Duzen in Schweden

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Tulipa
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Duzen in Schweden

Beitragvon Tulipa » 21. März 2009 21:15

Guten Abend,

1. Wie kommt ihr damit zurecht, dass sich in Schweden alle Leute duzen und mit Vornamen anreden ?

2. Ich habe mal gehört, dass dieses allgemeine Duzen auf eine politische Reform in den 70ger Jahren zurückzuführen ist. Kann ich aber selbst kaum glauben, vielleicht habe ich das auch einfach nur falsch verstanden.
Wer weiss mehr über die geschichtliche Entwicklung des Duzens in Schweden ? War das schon immer so ? Oder wann und warum hat sich das so entwickelt ?

LG
Tulipa
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Duzen in Schweden

Beitragvon Tulipa » 21. März 2009 21:22

Guten Abend,

1. Wie kommt ihr damit zurecht, dass sich in Schweden alle Leute duzen und mit Vornamen anreden ?

2. Ich habe mal gehört, dass dieses allgemeine Duzen auf eine politische Reform in den 70ger Jahren zurückzuführen ist. Kann ich aber selbst kaum glauben, vielleicht habe ich das auch einfach nur falsch verstanden.
Wer weiss mehr über die geschichtliche Entwicklung des Duzens in Schweden ? War das schon immer so ? Oder wann und warum hat sich das so entwickelt ?

LG
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Tulipa » 21. März 2009 21:23

uuppps, was war das denn ??
Sorry für die vielen Fragen, ganz so wichtig ists ja nun auch wieder nicht !

LG
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vinbär
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon vinbär » 21. März 2009 21:26


hansbaer

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon hansbaer » 21. März 2009 21:37

Hallo,

es gibt einen recht netten Artikel dazu in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Du-Reform

Es ist eigentlich weniger eine Reform als mehr eine gesellschaftliche Stimmung, die solche Standesunterschiede nicht mehr haben wollte. Wie der Wikipedia-Artikel im letzten Absatz sagt: kostet nix, bringt aber auch nix, denn nur die Änderung der Anrede hebt noch keine sozialen Unterschiede auf.
Übrigens sind königliche Hoheiten explizit vom Du ausgenommen. Vor kurzem war ein böser Leserbrief in der DN, wo sich der Leser darüber aufregte, dass der Reporter gewagt habe, den König mit Du anzusprechen. Ansonsten wird das Sie nur noch bei offiziellen Anlässen verwendet. Ich erinnere mich noch an den Tag, als Göran Persson seinen Rücktritt einreichte. Er begrüßte den Präsident des Reichstages mit den Worten "God dag Herr von Sydow".

Ich habe mit dem schwedischen Duzen keine Probleme, da ich für mich persönlich schwedisch und deutsch recht streng getrennt halte. Wenn ich irgendwo in Deutschland anrufe und es formell ist, schalte ich so automatisch in den Sie-Modus.

Das Problem für uns aus dem deutschsprachigen Raum ist, dass wir das "Du" in Schweden als etwas anderes wahrnehmen als es in Wirklichkeit ist. In unsere Köpfe ist so tief eingepflanzt, dass einem "Du" etwas familiäres oder joviales anhängt - es drückt für uns eine persönliche Nähe aus. Daher bilden wir uns ein, die Schweden seien alle so unglaublich freundliche Menschen, weil die uns ja alle duzen.

Das hat aber mit der Realität wenig zu tun. Weil jeder jeden duzt, ist das Du eine vollkommen wertungsfreie Anrede. Der Polizist, der jemanden wegen Mordverdachts verhaftet spricht den mutmaßlichen Mörder ebenso mit du an wie sich zwei Liebende beim romantischen Dinner mit du ansprechen. Es haftet diesem Du keinerlei Wertung an - man kann der größte Feind oder der beste Freund sein, und trotzdem ist man immer "du".

Sicherlich ist die Du-Reform aus symbolischer Sicht wertvoll. Ich finde das du auch ungemein praktisch. Wie oft windet man sich als junger Mensch in Deutschland herum, weil man sich nicht sicher ist, ob der ältere nun schon das Du angeboten hat oder nicht? Solche Probleme können im schwedischen erst gar nicht entstehen.

Das ist aber irgendwo auch eine sprachliche Frage. Ich sage nur: You can say you to me.

hansbaer

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon hansbaer » 21. März 2009 21:39

Also den Thread gleich viermal einzustellen war auch etwas unnötig :-)

Ich habe woanders schon geantwortet.

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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Tulipa » 21. März 2009 21:49

hansbaer hat geschrieben:Also den Thread gleich viermal einzustellen war auch etwas unnötig :-)
.


Ja, war echt keine Absicht, rigendwas hing da in der Leitung. Vielleicht ist ja einer der mods so nett und löscht überflüssiges.

Ich finde das Duzen auch praktisch und inzwischen völlig normal.
Es fällt mir fast nur noch auf, wenn ich hier Deutsche kennen lerne. Nicht die Touristen, sondern die, mit denen man erst schwedisch spricht und dann nach dem "outen" umstellt. Automatisch duze ich die dann weiter, egal wie alt oder fremd. Die meisten machen das mit, aber einige stellen dann auf das deutsche Sie um.

Und ich bin gespannt, wie meine Kinder das Siezen auf die Reihe bekommen werden. Natürlich treffen die immer mal wieder andere Deutsche, aber eben meist nur welche, die wir duzen.

LG
Tulipa
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Imrhien » 22. März 2009 16:51

Das mit den Kindern ist eine gute Frage. Da würde mich die Erfahrung derjenigen mit älteren Kindern interessieren.
Was mich betrifft, ich hatte mich schnell daran gewöhnt und ich finde es auch gar nicht merkwürdig. Im Englischen wundert man sich ja auch nicht darüber. Dies gilt für meinen privaten Alltag. Wenn ich unterrichte, gibt es schon öfter mal "Probleme". Natürlich duze ich die Teilnehmer wenn wir schwedisch reden. Mit der Zeit rede ich immer mehr deutsch. Dann müsste ich sie sietzen. Das verwirrt mich dann manchmal selber, wenn ich die gleiche Person erst duze und dann im nächsten Satz sieze. Die Kursteilnehmer selber finden es meist auch komisch und wollen geduzt werden. Andererseits ist es wichtig, dass sie lernen, dass man sich in Deutschland nicht so einfach duzt. Ich bleibe also beim Sie.

Grüsse
Wiebke

Duz-Diktatur

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Duz-Diktatur » 23. März 2009 16:20

Das Duzen in Schweden ist für mich in vielen Jahren ganz normal geworden. Probleme habe ich eigentlich nur mit Deutschen, die danach lechzen und darauf drängen, mich sofort zu duzen - und dann aufdringlich/anhänglich/dreist und fordernd werden, da sie mit dem Duzen eine Vertraulichkeit und Verbindlichkeit unterstellen, die hier in Schweden gar nicht gegeben ist. Ich bestehe daher meinen deutschen Landleuten gegenüber auf dem Siezen, da viele sich erfahrungsgemäss sonst tatsächlich schnell zuviel rausnehmen und alsbald kein Mass mehr kennen. In Deutschland bedeutet das "Du" etwas, hier in Schweden bedeutet es gar nichts. Bzw. nur, dass alle (angeblich) gleich sind.

Tommy4

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Tommy4 » 23. März 2009 16:26

Hej,

ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen und vermisse hier in S manchmal die Möglichkeit, feine Differenzierungen in der Anrede zu machen.
Ein Problem ist allerdings, dass meine Kinder, die ansonsten recht gut Deutsch gelernt haben, in D grundsätzlich jeden duzen und damit zuweilen anecken.
Das Duzen in S hat nichts mit Gleichheit oder Vertrautheit zu tun, sondern ist eben nur eine sprachliche Eigenart, oder eher Unzulänglichkeit.


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