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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 11. Januar 2010 23:50 
Hej,

ich bin nur Gast und hab hier mein Lieblingsthema - Schule-
entdeckt. Mag sein das die schwedischen Schulen anders laufen,
aber was ich hier mit unserem deutschen Schulsystem erlebe ist das Aller-
letzte. Mein Kind geht in die erste Klasse und hat schon drei Leistungstests
hinter sich. Da es ihm nicht am IQ sondern an der Kunst des Stillsitzen mangelt
hatte ich nach drei Wochen schon einen Termin beim Direktor. Das war geradezu
lächerlich. Wer also einen " Zappelphilip" oder eine " Traumsuse" sein Eigen nennt,
sollte sich mit dem Gedanken vertraut machen, diese Kinder mit Tabletten ruhig zu stellen.
Die andere Alternative wäre Sonderschule. Das hat für mich mit Schule nichts mehr zu tun.

Krümel


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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 12. Januar 2010 23:02 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

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Beiträge: 665
Wohnort: Westküste
Hej,

sicher hast auch du Recht. Die Zappelphillips und Traumsusen werden hier umsorgt. Die "normalen" Kinder warten derweilen geduldig, daß es mal mit dem Stoff vorangeht. Bzw. verbringen viele Stunden und ganze Schultage im Schnee, der muß ja genutzt werden und Aktivität ist wichtig.

Der Läroplan = Lehrplan hat eh Pause, denn aus der kleinen Schulklasse unserer Tochter sind mindestens diese Woche 3 SchülerInnen in Thailand und 1 in USA, ganz legal. Durch diese ständigen Urlaubsreisen während der Schulzeit wird die Betreuung der anwesenden ja noch individueller.

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 12. Januar 2010 23:39 
Schwedenfreund
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Registriert: 19. November 2008 21:51
Beiträge: 665
Wohnort: Westküste
glada hat geschrieben:
Was mich allerdings immer beschäftigt ist die Frage, inwieweit ich als Vater die "Mängel" der Schule auffangen kann. Ich versuche stets, spielerisch mit den Kindern Mathematik oder Schönschrift usw. zu üben. Wie macht ihr das?, ist es euch egal, oder lernt ihr Zuhause mit den Kindern? Wie reagieren die darauf?
glada


Bisher (2. Klasse = 3. deutsche Klasse) haben wir anhand der Original-Schulbücher versucht, den wesentlichen deutschen Stoff nachzulernen. In Deutsch klappt das einigermaßen. Vor allem gezielt mehrere Vormittage am Stück in den langen (Sommer-)Ferien. Rechnen in den schönen deutschen Mathebüchern haben wir schon viel zu lange vernachlässigt. Wir versuchen immer, nebenbei etwas zu rechnen, klappt so lala. Da sind wir schon viel zu weit hintendran. Genau so im vielgelobten Englisch. Da wir wenig fernsehen und wenn, nur deutsche Sender, ist es mit dem Schulunterricht nicht weit her, Gefühlt (und schriftlich) bleibt da überhaupt nichts hängen.

Und nein, egal ist mir/uns das überhaupt nicht. Die Kinder lernen mittelgern mit uns daheim. Nicht ungern, aber es gibt ja immer so viel anderes zu tun und es fehlt eben die von außen vorgegebene Struktur.

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 08:48 
Schweden Guru
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Beiträge: 1106
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Ich kann das nicht ganz nachvollziehen.
Mein Juengster ist jetzt in der dritten schwedischen Klasse weiter als seine beiden älteren Brueder derzeit in ihrer 3. deutschen Klasse. Gerade in Englisch und Mathematik - obwohl englisch noch nicht richtig unterrichtet wird.
Auch seine Schrift ist absolut ok - er uebt auch gerne aus Spass Schreibschrift, weil er die einfach witzig findet (und er sonst meine Handschrift nicht lesen könnte ab und dann ;-) )
@ Kruemel: Genau diese Erfahrungen haben wir auch gemacht und sind deswegen nach Schweden gezogen. Wir hatten keinerlei Bestimmungsmöglichkeit in D - es hieß knallhart Sonderschule von einer Direktorin, die unseren Sohn einmal beim Einschulungsgespräch gesehen hatte und meinte er hätte ein Sprachproblem.
Viele werden jetzt natuerlich behaupten: "Klar, wenn der Probleme hat, kommt er in S sicher besser klar!" Fakt ist, das er keine hatte! Es war die Willkuer einer äusserst unangenehmen Person die unfähig war ihn richtig einzuschätzen - wie auch!? Nach einem Gespräch!

LG
Heike

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"Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit."
Joseph Joubert


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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 10:39 
hallo,

auch wir wollen unsere Auswanderung wegen unsrers Sohnes jetzt
beschleunigen. Er muss jetzt Medikamente nehemn und hat schon
4 kg abgenommen. Und das nur weil die Lehrerin meint er muss still.-
sitzen. Wie gesagt den Schulstoff macht er mit Links und wartet auch gern
wenn andere Kinder nicht so schnell mitkommen. Aber wer hier in D. nicht
ins Schema passt wird automatisch aussortiert. Die sogenannte Sonderschule
wird dann zum zentralen Punkt. Ganz ehrlich, mir ist eine Schule die sich mehr
Zeit nimmt lieber als dieser knallharte Leistungsdruck. Ich verzichte gern auf die
guten Noten und habe ein glückliches, ausgeglichenes Kind.

Krümel


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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 10:55 
Schweden Guru
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Beiträge: 1463
Wohnort: 23858 Reinfeld
Hallo Heike, hallo Krümel,

Eure geschilderten Erfahrungen mit Deutschlands Schulen teile ich. Nur, in unserem Fall waren die Kinder nicht zu unruhig sondern sie waren zu ruhig. Dadurch meinten die Lehrkräfte, beide Kinder können nichts leisten, da sie aufgrund Schüchternheit sich nicht so hervorgetan haben, wie es nun einmal bei temperamentvolleren Kindern der Fall ist.
Ich habe aus 17 Jahren Schule mit unseren beiden Kinder das Fazit gezogen, man hätte es machen können, wie man wolle, man wäre so oder so gegen eine Wand gelaufen. Ich habe nichts versäumt, bin jeden Eltern-Sprechtag zur Schule gegangen, habe jede Gelegenheit genutzt und habe an jedem Elternabend teilgenommen. Habe erklärt, dass nun einmal die Kinder von uns schüchtern sind, dass es eine Charaktereigenschaft ist, dass sie eben eher ruhig und lieb sind, aber dass sie zuhause alles wissen und auch können, was in der Schule gelehrt wurde. Mir wurde an den Kopf geworfen, dass ich als "ältere Mutter" meine Kinder nicht richtig einschätzen könne. Ich würde NUR annehmen, dass sie schlau sind.

Wenn es nach der Empfehlung der Grundschule gegangen wäre, dann hätte unser Sohn heute Hauptschule und wäre wahrscheinlich chancenlos.
Ich habe es aber besser einschätzen können, denn unsere Kinder haben gezeigt, dass sie beide ihr Abitur hinlegen können. Und das kann niemand, der so wenig Intelligenz besitzt, wie uns Lehrkräfte stets und ständig weismachen wollten.

Damals wollten wir innerhalb Deutschlands am liebsten umziehen, um nicht dem Schulsystem von Schleswig-Holstein ausgesetzt zu sein.
Wenn ich 25 Jahre zurückdrehen könnte, würde ich auf der Stelle nach Schweden ziehen, um nicht 10 Jahre Kampf auf öffentlichen Schulen ausgesetzt zu sein. Die letzten 7 Jahre Schule unserer Kinder wurden aufgrund Besuchs einer Privatschule dann wieder erträglich, wenn auch die Zeit trotzdem mit sehr viel Mühe verbunden war, aber man hatte nicht das Gefühl der Ohnmächtigkeit gegen ein System, welches versucht, einen als Eltern unmündig zu machen.

Grüße Aelve

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Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 11:13 
Schwedenfreund
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Aelve hat geschrieben:
Wenn ich 25 Jahre zurückdrehen könnte, würde ich auf der Stelle nach Schweden ziehen, um nicht 10 Jahre Kampf auf öffentlichen Schulen ausgesetzt zu sein.


Hallo liebe Aelve,
haben deine Kinder eigentlich schon selbst Kinder?
Sie wollen doch sicher alles besser machen und nicht wieder diese Chance der schwedischen Schulbildung vertun. Gibt es schon Pläne, daß deine Kinder rechtzeitig und dauerhaft nach Schweden ziehen, um ihren eigenen Kindern die Ausbildung in Deutschland zu ersparen?

LG
Tulipa

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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 12:36 
Schweden Guru
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Hallo liebe Tulipa,

nein, unsere Kinder haben noch keine Kinder. Aber auch wenn sie welche hätten, würden wir unseren Kindern nicht vorschreiben oder vorschlagen, irgendwo hinzuziehen, wenn sie nicht selber dieses in Erwägung ziehen. Nur weil mein Mann und ich Schwedenliebhaber sind, müssen es unsere Kinder nicht sein und ich erwarte es nicht einmal. Übrigens hat die Freundin unseres Sohnes genauso schlechte Schulerfahrungen hinter sich bringen müssen wie wir. Sie ist legasthen genauso wie unser Sohn. Sie wurde gedrückt von den Lehrkräften und sie hat deshalb nur die Hauptschule besucht, da es seitens der Lehrkräfte stets hieß, dass Legastheniker keine höhere Schulbildung schaffen können. Sie hat dann ihren Realschulabschluß nachgemacht, dann eine Lehre absolviert und holt jetzt ihr Abitur nach, danach will sie studieren.
Sie ist sehr ehrgeizig und mehr als fleißig, da ihre Mutter sie aber schulisch nicht unterstützt hat, mußte sie diesen schweren Weg über das Nachholen des Abiturs gehen, den sie jetzt geht. Und das finde ich so gemein, dass man Kindern, die an irgendeiner Sache leiden, den Lebensweg ungleich schwerer macht als Kindern, die von Natur aus diesen Nachteil nicht haben. Ein Kind mit einer Schwäche, sei es der Sprache, der Rechtschreibung oder Diskalkulie, sei es, dass das Kind nicht so gut hören kann oder hat andere Krankheiten, dann ist das Kind bei den meisten Lehrkräften abgeschrieben.

Ich kann im Leben nicht die Einstellung nachvollziehen, dass ein Kind mit irgendeiner Behinderung, sei es Sehschwäche, Hörschwäche oder Lähmung nicht die gleichen Chancen haben soll wie ein gesundes Kind. Eher das Gegenteil müßte der Fall sein, um dem Kind mit einer angeborenen oder ererbten Schwäche die Möglichkeit zu geben, diese Schwäche zu überwinden und dadurch später eine gleichwertige Person in dem System sein zu können, ist man doch geradezu dazu verpflichtet, dem Schwächeren zu helfen und zu versuchen, dass er es genauso schaffen kann wie alle anderen auch. Auch volkswirtschaftlich gesehen ist es ein Unding, einigen Leuten nicht zu einer guten und vollständigen Bildung zu verhelfen. Personen, die nicht gemäß ihrer Begabung beschult werden, stellen später oft für die Gesellschaft Problemfälle dar, entweder werden sie durch Herabsetzung zum Versager, zweifeln an ihren eigenen Fähigkeiten oder schlimmstenfalls werden sie kriminell, weil sie sich in der Gesellschaft nicht aufgehoben fühlen.

Genauso wenig kann ich nachvollziehen, warum das Kind von Krümel, nur weil es ein wenig wilder oder temeramentvoller ist als der Durchschnitt, evtl. sogar intelligenter als der normale Durchschnitt jetzt scheitern soll, nur weil eine Lehrkraft es nicht richtig einschätzen kann oder sogar davon geleitet wird, dass sie möglichst wenig Arbeit mit einer Schülerin hat.

In was für einer Gesellschaft leben wir denn in Deutschland, wenn nur noch aussortiert wird nach Laune und Einschätzung von Leuten, die es sich bequem machen wollen, aber für ihre eigenen Kinder natürlich nur das Beste wollen. Selbst wenn ihre eigenen Kinder vielleicht nur Pfeifen sind, aber als Lehrkraft hat man ja ganz andere Möglichkeiten, sein Kind dann durch das Abitur zu bringen.

Nein, da lobe ich mir eine Schule, die evtl. auch ihre Fehler hat, aber dafür human ist und jedem Kind -egal aus welcher Schicht - gleiche Chancen bietet.

Grüße Aelve

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Zuletzt geändert von Aelve am 13. Januar 2010 13:13, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 13:04 
Hej,

wir haben das nebenbei lernen schon ziemlich früh aufgegeben, weil die Kinder da nicht mitzogen. Die wollten nicht besser seinals ihre Schulkollegen, das ist hier nicht angebracht, besser zu sein (Egalité auf schwedisch).

Und daher konnten wir auch nie wieder zurück nach D gehen,solange unsere Jungs in der Schule waren. Der Abstand ist einfach zu gross.

Da hatten wir damals offensichtlich eine flasche Wahl getroffen, als wir glaubten, die Kinder würden hier was lernen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die supertolle schwedische Schule
BeitragVerfasst: 13. Januar 2010 13:24 
Schweden Guru
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Beiträge: 1463
Wohnort: 23858 Reinfeld
Hallo Thommy,

Ihr habt die Wahl gehabt, für Eure Kinder lieber in Deutschland zu bleiben, damit sie die nach Deiner Meinung bessere Schulbildung in Deutschland hätten genießen können. Hoffentlich bereust Du es nicht tatsächlich mal, dass Ihr - entgegen Eurer Überzeugung, dass die Schulbildung in Schweden nichts taugt - Euch darüber hinweggesetzt habt und Eure Kinder diesem -nach Deiner Meinung - zu laschem System ausgesetzt habt.

Aber kannst Du hundertprozentig sagen, ob Deine Kinder in Deutschland klar gekommen wären? Ich kenne Familiensituationen, da hatten die Eltern eine sehr hohe akademische Ausbildung und trotzdem kamen deren Kinder in Deutschland auf der öffentlichen Schule nicht zurecht.
Wurden auch gemobbt, weil sie entweder zuviel wußten, zu komplizierte Aufsätze geschrieben haben, weil sie einfach besser waren als ihre mittelmäßigen Schulkameraden. Es ist durchaus in D nicht gesagt, dass intelligente Kinder die richtige Schullaufbahn durchschreiten.
Auf dem Privatgymnasium unserer Kinder waren auch Kinder von Lehrkräften, die uns erzählten, dass ihre Kinder gemobbt wurden, nur weil sie künstlerisch begabt waren oder weil sie anstatt durchschnittlich begabt überdurchschnittlich begabt waren, dieses aber im durchschnittlich begabtem Klassenverband störte.

Man kann sich also drehen und wenden wie man will, da man gar nicht weiß, wie es anders verlaufen wäre. Da wir aber durch eine Hölle mit den öffentlichen Schulen gegangen sind, da wir durch den Legasthenieverband nur schwerste Schulkarrieren aufgetischt bekamen, kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es schlimmer kaum sein kann, als was hier in Deutschland in sehr vielen Fällen in den Schulen abläuft.

Wer hier gut durch die Schule kommt, ist eher ein Einzelfall als der Normalfall.

Grüße Aelve

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