Duzen in Schweden

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nysn

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon nysn » 30. Dezember 2009 12:03

Und vor allen Dingen hat IKEA richtig reagiert und NICHTS geändert. Ein positives Zeichen. dass der Kapitalissmus doch noch Grenzen kennt, und man der Kundengewinnung nicht jegliche Nationaleigene Kultur unterordnet, nur weil man in Deutscheland ist.

Ikea ist wohl eines der besten Beispiele wie Kapitalismus funktioniert und wie man durch geschickte Organisation seiner Unternehmensstruktur (z. B. in Form einer Stiftung), durch Umzug in ein steuerlich günstigeres Land (Schweiz) massig Steuern sparen und gleichzeitig "neugierige Blicke" in seine Bücher verhindern kann. Wie viel Gewinn Ikea tatsächlich macht, das weiß außer dem Herrn K. wohl niemand so genau.

Deutschland ist für Ikea einer der wichtigsten Märkte - dort hat man z. B. den Einstieg durch den Slogan "Das verrückte Möbelhaus aus Schweden" geschafft (verrückt, wohl deshalb, weil am Anfang immer einige Schrauben zum Basteln gefehlt haben, und durch wackelige Möbel ...).
Das Du-zen ist nur ein weiterer Werbezug von Ikea und dient ausschließlich der "Kundengewinnung"!

Sollte sich herausstellen, dass in Deutschland die Verkaufszahlen tatsächlich durch die Verwendung des "Du" im Katalog und in den Geschäften sinken sollten, dann kannst DU sicher sein, dass Ikea wieder auf das höfliche Sie umstellen wird.

In Frankreich z. B. wird weiterhin das "vous" verwendet - dort hat sich Ikea wohl bisher nicht getraut, seine Kunden so vertraulich und familiär mit Du anzureden. Vielleicht gehen die Werbemacher ja davon aus, dass die Deutschen eine etwas besondere Einstellung gegenüber Schweden haben - Bullerbü und Inga Lindström sei Dank.

Übrigens war/ist wohl einer ziemlich sauer auf seinen früheren Arbeitgeber - ein ehemaliger Geschäftsführer, Johan Stenbo, hat gerade ein Buch veröffentlicht:

Die Wahrheit über Ikea (Sanningen om IKEA)
Efter 20 år nära maktens centrum på Ikea har Johan Stenebo skrivit en avslöjande bok om vad som döljer sig bakom Sveriges mest framgångsrika företag. Fram träder en organisation där kvinnor och människor med utländsk härkomst får allt svårare att göra karriär - en organisation med en osäker framtid under sönerna Kamprad.


http://www.adlibris.com/se/product.aspx?isbn=9153434803

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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Berta » 31. Dezember 2009 00:25

Hallo Ihr,

ganz unabhängig von der Ikea-Diskussion möchte ich noch einen neuen Aspekt zur Duz-Diskussion hinzufügen. Nämlich den:

Neulich hörte ich einen interessanten Vortrag eines Linguisten über verschiedene Anredeformen (ja: spannendes Thema!). Dieser Mensch verglich dabei unter anderem asymmetrische und symmetrische pronominale Anredesysteme in verschiedenen Sprachen, was mir auch für den Vergleich des im Schwedischen gängigen Duzens mit dem deutschen Siezen fruchtbar erscheint. Im Gegensatz zu früher und auch im Gegensatz zu einigen anderen (ost)europäischen Sprachen gibt es nämlich im Deutschen (außerhalb der Schule :wink: ) die eindeutige Tendenz einer gleichwertigen Ansprache: Die Regel "Wer mich duzt, den duze ich auch, wer mich siezt, den sieze ich auch". Für mich stimmt das hundertprozentig - nur, weil ich jünger bin und in einer rangniederen Position als beispielsweise ein Vorgesetzter oder irgendeine Professorin, bin ich nicht bereit, geduzt zu werden, während ich gleichzeitig die betreffende Person sieze. Und diese Symmetrie in der Ansprache gilt genauso auch für Schweden.

Dabei ist es mir egal, ob ich Menschen sieze oder duze - ich duze viel, dann werde ich auch geduzt, in meinem Job sieze ich einige und die siezen mich auch. Ich komme damit zurecht (und das, obwohl ich, etwas einseitig in einer "Blase" aufgewachsen, erst mit dem Übertritt auf das Gymnasium gelernt habe, dass das "Sie" im Deutschen nicht nur in Büchern existiert ...).

(Ich behalte mir aber vor, das Siezen in Deutschland für konsequenter symmetrisch zu halten, weil es in Schweden ja immerhin noch den gesiezten König gibt. Und der duzt doch seine Untertanen, oder?)

Einen Gruß!
Berta.

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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Auswanderer » 7. Januar 2010 21:01

Berta hat geschrieben:(Ich behalte mir aber vor, das Siezen in Deutschland für konsequenter symmetrisch zu halten, weil es in Schweden ja immerhin noch den gesiezten König gibt. Und der duzt doch seine Untertanen, oder?)


Wirklich? In den 70ern gab es Buttons mit der Aufschrift "Säga du till Kungen". Ich habe meine
aus Schweden stammende Schwedischlehrerin gefragt. Sie dachte nur kurz nach und sagte dann,
sie würde auf jeden Fall den König duzen.

In Norwegen duzt man NUR den König.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson


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