Die schwedische Ehrlichkeit

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unbekannt

Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon unbekannt » 21. April 2009 08:33

Hallo zusammen,

am Wochenende hatte meine Nachbarin einen Fachmann bestellt, um auf ihren Grundstück einen Baum zu fällen. Der Baum fiel dann prompt auf unser Haus. Dachrinne und Blechdach sind beschädigt, unsere Wäschespinne ist kapput. Alle haben lange Gesichter gemacht. Entsprechend der schwedischen Mentalität waren die Reaktionen ruhig und bedrückt. Ich habs mit Humor genommen, denn es war ja nur Blechschaden. Meine Nachbarin hat mir gleich eine neue Wäschespinne vorbeigebracht. Und wer den Schaden verursacht, zahlt auch, was allen klar war.

Heute hatte mich dann die Versicherung des Verursachers angerufen. Im Gespräch wurde ich auf einmal gefragt, welche Hausversicherung (hus- och hemförsäkring) ich denn hätte. Ich erwiderte, dass hätte doch damit nichts zu tun. Dann meinte sie, es wäre doch einfacherer und schneller, wenn ich das über meine Versicherung regeln würde!!!!!!!!!

Meine deutlichen Worte waren, dass der Verursacher den Schaden bezahlt - entweder persönlich oder dessen Versicherung. Auf solche Tricksereien darf man sich nicht einlassen, besonders nicht am Telefon, wo versucht wird einen zu überrumpeln.

Da haben die armen Call-Center-Mitarbeiter anscheinend eine kurze Schulung erfahren, wie man Versicherungsfälle abdrückt und in einer Reszession sind Menschen eher geneigt jeden Mist mitzumachen. Und nach den zahlreichen schwedischen Skandalen um die Bonuszahlungen merke ich, wie Schweden sich auch in negativen Dingen international orientiert.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 08:40

Hallo lieber Volker,

in unserer einen Ferienwohnung hat letztes Jahr ein Gast einen Brandschaden in der Küche verursacht. Da war es so, dass unsere Hausrat - also Feuervers. - erstmal einspringt und unsere Versicherung sich dann den Schaden von der Versicherung des Schadensverursachers wiederholt. Das ist also gängige Praxis. Es war bei uns z.B. so, dass eine Haftpflichtvers. nur den Zeitwert bezahlt, wir aber Neuwert versichert sind. Von der Haftpflichtvers. des Schadensverursachers hätten wir demnach nicht den Neueinbau der Küchenteile ersetzt bekommen, sondern lediglich den Zeitwert, der erheblich unter dem Neuwert gelegen hätte.
Es wäre also sinnvoll, wenn Du den Schaden Deiner Hausversicherung meldest mit dem Hinweis, dass der Schaden durch die Nachbarn verursacht wurde.
Dann kann Deine Versicherung sagen, wie der Ablauf ist. Möglicherweise übernimmt erstmal Deine Vers. die Kosten und läßt sich diese von der anderen Versicherung erstatten. So war es jedenfalls bei uns.

Liebe Grüße Aelve
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unbekannt

Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon unbekannt » 21. April 2009 09:12

Hallo zusammen,

ich sehe Aelves Versicherungsfall komplizierter gelagert, da juristisch gesehen der Mieter die Mietsache beschädigte. Deshalb kann es schon sein, dass die eigene Versicherung erst einmal einspringt. Auf jeden Fall ist der Vergleich beider Fälle interessant.

Bei mir handelt es sich allerdings um eine so eindeutige und geradezu klassische Fremdeinwirkung, so das nur der Verursacher zahlen muss. Übrigens gibt es ältere Häuser, die nicht durch eine hus- och hemförsäkring abgesichert sind. Diese Versicherung war nicht immer Pflicht. Ein Haus muss nicht versichert sein. Wenn die Versicherung des Verursachers etwas wissen möchte, dann soll sie sich schriftlich melden. Abgesehen davon müsste ich ja noch einen Eigenanteil bezahlen, wenn nur meine Versicherung bezahlen würde. Ich habe schon genug Ärger gehabt.

Der Beitrag von Aelve3 hilft niemanden weiter und bedarf keinen Kommentars.

unbekannt

Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon unbekannt » 21. April 2009 11:01

Hallo nochmal,

eben unverbindlich meinen Steuerberater befragt, was er dazu meint. Er war erstaunt denkt auch, dass meine Versicherung nichts damit zu tun hat und nicht informiert werden muss.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 11:08

Lieber Volker,

danke für die Mitteilung. Es kann sein, dass Deine Versicherung nichts mit der Sache zu tun hat, ich wollte es nur zu bedenken geben, dass ich meine Feuervers. sofort informiert habe, die den Schaden auch aufnahmen aber gleichzeitig sagten, dass sie auch dafür aufkommen, sich aber teilweise den Schaden von der Verursacherseite wiederholen. Es könnte ja theoretisch sein, dass es da Rahmenbedingungen gibt, die solche Fälle abdecken.

Es war, wie Du ja bemerkt hast, nur als Tipp gedacht, dass man vorsichtshalber seine eigene Versicherung mal befragt, wie der Ablauf der Sache geregelt ist.

Gutes Gelingen und guten Ausgleich des Schadens wünscht Aelve
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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 11:22

Lieber Volker,

da ich mehrere Jahre selber bei einer Versicherung gearbeitet habe und auch meine ganzen Versicherungen bei der Vers.Ges. laufen habe, habe ich eben mal mit denen telefoniert und gefragt, wie es aussieht, wenn ein Nachbar seinen Baum absägt und der bei mir aufs Haus fällt und Beschädigungen verursacht. Die Sachbearbeiterin hat sofort geantwortet, dass das auf jeden Fall auch bei der Gebäudeversichrung anzumelden ist, da oft die Leistungen der Gebäudeversicherungen andere sind als bei Haftpflichtversicherungen. So sagte sie beispielsweise, dass die Gebäudevers. auch die Kosten für die vorläufige Abdeckung (Plane oder ähnliches) bezahlt, damit es beispielsweise nicht reinregnet. Sie hat ausdrücklich gesagt, dass es in Deutschland so gehandhabt werden muß, weil auch die eigene Gebäudeversicherung über den Schaden am Haus unterrichtet werden muß.

Dieses nur als Tipp, was Du daraus machst, mußt Du selber entscheiden, ich gebe nur mein Wissen bzw. meine erhaltenen Informationen weiter.

Grüße Dich Christa
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Tommy3

Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Tommy3 » 21. April 2009 11:35

Hej,

ich will erstmal klarstellen, dass ich nicht als "Aelve3" oben geschrieben habe, auch wenn das vielleicht jemand glauben möchte.

Was Volkers Versicherungsfall anbelangt, so hat es mich auch schon öfter befremdet, dass in S oft erstmal die Versicherung des Geschädigten benachrichtigt wird und gegebenenfalls zahlt. Mein Rechtsempfinden sagt auch, dass auf jeden Fall der Verursacher bzw. dessen Versicherung zahlen muss.
Dieser komische Umstand in S liegt möglicherweise daran, dass es in S die klassische Haftpflichtversicherung, wie aus D bekannt, nicht gegeben hat und auch huete nur sehr selten ist. Daher tritt oft die Versicherung des Geschädigten ein.
Wenn Nachbars Schlingel dir die Scheibe einschmeisst, ist der Normalfall, dass die Versicherung des Geschädigten das bezahlt. Der Gedanke, dass die Eltern des Kindes zahlen sollten, ist den meisten Schweden fremd.
Oben angedeutete Tricksereien, mit denen die Entschädigungssumme durch Einschalten einer anderen Versicherung hochgetrieben werden kann, sollten doch möglichst unterbleiben.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Aelve » 21. April 2009 11:39

Tommy3 hat geschrieben:
Oben angedeutete Tricksereien, mit denen die Entschädigungssumme durch Einschalten einer anderen Versicherung hochgetrieben werden kann, sollten doch möglichst unterbleiben.


Hej Tommy3,

wo hast Du Dir das denn rausgelesen?

Grüße Aelve
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hansbaer

Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon hansbaer » 21. April 2009 11:57

Tommy3 hat geschrieben:Dieser komische Umstand in S liegt möglicherweise daran, dass es in S die klassische Haftpflichtversicherung, wie aus D bekannt, nicht gegeben hat und auch huete nur sehr selten ist. Daher tritt oft die Versicherung des Geschädigten ein.


Diese Umkehrung von Schuld und Verantwortlichkeit hat mich auch schon öfters verwundert. Zumal diese Versicherungen oft erstaunlich generell sind. Als ich beim Fahrradkauf nach einer Diebstahlversicherung fragte, hieß es, dass das oft die Hemförsäkring trägt - obwohl das Fahrrad ja höchst selten im "Hem" geklaut wird, sondern eben, wenn es woanders ist. Ich habe dann doch eine Extraversicherung abgeschlossen.

Eine Freundin von mir hat in Arlanda am Flughafen gearbeitet, zeitweise auch bei der Reklamation. Da kam eine Frau an, die sagte, ihr Kind habe seinen MP3-Player im Bus zum Flughafen in Spanien verloren. Daraufhin erhielt sie als Antwort, dass man das natürlich weiterreichen könne, aber die Erfolgsaussichten recht gering seien. Die Frau dann: "Und wer ersetzt mir das dann ?"

Solche Dinge führen mich irgendwie zu dem Schluss, dass in Schweden eine besondere Art der Vollkasko-Mentalität herrscht. Es interessiert eigentlich nicht, wer schuld war und wer die Verantwortung trägt, denn es gibt immer irgendeine Versicherung, die den Schaden übernimmt.

Nur groß genug muss der Schaden sein. Bei einer Feier neulich ging eine nicht ganz billige Karaffe kaputt - der erste Gang war zur eigenen Versicherung, ob die uns das ersetzt. Die interessierte auch nicht, wer das verursacht hatte, aber der Eigenanteil betrug über 1000 kr, und soviel war das gute Stück dann doch nicht wert. Letztendlich hat es der Verursacher dann aus eigener Tasche bezahlt.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Imrhien » 21. April 2009 12:05

Das mit den Versicherungen ist schon merkwürdig hier. Bei uns ist in der hemförsäkring eine Haftpflicht mit drin. Wir haben das damals abgeklärt weil wir die eigentlich extra machen wollten. Dann meinte der Sachbearbeiter nur erstaunt, dass wir die doch schon hätten und denn noch eine bringen sollte? Nett, dass er das sagte... Unsere Räder sind da auch mit drin. Auch wenn sie nicht daheim stehen. Und sowas wie ne ûberfallsversicherung ist da auch noch drin, also wenn ich in der Stadt überfallen werde und mir die Handtasche geklaut wird oder so. Was genau die abdeckt habe ich aber ncoh nicht rausgefunden...

Grüsse
Wiebke


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