Duzen in Schweden

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Samweis
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Samweis » 19. Juni 2009 19:02

Hallo Sápmi,
Sápmi hat geschrieben:Ich teile Marks Meinung in allen Punkten,

na, das hätte ich ja jetzt nicht von Dir gedacht... :wink:

Ich mach' mich jetzt erst einmal ins Fjäll.

Viele Grüße

Samweis

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Claudia_021172
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Claudia_021172 » 11. September 2009 12:30

Hej!

Hab mir jetzt einige der Kommentare zum Duzen durchgelesen (nicht alle muss ich gestehen) und finde die Diskussion recht witzig.

Ich habe das Schwedische "Du" immer mit dem Englischen "You" gleichgesetzt und hatte auch überhaupt keine Probleme damit. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich schon in Österreich bei einer schwedischen Firma gearbeitet habe und mir schon am ersten Arbeitstag das "Du" vom Chef und allen Kollegen angetragen wurde. Hab auch vorher schon in einem Theater gearbeitet wo auch alle per Du waren ... ganz automatisch, ohne "Anbieten" des Du's.

Ich arbeite in einem internationalen Konzern mit Zentrale in Schweden und habe Kontakt zu Kollegen in der ganzen Welt. ALLE, egal welche Position sie auch haben, schreibe ich mit Hi Vorname! an... nur nicht die Deutschen. Da bin ich mir bei jedem einzelnen Mail unsicher, ob ich Hallo Hans! oder Hallo Herr Müller! oder gar Sehr geehrter Herr Müller! schreiben soll. Es ist schlimm wenn man diesen Sie-Zwang einfach nicht ablegen kann. Jeder Schwede würde ja auch schreiben: Hej Hans! ...

In einem der Beiträge habe ich auch gelesen, dass man die Königin und den König nicht mit Du anspricht... also Kronprinzessin Victoria wird auf jeden Fall mit "du" angesprochen. Ich war auf einer Hochzeit auf der auch Victoria und Daniel waren (Bräutigam war ein alter Jugendfreund von Daniel) und jeder der mit den beiden gesprochen hat, hat das "du" verwendet - und keiner hat deswegen irgendwie komisch geschaut.

Vielleicht wird die Königin ja auch mit "ni" angesprochen, weil sie hier so unbeliebt ist? ;-)

Trevlig helg!
Claudia
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Rüdiger
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Rüdiger » 11. September 2009 19:10

Ich finde die deutsche Unterscheidung zwischen "Sie" und "Du" ganz wunderbar, um im Deutschen eine Unterscheidung zwischen Vorgesetztem und Untergebenen, zwischen Freund und (Noch-) Nicht-Freund, zwischen "sympathisch" und "nicht sympathisch" unterscheiden zu können. Allerdings gibt es manchmal Probleme, zu entscheiden, wer wem das "Du" anbieten soll: Der Ältere dem Jüngeren, der Mann der Frau, oder wie auch immer.

Das schwedische "du" möchte ich nicht gleichgesetzt wissen mit dem englischen "you", weil es im Englischen keine entsprechende "Sie"-Form gibt, aber im Schwedischen schon: So findet man das schwedische "Ni" bzw. "Er" z.B. durchaus häufig auf Internetseiten von Tourismusinformationen, Hotels, Städteportalen etc.

Trotzdem - oder gerade weil es so gehandhabt wird - finde ich das schwedische "du" klasse. Es impliziert nämlich einerseits eine "lagomsche" Gleichheit (aller Bürger) und damit einen gewissen Grad an Nähe, aber gleichzeitig auch die "lagomsche" Vorsicht bzw. Abgrenzung gegenüber dem Anderen, ohne dem Anderen wehzutun. Man hat zwar seine Meinung, hält sich aber bedeckt, um den Anderen nicht "vor den Kopf zu stoßen".

Ich weiß nicht, ob dieses schwedische Prinzip in allen Lebenslagen hilft, aber im alltäglichen Leben, finde ich, ist es überaus angenehm...

...sagt ein deutscher Schwedentourist namens

Rüdiger

P.S.: Ob nun der König oder die Königin oder die Kronprinzessin oder sonstwer aus der königlichen Familie geduzt oder gesiezt werden soll, interessiert mich weniger. Träfe ich Victoria in der Disco, duzte ich sie wahrscheinlich. Aber ich treffe sie vermutlich genausowenig wie unseren Bundespräsidenten, Horst Köhler. Der wurde gestern von einer ZDF-Sportkorrespondentin mit "Herr Köhler" angeredet und nicht mit "Herr Bundes-Präsident"...

nysn

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon nysn » 11. September 2009 19:51

Trotzdem - oder gerade weil es so gehandhabt wird - finde ich das schwedische "du" klasse. Es impliziert nämlich einerseits eine "lagomsche" Gleichheit (aller Bürger) und damit einen gewissen Grad an Nähe, aber gleichzeitig auch die "lagomsche" Vorsicht bzw. Abgrenzung gegenüber dem Anderen, ohne dem Anderen wehzutun. Man hat zwar seine Meinung, hält sich aber bedeckt, um den Anderen nicht "vor den Kopf zu stoßen".

Ich stimme dir zu, dass diese "lagom"-Einstellung im Alltag durchaus nützlich oder sogar äußerst bequem sein kann - andererseits erscheint es mir im Grunde genommen ziemlich "feige", sich nicht festlegen zu wollen - auf Schwäbisch würde man sagen - das ist nicht "hü und nicht hott". Persönlich habe ich meine Probleme damit - mir ist Geradlinigkeit viel lieber. Unter "lagomscher"-Gleichheit verstehe ich eher "Gleichgültigkeit" oder wie du es eben auch sagst:
Man hat zwar seine Meinung, hält sich aber bedeckt, um den Anderen nicht "vor den Kopf zu stoßen".

Dieses "Mäntelchen nach dem Wind hängen" oder diese "Vorne rum schön tun - hinten rum lästern"-Art konnte ich noch nie leiden - klaren Anreden sind mir lieber.

S-nina
(die so ab und an ihre liebe Mühe hat mit der schwedischen "annorlunda" Art ... )

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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon irni » 12. September 2009 13:52

... feige sich nicht festlegen zu wollen.

Da kann ich leider nicht zustimmen. Das hat damit gar nichts zu tun.

Das schwedische Du hat eine Geschicht, das wurde bewusst eingeführt durch eine Reform.

Tommy3

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon Tommy3 » 12. September 2009 21:11

Hej,

warum der Streit?
Im Schwedischen ist eben das Du üblich, im ist Deutschen Sie/Du dei Sprachgewohnheit. Und das ist gut so.
Wer glaubt, das schwedische immerwährende Du wäre ein Ausdruck von Gleichheit unter Menschen (Egalité nach einem Leitmotiv der französichen Revolution), denkt falsch, auch wenn es sich in deutschen Ohren vielleicht so anhört. Es ist nichts mehr als eine Sprachgewohnheit.

Im deutschen Sprachgebrauch gibt es Du/Sie und damit die willkommene Möglichkeit, differenzierte Umgangsformen wahrzunehmen. Wer das nicht braucht, kann jeden plump mit Du anreden. Damit bricht man genauso mit Sprachregeln, wie wenn man nur noch sagen würde: Du Auto kaufen? Aber verstanden wird

nysn

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon nysn » 29. Dezember 2009 11:12

Heute gelesen in der Süddeutschen - Galerie der Hassobjekte - Sie wollen's nie mehr sehen ...

an vierter Stelle in der Galerie kommt:

http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/leben ... r/?img=3.0

"Ich fühle mich von Ikea belästigt, vor allem von diesem Duzen. Es ist einfach unerträglich, wenn Firmen, Unternehmen und Marken in ihrer Werbung den Verbraucher in einem Möchte-Gern-Teenie-Ton ansprechen."


GENAU RICHTIG - finde ich!!

Erwachsene Menschen sollte man auch "erwachsen" ansprechen - oder vielleicht könnte man auch einfach sagen kultiviert!

susan_EiS

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon susan_EiS » 29. Dezember 2009 11:26

Für mich persönlich ist es egal, ob mich jemand duzt oder nicht. Auch ob ich duzen darf oder nicht. Ich hatte schon Chefs, die ich geduzt habe und auch welche, die ich förmlich angeredet habe.

Meines Erachtens ist auch nicht das "Du" bzw. "Sie" das Problem. Das Problem liegt doch darin, dass manche mit dem "DU" nicht richtig umgehen und dann den Respekt verlieren. Obwohl ich meinen Chef geduzt habe, hatte ich Respekt vor ihm und wußte, wer das sagen im Büro hatte. Es gab Kollegen, die konnten das nicht unterscheiden.

Und genauso ist es auch an anderen Stellen.

Für mich persönlich ändert sich nicht das Verhältnis zu einer Person, nur weil ich sie mit Du anrede.

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frasimi74
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Re: Duzen in Schweden

Beitragvon frasimi74 » 29. Dezember 2009 11:35

Wigald Droste prägte in seiner "satirischen Art" folgende Behauptung:

"Manche Ehe wäre nicht gescheitert, wenn die Eheleute, wie in früheren Jahrhunderten üblich, beim höflichen Sie geblieben wären." :lol:


Edit:

Hier noch ein Zitat aus einem anderen Forum.
Frage hier: Warum duzt IKEA?

"Das ist der Grund, warum ich nicht bei IKEA einkaufe, ich finde es dem Kunden gegenüber respektlos.
Wenn die Mitarbeiter sich untereinander duzen, ist mir das egal, aber als Kunde möchte ich nicht geduzt werden.
Ich möchte noch immer selbst bestimmen, wer mich duzen darf und wer nicht.
Wenn es in Schweden nicht üblich ist, ok, aber wir sind in Deutschland...."
Love it, change it, or leave it!

susan_EiS

Re: Duzen in Schweden

Beitragvon susan_EiS » 29. Dezember 2009 11:39

frasimi74 hat geschrieben:Wigald Droste prägte in seiner "satirischen Art" folgende Behauptung:

"Manche Ehe wäre nicht gescheitert, wenn die Eheleute, wie in früheren Jahrhunderten üblich, beim höflichen Sie geblieben wären."



Das Zitat kannte ich noch nicht.

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