Die schwedische Ehrlichkeit

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unbekannt

Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon unbekannt » 3. Juli 2009 09:23

Hallo zusammen,

inzwischen ist es mit meinem Dachschaden etwas vorangegangen. Vor einigen Wochen bekam ich einen Brief von der Versicherung des Verursachers, dass sie die Kosten übernehmen wird. Ein Blechner hat sich nach mehrmaligen Anrufen auch schon bequemt den Schaden anzuschauen und stellte fest, dass es ja nicht so eilig sei, da kein Wasserschaden entstehen könnte. Das war vor 4 Wochen. Jetzt ist erst einmal Sommerpause und ich rechne mal nicht vor Mitte August, bis der Schaden behoben wird. Stress und Hektik mag eben hier niemand und im Sommer erst recht nicht.

Inzwischen habe ich mich auch mal kundig gemacht, wie sich Verkehrsteilnehmer nach einem Verkehrsunfall zu verhalten haben. Falls Personen zu Schaden gekommen sind, muss immer die Polizei gerufen werden. Andernfalls vermeidet man dies nach Möglichkeit, denn nach der schwedischen Rechtslage sind fast immer alle Schuld, die in einem Unfall verwickelt sind und dann müssen auch alle eine Strafe zahlen. Wer einem die Vorfahrt nimmt, hat je nach Umständen z.B. zu 2/3 Schuld und derjenige, dem die Vorfahrt genommen wurde, hat dann zu 1/3 Schuld, denn er hätte ja auch aufpassen können. Bei einem Auffahrunfall hat nur der Aufgefahrene Schuld. Aber ganz sicher kann man sich da auch nicht sein.

Also ruft man lieber nicht die Polizei sondern füllt ein Formular, dass man von der KFZ-Versicherung bekommt, aus. Dor hält man den Unfallhergang fest und beide Unfallverursacher unterschreiben gemeinsam. Das Formular hat Durchschlagpapier und jeder informiert dann mit seinem Exemplar seine Versicherung.

Falls ein Wildunfall geschehen ist, ist die Unfallstelle mit einem roten Band, das an einen Ast geknotet wird, zu Kennzeichen, damit die herbeigerufene Polizei oder der Jäger das Wild besser auffinden kann. In einer Diskussion hat man mich als Einwanderer belehrt, dass dieses rote Band wesentlicher Bestandteil schwedischer Kultur sei. Außerdem sollte ich mir endlich ein Handi anschaffen, das bei Autofahrten immer mitzuführen sei.

McGarry14101976
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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon McGarry14101976 » 3. Juli 2009 13:46

Hallo zusammen,

am Wochenende hatte meine Nachbarin einen Fachmann bestellt, um auf ihren Grundstück einen Baum zu fällen. Der Baum fiel dann prompt auf unser Haus. Dachrinne und Blechdach sind beschädigt, unsere Wäschespinne ist kapput. Alle haben lange Gesichter gemacht. Entsprechend der schwedischen Mentalität waren die Reaktionen ruhig und bedrückt. Ich habs mit Humor genommen, denn es war ja nur Blechschaden. Meine Nachbarin hat mir gleich eine neue Wäschespinne vorbeigebracht. Und wer den Schaden verursacht, zahlt auch, was allen klar war.

Heute hatte mich dann die Versicherung des Verursachers angerufen. Im Gespräch wurde ich auf einmal gefragt, welche Hausversicherung (hus- och hemförsäkring) ich denn hätte. Ich erwiderte, dass hätte doch damit nichts zu tun. Dann meinte sie, es wäre doch einfacherer und schneller, wenn ich das über meine Versicherung regeln würde!!!!!!!!!

Meine deutlichen Worte waren, dass der Verursacher den Schaden bezahlt - entweder persönlich oder dessen Versicherung. Auf solche Tricksereien darf man sich nicht einlassen, besonders nicht am Telefon, wo versucht wird einen zu überrumpeln.

Da haben die armen Call-Center-Mitarbeiter anscheinend eine kurze Schulung erfahren, wie man Versicherungsfälle abdrückt und in einer Reszession sind Menschen eher geneigt jeden Mist mitzumachen. Und nach den zahlreichen schwedischen Skandalen um die Bonuszahlungen merke ich, wie Schweden sich auch in negativen Dingen international orientiert.



Lieber Volker.

DA ich selber in der Branche bin, und selber auch gerade so einen Fall habe, wo zwar kein Baum aufs Haus flog, sondern Raketen (Feuerwerkskörper) kann ich dir nur sagen dass deine Versicherung den Schaden vorab bezahlen soll und dann bei der Hausratversicherung der anderen Versicherung regressieren soll.

Das Ganze funktioniert bei Haftpflichtgeschichten immer so, denke wohl auch in Schweden und so wäre es auch sehr schnell gegangen.

Warum aber der Sachverständige sich so lange Zeit lässt weiß ich selber nicht, das dürfte eigentlich gar nicht passieren und da könnte die Versicherung auch mehr Nachdruck machen.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Aelve » 3. Juli 2009 14:45

Hallo Volker,

dann hatte ich also garnicht mal so Unrecht, als ich damals meinte, Du sollst auch Deine eigene Versicherung mit einschalten, wenn solch ein Schaden am Haus bezahlt. Es scheint dann ja in Schweden ähnlich zu laufen bei einer Haftpflichsache, erst springt die eigene Versicherung ein und die holen sich das Geld dann vom Verursacher zurück. Es ist seltsam, dass sich die Vers. so lange Zeit lassen mit der Beseitigung der Schadenssache, normalerweise pochen die doch darauf, dass eine Schadensminderungspflicht besteht und kann nicht der Schaden größer werden, wenn er nicht rechtzeitig behoben wird?

Grüße Dich Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon unbekannt » 3. Juli 2009 15:27

Hallo zusammen,

wie ich schrieb, liegt das Problem NICHT bei der Versicherung des Verursachers. Sie hat sich bereit erklärt zu zahlen. Das Problem sind die Handwerker, die im Sommer keine Lust haben zu arbeiten. Einen Sachverständigen brauche ich auch nicht. Und meine Haftpflichtversicherung hat mit dem Fall auch nichts zu tun.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon Samweis » 3. Juli 2009 16:35

Hallo Aelve,
Aelve hat geschrieben:normalerweise pochen die doch darauf, dass eine Schadensminderungspflicht besteht und kann nicht der Schaden größer werden, wenn er nicht rechtzeitig behoben wird?
Die Schadenminderungspflicht läge ja bei Dir - und nicht bei der Versicherung. Im Ernstfall kannst Du Dich nicht darauf berufen, dass die Versicherung noch nicht bezahlt hat und Du deshalb den Schaden nicht hast beseitigen bzw. eingrenzen können.

Viele Grüße

Samweis

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon gundi » 15. Juli 2009 15:48

Welches Glueck im Unglueck du hast, denk dir mal der Handwerker schickt dir einen Vikarie.....
Nicht auszudenken..
Halt die Orhen steif und quäle den Handwerker mit Telefonsamtal....
Drueck dir die Daumen, das du dein Dach fertig hast vor dem Winter
kram Gundi
Volker hat geschrieben:Hallo zusammen,

wie ich schrieb, liegt das Problem NICHT bei der Versicherung des Verursachers. Sie hat sich bereit erklärt zu zahlen. Das Problem sind die Handwerker, die im Sommer keine Lust haben zu arbeiten. Einen Sachverständigen brauche ich auch nicht. Und meine Haftpflichtversicherung hat mit dem Fall auch nichts zu tun.

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Re: Die schwedische Ehrlichkeit

Beitragvon karlskronit » 16. Juli 2009 06:58

Volker hat geschrieben:Hallo zusammen,

wie ich schrieb, liegt das Problem NICHT bei der Versicherung des Verursachers. Sie hat sich bereit erklärt zu zahlen. Das Problem sind die Handwerker, die im Sommer keine Lust haben zu arbeiten. Einen Sachverständigen brauche ich auch nicht. Und meine Haftpflichtversicherung hat mit dem Fall auch nichts zu tun.




also wenn man das hier so liest, ich weiss auch nicht, könnt ihr nicht oder wollt ihr nicht begreifen, dass wir hier nicht in deutschland sind und es andere gesetze und geflogenheiten gibt. es ist doch jeden sommer das gleiche, viele haben urlaub und sind nicht da, da ist es eben ruhiger und nur weil ein deutscher einwanderer anruft wuerde ich auch nicht meinen urlaub verschieben. es ist einfach so und hat nichts mit keine lust zu tun. wenn es so viel zu nörgeln gibt was macht ihr dann eigentlich hier???

nichts fuer ungut aber das musste ich jetzt mal loswerden, bin nämlich auch in der baubranche tätig und meine leute freuen sich auch wenn sie ihren jahresurlaub nehmen können...


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