posting beipflichtest oder es kritisierst. Leider kommt in einem Forum, wo man nur Geschriebenes sieht, einiges einfach nicht klar genug rüber. Kläre mich Unwissende doch bitte kurz auf.

Mir ging es in erster Linie darum, dass jeder Mensch im Leben zurecht kommen muß, dafür halte ich es für wichtig, dass er sein Leben zu meistern versteht, dass er zufrieden einer Tätigkeit nachgeht, dass er nicht der Gesellschaft zur Last liegt, sondern für sich selbst sorgen kann, soweit es ihm möglich ist. Der Lebensweg eines Menschen hängt sehr davon ab, ob er in seinem Beruf glücklich ist, weil er sich damit identifizieren kann und es ihm auch Anerkennung bringt. Die Schulbildung und Ausbildung ist in meinen Augen deshalb immens wichtig, denn oft hängt der Lebensweg davon ab, ob man sich seinen Beruf nach seinem Können wählen kann, seine Erfüllung findet und nicht hadern muß, dass ihm nicht genügend Hilfe in der Schul- und Jugendzeit zuteil wurde.

Grüße Dich Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 3. Juni 2009 21:32, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Samweis
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 358
Registriert: 8. April 2009 12:51
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Ein Drittel Begabtenplätze stehen leer

Beitragvon Samweis » 3. Juni 2009 21:24

Hallo Aelve,
Aelve hat geschrieben:bei Dir weiß ich oft nicht, wie es gemeint ist, zynisch, anerkennend oder sarkastisch. [...] Leider kommt in einem Forum, wo man nur Geschriebenes sieht, einiges einfach nicht klar genug rüber.
Klar, wenn man Gesicht, Tonfall usw. des Gegenübers nicht sehen kann, kann man schnell "auf den falschen Dampfer" kommen. Deshalb bemühe ich mich, immer dort, wo es Not tut und andernfalls zu Missverständnissen führen könnte, "Emoticons" zu verwenden. Bei ironischen Bemerkungen oder nicht ganz ernst gemeinten Aussagen verwende ich also irgendeine Art von Smilie um zu verhindern, dass sich irgendjemand irgendetwas schwer zu Herzen nimmt, was doch nur ein Scherz war.
In meinem Posting oben war kein Smile, weil "Ich finde es gut..." genau das heißen sollte: Ich finde es gut.
Aelve hat geschrieben:Mir ging es in erster Linie darum, dass jeder Mensch im Leben zurecht kommen muß, dafür halte ich es für wichtig, dass er sein Leben zu meistern versteht, dass er zufrieden einer Tätigkeit nachgeht, dass er nicht der Gesellschaft zur Last liegt, sondern für sich selbst sorgen kann, soweit es ihm möglich ist. Der Lebensweg eines Menschen hängt sehr davon ab, ob er in seinem Beruf glücklich ist, weil er sich damit identifizieren kann und es ihm auch Anerkennung bringt. Die Schulbildung und Ausbildung ist in meinen Augen deshalb immens wichtig, denn oft hängt der Lebensweg davon ab, ob man sich seinen Beruf nach seinem Können wählen kann, seine Erfüllung findet und nicht hadern muß, dass ihm nicht genügend Hilfe in der Schul- und Jugendzeit zuteil wurde.

Absolut korrekt.
Jeder Mensch lebt sein Leben. Die Eltern und auch die Schule haben "nur" die Pflicht, ihn darauf vorzubereiten - ("nur" in Anführungszeichen, denn das ist schon genug). Er soll der Gesellschaft nicht zur Last fallen sondern er soll sie tragen. Umgekehrt soll die Gesellschaft für ihn einstehen, um das Schlimmste zu verhüten (das ist meine Meinung, eine andere Meinung ist, dass die Gesellschaft ihn im Krankheits- und Invaliditätsfall für alles entschädigen soll, was er hätte haben können).
Die Schulbildung ist wichtig für ihn, damit er in seinem Leben "sein Glück macht" (auf amerikanisch). Die Bildung ist aber auch wichtig für die Gesellschaft, nämlich damit Leistungsträger erst überhaupt das Werkzeug an die Hand bekommen, Leistung zu erbringen - und damit die Bürger, die ab und an mal an den Wahlurnen erscheinen irgendeine Form von "Bildung" haben und nicht nur "BILD!-Dung".
Davon lebt die Demokratie.

Viele Grüße

Samweis


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 15 Gäste